
Ich hatte schon vorher diese Art Cartoons oder gezeichneten und getexteten Geschichten (Graphic Novels) berühmter Menschen gesehen. Doch ich muss sagen, bisher hat mir noch kein Buch dieses Genre so gut gefallen wie „Die zweite Entdeckung der Welt“ von Bettina Schary. Das hat zwei Gründe. In ihrer Zeichentechnik nutzt sie mal Schwarz-Weiß-Zeichnungen, mal Farbe, mal einen Stil, der an die japanischen Mangas erinnert und dann wieder einen Comic-Stil, der den französischen Abenteuern von Tintin oder Tim und Struppi, wie sie bei uns bekannt sind, ähnelt. Das macht dieses Buch visuell wunderbar interessant. Der zweite Grund ist ihre teilweise Adaption der Geschichte mit heutiger Technik. So nutzen Humboldt und sein Gefährte Smartphones, haben einen Block, der von ihren Fans verfolgt wird und sie fotografieren und telefonieren natürlich. Langsam, runzeln Sie jetzt nicht gleich die Stirn, es ist so geschickt eingebaut, dass es dieser Lebensgeschichte, die ja Mitte des achtzehnten Jahrhunderts anfängt, nichts Verfälschendes anhaftet. Im Gegenteil, mein Interesse für Humboldt war geweckt. Denn ich hatte außer bei dem Buch von Daniel Kehlmann, Die Vermessung der Welt, nie wirklich Begegnungen, geschweige denn ein Faible für Humboldt. Ganz hervorragend finde ich auch, dass in dieser Graphic Novel die vermutete Homosexualität Alexander von Humboldts ganz natürlich mit eingebaut ist.
Wenn Geschichte so verlockend illustriert und beschrieben wird, dann kann sich jung wie alt daran begeistern und eine Menge lernen. Bravo Frau Schary, ich hoffe, wir sehen noch mehr Lebensgeschichten dieses Genre von Ihnen!
Was man zu diesem Buch wissen muss „Asperger-Syndrom“. Das Asperger-Syndrom ist eine nach dem Kinderarzt Hans Asperger benannte Variante des Autismus. Merkmale sind Besonderheiten und Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie Unterschiede in der Wahrnehmung und Reizverarbeitung, insbesondere sensorische Über- oder Unterempfindlichkeiten. Beeinträchtigt ist vor allem die Fähigkeit analoge Kommunikation wie Gestik, Mimik, Blickkontakt bei anderen Personen auszuwerten oder selbst auszusenden. Das Verhalten von Asperger-Autisten wirkt daher merkwürdig auf andere Personen. Die Intelligenz ist in den meisten Fällen normal ausgeprägt. Doch wird ihr Verhalten von anderen als wunderlich angesehen. Das Asperger-Syndrom kann sogar mit Stärken verbunden sein, etwa in den Bereichen der objektiven, nicht emotionalen Wahrnehmung, der Aufmerksamkeit und der Gedächtnisleistung. Tim Sullivans Auftaktkrimi für seine neue Krimireihe mit einem Kommissar mir Asperger-Syndrom finde ich sehr mutig und gewagt. Doch nach der Lektüre muss ich mich eines Besseren revidieren und habe große Hochachtung vor Tim Sullivan.
Ich benötigte mehr als 2 Wochen und „Zeit und Ruhe“ für Javier Marías letzten Roman. Und auch wenn der Roman im Thriller/Spionage Milieu angesiedelt ist, liest er sich nicht wie ein Blockbuster. Es gibt keine Verfolgungsjagden, wenig bis gar keinen Sex und Gewalt. Die Handlung, so wie sie ist, spielt sich hauptsächlich im Kopf des Erzählers ab. Der Protagonist, Tomás Nevinson hat sein Erwachsenenalter damit verbracht, ein Leben der List und Täuschung zu führen, was die Annahme zahlreicher Decknamen erforderlich machte. Jetzt, in seinen 60ern, blickt er zurück und überlegt, ob sich all dies gelohnt hat. Nevinson ist ein intelligenter Mann; belesen, kulturell vielseitig, introspektiv, nachdenklich, sensibel. Er kann aus dem Gedächtnis – und mehr oder weniger genau – Shakespeare, TS Eliot, Wilfred Owen, WB Yeats und viele mehr zitieren. Was ihn von der ersten bis zur letzten
Im Band zwei der historischen Kriminalromane zwei Kleinkriminellen Gabriel Landow und seinen einarmige Kompagnon Orsini haben sie es mit hochgestellten Persönlichkeiten zu tun bei denen die Angst umgeht. Bankiers werden auf extremere Art und Weise ist Jenseits befördert. Berlin um die Jahrtausendwende beneidet Paris wegen der Weltausstellung die 1900 stattfinden soll. Das Deutsche Reich unternimmt gerade einen Quantenspung in der Modernisierung der Infrastruktur; Telefonkabel und Kanalisation werden erneuert. Bürokratie und Obrigkeitsdenken sind aber fest verankert zumal sich das Reich auf der Seite der Kolonialmächte befindet und die “Mitbringsel“ in Theatervorstellungen der Öffentlichkeit präsentiert. 

Ostern ist gerade vorbei, der Garten muss noch warten, denn ich habe gerade das allerneuste Werk, die allerneuste Lektüre von Elke Nansen, meiner Lieblingskriminalautorin vor mir liegen. Und ich weiß eins schon vorab, auch wenn jetzt die Sonne rauskommen würde, der Garten muss warten: ich muss Elke Nansens „Tödlicher Ostfriesenschwindel“ erst fertiglesen. Genauso war es auch. Eigentlich könnte ich die Rezensionen für die morbiden Ostfrieslandkrimis von Elke Nansen nur abschreiben, immer mit den Worten beginnend, besser kann man es nicht machen! Pünktlich zur Som-mer-, Ferien-, Reisezeit ist die Musslektüre für die Nord- und Ostseeküste, bei gutem Wetter im Strandkorb und bei schlechtem Wetter, nach der ostfriesischen Teestunde, auf dem gemütlichen Zimmer das neuste Buch von Elke Nansen in die Hand zu nehmen und in der Ostfriesischen Landschaft einzutauchen. Begleitet von dem Emdener Krimiteam um Richard Faber, seiner Frau Rike Waatstedt, dem exzentrischen Forensiker Schorlau, Opa Knut und nun auch der kleine Benny. Nicht zu vergessen, die ostfriesischen Originale im ganzen Team der Emdener Kriminalpolizei.
Wenn man der Liebe wegen die Heimat verlässt und in der Fremde sein Glück findet, lässt man sich auch für seine Liebesgeschichte und deren Charaktere etwas Besonderes einfallen – wie Pernille Hughes. Ihrer sterbenden Protagonistin Ally wird die Rolle der Kupplerin zuteil, damit die zwei Menschen, die sie am meisten liebt: Charlie, ihren Mann und Becca, ihre beste Freundin, zueinander finden können. Eine hoch emotionale Geschichte, deren Traurigkeit, Freude und Wut sehr spürbar sind. Mit gefällt, wie sich die Figuren von Charlie und Becca im Verlauf der Geschichte entwickeln, besonders der von Becca, die zum Schluss meine Freundin sein könnte. Und das spricht für die Autorin und deren Fähigkeit Personen zu entwickeln, 