James Hynes: Ich, Sperling

Der Autor Hynes entführt uns nach Novaea Carthago in das 4 Jahruhndert nach Christi. Er lässt einen Sklaven über dessen Leben berichten. Dieser lebt in einer Schänke mit angeschlossem Bordell. Die Schilderungen sind so detailgenau das man förmlich die Gerüche und Geräusche der Kaschemme und der umliegenden Märkte und des Hafen sieht und riecht. Im Gegensatz zu vielen Romanen werden hier keine Helden verehrt sondern Menschen die das Römische Reich zu einem mächtigen Staat gemacht haben. Mit brutaler Genauigkeit wird das Leben von Sklaven und das der bettelarmen Menschen geschildert. Es ist rührend wie sich die „Wölfin“ um den Buben kümmert, obwohl das Leben als Hure in dieser brutalen Umgebung nicht einfach ist. Sklaven haben keine Namen sie werden als das bezeichnet für das was sie sind. Der Junge ist also Pusus, Junge, ein Ding das man nutzen, oder auch verkaufen kann. Weiterlesen

Ellery Lloyd: Der Club

Ellery Lloyd wagt in ihrem neuen Roman einen unerschrockenen Blick auf die Leben und (erstaunlich schlechten) Entscheidungen der Reichen und Schönen, was dazu führt, dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann, selbst wenn die Egos einen aufstöhnen lassen. Aber bei so vielen Geheimnissen, dunklen Geschäftspraktiken und moralischen Dilemmata, die es aufzudecken gibt, spielen die Charaktere, die alle etwas zu verbergen haben, eine untergeordnete Rolle und das ist absolut fesselnd. Das führt zur Frage: wer tötet, um seine Geheimnisse zu wahren?  Vermutlich wirft jeder gern mal einen Blick auf die Leben von Prominenten und Mitgliedern der Gesellschaft und Lloyd hatte offensichtlich viel Spaß beim Schreiben über diese sich Weiterlesen

Ravna, Arktische Rache

RAVNA – Arktische Rache von Elisabeth Herrmann

Die Krimis mit der samischen Polizeistudentin Ravna und Lensman Rune Thor sind immer eine kleine Sensation. Auch der dritte Teil hat es wieder in sich, da es um Ravnas Eltern und ihre eigene Vergangenheit geht. Endlich wird sie verstehen, warum ihre Mutter Hedda so eine harte Frau geworden ist. Was aber dem dritten Teil ein wenig den Reiz nimmt, ist, dass es zu achtzig Prozent in Oslo, der Hauptstadt Norwegens spielt. Mich haben die ersten zwei Teile magisch in den Bann gezogen, weil sie in der Heimat der Samen spielen. Draußen in der arktischen Kälte bei den eigentlichen Ureinwohnern des hohen Nordens.

Dennoch ist ›Arktische Rache‹ spannend, flott und mitreißend geschrieben. Denn wenn immer Ravna mit ihrer Selbstkontrolle, ihrer eher unsicheren Art und Rune Thor, der ohne Rücksicht auf Verluste, wie ein Taifun über Menschen hinwegfegt, zusammentreffen, ist das nächste Verbrechen nicht mehr weit. Hoffentlich dürfen wir noch viel von Ravna lesen und dann hoffentlich wieder bei den Samen hoch oben im Fjell!

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Eske Hicken: Homeless | Interview: Fünf Fragen an die Autorin

Als Eske Hicken 2017 eine berufliche Auszeit nahm und in Portland, USA für eine Organisation, die für Rechte der Obdachlosen kämpft, arbeitete, dachte sie wahrscheinlich nicht, dass sechs Jahre später im Erscheinungsjahr ihres Romans die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen in Deutschland sich so drastisch verändert hätten, dass dieses „homeless-Szenario“ der USA nicht mehr in utopischer Ferne liegt, sondern durchaus vorstellbar ist, dass auch diese „Bewegung“ nach Europa überschwappt. Und auch wenn dieser spannende Roman fiktiver Art ist, sind sicherlich einige der zwölfmonatigen Erfahrungen in die Geschichte eingeflossen. Hicken schreibt klar, sachkundig und verständlich dabei leicht distanziert. Die Protagonisten sind authentisch und gut getroffen:  Helen und Richard, beide Journalisten, die dank der großzügigen Weiterlesen

Matt Basanisi & Gerd Schneider, Skorpion, Thriller

Realität wird zur Fiktion: Hochspannung pur. Du glaubst dieses Buch ist reine Fiktion. Du glaubst so etwas kann in unserer Heutigen für unserer Auffassung rechtstaatlichen westlichen Welt nicht geben. Weit gefehlt denn, wenn sich ein Ex – Kriminalermittler, auch mit Einsätzen im Kosovo, Matt Basanisi und ein (Fast) Priester und Filmemacher Gerd Schneider zusammentun und einen Thriller schreiben, dann kommen Sachen an Licht, die wir nicht für möglich gehalten hätten.  Das Buch liest sich wie ein Film. Faszinierende Hochspannung, basierend auf Aspekten organisierter Kriminalität und Machenschaften aus Politik um Geld, Macht, Einfluss, irrigen Deutungen und Annahmen auf internationalen Ebenen.

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Gisela Stelly Augstein: Der Fang des Tages

Nach der Lektüre von Gisela Stelly Augsteins „Der Fang des Tages“ weiß ich: Richtig Erben ist nichts für Anfänger. Und die Mitglieder der Familien Escher und K. wissen: wer zu diesen Familien gehört, braucht keine Feinde mehr. Denn statt sich an dem zugedachten Erbe und den damit verbundenen Möglichkeiten zu erfreuen, brechen moralische Dämme, machen Bahn für die niedrigsten Instinkte, werden die inneren Raubtiere von der Leine gelassen und Jagd auf das Erbe des anderen gemacht. Es wird gelogen und betrogen (auch um Lug und Betrug aus der Vergangenheit unter dem Teppich zu halten), intrigiert und manipuliert, ge- und bedroht, Allianzen geschmiedet – nicht immer die glücklichsten – und nur wenige bekommen, was ihnen zusteht. Und vielleicht gibt es ja einen gerechten Gott, der in letzter Minute verhindert, dass Gelder ungewisser Herkunft, von einem Weiterlesen

Estella Schweizer, Kochen für die Zukunft

„Wenn sich alle Menschen Weltweit ab heute pflanzlich ernähren, haben wir die Ziele des Pariser Abkommens Morgen erreicht. Und Jeder von uns kann unmittelbar mit jeder Mahlzeit dazu beitragen!“ Weltweit feilen wir an erneuerbaren Energien, geschlossenen Wertschöpfungskreisläufen und emissionsfreier Mobilität. Dabei ist kein technischer Fortschritt so effektiv wie die Ernährungswende der Gesellschaft. Estella Schweizer aus dem Buch.

Hätten sie es gewusst? Nicht der Verkehr 18%, nicht das Wohnen mit Heizen 24%, oder Sonstiges 24%, sondern 34% der umweltbelastenden Emissionen kommen durch unser Essen und belasten unser Klima. Wenn man es genau betrachtet, ist da auch eine gewisse Logik dahinter, über 8 Mrd. Menschen müssen täglichg ernährt werden, das Produzieren von Lebensmittel, mit Dünger, die Tierhaltung, die Verarbeitung, Verpackung und Transport, da kommt schon einiges zusammen. Da ist es doch mehr als angebracht, dass man sein Verhalten versucht umzustellen. Die Beratung und Hilfe sind mit diesem Buch „Kochen für die Zukunft“ gegeben. Kochen für den Klimawandel! Estella Schweizer klärt mit diesem Buch uns auf. Esst saisonal, regional und vegan!

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Susan Sellers: Feuervogel – Eine Bloomsbury Liebesgeschichte

Ich habe Wikipedia bemüht und „Bloomsbury Group“ gegoogelt: …Absolventen der Cambridge University, die sich vor dem Ersten Weltkrieg bis zum 2. Weltkrieg im Londoner Stadtteil Bloomsbury trafen und bedeutsamen Einfluss auf Englands kulturelle Modernisierung hatte. Bekannte Mitglieder waren u.a. Virginia Woolf, die Malerin Vanessa Bell und der Ökonom John Maynard Keynes. Seine Frau, Lydia Lopokova, eine professionelle, russische Balletttänzerin, wurde von den meisten Mitgliedern als Außenseiterin gesehen und so behandelt.

Und diese beiden – John Maynard Keynes und Lydia Lopokova – sind die Protagonisten in Susan Sellers fiktiver Liebesgeschichte „Feuervogel“. Die Autorin malt sich das Leben der gefeierten russischen Weiterlesen

Regen, Ferdinand von Schirach

Das neue Buch von Ferdinand von Schirach besteht aus zwei Teilen. Es ist ein Theatermonolog von knappen 57 Seiten und ein sehr intimes älteres Interview mit der SZ von etwa der gleichen Seitenzahl. Ich musste es zweimal lesen, um die hier und da abschweifenden, doch wie immer ungemein klugen Gedanken zu erfassen. Das Theaterstück ist nicht unbedingt klar strukturiert. Es macht den Eindruck, das der Protagonist angeschlagen, weil, als voreingenommener Schöffe abgelehnt, seinen Gedanken freien Lauf lässt. Bei diesen Gedanken geht es wie immer um die, wie es im Deutschlandfunk genannt wurde, Inbegriffe der Menschlichkeit. Und das Hauptthema ist die Liebe, denn ›Regen‹ hat den Untertitel, ›Eine Liebeserklärung‹. Als bekennender Freund Ferdinand von Schirachs Schriften, seiner Wortgewandtheit und auch der klugen, sanften Provokation mit einem Augenzwinkern, ist auch ›Regen‹ für mich wieder ein Buch, das mich sehr erfreut hat. Wahrscheinlich werde ich es auch ein drittes Mal lesen, bevor ich mir die Lesung auf der Bühne anhöre. Denn die Zwischentöne dieses Autors sind nicht immer beim flüchtigen Überlesen zu sehen oder zu hören.

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Tag der Asche, Jean-Christophe Grangé

Zwar ist dieser Grangé schon ein Jahr alt, doch er kam jetzt als Taschenbuch auf den Markt. Jean-Christophe ist der französische Fitzek oder Baldacci. Seine ersten Bücher wie Die purpurnen Flüsse oder Der Flug der Störche waren unübertroffen und zwischendrin hatte er mal eine sehr brutale Phase, in der ich Schwierigkeiten hatten diesen Autor zu lesen. Doch mit seiner Serie um Commandant Niémans und seine Assistentin Ivana hat Grangé zu seinem alten Stil zurückgefunden. Er führt Niémans und die Leser ins Elsass, der alten Heimat von Niémans und dort zu einer Sekte. Denn in einer alten unscheinbaren Kapelle starb einer der sogenannten Gesandten bei Restaurationsarbeiten. Dass es Mord war, findet der Commandant schnell raus, während Ivana undercover als Lesehelferin auf dem Weingut der Sekte arbeitet. Und das ist auch das Problem, der Wein! Es geht um einen Gewürztraminer, für den die Trauben in wenigen Tagen gelesen werden müssen. Und alle in der Umgebung respektieren die Sekte und ihr Erzeugnis, sodass der Pariser Polizist erst einmal auf eine Wand von Widerstand stößt. Doch bei Grangés Polizisten ist eine Wand kein Hindernis und selten bleibt eine Leiche allein.

Spannender Thriller, der zwar auch wieder so seine blutigen Stellen hat, aber nicht mehr so exzessive Brutalitäten wie in den Vorgängerromanen. Weiterlesen