Schlagwort: Roman

Ken Follett: NEVER – DIE LETZTE ENTSCHEIDUNG; Interview mit Ken Folett

Begonnen hat Ken Follett seine Schriftstellerkarriere dem Bestseller “die Nadel“ der auch verfilmt wurde. Mit seinem neuen Roman hat er wieder ein Thema angepackt das uns fast täglich über die Bildschirme oder die Zeitungen vermittelt wird. Konflikte zwischen Nationen, Menschen und Religionen die mit Hass und Machtwillen ausgetragen werden. Da die meisten Länder sich in Bündnissen befinden, können kleine Konflikte sich schnell zu Flächenbränden oder Weltkriegen entwickeln. Follett nimmt hier einen Konflikt in Afrika und einen in Asien als Thema der realistische Hintergründe hat. Bekannter Manier schraubt er die Spannung immer höher und vergisst auch nicht die menschliche Seite die die Protagonisten in ihrem Handeln beeinflusst. Ist zur letzten Seite dieses Buch hofft man, dass sich die Vernunft nicht der Machthunger durchsetzt. Weiterlesen

Andreas Pflüger: Ritchie Girl

Wieder einmal ist es Andreas Pflüger gelungen einen Roman vorzulegen der in vielfacher Hinsicht besticht. Zum einen hat der Autor eine Unmenge an Daten und Fakten recherchiert und sie in einen Kontext gebracht der für viele eine Überraschung sein wird. Zum andern lässt er uns einen Blick auf ein Deutschland und besonders auf ein Frankfurt am Main und Umgebung werfen der uns in der heutigen schnelllebigen Zeit vielleicht ein Stück innehalten lässt. Auf dem Cover Bild des Buches ist das IG Farbenhaus, das die Universität Frankfurt heute beheimatet, zu sehen. Die IG Farben waren seinerzeit, vor dem Krieg, eng mit anderen multinationalen Firmen verflochten. Geschäfte wurden vor und während des Krieges gemacht. Dabei wurde die Partei der Nationalsozialisten großzügig unterstützt und das Deutsche Reich mit Milliarden gestützt. Diese Verflechtungen und der Vernichtung jüdischen Lebens in Deutschland und in eroberten Gebieten nehmen breiten Raum in diesem Roman ein. Er zeigt ein intensives Bild von außen auf die Jahre 1943-1948 in Deutschland, dass man so selten findet. Weiterlesen

Alex Schulman: Die Überlebenden

Wow! Dieses kleinformatige Buch kommt bescheiden daher, ohne jeglichen Glamour, erweist sich aber als etwas ganz großartiges. Ob Schulman die Landschaft beschreibt oder eine verstörende Szene aus dem Familienleben, seine Sprache entwickelt eine enorme Kraft, ist eindringlich, emotional und faszinierend. Der Autor lässt den mittleren Sohn Benjamin, der es sich zur Aufgabe machte, die Familie zusammen zu halten, aus seiner Sicht auf zwei sich abwechselnden Zeitebenen erzählen: der Vergangenheit und der Gegenwart, die zeitlich rückwärts erzählt wird. Die Empathie des Autors für diese Figur überträgt sich auf mich. Dagegen tue ich mich mit dem Ältesten, dem desinteressiert-klugen Nils und dem kleinen aufgeregt-aggressiven, vernachlässigten Pierre schwerer. Dies ändert sich im Verlauf der Geschichte, als das Bild einer gutbürgerlichen Familie bröckelt. Weiterlesen

Jo Lendle: Eine Art Familie; Interview mit Jo Lendle

Eine Art Familie von Jo Lendle

Acht lange Jahre hat Jo Lendle seine Leserschaft auf ein neues Buch von sich warten lassen, aber es hat keine 2 Seiten gebraucht und ich bin abgetaucht in die die Geschichte „Eine Art Familie“. Nicht nur, weil sie spannender als mancher Krimi ist, sondern weil der Auto mit seiner elegant-schlanken Sprache eine atmosphärische Dichte erzeugt, die man nur genießen kann. Jo Lendle trifft scheinbar mühelos mit dezenten sprachlichen Mitteln den Ton der frühen Jahre des letzten Jahrhunderts, ohne dabei antiquiert, bemüht oder verstaubt zu wirken. Der Autor, selbst Teil der Familie seiner Romanfiguren, wahrt dennoch zu ihnen die gebotene schriftstellerische Distanz. Er urteilt nicht. Er rechnet nicht ab. Trotz des „Sicherheitsabstandes“ spürt man die Sympathie für seine Protagonisten, besonders für Alma, die eigentlich gar keine Verwandte ist, aber ihren Platz in dieser „Eine Art Familie“ hat. Es entsteht ein kulturell-humanistisch geprägtes Portrait des Bildungsbürgertums des letzten Jahrhunderts. Weiterlesen

Tom Saller: Julius oder die Schönheit des Spiels

Ab der ersten Seite bin ich dank der bildhaften, schönen Sprache im Roman drin und freue mich über das Lesevergnügen. Die Geschichte um den Tennisspieler Julius von Berg erinnert gewollt an das Leben vom Gottfried Freiherr von Cramms. Tom Saller bedient sich dreier Erzählebenen: Julius erzählt im Präsens in der Ich-Form von den ersten zwanzig Lebensjahren. Der einstige Rivale versucht im Jahr 1984 rückblickend die Ereignisse der damaligen Zeit aufzuarbeiten und stellt sich seinen Schuldgefühlen. Ab 1938 erzählt Julius über seine Inhaftierung in Berlin in Tagebuchform. Zum Ende des Romans hin sind die Erinnerungen des einstigen Rivalen an den Umfang der jeweiligen Tagebucheintragung angepasst, so dass der Eindruck eines Ballwechsels im Tennismatch entsteht und die Spannung erhöht.  Durch diese Gegenüberstellung wird einerseits die Allgemeingültigkeit von Werten wie Ehre, Moral, Respekt verdeutlicht und zeigt andererseits, dass Menschen mit fremden kulturellen Hintergründen oder einer Sexualität, die nicht der Norm entspricht, auch einhundert Jahre später immer noch Repressalien ausgesetzt sind. Weiterlesen

José Eduardo Agualusa: Barroco Tropical

Immer wenn sich die Redaktion aufmacht exotische Schriftstellerinnen und Schriftsteller kennen zu lernen, trifft man auf Bücher des Unionsverlag. So ja auch das vorliegende Werk „Barroco Tropical“. Angola, ist zunächst für uns Mitteleuropäer ein unbekanntes Terrain. Hier schließt der Autor uns ein Tor auf und lässt uns in das Herz des schwarzen Afrika blicken. Durch die Augen, der Autor schildert aus vielerlei Perspektiven das Leben, die Liebe, die Korruption und die Menschen in diesem Teil der Welt. Es ist bunt, geradezu grell, chaotisch, spiritistisch und manchmal unbegreiflich was in diesem Teil der Welt vorgeht. Sinnbildlich dafür steht der Ausspruch eines alten Einwohner Angolas: Ihr Europäer beschreibt wie Regen fallen kann, wir Angolaner reden mit dem Regen. Weiterlesen

Ta-Nehisi Coates: The Beautiful Struggle – Der Sound der Strasse

The Beautiful Struggle von Ta-Nehisi Coates

THE BEAUTIFUL STRUGGLE ist eine bewegende Vater-Sohn-Geschichte über die Herausforderungen der gesellschaftlichen Realität, in die wir hineingeboren werden, und über die Liebe, die uns davor beschützt. Die Einblicke, die Ta-Nehisi Coates mir in seine von Rassismuserfahrungen, Gewalt, Drogen und Bandenkriminalität geprägte Kindheit und Jugend gewährt, haben mich teilweise erschüttert, aber auch berührt. Das Baltimore dieses Heranwachsenden ist nichts für schwache Nerven und weist keine Gemeinsamkeiten mit dem Baltimore auf, dass ich in den 80igern kennenlernte. Überhaupt erscheint mir die Geschichte weit weg, hallt aber enorm in mir nach und lenkt gleichzeitig den Blick auf die Situation im eigenen Land, legt die Parallelen frei und bekommt dadurch Allgemeingültigkeit. Dank des sehr ausführlichen Namen- und Begriffsglossars von Julian Brimmer kenne ich jetzt Wörter, nach denen ich mich bislang nicht getraut habe zu fragen. Dass der Weg des Autors nicht in die Kriminalität führte, sondern er es bis nach Harvard schafft, ist an sich schon eine Lebensleistung. Weiterlesen

Lilli Gruber: Der Verrat

Mit „Der Verrat“ von Lilli Gruber liegt der letzte Teil der Südtiroler Familientrilogie vor. Vorausgegangen waren „Das Erbe“, in dem die über die Grenzen Italiens hinaus bekannte Autorin und ehemalige Abgeordnete im Europäischen Parlament den Spuren ihrer Familie folgt, während „Der Sturm“, die Kriegsjahre ihrer Familie und Südtirols beleuchtet und die Zerrissenheit zwischen Separatismus und Zusammenhalt aufzeigt. In „Der Verrat“ stehen die 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts im Fokus. Man merkt, hier ist eine Zeitzeugin und überzeugte Europäerin am Werk, die von ihrer Verwurzelung in der Heimat angetrieben, aufzeigt, wie in einem europäischen Land die entscheidenden Weichen gestellt werden für eine friedliche gemeinsame Zukunft. Weiterlesen

Bert Wagendorp: Tanz um die Wahrheit

Tanz um die Wahrheit von Bert Wagendorp

Ein Roman, der in den Niederlanden spielt, hat das Thema Wahrheit im Mittelpunkt seiner Handlung. Ein Kolumnist einer führenden Zeitung will seine Leser darüber informieren dass der Geheimdienst Pressemeldungen lanciert hat. Er ist aber absolut verwundert darüber, dass die Leserschaft die Zeitung verhöhnt und die Zeitung abbestellt. Der Autor geht auch der Frage nach, wie viel Wahrheit kann ich dem Leser zumuten. Kann man die Wahrheit veröffentlichen obwohl sie für einige Menschen gefährlich wird? Wie stelle ich fest wann Politiker die Wahrheit oder Teile davon mitteilen oder von etwas gewusst haben? Aus diesen ganzen Fragen macht der Autor ein spannendes Romanwerk das in der heutigen Zeit von FakeNews geradezu zum Nachdenken zwingt. Neben dieser Handlung, schildert uns der Autor eine Familiengeschichte die wohl nur in den Niederlanden passieren konnte. Weiterlesen

Susanne Abel: Stay away from Gretchen

Der Kölner Nachrichtenmoderator Tom Monderath macht sich Sorgen um seine 84-jährige Mutter Greta, die mehr und mehr vergisst. Als die Diagnose Demenz im Raum steht, ist Tom entsetzt. Bis die Krankheit seiner Mutter zu einem Geschenk wird: Erstmals in ihrem Leben erzählt Greta von sich – von ihrer Kindheit in Preussisch Eylau mit den geliebten Großeltern, Der Flucht vor den russischen Soldaten im eisigen Winter, ihrer Begegnung mit dem GI Robert Cooper in Heidelberg. Ist das der Schlüssel, um Gretas Traurigkeit zu verstehen, die auch Toms Kindheit überschattet hat? Als Tom auf Briefe und Bilder aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg stößt, kommt er einem unglaublichen Geheimnis auf die Spur. Wer ist das kleine Mädchen auf dem Foto, das Greta wie einen Schatz hütet? Mehr und mehr erkennt Tom, dass auch sein Lebensglück mit der Vergangenheit seiner Mutter verknüpft ist … Weiterlesen