Kategorie: Buchbesprechungen

Madeleine und Florian Ankner: Apfelküche

Zitat vom Vorwort: Der Anblick eines Apfels weckt unsere schönsten Kindheitserinnerungen: Auf Bäume klettern, in saftige Früchte beißen und das Leben genießen. Meine Version: durch das Dorf streunen, schauen wo es schon reife Früchte gibt und sich daran laben.

Auch ich hatte das Glück auf dem Land in einem ganz kleinen Ort aufzuwachsen. Als Kinder spielten wir Sommer, wie Winter nur draußen. Fernseher kamen gerade erst auf. Wir gehörten zum Ort und alle Gärten standen uns offen. Wir konnten es kaum erwarten die ersten Kirschen zu Stibitzen, die ersten Mirabellen, dass sie reif wurden, die Pflaumen und Zwetschgen. Und dann ab August der erste Augustapfel. Wir Kinder kannten ihn nur als Augustapfel. Heute weiß ich, dass er Klarapfel heißt. Den musste man immer frisch vom Baum essen, wurde er zu alt, war er mehlig. Weiter in den Herbst hinein von Cox Orange, Gravensteiner bis hin zum Boskoop. Mein Großvater kannte alle Apfelsorten. Irgendwann war es Schluss mit dem Pflücken am Baum. Der Rest wurde eingelagert und unsere Mutter hat uns bis ins Frühjahr hinein die verschrumpelten Äpfel geschält Weiterlesen

Terror – Das Recht braucht eine Bühne, Bernd Schmidt (Hrsg.)

Terror – Das Recht braucht eine Buehne von

Terror, das Bühnenstück von Ferdinand von Schirach hat sich zu einem der erfolgreichsten neuen deutschen Theaterstücke entwickelt. Denn es versucht den Menschen Denkanstöße zu geben, ob die Moral über das Recht gestellt werden kann und welche Auswirkungen das haben könnte.

Ein viel diskutiertes Stück bei Kritikern, Theaterwissenschaftlern, Politikern, der Bundeswehr, Philosophen, Juristen, Lehrern und vor allem dem Publikum. Sogar in Schulen wird das Theaterstück aufgegriffen, um bei den jungen Menschen einen Diskurs über das Recht und das Rechtsempfinden der Menschen anzuregen. In diesem Arbeitsbuch wurden Hintergründe, Essays, Analysen und auch Ferdinand von Schirachs Festrede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele 2017 abgedruckt.

Für Schirach Kenner ist diese Zusammenstellung ein zusätzliches Bonbon mit höchst interessanten Debatten und Ansichten. Man sollte jedoch das Theaterstück wenigsten gelesen haben, um die Diskussionen in dem Buch verfolgen zu können. Sehr geeignet auch für Lehrer, die Terror in ihren Klassen durchnehmen möchten.

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Elke Nansen: Tödliches Wattenmeer, Ostfrieslandkrimi

Der Herbst ist da, die Abende werden immer länger. Und wer hat macht sich den Kamin an. Da passt es genau, dass der 9. Band von Elke Nansen erschienen ist. Aber auch schon sehnsüchtig erwartet. „Tödliches Wattenmeer. Wie alle Krimis von Elke Nansen lassen sich diese sehr gut lesen. Sie sind voller Spannung, Irrungen und Wendungen. Man fiebert mit den Personen mit und ist doch überrascht von der nicht zu erwarteten Lösung. Frau Nansen muss Ostfriesland lieben, denn die detailgenauen Beschreibungen lässt einen an den Orten mitleben. Weiterlesen

Benjamin Moser: „Sontag – Die Biographie“

Gastrezension: Dr. Ulrike Bolte

In seiner fulminanten Biographie bringt uns Benjamin Moser anhand von Tagebuchaufzeichnungen und Aussagen von Freunden und Zeitgenossen das Leben der Essayistin, Publizistin, Romanschriftstellerin und Theaterregisseurin Susan Sontag nahe. Die Jury des renommierten Pulitzerpreises begründete ihre Wahl folgendermaßen: „Ein richtungsweisendes Werk, erzählt mit Pathos und Anmut, die das Genie und die Menschlichkeit der Schriftstellerin mit all ihren Abhängigkeiten, sexuellen Ambiguitäten und volatilen Leidenschaften einfangen“. Weiterlesen

Der rote Apfel, Mi-Ae Seo

Der rote Apfel von Mi-Ae Seo

Es stimmt schon, wenn die Pressestimmen von der koreanischen Antwort auf Das Schweigen der Lämmer sprechen. Vieles erinnert bei der Befragung des Serienmörders Lee Byongdo an die Filmszenen. Jedoch geht es in dem Buch viel mehr um die spannende Frage, warum wurde der Mann zum Serienmörder? Was kann einem Kind passieren, dass es anfängt zu töten? Eine gruselige Vorstellung, denn die Kriminalpsychologin Sonkyong versucht nicht nur dem im Todestrakt sitzenden Mörder seine Geheimnisse zu entlocken. Viel mehr versucht sie die Tochter aus der ersten Ehe ihres Mannes zu verstehen. Das elfjährige Mädchen ist verstört durch den Tod ihrer Mutter und den plötzlichen Tod ihrer Großeltern. Jetzt muss die junge Kriminalpsychologin auch noch eine Mutter für das eigenartige Kind, Hayong, werden. Das Grausame an diesem Thriller ist, wie die Psychologin anfängt den Serienmörder zu verstehen und dabei immer mehr Parallelen zu ihrer Stieftochter ziehen muss.

Ein guter Thriller, der für Europäer bestimmt am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig. Denn im Schreibstil sowie in den Beschreibungen ist sehr viel Koreanisches. Und das ist auch gut so, das gibt diesem Thriller erst den Kick!

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Adventzeit in der Valerie Lane, Manuela Inusa

Nun ist sie wieder da. Egal ob eine Pandemie herrscht und wie hektisch auch das Leben heutzutage sein mag, der Winter kommt bestimmt. Und mit ihm eine der schönsten Zeiten des Jahres: die Adventszeit.

Manuela Inusa hat mit ihren romantischen Liebesromanen über die kleinen Läden der Valerie-Lane in Oxford viele Leserinnen begeistert. Jetzt zur schönsten Jahreszeit kommt ein Adventzeit-Band aus der romantischsten Straße der Welt. Dort finden wir Bastel-, Back-, Tee- und Dekorationsideen von den Heldinnen ihrer Bücher aus der Valerie Lane.

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Die Annonce, Marie-Hélène Lafon

Das Buch Die Annonce gehört definitiv zur anspruchsvollen Literatur. Auch wenn die Geschichte so alt ist wie die Gesellschaft. Sie erzählt von der Not, der Qual, den Ängsten, Vorurteilen und auch Schuld einer Gruppe von Menschen, die versucht haben, ihr Leben so gut wie möglich zu meistern. Doch für zwei von ihnen ist der Zeitpunkt gekommen endlich etwas zu verändern, einem Zwang, einer Vergangenheit und vorbestimmten Zukunft zu entfliehen. Deshalb gibt der sechsundvierzigjährige Auvergne Bauer Paul eine Annonce auf:

„Landwirt, sanft, sechsundvierzig, sucht junge Frau, die das Land liebt.“

Und so kommt die aus erster Ehe völlig geschundene Annette mit ihrem elfjährigen stillen Kind Éric nach Fridières ans Ende der Welt. In Pauls Haus, das jedoch noch von seinen beiden alten Onkeln und seiner verhärmten zur Boshaftigkeit neigenden Schwester Nicole bewohnt wird.

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Michael Wallner: Shalom Berlin: Sündenbock

Es ist der 2. Fall des Staatsschützers Alain Liebermann in Berlin. Während des ersten Falles ging es um antisemitische Angriffe auf einen Berliner jüdischen Friedhof und eine jüdische Journalistin. Ein Topthema das heute auch aktuell ist. Der nunmehr vorliegende zweite Fall spielt im Politikmilieu und trägt auch Züge der heutigen politischen Landschaft. Es werden auf die deutsche Verteidigungsministerin Attentate begangen, die jedoch zunächst nicht ihr Ziel finden. Der Täterkreis ist nicht näher zu ermitteln. Bei jedem Attentatsversuch werden Polizisten aus dem Sicherheitsdienst verletzt oder getötet. Liebermann, tut sein Bestes und geht an seine Grenzen. Nachdem seine hocheitrige Tante schwer erkrankt, muss er über seine Leistungsgrenze gehen. Spannende Kriminalromane, die die gegenwärtige politische Lage und den Zustand der Bundesrepublik Deutschland widerspiegeln. Weiterlesen

GOTT, Ferdinand von Schirach

GOTT von Ferdinand von Schirach

Ein kerngesunder 78 Jahre alter Mann will nach dem Tod seiner Frau, mit der er 42 Jahre verheiratet war, nicht mehr leben. Er hat sich für seinen Suizid entschieden und beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eine tödliche Dosis Natrium-Pentobarbital beantragt. Ein Medikament, das in anderen Ländern von Sterbehilfeorganisationen eingesetzt wird. Das wurde abgelehnt, daraufhin wandte er sich an seine Ärztin, die keine Beihilfe zum Suizid leisten möchte und auch aufgrund des ärztlichen Ethos ihre Zweifel hat. Ein Ethikrat erörtert den Fall mithilfe eines medizinischen, eines theologischen und eines Rechts-Sachverständigen. Eine rein ethische Entscheidung steht an, die bei diesem Theaterstück mal wieder das Publikum treffen muss.

Genau wie bei dem Theaterstück Terror, überlässt Ferdinand von Schirach wieder dem Leser bzw. dem Publikum die Entscheidung. So stößt der Autor einen komplexen, moralphilosophischen Denkprozess an. Vor allem, weil das Bundesverfassungsgericht die rechtliche Situation endlich im Februar 2020 geklärt hat. §217 des Strafgesetzbuches wurde als verfassungswidrig erklärt.

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