Kategorie: Buchbesprechungen

Oliver Pötzsch: Das Buch des Totengräbers, Ein Fall für Leopold von Herzfeldt

Es gibt es tatsächlich, das Buch des Totengräbers. Es hieß Almanach für Totengräber und hat bahnbrechende Erkenntnisse über die Stadien der Verwesung bei Toten aufgeschrieben. Es wurden auch Teile aus dem Handbuch der medizinischen Polizei von 1848 aufgenommen. Diese Erkenntnisse gelten heute noch in der Forensik. Der Autor hat diese Versatzstücke manchen Kapiteln voraus gestellt und zum Anlass genommen, einen fiktiven Kriminalfall zu entwickeln. Es gelingt ihm die morbide Umgebung, nämlich dem Wiener Hauptfriedhof und seinen über zwei Millionengräbern hautnah zu schildern. Auch die judenfeindliche Atmosphäre in der Vielvölkerstadt wird recht deutlich geschildert. Durch die wirtschaftlichen Verhältnisse entsteht eine große Kluft zwischen Arm und Reich und damit einhergehend die Vorstellung der reichen Menschen die absolute Macht über den anderen Teil, den größeren Teil, zu besitzen. In der Figur des Ermittlers der eine Affinität zu neueren Techniken, wie der Fotografie, hat, ist dem Autor ein Sympathieträger gelungen. Weiterlesen

Elisabeth Herrmann: Zartbittertod

In der deutschen Geschichte, gab es auch eine Zeit des Kolonialismus. Das Kaiserreich hat im heutigen Namibia einheimische Völker vom Stamm der Hereros aus deren vertrieben. Es ging um die Ansiedlung von deutschen Farmern. Jahrelang führte Auseinandersetzungen führten nun dazu dass die Bundesrepublik Deutschland diesen Genozid als Völkermord anerkannt hat und bereit ist, Entschädigungen zu zahlen. Die Autorin hat diese Geschichte recherchiert und sie fiktiv mit zwei Familien verknüpft. Die Enkelin, der ein Bild in der elterlichen Chocolaterie aufgefallen ist, auf der ein kleiner schwarzer Junge neben einem großen Schokoladennashorn abgebildet ist, stellte Fragen dazu. Die dazu gehörige Geschichte bildet den fiktiven Rahmen des Romans, der spannend und gut zu lesen ist. Weiterlesen

Tochter des Geldes, Eveline Hasler

Vor dem Ersten Weltkrieg geboren, wächst Mentona Moser in einem unglaublich reichen Haushalt auf. Nichts Geringeres als ein Schloss am Zürichsee musste es für ihre Mutter sein, die junge Witwe des Uhrenfabrikanten. Doch trotz all des Geldes ist die Kindheit mit ihrer Schwester Fanny alles anderer als glücklich. Die Mutter eine harte, unnachgiebige Frau reißt jeden lieb gewonnenen Menschen aus dem Leben ihrer Töchter. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie ihre Tochter Mentona verabscheut. Doch das bodenständige Fräulein findet Trost in der Natur und daran, benachteiligten Menschen zu helfen. So entdeckt sie ihre Profession in den Elendsvierteln von London, bis das Schicksal sie selbst ans Hungertuch bringt. Daraus erwächst ihr Wunsch für soziale Gerechtigkeit. Als Gründungsmitglied der kommunistischen Partei in der Schweiz wird ihr unbeugsames Leben als Feministin und Revolutionärin erzählt.

Eine spannende, gut erzählte Lebensgeschichte, die Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts sowohl aus der Sicht einer Frau als auch einer Kommunistin alles anderer als gewöhnlich.  Weiterlesen

Milchstraße, Alexandre Hmine

Unverheiratet, viel zu jung und schwanger. Sie kann nicht in Marokko bleiben und geht in die Schweiz. Dort wird ihr Sohn der Icherzähler geboren. Er wächst auf bei der alten Witwe Elvezia, in einem kleinen Bauerndorf. Sie spricht Dialekt und klappert mit ihren Holzschuhen durchs Haus. Von ihr bekommt er Geborgenheit, heiße Schokolade und ein Zuhause. Erst als seine Mutter ihn mit zu seiner Familie nach Marokko nimmt, wird es sich des Zwiespalts und seiner Wurzellosigkeit bewusst. Plötzlich soll er Arabisch lernen und darf am Religionsunterricht nicht mehr teilnehmen. Zwischen zwei Welten verliert sich der Jugendliche und sucht seinen Platz. Alexander Hmines Schreibstil wirkt wie Momentaufnahmen, die kurz eine Szene ausleuchten, um dann zur Nächsten zu springen. Es liest sich eher wie ein Drehbuch, doch genau diese Art zu erzählen, fängt den Zwiespalt des Jungen auf. So hin- und hergerissen, wie er ist, beschreibt er sein Leben. Für den Leser gewöhnungsbedürftig, doch genial.

Weiterlesen

Otto Geisel u. Joachim Schmeisser: Wein & Genuss in Südtirol

Ein Wort in eigener Sache. Nebenbei bewerte ich Wein-, Koch-, Genussbücher. Wenn ich ein außerordentliches Buch dabeihabe, erlaube ich mir darüber eine Rezension zu schreiben, um sie, liebe Leser auf etwas ganz Besonderes hinzuweisen. Was hier die beiden Autoren Otto Geisel und Joachim Schmeisser zusammengestellt haben „40 herausragende Winzer und ihre kulinarischen Lieblingsorte“ ist exceptionell.

Otto Geisel entstammt einer großen Gastronomenfamilie. Erst während seiner Kochausbildung begann er sich für Wein zu interessieren. 1999 wurde er als erster Sachverständiger in Deutschland für die Bewertung von Wein öffentlich bestellt und vereidigt. 2007 kürte ihn der Gault & Millau zum Restaurateur des Jahres. Er ist unter anderem Weinkritiker, Fachbuchautor rund um das Thema Kulinarik & Wein, Initiator des Bachelor-Studiengangs Food Management und Organisator des Internationalen Eckart Witzigmann Preises, zuletzt Paris, New York und Wien. Als deutscher Slow-Food-Vorsitzender initiierte er die Stuttgarter Messe „Markt des guten Geschmacks“. Seine zweite Heimat ist Südtirol. Dort gilt er als Kenner der kulinarischen Szene und Weinwelt.

Weiterlesen

Philip Gwynne Jones: Das venezianische Spiel

Den Älteren unter uns Lesern ist sicherlich noch die englische Fernsehkrimiserie „Mit Schirm, Charme und Melone“ bekannt. Damals als es nur 2 Fernsehsender gab, ARD und ZDF, waren die Sendungen Straßenfeger: Wie der Titel schon sagt „Mit Schirm, Charme und Melone“ verkörperte Steed der Hauptprotagonist eine Detektivrolle immer gut gekleidet, mit Melone und einem Schirm. Seine Partnerin Emma, sah nicht nur gut aus, sondern brachte den Charme, den Esprit in die Serie. Als ich das Cover von diesem Buch las „Das venezianische Spiel“ – „Britischer Gentleman – Charme und italienische Dolce Vita“ habe sofort an die Krimiserie gedacht und auch einiges in der Hauptfigur von Philip Gwynne Jones wieder gefunden. Weiterlesen

Sabine Hofmann: Trümmerland

Wenn man Nachrichten schaut, und die Zerstörung von Städten, Häusern und Straßen sieht ist man betroffen. Zusammen mit diesem vorliegenden Roman kann man aber erahnen was die Menschen die dort gelebt haben oder leben durchmachen müssen. Es wird nachvollziehbar was man aus wenig machen kann und zu was es Menschen zwingt um ihr Überleben zu ermöglichen. Schwarzhandel, Lug und Betrug sind an der Tagesordnung. Im Fall des Nachkriegsdeutschland kommt noch hinzu, dass das zwischenmenschliche Verhältnis extrem zerstört ist. Niemand traut einander und man ist von denen, denen man getraut hat enttäuscht. Der vorliegende Roman ist auch die Schilderung des Lebens unserer Großväter. Weiterlesen

Wedding sehen und sterben, Heiko Werning

Man muss nicht unbedingt ein Berlinfan sein, um die Geschichten von Heiko Werning aus dem Wedding zu lieben. Der Autor ist ein grandioser Beobachter und erzählt seine Anekdoten mit so viel Witz und Herz, dass man das Buch gar nicht aus der Hand legen möchte. Seine Weddinger Mitmenschen sind liebevoll beschrieben und zum Schreien komisch, sodass man sich fast wünscht, ein Teil von ihnen zu werden. Obwohl er kein Blatt vor den Mund nimmt, ist Heiko Werning nie spöttisch oder gar sarkastisch. Er ist einfach nur ein unglaublich begabter, netter und witziger Beobachter.

Wenn Vladimir Kaminer gekonnt voller Humor über seine russischen Mitbewohner erzählt, kann Heiko Werning mit seinen Geschichten über die Weddinger Originale definitiv mithalten. Kein Wunder, dass auch Frank Goosen von ihm sagt: »Das ist so witzig und genau beobachtet, dass man es gerne selbst geschrieben hätte.«

Ein Buch, das viel Spaß macht und einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert!

Weiterlesen

Wie geht Politik? Spannende Antworten auf echte Kinderfragen. Ab 9 Jahre

„Du sag mal, wie geht Politik?“, wenn man das von einem Kind gefragt wird, kann es schwierig werden. Wie erklärt man Politik? Da kommt man dann vom Hundertsten ins Tausendste. Bundeskanzler, Bundespräsident, Organe, Demokratie, Parteien, Wahlen, die EU und was haben Kinder damit zu tun, oder auch nicht? Und wenn man all die Antworten hat, kann man es einem Kind vermitteln, ohne dass es nach der ersten Erklärung abwinkt und gelangweilt ist? Dabei ist es doch so wichtig, dass Kinder gerade auf diese Frage eine gute Antwort bekommen.

Alles andere als langweilig erklärt das Buch „Wie geht Politik“ für Kinder ab 9 Jahre dieses Thema. Spannende Antworten auf echte Kinderfragen. Für ein Kindersachbuch bekommt es von mir das Prädikat: sehr wertvoll.

Weiterlesen

Katharina Peters: Bornholmer Falle

Sarah Pirohl, Kriminalbeamtin aus Rostock, hat sich nach Bornholm als Verbindungsbeamtin Dänemark – Deutschland versetzen lassen. Anlass war ihr letzter sehr spektakulärer und persönlicher Fall, bei dem sie ihren eignen Vater hinter Gitter bringen musste. Aber erst nachdem ihre Mutter das Schweigen gebrochen hatte. Auf Bornholm möchte sie von den persönlichen Geschehnissen Abstand gewinnen. Doch die Autorin Katharina Peters hat mehr mit ihr vor. Durch die authentische Dichte erhält der Roman seine besondere Intensität.

 

Weiterlesen