Tochter des Geldes, Eveline Hasler

Vor dem Ersten Weltkrieg geboren, wächst Mentona Moser in einem unglaublich reichen Haushalt auf. Nichts Geringeres als ein Schloss am Zürichsee musste es für ihre Mutter sein, die junge Witwe des Uhrenfabrikanten. Doch trotz all des Geldes ist die Kindheit mit ihrer Schwester Fanny alles anderer als glücklich. Die Mutter eine harte, unnachgiebige Frau reißt jeden lieb gewonnenen Menschen aus dem Leben ihrer Töchter. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie ihre Tochter Mentona verabscheut. Doch das bodenständige Fräulein findet Trost in der Natur und daran, benachteiligten Menschen zu helfen. So entdeckt sie ihre Profession in den Elendsvierteln von London, bis das Schicksal sie selbst ans Hungertuch bringt. Daraus erwächst ihr Wunsch für soziale Gerechtigkeit. Als Gründungsmitglied der kommunistischen Partei in der Schweiz wird ihr unbeugsames Leben als Feministin und Revolutionärin erzählt.

Eine spannende, gut erzählte Lebensgeschichte, die Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts sowohl aus der Sicht einer Frau als auch einer Kommunistin alles anderer als gewöhnlich. 

Eveline Hasler studierte Psychologie und Geschichte und war später als Lehrerin tätig. Sie lebt heute als freie Schriftstellerin im Tessin, Schweiz. Neben Büchern für Kinder schreibt die renommierte Autorin auch Romane für Erwachsene, die ebenso wie ihre Kinderbücher vielfach mit Preisen ausgezeichnet wurden. 1994 erhielt sie für ihr literarisches Gesamtwerk den Droste-Preis.

Steinreiches Bürgertum, erworbener Adelstitel, ein Schloss am Zürichsee und Patientin bei Siegmund Freud, das ist die Freiherrin Moser Sulzer-Wart. Eine Frau, die ihren fast vierzig Jahre älteren Mann in dem Moment verliert, als ihre zweite Tochter geboren wird. Und so liegt über dem Kind Mentona ein schlechtes Omen. Die Mutter ist kaltherzig, geizig und hysterisch, wie Freud prognostiziert. Nicht nur als Kind und Jugendliche leidet Mentona unter den Eskapaden ihrer Mutter. Auch als Mentonas späterer Ehemann sie mit zwei kleinen Kindern verlässt, von denen auch noch eines sehr krank ist, unterstützt ihre reiche Mutter sie nicht. So lernt Mentona, was es bedeutet in Armut zu leben. Dabei ist es für sie nichts Neues, denn schon immer hat sie sich um das Elend der Arbeiter gekümmert. Dabei war medizinische Versorgung, Verhütung und die Betreuung der Straßenkinder ihr Anliegen. So lernt sie Fritz Platten kennen, der Lenin zurück nach Russland brachte und ihm das Leben rettete. Sie wird Gründungsmitglied der kommunistischen Partei der Schweiz. Mit einem harten Leben zwischen Moskau, der Schweiz, Berlin und am Ende in der DDR, verlor sie nie den Glauben an die soziale Gerechtigkeit und dem Sieg des Kommunismus.

Was der Deutschlandfunks Kultur zu diesem Buch sagte, fasst es am besten zusammen: „Eine atemberaubende Biografie, die zu einem lesbaren Dokumentarroman geworden ist.“

Tochter des Geldes, Eveline Hasler, Dtv Verlatg, Taschenbuch, Seiten 287, ISBN: 978-3-423-14789-7, Euro 11,90.

 

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