Wedding sehen und sterben, Heiko Werning

Man muss nicht unbedingt ein Berlinfan sein, um die Geschichten von Heiko Werning aus dem Wedding zu lieben. Der Autor ist ein grandioser Beobachter und erzählt seine Anekdoten mit so viel Witz und Herz, dass man das Buch gar nicht aus der Hand legen möchte. Seine Weddinger Mitmenschen sind liebevoll beschrieben und zum Schreien komisch, sodass man sich fast wünscht, ein Teil von ihnen zu werden. Obwohl er kein Blatt vor den Mund nimmt, ist Heiko Werning nie spöttisch oder gar sarkastisch. Er ist einfach nur ein unglaublich begabter, netter und witziger Beobachter.

Wenn Vladimir Kaminer gekonnt voller Humor über seine russischen Mitbewohner erzählt, kann Heiko Werning mit seinen Geschichten über die Weddinger Originale definitiv mithalten. Kein Wunder, dass auch Frank Goosen von ihm sagt: »Das ist so witzig und genau beobachtet, dass man es gerne selbst geschrieben hätte.«

Ein Buch, das viel Spaß macht und einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert!

Autorenfoto: ® Privat Heiko Werning

Heiko Werning, geb. 1970 im westfälischen Münster, wohnt seit 1991 in Berlin-Wedding, ist Reptilienforscher aus Berufung, Froschbeschützer aus Notwendigkeit, Schriftsteller aus Gründen und Liedermacher aus Leidenschaft. Er liest seine Texte regelmäßig bei der Berliner “Reformbühne Heim & Welt” und den agilen Weddinger “Brauseboys” vor, unterhält in Münster und Berlin eine Reihe mit dem bescheidenen Titel “Weltstars privat”, schreibt für die taz den Blog “Reptilienfonds” und für die Titanic Kurztexte und Briefe an die Leser, und wenn man ihn lässt, setzt er sich auch mal ans Klavier und singt dazu.

Ob es um den Türkischunterricht an der Schule seines Sohns geht, den Paketboten, der zum guten Bekannten wird, nur weil man im Erdgeschoss wohnt und von zu Hause arbeitet oder um die Weddinger Rentner im Freibad Seestraße. Alle sind in den Erzählungen getroffen, ohne den Finger mahnend zu heben oder etwa spöttisch zu werden. Denn Heiko Werning geht unvoreingenommen durch seine Nachbarschaft und nimmt die Situation erst einmal so, wie sie ist. Da leben ganz verschiedene Menschen miteinander und er und seine Familie mittendrin. Wenn man mit so viel Menschenliebe durch die Gegend läuft, braucht man nicht nörgeln und beanstanden. Lieber sich ein wenig wundern und mit einem humorvollen Augenzwinkern etwas dazulernen.

Und genau diesen Eindruck hinterlassen seine Zeilen. Da wird das Zusammenleben mit den nervigen Mitmenschen plötzlich zum Event und selbst über die zweite Corona-Welle kann man bei ihm auch mal schmunzeln.

Gönnen Sie sich Heiko Wernings Beschreibungen aus dem Wedding, um besonders in diesen Zeiten richtig Lachen zu können.

Wedding sehen und sterben, Heiko Werning, Tiamat Verlag, Taschenbuch, Seiten 208, ISBN 978-3-89320-261-4, Euro 16,00.

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