Ferdinand von Schirachs Gedanken, in seiner neuen Kurzgeschichtensammlung, »Der stille Freund« ähneln dem Buch, »Kaffee und Zigaretten«. Dieses Mal jedoch eher subtiler und, wie es mir scheint, persönlicher. Er spricht zum Beispiel über den Tod mit der Stimme einer totkranken Freundin, was ich an der Stelle zitieren möchte: Den Tod darf man nicht zu ernst nehmen. Wenn man verzweifelt ist, stirbt man. Wenn man nicht verzweifelt ist, stirbt man. Besser also, man ist nicht verzweifelt. Oder er führt den Lesern, in seiner kleinen Erzählung über seinen stillen Freund Massimo, die Unfähigkeit der Menschheit vor Augen, aus Geschichte und Erfahrung irgendetwas lernen zu können. Handfester wird dann schon die Geschichte, »Wirklichkeit und Wahrheit«. Vom Stil her eher eine Zusammenfassung von Ereignissen zum Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober 2023 auf israelische Zivilisten. Es geht um die Geiseln, die auf abscheulichste Art und Weise den Tod fanden, während in den westlichen Ländern Menschen über den Terroranschlag jubelten und kurz danach in London 100 000 Demonstranten für die Palästinenser auf die Straße gingen. Wenn man sich die ethische oder philosophische Definition von Wahrheit und Wirklichkeit ansieht, ist diese in unserer Zeit wirklich in Auflösung begriffen, und das, durch die Macht der sozialen Medien. Alles in allem steht wie immer der Mensch im Mittelpunkt der Geschichten. In all seiner Größe, seiner Niedertracht, seinem Mut, seiner Unsicherheit und auch seinem Genie und dessen Teufel und Gott.
Der Text ist klar, auf den Punkt gebracht, ohne literarische Schnörkel, doch in einer sehr schönen Sprache geschrieben. Und es freut mich, dass Ferdinand von Schirach mit »Der stille Freund« wieder auf Lesereise geht. Ich bin am 26.11.2026 in der Alten Oper in Frankfurt wieder dabei. Denn obwohl man Herr von Schirach eher als introvertiert wahrnimmt, so hat er eine erstaunliche Bühnenpräsenz.
Bekannt sind schon seit Jahren die Künste der Eisschnitzer, die aus einem Block Eis atemberaubende Figuren zaubern. Oder bekannt von den Kreuzfahrtschiffen, die Köche, die supertolle Figuren mit Obst darstellen. Für jeden ist es ein Hingucker, der ein Staunen nach sich zieht. Und jetzt die Künstler, die aus Kuchenteig, Buttercreme, Marmeladen, Fondant und Lebensmittelfarbe täuschend echte Alltagsgegenstände darstellen und man fragt sich, wie geht das? Viel zu Schade zum Reinbeißen. Doch dafür sind sie gemacht! Schon beim Erwerb dieses Buches von Ben Cullen „Cake oder Fake“ und nach dem ersten Durchblättern stellt sich mir die Frage: warum verrät so ein Künstler seine Tricks? Jedes seiner Objekte in diesem Buch ist mit detaillierter, bebilderter Anleitung und minutiösen Rezeptangaben. Ich sage es ihnen: weil Ben Cullen seine Kunst beherrscht und seine Techniken und Tricks verraten kann!
„Hildur – Die Toten am Meer“ ist der vierte Teil nach der Trilogie von Satu Rämö. Eigentlich ist es klar, dass nach den großen Erfolgen von Band 1, 2 und 3 das auf den Bestsellererfolgen einen weiteren Kriminalroman mit der eigenwilligen Kommissarin Hildur Rúnarsdóttir und ihrem finnischen Kollegen Jakob geben muss. Es ist auch gut so! Man möchte viel mehr Hildur haben, zumal sie laut der Autorin Satu Rämo ihre Freundin ist oder etwas von ihr drinsteckt. Für mich und somit auch für Sie, liebe Leser, eine erfreuliche Entwicklung. Aber erstmal zu diesem Band „Hildur – Die Toten am Meer. Für sie zur besseren Einstimmung wiederhole ich die Einleitung der ersten Rezension zu Hildur. Atmosphärisch, emotional und mitreißend – ist auch der vierte Fall für Islands wagemutigste Ermittlerin. Island, der zweitgrößte Inselstaat Europas nach Großbritannien. Die größte Vulkaninsel der Welt. Von den Wikingern als Eisland bezeichnet, woraus Island wurde. Das kommt nicht von ungefähr. Island liegt nur knapp unter dem Polarkreis. Die Nähe zum Polarkreis beschert Island ein raues Klima mit langen dunklen Wintern. Die spärliche Vegetation kann nur existieren, weil Island im Golfstrom liegt. Genau hierhin, zu den gerade mal 366.000 Einwohnern, den vielen Schafen und den robusten kleinen Island-Ponys, die dieses Klima ertragen können, hierhin hat es die Finnin Satu Rämö verschlagen. Als Austauschstudentin hat Satu Rämö sich entschieden, nach Island zu gehen und ist geblieben. Ihr persönliches Interesse an Sagen und Geschichten hat sie zu Hildur geführt.
Manchmal begegnet einem ein Buch, das so feinfühlig und offen über unsere Sehnsüchte, Zweifel und Hoffnungen spricht, dass man sich verstanden und getragen fühlt. I FEELYOU von Yasmine M´Barek ist genauso ein Werk, das sich mit den Herausforderungen menschlicher Beziehungen unserer Zeit auseinandersetzt. Die Autorin, bekannt für ihren journalistischen Scharfsinn und ihre klare Sprache, nimmt uns an die Hand und lädt dazu ein, die stillen Resonanzen im eigenen wahrzunehmen.


Wenn ich eine Rezension schreiben möchte, ist für mich der Einstieg in den Text sehr wichtig. Natürlich formuliere ich immer erst im Kopf. Bei diesem Buch hatte ich von vorherein drei Anfänge im Kopf. Um das Dilemma zu lösen, werde ich dreimal anfangen.