Ein Unfall unverschuldet und doch belastet es dich. Wie verändert sich dein Leben, auch wenn du unverschuldet einen Unfall verursacht hast mit Personenschaden oder sogar Todesfolge? Wie gehst du damit um? Einfach weiter so oder bekommst du die Situation nicht aus dem Kopf? Kannst du schlafen oder reißen dich die Alpträume jede Nacht aus dem Schlaf? Wie sehen dich Familie, Freunde und Kollegen? Bekommst du Zuspruch oder wirst du gemieden? Man tuschelt über dich oder mobbt dich sogar. Du konntest doch gar nichts dafür. Das hatte die Polizei doch auch bestätigt. Wir sind im Anfang von Chris Warnats Debütroman „Fünfzehn Sekunden“. Ein mehr als gelungener Auftakt, den man sehr gut nachvollziehen kann. Jeden kann es treffen. Doch hofft man bei jeder Autofahrt, dass einem so etwas nie passiert.
Frühstück am Rande der Apokalypse, Wladimir Kaminer

Seit seinem berühmten Debüt mit ›Russendisko‹, habe ich immer wieder Wladimir Kaminers Bücher gelesen und mir auch Lesungen angehört. Immer hat er es geschafft mich zum lauten Lachen zu bringen oder wenigstens zu einem ausgiebigen Schmunzeln bei seine hervorragenden Texten. Sein neustes Werk, ›Frühstück am Rande der Apokalypse‹, beschäftigt sich fast ausschließlich mit dem Russland/Ukraine Krieg. Dabei schafft es Kaminer, trotzdem er Russe ist, Stellung zu beziehen, ohne Stellung zu beziehen. Hört sich verrückt an, ist aber so. Alle bekommen ihr Fett weg und das zu recht. Dennoch hat auch Kaminer etwas von seiner Leichtigkeit verloren. Wen wundert es? Eigentlich niemand. Hier und da fallen ernste Worte, die auch genauso gemeint sind. Gut so, denn er kennt seine Landsleute und auch die Ukrainer, aber vor allem das russische System viel besser als einige von uns.
Was mich gefreut hat, weil auch ich die Russen ein bisschen kenne, da ich dort einmal vier Jahre gelebt und arbeitet habe, war, dass er die Nöte des russischen Volks ebenso aufzeigt, ihre Toten ebenso betrauert, wie die des ukrainischen Volks. Wohl eines seiner ernsthafteren Bücher, wenn auch der eine oder andere Lacher gelungen ist. Darum kann ich den Autor nur anfeuern: Herr Kaminer lassen Sie sich nie von irgendjemand den Mund verbieten!
Philippinum Marburg: 2125 Die Zukunt der Menschheit
2125 Die Zukunft der Menschheit, ein spannendes Gedankenspiel – eine interessante Aufgabe für die Schülerinnen und Schüler des Marburger Gymnasiums „Philippinum“. Die Idee zu diesem Schreibprojekt hatte der Verleger Markus Karsten vom Westend Verlag. Und auch wenn er sich lange gedulden musste, bis es zur Umsetzung der Idee kam, hielt er an der Idee fest, holte Frank Scholze, Generaldirektor der Deutschen Nationalbibliothek und Christian Steiner, Studienrat am Philippinum mit ins Boot und ermöglichte damit das vorliegende Buch.
Das bis zum Schluss geheim gehaltene Thema sollte in zweieinhalb Stunden umgesetzt werden. Das Ergebnis, die Weiterlesen
Cinema Love, Jiaming Tang
Definitiv hinterlässt das Buch etwas beim Leser und man denkt doch noch einmal darüber nach, obwohl man es eigentlich nicht möchte. Es ist kein leichter Stoff, sondern die Geschichte von vier Menschen, die ein völlig unerfülltes und belangloses Leben führen mussten. Zwei von ihnen, weil sie schwule Männer sind und das in China der Achtziger nicht nur ein Tabu ist, sondern tödliche Folgen haben kann. Und zwei Frauen, die als Ehefrauen der sogenannten Sissys ein Leben in Kauf nehmen mussten, das voller verletztem Stolz, schlechtem Gewissen und unerfüllter Liebe ist. Selbst, als sie nach Amerika immigrieren, ändert sich nichts daran. Erst am Ende ihres verbrauchten Lebens stellen die beiden Frauen sich ihren Lebenslügen, eine zerbricht daran, die andere findet einen eigenartigen Frieden.
Es hilft bestimmt, wenn man die chinesische Mentalität und Kultur ein wenig kennt. Denn sonst wird es schwer, einige der Reaktionen und Taten zu verstehen. Dennoch hat mich das Buch gefesselt und hätte von etwas mehr Licht in der Dunkelheit der Geschichte bestimmt profitiert. Ein Autor, von dem wir bestimmt noch hören werden.
Angelo Coassin, Kochen wie ein echter Italiener, verblüffend einfache und garantiert echte Lieblingsrezepte
Angelo Coassin ist ein ausgebildeter Koch und Tänzer. Kurz vor Corona wagt er den Schritt nach London zu gehen, um dort eine Karriere als Tänzer anzustreben. Doch dann der Schlag: Corona – Nichts geht mehr. Verbannt an seine Wohnung, keine Reiseerlaubnis, besinnt sich Angelo auf seine zweite Ausbildung – Koch! Er entwickelt einen Blog. Natürlich mit italienischer Küche. In kurzer Zeit hatte er viele Follower. Nicht nur weil seine Rezepte einfach und genial sind, sicherlich auch, weil er das ital-ienische Flair mit rüberbringt. Er zelebriert seine Gerichte im 50ziger Jahre Stil im Feinrippunterhemd, tanzend mit guter Musik im Hintergrund vor. Der Zuschauer wird von seiner Fröhlichkeit animiert mit- und nachzumachen.
Bill François: Die unwahrscheinliche Süße der Erdbeeren
Zugegeben, es war nicht Liebe auf den ersten Blick zwischen dem neuen Buch „Die unwahrscheinliche Süße der Erdbeeren“ von Bill François und mir. Nach gut 30 Seiten war ich bereit zu kapitulieren und legte mein Exemplar zur Seite. Am nächsten Morgen fragte mich mein Mann beim morgendlichen Hundespaziergang, ob ich wüsste, ob Hunde Farben erkennen könnten. Und wie aus der Pistole geschossen antwortete ich ihm, dass ich gerade gestern darüber gelesen hätte. Die menschliche Farbwahrnehmung hat sich erst dadurch entwickelt, dass die Pflanzen unterschiedlich farbige Blüten produzierten aus denen Früchte wurden. Als Folge hat die Evolution unserer Weiterlesen
Der Verräter, Teil III und Ende der Fantasie-Trilogie, Anthony Ryan

Das Ende einer großartigen Fantasy-Trilogie! Nach knappen zweitausend gelesenen Seiten dieser Trilogie ergreift mich die gleiche Wehmut wie damals, als ich das erste Mal den Herrn der Ringe beendet hatte. Ob ich nun wollte oder nicht, ich musste endgültig das Leben von Alwyn Scribe, Evadine, Ayin, Julhlina, Lilat, Wilhum, der Sackhexe und dem Eithlisch verlassen. Auch wenn am Ende eine kleine Hoffnung auf die Fortsetzung einer späteren Generation angesprochen wird.
Ich kann die Geschichte um Alwyn, der in einem Hurenhaus geboren, als Kind im Wald ausgesetzt, von Gesetzlosen adoptiert und plötzlich aufsteigt zum Marschall und Adligen einer geliebten Königin, nur jedem Fantasy-Fan ans Herz legen. Die Mischung aus einer zeitlich im Mittelalter anzusiedelnden fiktiven Welt, die nicht mit Kriegen, mystischen Völkern, Rittern, Hexen und herzlosen Herrschern geizt, liest sich so, als wäre sie für einen gemacht. Denn sie ist erzählt von Alwyn selbst. Und damit wird die Geschichte so persönlich, ehrlich und nachvollziehbar. Wir trauern, wundern und lachen mit dem Antihelden, der eine solch wichtige Rolle für die Völker des Caerithuschen Reichs und den Menschen von Albermaine spielt. Eine Rolle, die er eigentlich nie wollte, wie es das meist ist bei Antihelden. Plötzlich entscheidet ein Niemand über die Vernichtung der Welt! Und vielleicht kann nur der Verrat an seiner großen Liebe, die Vernichtung der Menschen, durch die zweite große Plage verhindern.
Ganz tolle Geschichte, gut und spannend erzählt, sodass man sich bei den etwa siebenhundert Seiten pro Buch eigentlich noch einmal zweihundert zusätzliche wünscht. Es ist eine Welt, in die man gänzlich eintauchen kann und sich nach dem letzten Satz fragt: »Was mach ich denn jetzt?« Wagen Sie es, aber besorgen Sie sich unbedingt gleich alle drei Bücher, denn nach dem ersten Band muss man weiterlesen.
Der Wolf im dunklen Wald, Sia Piontek
Der zweite Roman um die Wendlandermittlerin Carla Seidel ist für meinen Geschmack besser gelungen, denn er wirkt wesentlich realistischer, als sein Vorgänger. Während einer großen Gesellschaftsjagd wird einer der Gäste mit mehreren Messerstichen brutal ermordet. Die Gastgeber, Familie von Boennings entspricht so ganz dem Klischee von Landadel. Mächtig, reich, anmaßend und anscheinend jede Menge Leichen im Keller. Jedoch lässt sich die Kriminalbeamtin der Polizeistation Dannenberg nicht so schnell einschüchtern. Auch wenn jemand die Frechheit hat, es als Jagdunfall zu bezeichnen, war es definitiv Mord, und zwar eine geplante Tat. Denn der abgebrühte Mörder sah dem Opfer beim langsamen Sterben zu. Als es weitere Tote gibt, stellt sich langsam die Frage, warum man ausgerechnet diese Menschen tötete. Denn die Oper, Gäste von auswärts, sind vor langer Zeit zusammen als Kinder und Jugendliche im Wendland groß geworden.
Guter Regionalkrimi, der spannend und sehr unterhaltend ist, aber genau wie sein Vorgänger einfach hundert Seiten zu lang. In der Kürze liegt die Würze, und wenn erst einmal aus der Serie die Nebenschauplätze raus sind, die die eigentliche Geschichte nicht vorantreiben, dann können diese Regiokrimis auf einem Topniveau ankommen.
SimpJordan Michelman, Zachary Carlsen: Simply Coffee
Ein Sachbuch wie man es sich wünscht. Bestens gestaltet über alles was es zu Kaffee zusagen gibt. Es beginnt schon damit, die richtige Zubereitung für die verschiedensten Cafés zu beschreiben und zu erklären. Nicht umhin stellt sich die Frage welche Sorte von Cafés gebe ich den Vorzug. Dabei werden auch die verschiedensten Kaffeesorten erklärt und auch die Röstmethoden geschildert.
Im Teil zwei beschäftigt sich das Buch mit den verschiedensten Prüfmethoden. Dabei sind gestimmt einige Methoden die bekannt sind. Mit Sicherheit werden neue Methoden wie zum Beispiel die Prüfmethode Zero vorgestellt.
Zwei Redakteure sind für das Werk verantwortlich:
1.Jordan Michelman ist Journalist, der für Zeitschriften wie »Los Angeles Times«, »PUNCH«, »TASTE«, »EATER«, »The New York Times« und »T« schreibt. 2020 wurde er mit dem James Beard Award für Journalismus ausgezeichnet und war Finalist bei den Louis Roederer International Wine Writers’ Awards 2020. Er ist außerdem Mitbegründer und Herausgeber des Blogs »Sprudge«, auf dem sich alles um Kaffee dreht.
2. Zachary Carlsen ist ein erfahrener professioneller Barista, der mittlerweile auch als Journalist tätig ist. Während seiner Zeit in der Kaffeebranche kümmerte er sich um öffentliche Bildung und Einzelhandelsmanagement bei Unternehmen wie Ninth Street Espresso, Stumptown Coffee und Murky Coffee. Er ist außerdem Mitbegründer und Herausgeber des Blogs »Sprudge«, auf dem Wissenswertes rund um Kaffee weitergegeben wird.
Abgerundet wird das Buch mit der Vorstellung von Kaffee Cocktails und einem ausführlichen Inhaltsverzeichnis. Mit Sicherheit werden in diesem Buch für nicht professionelle Kaffeezubereiteter viele neue Erkenntnisse auftauchen die uns zu besseren und köstlicheren Kaffeegetränken inspirieren.
Jordan Michelman, Zachary Carlsen: Simply Coffee, riva Verlag, Münchner Verlagsgruppe GmbH, Hardcover, 192 Seiten, ISBN: 978-3-7423-2818-2,€ 22
Felicitas Fuchs: Die Akte Schneeweiß I Fünf Fragen an die Autorin
Eigentlich lese ich nicht gern Texte am Computer. Ich liebe es, ein Buch in der Hand zu halten, den Moment, wenn ich das Buch zum ersten Mal öffne, die Haptik, den Geruch, das Gewicht und – wie sich die Seitenmenge von rechts nach links bewegt. Allerdings obsiegte meine Neugier und ich wollte wenigstens mal einen Blick in den vom Verlag vorab zur Verfügung gestellten PDF-File werfen. Was kann ich sagen? Ich blieb hängen, gefesselt von den Geschichten um die Protagonistinnen Mathilde (geboren 1911) und Katja (geboren 1947). Zwei Frauen, zwei Generationen, zwei Schicksale, Kämpfe um Anerkennung, Selbstbestimmung, Recht auf Bildung und Ausbildung, aber auch zwei Frauen, intelligent, zielstrebig und – mutig. Die Autorin zeichnet glaubwürdige Bilder der jeweiligen Zeit, in der die Protagonistinnen leben. Ich
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