Kommst du mit zum Mond, Nicolás Schuff und Ana Sender, Kinderbuch ab 3 Jahre

Bei den spanischen Kinderbüchern fällt mir immer wieder auf, dass sie entweder richtig lehrreich sind für Kinder oder einfach nur wunderschön und zum Träumen einladen. Kommst du mit zum Mond ist fürs Träumen und Wohlfühlen gedacht. Denn es erzählt die Geschichte von Emilio, der in den Ferien seinen Opa besucht. Sein Opi ist ein ganz großartiger alter Mann. Er lebt in einem einsamen Haus in den Wäldern und kennt tolle Geschichten. Aber vor allem kann man mit Opa herrliche Abenteuer erleben, zum Beispiel den Mond besuchen.

 

Man verliebt sich sofort in die Illustrationen von Ana Sender. Die Geschichte hinterlässt selbst bei Erwachsenen ein Gefühl der Behaglichkeit und ein Lächeln auf den Lippen. Es ist ein Kinderbuch zum Ansehen und Vorlesen ab drei Jahre.

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Hans Rath: Jetzt ist Sense | Interview: Fünf Fragen an den Autor

Genau! Zeit für geistreiche, unterhaltsame Lektüre! Und Hans Rath hält mit seiner Geschichte was Titel und Cover – in Anlehnung an Dennis Hoppers kultisches Gemälde Nighthawks – versprechen. Eine spannende Story, in der die Protagonistin, die Psychologin Olivia, Bekanntschaft macht mit einem äußerst attraktiven Griechen namens Zino alias Thanatos, Gott des sanften Todes. Ist es wirklich ein Irrtum, dass er bei ihr klingelt? Aber irren sich Götter? Die engagierte Therapeutin muss erkennen, dass einem Unsterblichen nicht zu helfen ist. Warum sollte er aufhören zu rauchen? Was würde sich für ihn ändern, wenn er keinen Alkohol mehr tränke? Und sein Burnout-Syndrom könnte nur von Hades, dem Gott der Unterwelt, durch eine Generalamnestie behandelt werden. Aber eine ausgeglichene Work-Life-Balance ist im Weiterlesen

Lügen über meine Mutter, Daniela Dröscher

Es ist ein berührendes, tief bewegendes Buch, über das ich noch lange nachdenken musste, nachdem es gelesen war.

Daniela Dröscher führt uns durch vier Jahre ihrer Kindheit, durch vier Jahre Ehe ihrer Eltern, die man als subtile Ehehölle bezeichnen sollte. Durch vier Jahre eines kaum auszuhaltenden Hunsrücker Landleben und dennoch durch Jahre einer relativ normalen Familie dieser Zeit. So leidet ihre Mutter, die nie mit Vornamen genannt wird unter ihrer Herkunft als Kriegsflüchtling aus Schlesien, unter ihrer Schwiegermutter, die sich was Besseres für den Sohn gewünscht hätte und vor allem unter ihrem Mann, der das Glück und den Frieden der Familie an jedem Gramm Körpergewicht seiner Frau festmacht. Und dennoch behält sich diese Frau, gefangen in familiären Konventionen und den gehassten Kilos immer ihren Blick für das Wesentliche. Den Mut jeden Tag für die zu kämpfen, sie sonst untergehen würden und weiter zu existieren, obwohl der Mensch in ihr, unter all den Fettpolstern nie gesehen wird.

Als Frau fand ich manche Erzählungen unerträglich und mich hielten die erklärenden Retrospektiven der Autorin nach jedem Kapitel über Wasser. Manches Mal störten mich die Anmerkungen der Autorin und mittlerweile erwachsenden Tochter. Doch ich konnte mir meine Meinung bilden und empfinde Respekt für die Mutter, die es viele Jahre aushielt, bis das letzte Kind alt genug war, um ihre persönliches Lebensinferno hinter sich zu lassen.

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Alexander Oetker, Sternenmeer, Luc Verlains delikatester Fall

Jetzt der Krimi zum Kochbuch „Chez Luc“ von Alexander Oetker. Wie schon bei meiner Rezension zum Kochbuch, veröffentlicht am 13. Dezember 2022 im Eschborner Stadtmagazin, bin ich aus persönlichen Erlebnissen voreingenommen. Wie man dort lesen kann, habe ich die Ausbildung zum Koch gemacht und wollte unbedingt meine Kenntnisse bei dem damals angesagtesten Koch Michel Guérard in Eugenie-le-Bain erweitern. Der Kriminalroman von Alexander Oetker spielt genau in dem Metier der Sternegastronomie „Sternen – Meer“, in Frankreichs Südwesten dem Aquitaine. Die Region von der spanischen Grenze dem Baskenland, Saint-Jean-de-Luz über Biarritz, Eugenie-le-Bain, Bordeaux mit seinen unterschiedlichen Weinanbaugebieten, bis hin zur Gironde-Mündung, Soulac-sur-Mer. Ich verstehe Alexander Oetker, dass er seine Kriminalromane in diese Region gelegt hat. Ich war auch dort und mir ist vieles in bester Erinnerung.

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Dror Mishani: Vertrauen

Der vorliegende Krimi führt uns direkt in das Seelenleben eines israelischen Kriminalbeamten. Unzufrieden mit seiner persönlichen beruflichen Situation beschäftigt er sich mit einem zunächst banal erscheinenden Verschwinden eines Touristen. Sein Bauchgefühl das im krassen Gegensatz zu den Anweisungen seines Vorgesetzten steht ermittelt er weiter. Als Vorgesetzter einer Mitarbeiterin hat der Kontakt zu einem Fall von Kindsmord der sich dann aber mit seinem anderen Fall überschneidet und deren Lösung auch in Paris liegt. Bei den handelnden Personen springt der Ball „Vertrauen“ verschiedentlich hin und her. Es scheint so, dass nur dann Vertrauen aufgebaut wird wenn die Menschen der gleichen gesellschaftlichen Schicht untereinander kommunizieren. Bei Obrigkeiten kann und wird in diesem Kriminalroman kein Vertrauen entwickelt werden. Ein gefühlsdichter Roman. Weiterlesen

Christine Wolter: Die Alleinseglerin

Zum 40. Jahrestag der Erstveröffentlichung hat der Ecco Verlag die Geschichte der Alleinseglerin neu aufgelegt. Für mich eine Entdeckung, die in all den Jahren nichts an Aktualität eingebüßt hat, sprachlich begeistert und überraschend modern ist. Als der Roman von Christine Wolters 1982 beim Aufbau Verlag, Ost-Berlin, veröffentlicht wurde, kam dem Buch und der Autorin nicht die Aufmerksamkeit zu, die beide verdient hätten. Selbst die Verfilmung der Romanvorlage durch die DEFA einige Jahre später änderte nichts daran. Aber die Autorin hatte etwas geschafft, was dem System unheimlich sein musste: sie hatte sich eine legale Umsiedlung nach Mailand erkämpft, um den Mann, den sie liebte, zu heiraten. Sie behielt ihren Pass, konnte in die DDR reisen und nach wie vor beim Aufbau Verlag veröffentlichen. Weiterlesen

Rabenkinder, Grit Poppe

Rabenkinder ist ein Krimi, wird sogar als ein Wende-Krimi bezeichnet. Damit spielt er um die Zeit des Mauerfalls und der Wiedervereinigung von BRD und DDR zu Deutschland. Die bedrückenden Erzählungen des zum Teil brutalen Jugendhof-Systems in der ehemaligen DDR sind wirklich schockierend. Denn wer als Jugendlicher oder sogar als Kind nicht anpassungsfähig war, wurde auf das Kollektiv eingeschworen, auch wenn dafür brutale Gefängnismethoden angewandt wurden. Mir persönlich hätte es besser gefallen, wenn Grit Poppe ein Jugendbuch aus der Thematik gemacht hätte oder einfach nur eine Erzählung. Denn die Idee ist sehr gut und spannend zu lesen, doch was den Krimi angeht, fehlen mir ein paar eklatante Dinge, die einen wirklich mitreißenden Krimi ausmachen. Auch hapert es ein wenig an authentischen Protagonisten.

Dennoch ist Rabenkinder gut zu lesen und hat seine Spannungsmomente, doch zum Krimi des Monats, würde ich ihn nicht wählen.

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Ewald Arenz „Die Liebe an miesen Tagen“

In der Ankündigung steht: „Der neue große Roman von Spiegel-Bestseller-Autor Ewald Arenz“. Bis vor kurzen noch ein unbekannter Autor. Doch mit seinem Erstlingswerk, sensibel, einfühlsam und Lebensweise (Bayrischer Rundfunk über Alte Sorten) ist ein neuer Stern aufgegangen. Auch für mich, wenn ich nicht durch Zufall „Alte Sorten“ in die Hand bekommen hätte und ich von der Sprache und dem Schreibstil so begeistert gewesen bin, dass ich bei der Ankündigung dieses neuen Werkes von Ewald Arenz sofort die Bestellung aufgegeben habe. Und ich bin nicht enttäuscht worden. Ich kann mich nur den Worten von Dora Heldt anschließen: „Was da so ans Herz geht, und zwar mitten rein trifft, das ist die Sprache“.

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Sabine Hofmann: Toten Winter, Historischer Kriminalroman

Authentizität, selbst erlebt oder auch von Erzählern übermittelt, machen Bücher bei der Leserschaft besonders eingängig. Das vorliegende Buch ist dafür ein Paradebeispiel. Der Kriminalfall spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Der sogenannte „Totenwinter“ 1947 im Ruhrgebiet spielt die Hauptrolle,in der es für die Menschen um das blanke Überleben ging. In dieser Nachkriegszeit kam praktisch alles zum Stillstand. Wie festgefroren waren Menschen und das wirtschaftliche Leben. Es war geprägt von der Beschaffung von Nahrung und Heizmaterial. Schwarzmarkt und Kohleklau waren angesagt und ging durch die gesamte Gesellschaft. Wir, die nach Kriegsgeneration, können dies aus schwacher eigener Erinnerung nachvollziehen. Das Buch macht uns aber bewusst wie es ist in einer solchen Situation zu sein. Dabei gehen meine Gedanken zu den Menschen im Winter, der jetzt in der Ukraine herrscht. Der Kriminalfall dreht sich um Schwarzmarktgeschäfte und um Regelungen der Produktionsmittel in der Stahlwirtschaft. Ein Buch, das unter die Haut geht. Weiterlesen

Xiaolu Guo: Eine Sprache der Liebe

Ich bin beeindruckt, wie die beiden Protagonisten eine gemeinsame Sprache – und nicht nur für die Liebe –  finden und damit das Fundament für ein gemeinsames Leben legen. Sie, gleichzeitig die Ich-Erzählerin: eine junge Chinesin, ausgestattet mit einem 3-Jahres-Stipendium für ihre Doktorarbeit für das King’s College in London. Ihre Eltern starben kurz vor ihrer Abreise aus China. Sie will alles hinter sich lassen und es wird ein weiter Weg für sie in ein neues Leben. Er: Deutsch-Australier, Landschaftsgärtner mit Fernweh. Die Autorin, die sich als schonungslose Beobachterin zeigt, zeichnet ein lebendiges, nicht sonderlich schmeichelhaftes Bild ihrer neuen Umgebung und erzählt ihre Geschichte über Liebe, Multikulti, Immigration und Feminismus mit Charme und Poesie, schlicht und reduziert. In leicht bissigen Sätzen beschreibt sie die Hochs und Tiefs der Beziehung ohne jegliche Sentimentalität. Was die Geschichte vorantreibt, ist zum Teil die Spannung, die über der aufkeimenden Beziehung liegt: hat unsere Heldin einen riesigen Fehler begangen, indem sie sich mit einem Bootsliebhaber mit Fernweh einlässt? Aber da ist auch etwas fesselndes an dem Ausmaß der Welt, die die Erzählerin bewohnt. Das Buch bewegt sich flott von den Nordlondoner Kanälen nach Schottland, Australien, Deutschland und China. Auf diesem Weg gelingt es Guo, Momente tiefster Dunkelheit zu berühren und dabei beißend, witzig und – letztendlich – lebensbejahend zu sein. Die Autorin lässt ihren Charakteren Raum zu leben und zu leiden, was dem Buch eine schwer erkämpfte Qualität verleiht, die Gewicht trägt.

Foto: Getty Images

Xiaolu Guo wuchs in einer kleinen Stadt in Südchina auf und ist eine der interessantesten chinesischen Künstlerinnen ihrer Generation. Sowohl in China als auch international machte sie sich als Filmemacherin und Autorin einen Namen. 2013 gelang ihr der Sprung auf die „Granta’s list of Best Young British Novelists“. Ihre Romane wurden vielfach nominiert und ausgezeichnet, „Eine Sprache der Liebe“ stand auf der Shortlist für den Goldsmith-Preis. Xiaolu Guo lebt mit ihrer Familie in London und Berlin.

 

Eine junge Chinesin kommt nach London. Sie lässt alles hinter sich, will ein neues Leben beginnen. Doch in der fremden Kultur und der fremden Sprache fühlt sie sich zunächst nur einsam und verloren. Bis sie sich in einen australischen Landschaftsarchitekten mit britisch-deutschen Wurzeln verliebt. Eine vorsichtige Annäherung beginnt. Voller Neugier auf die Fremdheit des Anderen, aber auch voller kultureller Missverständnisse. Beide versuchen, eine tragfähige Sprache als Fundament ihrer Liebe zu finden. Kann diese Liebe für beide zu einer neuen Heimat werden? Authentisch, offen, aber auch mit viel Selbstironie beschreibt Xiaolu Guo die vielfältigen Verwirrungen zwischen West und Ost und erzählt eindrücklich von einer ungewöhnlichen Liebe.

Penguin Verlag – gebunden – 304 Seiten – 24 € – ISBN 978-328-60215-6