„Vom Kochen und Töten“. Aussagekräftige Worte! Oder soll der Titel eine Provokation sein, damit man zu einem Buch greift mit philosophischem Hintergrund? Vorweg: ich bin froh zu diesem aussagekräftigen Buch gegriffen zu haben. Jeon Joskowitz ist Philosoph und hat auch als Koch gearbeitet und stellt in seinem Debütwerk die Frage: Ist es moralisch und ethisch richtig, dass der Mensch sich über die Tiere stellt, sie tötet, um sie zu essen? Für mich ein sehr interessanter Ansatz. Um diese Frage zu klären, begibt sich Leon Joskowitz auf eine gedankliche Reise der Entwicklung der Erde, der Evolution vom veganen Affen bis zum heutigen fleischfressenden oder humaner ausgedrückt, essenden heutigen Menschen.
Joanna Quinn: Das Theater am Strand
Joanna Quinn gehört zu den Menschen, die den Lockdown nutzten und endlich das taten, was sie schon immer machen wollten. Die Journalistin schrieb ihren ersten Roman. Und was für ein Debüt! Am Ende der 720 Seiten hatte ich das Gefühl, Jahre mit dieser lebhaften, fiktiven Familie verbracht zu haben. Dank der umfangreichen, guten Recherchen von Ms. Quinn ist die Geschichte reich an beschreibenden Passagen und Elementen, Authentizität und Bildhaftigkeit. Der Abschnitt über das Erwachsenwerden, die Schmerzen und der Prunk der Kindheit auf dem englischen Landgut ist eindringlich und kenntnisreich. Schillernd zeigt die Autorin die seltsame, einfallsreiche Magie auf, die von einer Gruppe von Kindern heraufbeschworen werden kann, wenn sie von selbstsüchtigen Erwachsenen vernachlässigt werden. Beaufsichtigt von einer vagen französischen Gouvernante bilden sie sich mit Büchern weiter, die aus dem Arbeitszimmer gestohlen wurden. Weiterlesen
Calle Kocht, Omas schnelle Küche, Lieblingsgerichte ohne Schnickschnack
Das ist ein Buch für mich. Es spricht mir aus der Seele. Lieblingsrezepte ohne Schnickschnack. Zu ihrer Information, auch ich bin ausgebildeter Koch und wenn ich das Bild von Carl-Michael Hofmann in diesem Buch anschaue, müssten wir in etwa ein Jahrgang sein. Beide müssten wir zur gleichen Zeit in der Ausbildung gewesen sein. Die Nouvelle cuisine kam wenig später. Also die richtig gute Landhausküche gelernt. Nach der Ausbildung habe ich dann gleich in den angesagtesten Restaurants mit Nouvelle cuisine meine Ausbildung erweitert. Aufgrund dieser Referenzen bin ich in jungen Jahren Küchenchef geworden. Natürlich wollte ich zu den großen dazu gehören. Natürlich war ich kreativ und innovativ. Die Nouvelle cuisine war der Aufbruch und die Weiterentwicklung zur heutigen Feinschmeckerküche. Zwar originell, ob es immer schmeckt?
Sabine Platz im Garten
2022 wurde die gebundene Ausgabe von Sabine Platz‘ Gartenbuch vom Deutschen Gartenbuchpreis Bestes Buch zur Gartenprosa und Lyrik mit dem 2. Preis und von der Deutschen Gartenbau Gesellschaft als Top 5 der besten Gartenbücher 2022 ausgezeichnet. Und nun fragen Sie sich vielleicht, warum ich das Buch ein Jahr später vorstelle. Weil der Verlag es dieses Jahr auch als Taschenbuch auf den Markt gebracht hat und somit vielleicht ein schönes Mitbringsel für Gartenenthusiasten ist oder eine Ergänzung der eigenen Sammlung. Es ist kein weiterer Ratgeber, obwohl der eine oder andere Tipp abfällt, sondern eine Sammlung spannender, witziger und auch berührender Geschichten sowohl aus dem Berufs- als auch dem Alltag der Autorin und nichts für Weiterlesen
Elternabend, Sebastian Fitzek

Eigentlich bespricht man Weltbestseller Autoren kaum noch. Rezensionen sind den neuen eher unbekannten Autorinnen und Schriftstellern vorbehalten. Doch Sebastian Fitzek hat etwa gemacht, was mutig ist und bei vielen Autoren schon schief ging. Er hat das Genre gewechselt. Vom Blut aufwischenden Thrillerautoren, der manchmal so brutal wurde, das selbst hartgesottene Leser zuckten, zum leichten Geschichtenerzähler mit viel Humor aber auch einem scharfen Auge für das Alltägliche. Gratuliere Herr Fitzek, Sie haben mich dazu gebracht, bei Ihrer Geschichte laut zu lachen, in mich hineinzugickeln, zu schmunzeln, zu grinsen und manchmal auch zu seufzen. Wüsste man es nicht, dann würde man die Geschichte Elternabend niemals Sebastian Fitzek zuordnen.
Elternabend ist eine tiefsinnige Komödie, die viel Stoff zum Zustimmen gibt. Dabei musste der Autor seine Protagonisten gar nicht großartig überzeichnen. Ein genaues Hinsehen hat gereicht, um die Realität zu einer Persiflage werden zu lassen. Großartig! Und da der Autor am amüsanten anscheinend Gefallen gefunden hat, freuen wir uns auf sein nächstes Buch: Der erste letzte Tag. Die Leseprobe lag bei und die Mundwinkel zuckten schon wieder hoch und ich dachte, ach du lieber Himmel, genau, wer kennt solche Situationen nicht!
Witwenwald, Kristoffer Bark Reihe II, Anna Jansson

Wie es scheint setzt Anna Jansson auf ihr Erfolgsrezept vom ersten Band. Denn ihre Protagonisten sind auch in Witwenwald wieder eine Ansammlung von reichlich kaputten Seelen, die sich alle mehr oder weniger verdächtig machen. So stolpert man als Leser wieder durch die recht spannende Geschichte und möchte jedem der Charaktere inklusiver Kristoffer Bark helfen. Denn logisches Handeln ist selbst bei einer Polizistin nicht selbstverständlich. Obwohl, wenn man einen richtigen Burn-out hat, fehlt vielleicht die Logik?
Fazit: Prima Fortsetzung mit viel Spannung. Manchmal zu brutal aufgetischt, das hätte auch mit leiseren, raffinierteren Effekten passieren können. Hier und da eine Wiederholung zu viel für meinen Geschmack. Nichtsdestotrotz wächst einem Kristoffer Bark ans Krimiherz und sein Team wächst so langsam auch! Weiterlesen
Arseny Knaifel, Kitchen Passport
Arseny Knaifel, bekannt als Andong mit seinem Foodblogger-Kanal auf YouTube. Kitchen Passport – 85 Rezepte für Reisehungrige. Der Titel hatte es mir angetan: Gehe auf Reisen und probiere die Küchen dieser Welt. Das Buch ist dein kulinarischer Reisepass, ganz ohne Visaanträge um die Welt. Nicht jeder kann es sich leisten und hat die Zeit dazu die Welt zu bereisen und kann, oder hat den Mut dazu, sich in den jeweiligen Ländern auf den Märkten, den Streetfoodständen, in den hintersten Ecken, wo es keine Touristen mehr gibt, mit den Einheimischen am Tisch zu sitzen und das angebotene Gericht einfach zu probieren. Abgesehen von den Sprachbarrieren und der Unkenntnis der Produkte, deren Namen meistens man gar nicht übersetzen kann, was ist was, was esse ich da eigentlich. Ist die Idee von Andong uns mit seinem Erstlingswerk, diesem Buch, auf eine kulinarische Weltreise zu nehmen, eine gelungene Einladung. Jedenfalls in seiner Küche mitzureisen.
Min Jin Lee: Gratisessen für Millionäre
Für mich ist dieser Roman zum einen eine Darstellung des Lebens innerhalb der ehrgeizigen und leistungsstarken koreanisch-amerikanischen Gemeinschaft in New York City während der 1990er Jahre und zum anderen die Thematisierung der komplexen Liebe, die Einwandererfamilien im Guten wie im Schlechten verbindet. Das Buch ist fesselnd, schwer aus der Hand zu legen, voller Charme und Witz und reich an interessanten Einblicken in die einzelnen Charaktere. Ja, die Art und Weise, wie die Autorin auf die Protagonisten eingeht, ist Romanen des 19. Jahrhunderts nachempfunden. Ein interessanter Kontrast zu dem ansonsten zeitgenössischen Fluss und Stil. Min Jin Lee zeichnet von ihrer Protagonistin Casey Han, eine koreanisch-amerikanische Ivy-League-Absolventin, hin- und hergerissen zwischen den Welten ihrer Einwandererziehung und Weiterlesen
Mause Märchen – Riesengeschichte Ein halbes Bilderbuch für Kinder ab 4 Jahre
Das halbe Bilderbuch ist eine ganz fantastische Idee für ein Kinderbuch, denn die zwei Geschichten von der Haselmaus, die einfach keine Angst vor nichts hat und dem sehr scheuen, furchtsamen Riesen Bartolo, treffen sich einfach in der Mitte. Und was dann passiert, bleibt der Fantasie der Kinder überlassen. 1985 erschien das Kinderbuch als Originalausgabe und wurde jetzt wieder aufgelegt. Und das Thema der beiden Hauptpersonen, die so anders sind, als man es von ihnen erwartet und dadurch gemieden werden und keine Freunde finden, ist heute aktueller denn je!
Ich bin immer wieder begeistert, wie manche Autoren und in diesem Fall auch Illustratorin eine Kindergeschichte altersgerecht und so liebevoll auf Papier bringen können. Ein wahrhaft schönes Bilderbuch zum Vorlesen und Ansehen für Kinder ab 4 Jahre.
Georgina Hayden, Nistisima, traditional-mediterran-vegan
Nistisima, einen Begriff den ich nicht kannte. Auch vom Wortlaut her konnte ich ihn nicht zuordnen. Nun lese ich, dass Nistisima Fastenessen bedeutet. Vielleicht liegt es daran, dass ich mit Religionen selbst wenig anfangen kann und jedwede Art von Doktrinen schon als Jugendlicher abgelehnt hatte. Nicht, dass ich jetzt doch zum Glauben konvertiert bin, aber Georgina Hayden hat mein Interesse geweckt mit ihren autobiographischen Erzählungen aus ihrer Kindheit, wo sie herkommt aus Griechenland und Zypern und dass sie in ihrem Umfeld von den Großmüttern und Tanten automatisch mit einer traditionellen fleischlosen Küche aufgewachsen ist. Das man eventuell auch das Wort Fasten benutzt hat, um von dem nicht vorhandenen Fleisch abzulenken. Wer weiß das? Nur eine Annahme des Rezitators. Die gelungen kreativen, geschmackvollen Gericht haben das Wort Fasten gar nicht verdient. Es sind vollwertige Gerichte. Georgina selbst schreibt, dass sie niemanden zum Fasten auffordern will. Sie will mit diesem Buch nur die tollen Gerichte und Rezepte, die durch das Fasten entstanden sind, uns nahebringen.