Alle Artikel von Elke Rossmann

Ein Lied vom Ende der Welt, Erica Ferencik mit Interview der Autorin

Valerie ist eine auf nordische Sprachen spezialisierte Linguistin, die jedoch nie reist, weil sie von einer lähmenden Angst beherrscht wird. Ausgerechnet der ehemalige Mentor ihres verstorbenen Bruders, ein Polarforscher, wendet sich plötzlich an sie. Er behauptet ein kleines Inuitmädchen im Eis entdeckt zu haben, das keine bekannte Sprache oder Dialekt spricht. Er braucht Valeries Hilfe, um mit dem Mädchen zu kommunizieren. Obwohl sie nicht wirklich weiß, warum sie sich darauf einlässt, reist sie zu der Forschungsstation am Polarkreis. Ausgerechnet an den Ort, an dem ihre Bruder Andy auf mysteriöse Weise im Eis starb. Die Kälte, die Einsamkeit und die stetige Erinnerung an Andy erträgt Val nur mit Beruhigungsmitteln und Alkohol. Dabei hat sie noch keine Ahnung, wie furchtbar es mit dem Geheimnis um das kleine Inuitmädchen Naaja bestellt ist.

Ein gutes Debüt über eine sehr fiktive Geschichte aus dem ewigen Eis, das seine Geheimnisse manchmal eben doch wieder preisgibt.

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Der böse Hirte, Jeffery Deaver – Colter Shaw Reihe –

Jeffery Deavers Thriller sind Bücher eines Experten im Geschichten erzählten. Ein Autor, der über vierzig Romane geschrieben hat, die teilweise verfilmt und weltweite Millionenbestseller wurden, weiß einfach, was er tut. Seine neue Reihe um Colter Shaw den Prämien-Privatermittler führt zu einer Gruppe, die als Selbsthilfeorganisation getarnt, eher eine lebensgefährliche Sekte ist. Undercover ermittelt er dort als Neuzugang und muss schnell feststellen, dass Mord und Selbstmord ein Teil ihrer perfiden Philosophie darstellt.

Spannend und interessant, wenn auch sehr amerikanisch, was das Ambiente und die Mentalität der Protagonisten angeht. Dennoch wird man bestimmt die anderen Bücher der Reihe lesen wollen, denn es geht auch um einen zweiten Fall, dem Familiengeheimnis von Colter Shaw, der unterschwellig mitläuft.

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Himmel oder Hölle, Mel Wallis de Vries, Jugendbuch

Mel Wallis de Vries ist spezialisiert auf Jugendbuchkrimis und Thriller. Immer in der Sprache der jungen Leute zwischen vierzehn und zwanzig kann sie sich in die Sorgen und Nöte der Heranwachsenden hineindenken. Auch in Himmel oder Hölle beschäftigt sie sich wieder mit den Unsicherheiten einer jungen Frau, die sich für zu dick, für zu uninteressant und langweilig hält. Dabei ist es gerade Danielle, die dem attraktiven Medizinstudenten Dante im Skiurlaub auffällt. In Amsterdam erscheint es ein Zufall, dass sie sich wiedersehen. Während beide eine Beziehung hinter dem Rücken ihrer Freundinnen anfangen, wird Dante immer undurchsichtiger. Bis Danielle sein schlimmes Geheimnis erfährt und dann ist es für sie schon fast zu spät. Weiterlesen

La Vita è dolce, Letitia Clark – Kochbuch für italienische Süßspeisen –

Wer den Film La dolce Vita gesehen hat, mit der berühmten Szene mit Anita Ekberg im Trevi-Brunnen, der weiß, wie sehr die Italiener das süße Leben genießen. Nicht nur in der Liebe auch in der Küche und die Königsdisziplin sind wohl die italienischen Süßspeisen. Wer jemals ein hausgemachte Cassata, selbst gebackene Cannoli oder auch eine echte Colomba Virginia probiert hat, ist dem italienischen Dessert und Gebäck verfallen. Letitia Clark greift die beliebtesten Nachspeisen und Kuchen Italiens auf und backt und kocht sich einmal von Norden nach Süden.

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Truth, Bist du bereit für die Wahrheit, Margje Woodrow, Jugendbuch ab 14 Jahre

Als Juul Bruder, der überall beliebte Milan, bei einem Autounfall stirbt, scheint es die Familie auseinanderzureißen. Milans Mutter muss in eine Klinik, weil sie eine regelrechte Obsession wegen des Unfalls entwickelt. Sie glaubt an ein Verbrechen. Ihr Vater will nicht darüber reden und so hat Juul nur ihre Freundin Fleur. Als sich plötzlich ein Unbekannter per soziale Medien an sie wendet, beginnt auch Juuls zu zweifeln. Denn der Fremde behauptet, die Wahrheit über Milans Tod zu kennen. Doch er verlangt dafür absurde und gefährliche Mutproben, die sie aufzeichnen muss. Aus Liebe zu ihrem verstorbenen Bruder lässt sie sich darauf ein und dann ist es plötzlich zu spät, wieder aufzuhören.

Ein spannender Jugendkrimi, der sich einfühlsam in dem momentan typischen Teenagermilieu bewegt. Für junge Leute ab 14 definitiv eine Empfehlung.

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Haie in Zeiten von Erlösern, Kawai Strong Washburn

Hawaii, ein Land der Seelentiere, der Geisterwanderern und der mächtigen, meditativen Bedeutung von Hula. Hawaii, ein armes Land, in dem man verhungern kann. Ein Land in dem die Haole, die Weißen, sich ihre Koffer von den Einheimischen in die Glaspaläste der Touristenhotels schleppen lassen. Als die Zuckerrohrindustrie zusammenbricht, muss auch Malia mit ihrem Mann und den drei Kindern näher an die Urlaubsstädte ihrer Inselgruppe, um Arbeit zu finden. Auf einer Tour mit dem Ausflugsboot fällt ihr siebenjähriger Sohn Nainoa über Bord in den Pazifik. Doch anstatt zu ertrinken oder von den großen Haien angegriffen zu werden, die ihn sofort umkreisen, passiert etwas, was einem Wunder gleicht. Einer der Haie nimmt das Kind vorsichtig in sein Maul und bringt es zum Boot zurück. Eine Legende ist geboren, die weite Kreise zieht, vor allem weil Nainoa wenig später einen Jungen heilt, dessen Hand von einem Feuerwerkskörper zerrissen wurde. Eine dramatische Familiengeschichte voller Hoffnung, eine Liebeserklärung an Hawaii und seine Götter, eine flotte Erzählung über die Suche nach Wurzeln in der Heimat und in der Liebe zwischen Kindern, Eltern und Geschwistern.

Eines der großartigen Debüts, die ich lesen durfte. Mit einem Schreibstil, der selbst in den traurigsten Minuten der Geschichte die Leichtigkeit und Zartheit von hawaiianischen Blumenketten oder den ausladenden Hüftschwung beim Hula annimmt.  Weiterlesen

Märchenland für alle, Boldizsár M. Nagy, Lilla Bölecz, Diversitätsprojekt Ungarn

Will man Diversität, Gleichberechtigung und Toleranz in einer Gesellschaft fördern, muss man mit dem Verständnis bei den Kindern beginnen. Zu klassischen Rollenbildern, wie Mama, Papa, Kind oder zarte in rosa gekleidete Prinzessinnen im Schloss, mutige Prinzen, die gegen Drachen kämpfen und auch bei der immer noch so gut verkauften Barbiepuppe, brauchen Kinder Alternativen. Schaut man sich einmal die klassischen Märchenbücher an, dann fehlen diese Alternativen. Die seit Jahrhunderten festgefahrenen Rollenbilder von Dornröschen, der bösen Hexe im Knusperhäuschen und der königlichen Heteroehe, in der sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage lebten, sind meistens die ersten Begegnungen mit Geschichten in der Kindheit.

Mit diesem in Ungarn neu gestalteten Märchenbuch, in dem ein Prinz den Prinzen seines Herzens heiratet und einer Königstochter die Abenteurerin wird, anstatt zu ehelichen, zeigt, wie es auch anders geht. Weiterhin schöne, liebevolle Märchen mit hübschen Illustrationen, eben nur etwas anders!

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Talberg 2022, Max Korn Trilogie

Endlich ist der dritte Band der Talberg Trilogie erschienen. Wie ich schon bei der Besprechung von Band zwei anmerkte, ist die Serie eigentlich keine richtige Trilogie. Es sind drei Bücher die Verbrechen in dem gleichen Dorf mit denselben Familien erzählen, nur jeweils immer über vierzig Jahre voneinander getrennt. Es handelt sich um unerwartete, dunkle Geheimnisse, die eigentlich nur wenige gleiche Nenner haben. Einer davon ist Talberg selbst, ein Dorf voller Bosheit, Wut und mörderischer Energie. So vergräbt der Wald unter dem Berg Veichthiasl seine Leichen gut. Es sei denn ein Orkan, wie in 2022 geht über Talberg nieder und der Erdrutsch spült das Skelett eines Kindes wieder ans Licht.

Talberg 1935, 1977 und auch 2022 sind mitreißende Kriminalromane, die zum Teil Familiengeschichten zum Teil düstere, ländliche Sozialstudien beinhalten. Eines sind sie auf jeden Fall, sehr spannend und lesenswert.

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Fuchsmädchen, Maria Grund

Fuchsmaedchen von Maria Grund

Wieder ein schwedisches Thrillerdebüt. Und warum auch nicht, denn der hohe Norden hat nun einmal die besten Krimis und Thriller. Maria Grund beginnt ihre Serie mit den Kommissarinnen Eir und Sanna, zwei nicht ganz einfache Frauen mit mächtig viel Lebensballast auf den Schultern, und dem Selbstmord eines sechzehnjährigen Mädchens. Für Sanna, die sich auf ihre Intuition verlässt, ist etwas falsch an dem Suizid, und als man bei der Leiche eine Fuchsmaske findet, bestätigt sich ihr Verdacht. Denn kurze Zeit später wird die grausam verstümmelte Leiche einer sehr reichen Frau gefunden. Ausgerechnet in ihrem Haus gibt es ein Gemälde, das ein rothaariges Kind mit Fuchsmaske zeigt. Doch sie ist umgeben von anderen Kindern mit Masken. Wer sind diese Kinder, wo ist der Ehemann der Toten hin verschwunden und wann malte die Künstlerin das Bild, wenn sie doch schon seit Jahren tot ist.

Ein gutes Debüt, das kurze anfängliche Längen hat, doch im zweiten Drittel richtig aufdreht. Komplizierte aber glaubwürdige Ermittlerinnen, eine kalte abgelegene Insel, Teenager, die im Kindesalter Schreckliches durchmachen mussten und ein Schweigen, das kaum zu brechen ist. Beide Daumen hoch für den Start der Reihe und ein ungeduldiges Warten auf den zweiten Teil, Rotwild, der im Januar 2023 erscheinen wird.

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Terra di Sicilia, Mario Giordano

Im Jahr 1880 wird in dem kleinen ärmlichen Dorf Taormina auf Sizilien Barnaba Carbonaro geboren, den man später einfach Nino nennt. Trotz bitterer Armut, Analphabetismus, dem langen Arm der Mafia und einer überaus schwierigen Mutter, gibt es zwei Dinge, die Nino ständig tut: Rechen und darüber nachdenken, wie er reich werden kann. Und so erfahren wir auf wunderbaren 544 Seiten nicht nur, wie Nino aufwächst und sein Leben lang nie Lesen und Schreiben lernt. Wir erleben seinen Aufstieg zum Lebemann und geachteten Zitrushändler in München. Erfahren das er insgesamt vierundzwanzig Kinder zeugt, einen Mann tötet, ein Vermögen verdient und alles wieder verliert. Am Ende seines Lebens kehrt er zurück nach München zur Familie, die nicht ahnt, dass ihr Nonno, der Patriarch, völlig mittellos ist.

Wunderschön geschrieben, lässt das Buch trotz aller harten Schicksalsschläge und zum Teil brutalen Erfahrungen, die über Ninos Leben erzählt werden, den Leser mit einem Lächeln und zufriedenen Seufzen zurück. Eine Mischung aus Familiensaga, Märchen, Dokumentation, kleines Lexikon der Zitrusfrüchte und Feuerwerk.

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