Das Allgäuer Autoren Duo Klüpfel u. Kobr hat es mit seinem neuesten Krimiprojekt an die Côte d’Azur verschlagen. In einer kleinen Küstenstadt, Port Grimaud, die aus der Retorte entworfen wurde hat sich der gescheiterte Apotheker als Hauskeeper verdingt. Er zieht seine kleinen Geschäfte mithilfe eines Wasser Taxifahrers durch und kommt einem scheinbar großen Geschäft auf die Schliche. Aber dieser Coup kann nur gestemmt werden wenn er die Hilfe anderer, zugegebenermaßen schräge und skurrile Typen annimmt. Gegenspieler zu diesem großen Coup ist eine reiche und alteingesessene Familie, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen will. Das en Passant eine Leiche aufgefunden wird und das die Leserschaft über diesen großen Schatz im Dunkeln gehalten wird macht diesen Krimi bis zur letzten Seite spannend. Das Autorenduo versteht es immer wieder die skurrilen und kauzigen Seiten der Protagonisten herauszuarbeiten um auch in den nächsten geplanten Büchern die Leserschaft zu erhalten. Weiterlesen
Kategorie: Buchbesprechungen
Karla Zárate, Das letzte Mahl

„Das letzte Mahl“ oder sein letztes Mal?
Bei uns ist die Todesstrafe seit 1949 abgeschafft. In der ehemaligen DDR 1987, was auch gut ist. In Amerika wird sie in einigen Bundesstaaten noch vollzogen. Einen Roman um und mit den Umständen und Personen über dieses brisante Thema zu schreiben, muss schon eine besondere Herausforderung sein. Es stellen sich in dem Roman von Karla Zárate die Fragen, haben denn die Quäler, Vergewaltiger, Zerstückler und schlussendlich Mörder überhaupt ein Anrecht auf so viel Ehrerbietung mit einem besonderen Mahl? Es stellen sich die Fragen, was bewegt den Quäler, Vergewaltiger, Zerstückler, eben diesen Mörder zu so einer bestialischen Tat? Karla Zárate stellt in ihrem leicht kruden Roman diese Fragen und deckt noch viel mehr menschliche Fantasien, Abgründe auf.
Carsten Sebastian Henn, Ein Schuss Whiskey
Das dritte Buch von Carsten Sebastian Henns Trilogie um die interessanten geistigen Getränke, jeweils mit den immer lustigen, einladenden Titeln „Der Gin des Lebens“, „Rum oder Ehre“ und nun „Ein Schuss Whiskey“ ist da. Mit Freude habe ich die ersten beiden gelesen und konnte es gar nicht erwarten, auch das dritte Buch in die Hand zu bekommen
Wem Carsten Sebastian Henn ein Begriff ist, weiß sofort, wer dort etwas schreibt und wo die Verbindung herkommt Kriminalroman mit einem Fachthema zusammen zu bringen, in diesem Fall mit irischem Whiskey. Es sind nicht nur Krimis, sondern er beschreibt zu seinem Fachthema die Geschichte des Getränks und in diesem Fall die Besonderheit die Geschichte des Whiskeys in Irland, über Herstellung, Zusammensetzung, verschiedene Brennstufen und Reifung. Und für die, denen Carsten Sebastian Henn nichts sagt, hier die Beschreibung des Autors.
Katherine Mansfield: Fliegen, Tanzen, Wirbeln, Beben
Hinter diesem dynamischen Titel verbergen sich Tagebucheintragungen der Meisterin der Kurzgeschichten, dem damaligen Star der Londoner Literaturszene: Katherine Mansfield. Und all das, was der Titel impliziert, findet man in den Aufzeichnungen einer außergewöhnlichen Frau, die für ihre Freiheit kämpfte und gegen die diagnostizierte Tuberkulose anschrieb. Auch wenn ihr nur eine Lebensdauer von 34 Jahre vergönnt war, füllte sie diese Zeit bis an den Rand. Mansfield gehörte zur verlorenen Generation des 1. Weltkrieges. Keiner ihrer männlichen Freunde, die an die Front gingen, kehrte zurück. Der Verlust ihres geliebten, jüngeren Bruders, der ebenfalls nicht von der Front zurückkehrte, traumatisierte sie. Und wie tragisch, dass sich ihre schlimmsten Befürchtungen bewahrheiteten und sie nur ein überschaubares, vollendetes Werk hinterließ. Weiterlesen
Uta Seeburg: das wahre Motiv; Historischer Kriminalroman
Es ist nun der zweite Band der Reihe um den von Preußen nach Bayern ausgeliehenen Major Wilhelm Freiherr von Gryszinski. Diesmal beleuchtet der Roman intensiv die Künstlerszene der bayerischen Hauptstadt im Jahre 1895. Es ist ein Kulturschock für den braven Preußen was die Münchner Künstler und die sich dafür halten veranstalten. Die Kunstszene in Schwabing ist selbst den eingeborenen Münchnern suspekt. Nun treibt ein Serienmörder in dieser Kunstszene sein Unwesen. Wäre das nicht schon genug, so will die Ehefrau des braven Ermittlers ein Buch veröffentlichen. Dazu braucht sie die Genehmigung ihres Herrn Gemahl. Wunderschön sind die Szenen in denen die bajuwarische Esskultur geschildert wird. Hier läuft beim Leser unwillkürlich das Wasser im Mund zusammen. Man riecht förmlich wenn die Haushälterin den Bräter eröffnet und der Braten durch die Küche wabert in der in solchen Momenten der brave Herr Major in der Nähe ist. Weiterlesen
Wilsberg, sein erster und sein letzter Fall, Jürgen Kehrer

Ich muss zugeben, ich kannte die Buchreihe mit Georg Wilsberg, dem ehemaligen Rechtsanwalt und dann vermeidlichen Privatdetektiv nicht. Auch die Verfilmungen gingen mir durch die Lappen, dabei existiert die Reihe seit 1990. Nun gut, ich geriet an Wilsberg ersten und letzten Fall in einem Buch.
In seiner kleinen und schäbigen Kanzlei vertritt Wilsberg vermeidliche Tierschützer, Partygänger und einen abgehalfterten Rockstar. Doch dann wird er für einen spektakulären Mordfall engagiert. Mit der Aussicht auf das große Geld und Berühmtheit hängt sich der junge Wilsberg voll in den Fall. Gleichzeitig verliebt er sich und seine Flamme Shirin hilft ihm tatkräftig, die Unschuld seines Mandanten zu beweisen. Wie sehr man ihn damit über den Tisch zieht, merkt er, als er zu spät ist und dreiunddreißig Jahre später, soll ihn das den Kopf kosten.
Spannend mit Münster Lokalkolorit und enormen Wortwitz. Da ich Wilsberg nicht kannte und er kein alter Hut für mich ist, kann ich das mit frischen Augen beurteilen. Richtig guter Regiokrimi mit tollen Protagonisten. Das wird nicht mein letzter Wilsberg sein, auch wenn dieser der Letzte ist!
NIKOLE HANNAH-JONES (HRSG.): 1619, EINE NEUE GESCHICHTE DER USA

1619 von
Es ist erstaunlich das eine Nation, die unterschiedliche Menschenrassen als Einwohner bezeichnet es aber nicht fertig bringt, diese in die Geschichte der Nation einzubinden. Dies versucht dieses Werk für die Schwarzen Amerikas. Dabei kommen die verschiedensten Autor*Innen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen zu Wort, um den Begriff der Sklaverei, in den vielfältigsten Ausformungen, auf zu zeigen. Dabei kann es zu nicht chronologischen Reihenfolgen kommen. Für die Herausgeberin des Werks sind bei der Schaffung dieses aufwendigen Werkes erstaunliche Ergebnisse zustande gekommen. Das Werk hat den renommierten Pulitzer Preis gewonnen und wird wohl auch neueren Unterrichtsstoff für Amerikanische Geschichte bilden. Weiterlesen
Stephan Hinz, Cocktailkunst, Die Zukunft der Bar

Cocktailkunst ist die gelungene und erweiterte Neuauflage. Erstmals erschien das Buch 2014. Es gilt seitdem als Standartwerk in der Barkultur und gehört als Nachschlagewerk, Ausbildung und Anleitung in jede Bar und für jeden Hobby-Bartender. Die Erstauflage wurde preisgekrönt und mehrfach übersetzt.
Elin Wägner: Die Sekretärinnen
Schweden scheint schon immer liberal und fortschrittlich gewesen zu sein, so dass es erstaunt, dass auch in diesem Land die Frauen Anfang des 20. Jahrhunderts für ein selbstbestimmtes, wirtschaftlich unabhängiges Leben kämpfen mussten. Als »Die Sekretärinnen« 1908 erschien, gab es zwar schon das kommunale Wahlrecht für Frauen, aber erst 1921 sicherte ein Gesetz den Frauen das nationale Wahlrecht. Der Einblick, den uns die Autorin gewährt, hat in über 100 Jahren nichts an Aktualität verloren. Wie Frauen weltweit, mussten auch schwedische Frauen lernen, sich in der patriarchalischen Arbeitswelt zu behaupten. Und »me too«-Erfahrungen tauschte man allenfalls im geschützten Raum der eigenen vier Wände aus. Elin Wägner war eine dieser modernen Frauen, Pionierinnen und Wegbereiterinnen und daher überrascht auch die moderne Sprache mit einem Schuss Verspieltheit und Witz nicht. Inwieweit die neue Übersetzung dazu beigetragen hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Auf jeden Fall hat Wägner es verstanden, uns auf – nur – 176 Seiten ihre Protagonistinnen Elisabeth, Eva, Baby und Emmy samt deren jeweiliger Geschichte nahezubringen und den Sekretärinnen ein Denkmal zu setzen. Weiterlesen
Robert Harris: Königsmörder
Der Autor lässt die Zeit um 1660 in England und Amerika für die geneigte Leserschaft auferstehen. Er schildert die gnadenlose Verfolgungsjagt König Karl II auf die „Mörder“ seines Vorgängers Karl I. Dieser wurde von Oliver Cromwells Männern verurteilt und hingerichtet nachdem vorher ein blutiger Bürgerkrieg losgetreten wurde. Die fanatischen Verfolger sind den 50 Unterzeichnern des Todesurteils in Europa und Amerika auf den Fersen. Die Lebensumstände der handelnden Menschen werden authentisch widergegeben. Der Kampf gegen die Natur und die Indianer sowie der innere Kampf der religiösen Eiferer wird ausgiebig geschildert. Blutig sind auch die Schilderungen der Hinrichtungen der Richter und Unterzeichner des Todesurteils. Weiterlesen