Ein vielschichtiger Thriller, der mich durch ein spannungsgeladenes Handlungsgerüst führte und am Ende war ich froh, dass es nur ein Thriller war. Spätestens seit der Coronavirus samt Mutationen die Weltbevölkerung im Würgegriff hat, können wir uns vorstellen, dass es da draußen Viren gibt, gegen die kein Kraut gewachsen ist. Und eine Geschichte muss nicht im Jahre 2050 angesiedelt werden, damit wir sie nicht von vorneherein als Humbug abtun. Wir sind voll im Thema. Man merkt den Autorinnen Katrin Lange und Susanne Thiele ihre Metiers an. Die eine Jugendbuchautorin, die andere Mikrobiologin. Einerseits sorgt diese Kombination für einen gut verständlichen wissenschaftlichen Hintergrund, andererseits spricht das Buch aufgrund des leichten Schreibstils und einer positiven Grundstimmung sicher auch junge Leserinnen und Leser an. Und so setzen die Autorinnen einen wissenschaftlichen Schwerpunkt. Weiterlesen
Weil’s einfach gesünder ist, Alexander Herrmann

In dem Vorwort bringt es Alexander Herrmann auf den Punkt und sagt: Ich will gesund sterben! Es geht dem Spitzenkoch nicht nur um das Wohlgefühl beim Genießen. Es geht ihm darum, dass wir uns in unserem Körper wohlfühlen und dafür braucht es das richtige Essen. Hier wird nicht nur eine gesunde Küche vorgestellt, es werden die zehn Top Ten Lebensmittel, von Obst über Gemüse zu Kohlenhydrate, Nüssen und Öle beschrieben und vor allem deren gesunde Wirkung. Die Rezepte sehen durch die Bank weg lecker aus, doch für alltagstauglich würde ich sie nicht befinden. Es steckt schon einiges an Arbeit und Vorbereitung darin. Doch wer scheut schon Vorbereitungen, wenn man dann eine lackierte Entenbrust mit Sanddorn und Safranhonig oder für den vegetarischen Geschmack Walnuss-Dinkel-Knöpfle mit Belugalinsen genießen kann. Guten Appetit!
Alexis Ragougneau: Opus 77
Sehr geehrte Leserschaft, sind Sie bereit für eine Fahrt auf der emotionalen Achterbahn? Dann nehmen Sie Platz, legen den Sitzgurt an und folgen Sie den Hinweisen des Autors. Alex Ragougneau kann für sein Opus 77 aus dem Vollen schöpfen. Seine Erfahrungen, die er als Schauspieler, Regisseur und Dramatiker gesammelt hat fließen ein, machen die Geschichte um die außergewöhnliche Musikerfamilie Claessens spannend und glaubwürdig. Es ist ein Leben, das der Musik geweiht ist und in dem Glanz und Gloria, aber vor allem der richtige Ton hart erarbeitet sind und der Weg zum Ruhm nicht von jedem Wunderkind zu Ende gegangen wird. In dieser Welt halten sich Licht und Schatten die Waage. Auf stehende Ovationen im Scheinwerferlicht folgt die Einsamkeit. Allein im Hotelzimmer, allein bei den Proben für den nächsten Auftritt, allein mit sich in den Sekunden vor dem Konzertbeginn. Das Timing des Autors ist ausgezeichnet, sein Sinn für Dramatik ausgeprägt. Die Beleuchtung stimmt, wenn er mit Licht und Schatten spielt.
Talberg 1935, Trilogie von Max Korn

Das Jahr 1935 war an sich schon ein harte Zeit, doch in dem Dorf Talberg im Bayrischen Wald an der Grenze zu Österreich ist die Zeit viel früher stehen geblieben. Noch lecken sich die Familien die Wunden des Ersten Weltkriegs in dem die meisten einen oder alle ihre Söhne verloren haben. Die Menschen auf den Höfen sind bis zur Erschöpfung abgearbeitet und dennoch haben sie Angst vor dem Hunger in den Wintermonaten. Nur wenigen Bauern geht es finanziell gut, darunter der Waldbauer. Sein Sohn der studierte Dorflehrer, ist seit sechs Jahren verheiratet mit der als Hexe verrufenen einzigen Schönheit der Gegend. Er ist genauso ein Choleriker, wie sein Vater Josef Steiner. Der will unbedingt einen Enkel und Erben und macht seiner Schwiegertochter Elisabeth bittere Vorwürfe. Das Dorf ist durchsetzt von Boshaftigkeit, Geheimnissen und sehr viel Zorn. Als man den Dorfschullehrer eines Nachts tot unterhalb des Aussichtsturms auf dem Berg findet, scheint die jahrelange böse Energie des Dorfes aufzubrechen. In dem ersten Teil der Trilogie nimmt sich Max Korn Zeit, seine Protagonisten richtig vorzustellen. So erfährt der Leser von den meist missglückten Lebenswegen der Menschen in Talberg. Es gruselt einen, denn das Dorf ist dunkel düster und gemein. Doch die Spannung ist zu hoch, um das Buch weglegen zu können. Teil II und Teil III erwarte ich bereits ungeduldig.
Michael Jensen: Blutgold, Syndicat Berlin
Der Autor Michael Jensen ist uns durch seine historischen Kriminalromane Totenland und Totenwelt besonders aufgefallen, weil er nicht nur kriminelle Handlungen während und nach dem Zweiten Weltkrieg schildert, sondern auch die Innenansichten der jeweiligen handelnden Personen. (Siehe auch frühere Rezensionen). Mit der neuen Krimiserie Syndicat Berlin führt er seine Leserschaft durch seine ausgezeichnet recherchierten Romane in das Berlin von 1918. Der Kaiser hat abgedankt, das Volk hungert und die Kriegsgewinnler versuchen aus der Niederlage finanzielle Erfolge zu erzielen. Die Protagonisten in dieser explosiven Zeit sind die Familie Sass, Kleinkriminellen die nach höherem Streben, rechtsnationale industrielle und Kapitalisten sowie unter Waffen stehende Freischärler. Bezeichnend ist auch in diesem Roman der Blick des Autoren hinter die Kulissen, die sich doch erheblich von der in der Schule vermittelten Tatsachen unterscheiden. Weiterlesen
Christof Gasser: Wenn die Schatten sterben

Die Protagonistin Becky kommt vom Regen in die Traufe. Nervlich angeschlagen zieht sie nach dem tödlichen Segelunfall ihres Mannes mit ihrem 10jährigen Sohn vom heimischen Kiel ins schweizerische Solothurn auf das alte Familienschloss. Spielen ihre Nerven ihr in der ersten Nacht einen Streich oder ist außer ihr und ihrem Sohn noch jemand in dem großen Haus? Auf jeden Fall finden am nächsten Morgen die Arbeiter, die mit Renovierungsarbeiten im Keller begonnen haben, eine eingemauerte Leiche. Als die Untersuchungen ergeben, dass die Frau vor ca. 60 Jahren erschossen wurde, ist dieser Fall nach Schweizer Recht kein Fall mehr für die Ermittlungsbehörden. Weiterlesen
Wald – Wild – Genuss, Harald Rüssel

Wild – Rezepte, Wald – Geschichten, Genuss – Wissen. Harald Rüssel beginnt sein Buch mit den Worten Zitat Seite7:
Dieses Buch ist eine Hommage an den Wald und die
Natur. Und an den Hunsrück – die Region, in der Rüssels Landhaus beheimatet ist. Und am Anfang steht: Mein Weg zur Jagd und zur Regionalität – über einen hohen Anspruch an Frische, Saisonalität und Tierwohl. Mit Recht schreibt er weiter, dass dieses Buch kein normales Kochbuch ist. Es ist eine Biografie über seinen Werdegang und seine persönliche Entwicklung von der Ausbildung zum Koch, die Wanderjahre bis hin zur Selbständigkeit mit seinem „Rüssels Landhaus St. Urban“ im Hunsrück bei Naurath. Etwas abgelegen inmitten der Natur ist es schon. Aber immer eine kulinarische Reise wert. Diese Lage verbindet einen mit der Regionalität und Saisonalität. Das Obst und Gemüse vom Bauern nebenan. Das Wildbret des Försters oder Jäger frisch erlegt geliefert. Der Kontakt zu den Weidmänner hat ihn verführt selbst zur Jagd zu gehen.
Max Oban, Blutroter Wein, Ein Krimi aus Südtirol

Schon auf den ersten Seiten erkennt man sofort, hier ist der Autor ein Genießer von gutem Essen und dazu ein guter Wein. Der Protagonist ist ständig damit beschäftigt, wie beschreibt es der Autor so schön in diesem Roman, dass Landgasthäuser und gute Restaurants ihn ständig vor dem Hungertod bewahren müssen. Weil zu jeder Speise ein Getränk gehört, dann ein richtig gutes Glas Wein. Daran gerochen, probiert, goutiert und beschrieben. Als Leser bekommt man Appetit und bedauert, dass man nicht das gleiche Glas probieren kann.
Elise Hooper: Fast Girls
Wie kommt man zu den Olympischen Spielen? Trainieren, trainieren, trainieren! Das war 1936 so und hat sich auch im 21. Jahrhundert nicht geändert. Historisch zurückblickend Licht auf die Leben dreier amerikanischer Olympionikinnen von Berlin zu werfen ist eine Sache. Aber es auf eine emotional-hollywoodreife Art zu tun, die mich abholt, mitleiden, mitfreuen, mittriumphieren und auch mitweinen lässt, mich kurzum für die Thematik öffnet, ist eine Fähigkeit, um die man Amerikaner beneiden kann. Als die drei Protagonistinnen Betty, Louise und Helen ihren Kampf mit dem amerikanischen Olympischen Komitee um die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Berlin aufnehmen, kämpfen bereits seit fast drei Jahrzehnten weltweit Frauen in der Frauenbewegung u. a. um die Gleichstellung der Geschlechter und die Neubewertung der tradierten Geschlechterrollen, um insbesondere im Geschlechterverhältnis Bevormundung, Ungerechtigkeiten und soziale Ungleichheiten zu beseitigen. Weiterlesen
Feuerschuh und Windsandale, Kinderbuch ab 6 Jahre

Es ist wunderbar, dass immer mal wieder Kinderbücher aus früheren Zeiten, in diesem Fall den sechziger Jahre, neu aufgelegt werden. Feuerschuh und Windsandale ist solch ein Kinderbuch und erinnerte mich sehr an Erich Kästners berühmte Kinderwerke. Es ist eine wunderschöne Geschichte über eine arme, aber sehr liebevolle Familie. Der kleine Tim ist ein Moppelchen und wird in der Schule gehänselt, denn Mobbing gab es schon immer unter Kindern. Eigentlich möchte er ein ganz anderes Kind sein, reich, schlank und auch beliebt. Da schenkt ihm sein Vater zum Geburtstag rote Wanderschuhe und einen Rucksack. Gemeinsam wollen sie in den Ferien auf die Wanderschaft gehen und bei den Bergbauern arbeiten.
Eine bezaubernde Geschichte über Liebe, Werte und Selbstbewusstsein, das man schon als kleiner Zwerg entwickeln kann, wenn man so einen prima Papa und eine so liebe Mama hat wie Tim. Weiterlesen