Bov Bjerg, Der Vorweiner

Wow, was für eine Idee! Da muss man erstmal draufkommen! Wenn es nach Jules Vernes Romane geht, der Science-Fiction Romane, mit damals vielen interessanten Ideen, zu Papier gebracht hat und diese sind dann fast alle Realität geworden, könnten die Beschreibungen von Bov Bjerg in diesem Roman auch Realität werden. Bov Bjerg erzählt ein Szenario, welches wir heute für Utopie halten. So etwas wird und kann nicht passieren. Die Menschen werden immer Gefühle, Emotionen und Empathie haben. Ist das so? Oder stumpfen wir nicht immer mehr ab? Die ewig schlechten Nachrichten, mit Bildern untermalt, von brutalen Kriegen, Massakern, Mord, Totschlag, Amokläufen oder geschundenen und ertrunkenen Flüchtlingen. Oder die überbrutalen Videospiele, in denen der Erfolg hat, der die meisten Gegner tötet. Können wir noch Emotionen zeigen und Weinen?

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Martin Suter: Melody

Auch im vorliegenden, elften Roman, den er pünktlich zu seinem 75. Geburtstag veröffentlicht, bleibt Martin Suter seinem Genre treu und führt die Leser: innen wiederholt gekonnt in die Welt der Schönen, Reichen und Mächtigen. Und mit Dr. Peter Stotz hat Suter einen Protagonisten erschaffen, der mit den wunderbaren Charakteren Weynfeldt und von Allmen auf einer Stufe steht. Spannend wird es aber erst durch den Blick hinter die glänzende Fassade. Tom Elmer, gerade dreißig, Jurist mit zwei abgeschlossenen Studiengängen in der Schweiz und in England, ohne Anstellung, denn bis zum überraschenden Suizid des vermeintlich wohlhabenden Vaters, war sein Beruf Sohn, was ihm schmerzlich bewusstwird. Auf sich gestellt und mittellos hat er einige erfolglose Bewerbungen verschickt und befürchtet, dass er sich arbeitslos melden müsste, als er zum Gespräch bei Dr. Weiterlesen

Thomasina Miers, Mexikanisch Vegetarisch, Bunte Gemüse, würzige Salsa, eine Chiliparade mit frisch-fruchtigen Aromen

Bis vor ein paar Jahren hat noch fast niemand darüber geredet. Die ersten Vegetarier und erst recht die Veganer galten als eine verrückte Modeerscheinung. Die sind bald wieder weg. Die Aufklärung durch viele Medien, was ist besser für unsere Zukunft, der Welt, Umwelt, einfach weniger Tierhaltung. Was ist gesünder für unser Allgemeinempfinden, sollten wir uns nicht viel mehr pflanzlich ernähren. Und die Schäden durch den Klimawandel haben uns gezeigt und vorgegeben, dass kein Restaurant, Hotel, Gasthof ohne ein veganes/vegetarisches Angebot mehr zurechtkommt. So auch Thomasina Miers in ihrem angesagtesten mexikanischen Restaurant „Cantina Wahaca“ in London. Auch Frau Miers hat diese Entwicklung mitgemacht. Sie selbst bezeichnet sich als Flexitarierin. Sie ißt noch Fleisch, je nachdem wie ihr zumute ist, bevorzugt aber immer mehr die pflanzliche Kost.

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Cecilia Lattari (Text) und Alice Guidi (Illustration): Die geheime Kraft des Waldes

Ich muss sagen, Cecilia Lattari hat sich für ihr Buchprojekt mit Alice Guidi eine ganz besondere Illustratorin ins Boot geholt, die mit viel Liebe und Verständnis für das Thema dieses Buch sehr gelungen gestaltet hat. Die geheime Kraft des Waldes ist ein sehr persönliches Buch in dem die Autorin von ihren Erfahrungen und ihrem Weg zur „grünen Hexe“ erzählt. Was ist eine „grüne Hexe“? Diese Frage stellt und beantwortet Lattari gleich zu Beginn: Jemand, „der die Sprache der Natur und den Kreislauf der Jahreszeiten kennt…“  Womit wir beim Thema sind. Die geheime Kraft des Waldes folgt den Jahreszeiten, vom Winter bis zum Frühling. Vier Kapitel, je eins pro Jahreszeit, Weiterlesen

Karin Erlandsson: Innehalten, Masche halten

Dass Stricken im Norden beheimatet ist, kann man angesichts der schönen, traditionellen Strickmuster aus Skandinavien und Großbritannien vermuten. Dass aber das älteste Fragment eines Stoffes, der gestrickt wirkt, vermutlich 8500 Jahre alt ist und in einer Höhle in Israel gefunden wurde, überrascht mich. Wie so viele andere Informationen in Karin Erlandssons erfrischend persönlichem Sachbuch. Im Plauderton erzählt die Autorin die Geschichte des Strickens, die ganz eng mit der 10.000-jährigen Geschichte der Schafe verknüpft ist. Ja, die Frage, muss ich das alles wissen, nur um einen Schal zu stricken, kann man stellen und man kann auch sagen, das muss man nicht alles wissen, aber: mit dem Wissen aus diesem Weiterlesen

Satu Rämö, HILDUR – Die Spur im Fjord, Kriminalroman.

Atmosphärisch, emotional und mitreißend – Der Erste Fall für Islands wagemutigste Ermittlerin. Island, der zweitgrößte Inselstaat Europas nach Großbritannien. Die größte Vulkaninsel der Welt. Von den Wikingern als Eisland bezeichnet, woraus Island wurde. Das kommt nicht von ungefähr. Island liegt nur knapp unter dem Polarkreis. Die Nähe zum Polarkreis beschert Island ein raues Klima mit langen dunklen Wintern. Die spärliche Vegetation kann nur existieren, weil Island im Golfstrom liegt. Genau hierhin, zu den gerade mal 366 000 Einwohnern, den vielen Schafen und den robusten kleinen Island-Ponys, die dieses Klima ertragen können, hierhin hat es die Finnin Satu Rämö verschlagen. Als Austauschstudentin hat Satu Rämö sich entschieden nach Island zu gehen und ist geblieben. Ihr persönliches Interesse an Sagen und Geschichten hat sie zu Hildur geführt.

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Mateo Zielonka, Pasta Masterclass, Handgemachte Nudeln in allen Formen

Hochmut kommt vor dem Fall! Ehrlich gesagt, ich habe mit etwas Arroganz auf dieses Buch geschaut. Was will denn Mateo Zielonka noch über Nudeln und Nudelgerichte erzählen. Ich war der Meinung, ich als Nudelliebhaber und Passionist kann und weiß schon alles um die Nudeln. Weit gefehlt. So ehrlich bin ich nun mal, auch zu mir selbst. Aus diesem Buch „Pasta Masterclass“ von Mateo Zielonka habe ich noch sehr viel dazugelernt. Viele Sachen die ich noch nicht kannte, viele Kniffe, Tipps und Tricks. Meine Empfehlung, gönnen sie sich dieses Buch und lernen spielerisch Pasta Masterclass dazu. Kennen sie Malfetti, Mezzelone, Trofie oder Pangrattato, was zum Beispiel süchtig machen soll und vieles mehr. Muss man denn alles selbst machen? Vieles kann man in den heutigen Frischeläden Nudelmanufakturen frisch kaufen. Hält man sich aber an Mateo Zielonka, übrigens kein Italiener, sondern polnischer Herkunft, erfährt man, wie viel Freude es einem bereitet, die verschiedenen Teige zu Kneten und Ausformungen zu lernen und in den entsprechenden Saucen zu servieren. P.S. man serviert nie die Sauce extra, nur das fertige Gericht. Und man gibt immer die Nudel in die Sauce, nie umgekehrt.

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Otto Waalkes: Ganz große Kunst

Mensch Otto, sehr geehrter Herr Waalkes, herzlichen Glückwunsch zu ihrem gelungenen Crossover! Wo hängen die Bilder? Wo kann ich mir die Originale ansehen? Das Buch übertrifft meine Erwartungen um ein Vielfaches. Es ist vom Cover bis zur letzten Seite sehr persönlich und strahlt so viel Positives aus. Ich hätte dem hibbeligen, quirligen Komiker Otto nicht so viel Geduld zugetraut, wie sie der Maler Otto Waalkes an den Tag legt. Schon „Der arme Poet“ auf dem Cover verheißt Gutes und Unterhaltung. Man muss genau hinschauen, um all die versteckten Otto-Details – wie den Leuchtturm in der Ferne oder die Ostfriesen Weiterlesen

Andreas Pflüger: Wie sterben geht

Jahrzehntelang beflügelte der Kalte Krieg die Phantasie von Autoren weltweit und das Genre Spionage stand in voller Blüte. Spannende Konflikte, mutige und unerschrockene Agenten der CIA und des MI5 – allen voran James Bond, retteten die westliche Welt vor den Machthabern im Kreml. Leser: innen, die glauben, alles zu diesem Thema gelesen und gesehen zu haben, sollten erst Andreas Pflügers neuen – heute erscheinenden Thriller Wie sterben geht – vor einer endgültigen Einschätzung lesen. Wie schon in seinen vorangegangenen Thrillern besticht Pflüger mit seiner aufwendigen Recherche und siedelt seinen spannenden, glaubwürdigen Plot in den frühen 1980er Jahren an und setzt ihn in Kontext mit den weltpolitischen Ereignissen dieser Zeit. Pflüger schickt eine Agentin ins Rennen: Nina Winter, jung, ehrgeizig und wagemutig, die die erste Chance, die sich ihr bietet nutzt und den Schreibtischjob gegen den aktiven Dienst – in Moskau – tauscht. Dass sie russisch wie ihre Muttersprache spricht ist selbstverständlich. Dass sie dem russischen KGB-Offizier Rem Kukura durch ihre Stellungnahmen aus ihrer Zeit als Analystin bekannt ist, deutet darauf hin, dass er kein kleines Licht auf der KGB-Torte ist. Pflüger mag seine Protagonistin, man kann es lesen und spüren, auch wenn er ihr nichts schenkt. Weiterlesen

Christian Rach, Susanne Walter, Deutsche Küche

Vor kurzem hatte ich festgestellt, dass zurzeit die interessantesten und auch sehr guten Kochbücher aus dem Land, mit dem Nimbus kommen, keine gute Küche zu haben, nämlich aus Großbritannien. Es gab wenige deutsche Kochbuchautoren. Wenn es etwas Hochwertiges gab, waren es Bücher von Sterneköchen, die durch die Unterstützung ihres Patrons, Patronin Bücher mit exquisiten Rezepten, tollen Vorstellungen der Betriebe/Hotels/Restauration/Weinkellers zum Inhalt hatten. Und jetzt liegt mir das Buch „Deutsche Küche“ von Christian Rach und seiner Co-Autorin Susanne Walter vor.

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