Alle Artikel von Elke Rossmann

Iryna muss in ein fremdes Land, Pixibuch, Ingo Siegner – Buch-Projekt des Kinderheims Kleine Strolche zur Integration von Kindern auf der Flucht

Letztes Jahr vor Weihnachten hatten wir schon von dem gemeinsamen Buchprojekt von Ingo Siegner, dem Kinderheim Kleine Strolche und dem cbj Verlag berichtet. Damals ging es um ein kleines Pixibuch, das Kindern den Einstieg in ein Heim erleichtern soll, mit dem Titel: Matti wird ein kleiner Strolch.

Jetzt erschien ein neues Pixibuch wieder als gemeinsames Projekt, dass Kinder auf der Flucht aus der Ukraine Mut machen soll. Es sind vor allem die wunderschönen Zeichnungen und sehr kindgerechten Texte, die Flüchtlingskindern ein wenig helfen sollen zu verstehen, was gerade mit ihnen in dem fremden Land passiert. Das Büchlein erschien sowohl mit deutschem als auch ukrainischem Text. Aber es geht nicht nur um das Bärenmädchen Iryna, das vor dem Krieg flüchten muss.  Auch Ulf, das Eisbärkind musste den Nordpol verlassen, weil das Eis schmilzt. Das Elefantenmädchen Elli, weil Wilderer die Elefanten erschießen und auch Archie der kleine Koala, weil es in seiner Heimat immerzu brennt. Doch gemeinsam können die kleinen Tiere ein neues Zuhause im heimischen Wald finden. Eine geradezu anrührende Geschichte, voller Hoffnung. Ein großartiges Projekt, das auch dank eines Unternehmers, der den Druck und Versand von 50.000 Exemplaren finanzierte, zustande kam.

Wenn Sie liebe Leser unseres Stadtmagazins ebenfalls einen kleinen Beitrag leisten möchten, können Sie als Privatperson das Büchlein für 12,00 Euro unter folgenden Link bestellen:

https://kinderheim-kleine-strolche.de/kinderbuch-ukraine

Organisationen wie Schulen und Kindergärten können unter dem gleichen Link kostenlos bestellen, solange der Vorrat reicht.

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Ancora, Colin Hadler, Jugendbuch ab 13 Jahre

Ein Mystery-Thriller für Jugendliche mit einem sehr interessanten Grundthema, dass man eigentlich noch viel besser hätte ausbauen können. Doch Colin Hadler ist noch ein sehr junger Autor, der gerade erst richtig mit dem Schreiben angefangen hat. Auch wenn Ancora noch nicht das Kaliber von den Tributen von Panem oder Twilight hat, so ist es doch ein spannendes Jugendbuch mit ausgesprochen sympathischen Figuren. Eine klare Leseempfehlung.

Wir werden bestimmt in der Zukunft noch viel von Colin Hadler lesen!

 

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Blutrote Tulpen, Ibon Martín

Aufgrund der schrecklichen Ermordung einer Radioreporterin wird eine spezielle Polizeieinheit im Baskenland gegründet, die Unidad Especial de Homocidios de Impacto, deren Chefin Ana aus Gernika wird. Sie und ihr junger Kollege Aitor bilden zusammen mit der Kommissarin Julia, der Psychologin Silvia und einem eher unangenehmen, arroganten Zeitgenossen von Interpol, Txema, das Team. Die Arbeit lässt nicht auf sich warten, denn schon bald gibt es eine zweite Tote. Eigentlich nahm man an, dass die ältere Dame aus dem Fenster fiel, bis auch bei ihr eine Tulpe gefunden wird, genau wie bei der Reporterin Natalia. Das Morden geht weiter, bis eine Spur in die Vergangenheit zu einem Kloster führt, indem die Nonnen aber wenig kooperativ sind.

Spannende Unterhaltung aus dem Baskenland, mit komplexen Hintergründen. Ein toller Thriller, der richtig gerockt hätte, wenn der Autor sich 100 Seiten gespart hätte. Doch das schmälert die Geschickte keineswegs.

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Richter morden besser, Thorsten Schleif

Siggi Buckmann seines Zeichens Richter beim Amtsgericht, hat seinen Idealismus, die Welt zu verbessern, bereits seit einiger Zeit vor dem Gerichtssaal abgelegt. Bürokratie und Berufungsverfahren, die seine Urteile aufheben sind an der Tagesordnung. Die üblen Kerle kommen immer wieder davon. Als jedoch der heroinabhängige Obdachlose Fredi an einer tödlichen Mischung stirbt, werden Siggis juristische Lebensgeister noch einmal geweckt. Denn Fredi hat einmal etwas für den Richter getan, dass der ihm niemals vergessen wird. So startet er mit einem befreundeten sehr fähigen Drogenfahnder, einem Oberstaatsanwalt und seinem türkischstämmigen Referendar ein fast aussichtsloses Unterfangen. Er will den Clan-Chef der örtlichen Drogenmafia drankriegen. Wer kann schon ahnen, dass er damit das Leben seiner Freunde und auch seiner eigenen Familie gefährdet. Doch aufgeben ist nicht, zur Not greift man zum letzten Mittel, denn wenn ein Richter nicht weiß, wie man mordet, wer dann?

Das Buch ist nicht nur spannend mit einem sehr präsenten und ernst-traurigen Hintergrund, es schafft den Balanceakt, dabei auch noch triefend ironisch und witzig zu sein. Thorsten Schleif kann schreiben und die Leichtigkeit seiner Geschichte verliert nie die Brisanz, wenn es um das teils marode deutsche Rechtssystem und die Macht von kriminellen Clans geht. Ein großartiger neuer Romanautor betritt die deutsche Krimiszene!

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Stiller als der Tod, Dario Correnti

Eher ein unaufgeregter Krimi als ein Thriller und das passt auch so viel besser zu den beiden Protagonisten. Denn Marco Besana und Ilaria Piatti, die beiden Kriminaljournalisten sind eher die typischen Antihelden. Besana ist bereits in Rente und nur noch als freier Journalist unterwegs und Ilaria hängt mehr oder weniger ohne Vertrag und Anstellung in der Luft. Doch beide sind scharfe Hunde, wenn es um Mord geht. So ist der Tod eines betuchten Italieners in der Schweiz, ein gefundenes Fressen für sie. Denn die beiden glaube keine Sekunde, dass er ein Fressen für den Bären wurde, dem man diesen Tod anlastet. Vielmehr scheint er zu einer weiteren Reihe von Giftmorden zu gehören, denen die beiden Journalisten immer näherkommen. Leider auch privat!

Gute und spannende Unterhaltung, ohne viel Schnickschnack und Aktion. Ein echt solider und lesenswerter Krimi.

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Am Ende der Unschuld, Silke Ziegler

Es ist definitiv ein Krimi, auch wenn es wie ein Thriller anfängt. Wer es aber eher sanft liebt und zwischendurch mal tief Luft holen will und seufzen mag, weil die Liebe ja so schön ist, der ist hier genau richtig. Milla ist eine mäßig erfolgreiche Journalistin bei einem kleinen Käseblatt in Frankfurt. Außerdem ist sie gerade im Begriff, sich von ihrem untreuen Ehemann scheiden zu lassen. Als Millas Chefredakteur ihr anbietet den Vergewaltiger und Mörder Robert Hoffmann im Pariser Gefängnis zu interviewen, sagt sie sofort zu. Der ehemalige deutsche Star am Journalistenhimmel wurde zu einer lebenslangen Haft wegen Mordes an seiner Verlobten, der Schauspielerin Simone Dubois verurteilt. Obwohl er gegenüber der Presse immer geschwiegen hat, will er jetzt nur mit Milla reden.

Krimiunterhaltung, die einem das Herz nicht schneller schlagen lässt, es sei denn, man fährt auf knisternde Gefühle und in der Luft liegende Erotik ab. Gute Unterhaltung für einen oder zwei verregnete Urlaubstage. Und dann lassen Sie sich mal überraschen, ob man das Buch dann wirklich auch mit einem weiteren Seufzen zuschlägt.

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Henry, Florina Gottschick

Henry ist nicht die übliche Zwölfjährige. Sie ist anstrengend, witzig, voller Fantasie und leider sehr selbstständig. Zwar hat sie ein gutes Verhältnis zu ihrem Vater, doch mit der Mutter hapert es. Sie beiden verstehen sich nicht. Als Marion ihren neuen BMW mit schlafender Tochter auf der Rücksitzbank nur einen Moment vor der Haustür stehen lässt, wird das Auto geklaut, denn die Schlüssel lagen noch im Wagen. Das Kind ist weg! Eine Entführung!

Wer so dusselig ist und so einen scharfen BMW mit Schlüssel stehen lässt, verdient es nicht anders, denkt Sven. Nur als die Kleine hinten aufwacht und ihn an der Tankstelle aussperrt, wird es kritisch. Sie flieht nicht, sondern will mit ihm kommen, ein Abenteuer erleben. Und so fängt das Roadmovie, würde man beim Film sagen, an. Witzige, erfrischende und sehr liebenswerte Story über drei junge Menschen, die eine außergewöhnliche Zeit miteinander verbringen. Hat mich in seiner Dynamik hier und da an tschick von Wolfgang Herrndorf erinnert.

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Unsere anarchistischen Herzen, Lisa Krusche

Die verlorenen Jahre in der Zeit des Erwachsenwerdens sind sowieso schon kaum auszuhalten, doch mit dem falschen Elternhaus, wird selbst Rebellion zu einer zähen Sache. Charles hat sich ihr Leben mit ihren irren Hippie-Eltern in Berlin eingerichtet. Ab und zu muss sie mal ihren Vater hinterher, wenn er als Flitzer durch die Straßen rast und das für Kunst hält, aber bitte, es gibt Schlimmeres. Nämlich, dass ihre völlig verkorkste Mutter plötzlich mit Sack und Pack und leider auch der gesamten Familie in eine Kommune aufs Land zieht. Charles ist am Nullpunkt angekommen, ohne Berlin kann sie sich den Schuss geben. Gwenn lebt in der Schickimickisiedlung mit ihren reichen Eltern und ihrem fast immer zugekifften Bruder. Sie lebt ein Doppelleben. Zu Hause die elitären Freunde der Eltern, wobei männlichen Freunde keinen Versuch unterlassen, dem heranwachsenden Mädchen mal an den Hintern zu packen. Dann die asozialen Ecken von Hildesheim, wo sie dreckigen Sex hat und sich Streetfights liefert. Alles schreit danach, das Gwenn und Charles sich endlich treffen. Und das hat dann auch einen Knalleffekt vor allem für die Eltern, aber endlich Linderung für die Mädchen.

Witzige Sprache am Zahn der Zeit und erschreckende Einsichten in das alltägliche Leben von Teenagern. Pubertät ist nun mal alles andere als einfach! Erstaunlich wie viel man vergessen hat von den verwirrenden Zeiten, hier kann man sich erinnern!

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Upper World, ein Hauch von Zukunft, Femi Fadugba

Wenn man als farbiger Teenager im elendsten Teil Londons ohne Vater aufwächst, ist es schwer, die Füße auf dem Boden zu bekommen. Vor allem wenn man an eine Schule geht, die mehr oder weniger von zwei Streetgangs beherrscht wird. Clevere Schüler ducken sich weg und halten Abstand. Esso ist zwar nicht dumm, doch hat den Hang dämliche Dinge zu tun. So gerät er mitten in einen Bandenkrieg, bei dem es bald um mehr als nur Schlägereien geht. Als er auf dem Schulweg einem kleinen Jungen das Leben rettet, indem er sich vor ein Auto schmeißt, passiert etwas Merkwürdiges. Während einer Ohnmacht sieht er plötzlich Szenen aus seiner Zukunft und die sind alles andere als angenehm. Wenn das kein Traum war, dann werden bald eine Menge Freunde sterben, inklusive er selbst.

Richtig gute Jugendliteratur, die sich auf sehr verständliche Weise mit Einsteins Relativitätstheorie und Zeitreisen beschäftigt. Und am Ende hat das Buch eine Überraschung parat. Quod erat demonstrandum.

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Geschichte des Sohnes, Marie-Hélène Lalon

Die Geschichte des Sohnes ist keine ungewöhnliche Erzählung aus der Zeit zweier Weltkriege. So oder ähnlich erging es wahrscheinlich vielen Familien. Der früher Tod eines Kleinkindes, gefallene Ehemänner, Brüder, Väter und ungewollte Schwangerschaften, uneheliche Söhne, die nur durch den Familienzusammenhalt zu guten Menschen heranwachsen.

Was dieses Buch so besonders macht, ist Marie-Hélène Lafons Schreibstil, ihre virtuose Kunst eine banale, fast einfache Geschichte so zu erzählen, dass einem die Tränen kommen, dass man weiterlesen muss. Am Ende der Erzählung, die mit der dritten Generation endet, schlägt man das Buch zu und ist glücklich. Glücklich darüber, an der Geschichte der Familie Léoty und Lachalme als Beobachter teilgenommen zu haben.

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