Alle Artikel von Elke Rossmann

5000km Freundschaft, Torben Kroker und Karl-Heinz Schulz

Ich war ein wenig skeptisch bei dem Buch. Denn der Roadtrip eines Vierundneunzigjährigen zusammen mit einem zweiundzwanzigjährigen jungen Mann ist das wirklich ein Buch wert? Vor allem erfüllt das Cover mit dem Foto der beiden erst einmal ein Klischee: Karl-Heinz Schulz, genannt Carlos, wirkt wie der griesgrämige Nachbar der Siedlung und Torben Kroker eher wie ein wohlerzogenes Bübchen ohne jegliche Lebenserfahrung. Aber weit gefehlt, denn die Reisebeschreibung ihrer fünftausend Kilometer in 2020 quer durch Europa, mit dem Ziel die Plätze wiederzusehen, an denen Carlos nach dem Krieg interniert war, sind überaus unterhaltsam. Die Reisebeschreibung von Torben Kroker mit allen Problemen die auftreten, wenn man mit einem Freund unterwegs ist, der dreiundsiebzig Jahre älter ist, sind nett geschildert. Aber auch die Highlights in Frankreich und vor allem Spanien machen Spaß und man kann menschlich nur den Hut vor dem jungen Mann ziehen. Dem werden Lebenserinnerungen an die Nachkriegszeit von Carlos gegenübergestellt, sodass man mit Carlos die Zeit in den Orten noch einmal erlebt.

Zwei sehr unterschiedliche Menschen, nicht nur wegen ihrer so unterschiedlichen  Lebensjahre, wagen eine außergewöhnliche Reise. Sie auf dieser Reise zu begleiten ist anrührend, interessant und spannend. Ein Abenteuer, zu dem Mut gehört und von dem beide sehr froh waren, es gewagt zu haben. Denn dieses Jahr im Januar 2022 ist Carlos mit sechsundneunzig Jahren verstorben.

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Was Bären über Bienen wissen (müssen), Kinderbuch ab 4 Jahre

Wieder einmal ein entzückendes Kinderbuch vom Esslinger Verlag. Eine sehr lehrreiche Geschichte über die Bienen, wie sie im Stock zusammenleben, und warum sie eigentlich Honig fabrizieren. Ein Buch, das man vorlesen sollte und zusammen mit seinen Kindern entdecken. Denn die Illustrationen von Alex Griffiths sind wunderschön und erfreuen Große genau wie die Kleinsten. So ganz nebenbei erfahren Ihre Kinder dann auch viel über Bienenhaltung und dem einem oder anderem kleinen Angsthasen wird die Furcht vor Bienen genommen.

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Leichenschilf, Anna Janssom

Als Rezensentin von Krimis und Thrillern ist man geübt darin, den Killer recht schnell auf die Spur zu kommen. Doch ich muss sagen, bei dieser neuen Krimi-Serie von Anna Jansson, wusste ich bis zum Schluss nicht, was eigentlich Sache ist. Die Protagonisten reichen von schrullig über krank, boshaft aber auch irgendwie liebenswert. Als Leser geht man hier mit. Man kann es fast nicht aushalten, wenn eine der Personen wieder mal völlig dumm handelt. Auch gerät man in Wut, weil Kommissar Bark Unrecht getan wird. Das sind alles Anzeichen dafür, dass man voll und ganz in der Geschichte ist und vor allem mitgerissen wird!

Einen neue Krimi-Serie, die es in sich hat und echte Thriller Fans begeistern wird. Grusel, Grusel!

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1966, Thomas Christos

Eine Zeit des Aufbruchs, das Wirtschaftswunder beginnt langsam und Berlin eine Trotzburg der Amerikaner mitten in der Ostzone, das ist 1966. Den jungen Kriminalkommissar Thomas Engel und seine Verlobte Peggy zieht es nach Berlin, um neu anzufangen. Doch wie brisant die Situation ist, merken sie am ersten Tag, als sie mit ansehen müssen, wie ein Flüchtiger der DDR erschossen wird. Der Verfassungsschutz, die CIA, und die Interne bei der Polizei geben sich die Hand. Es wimmelt von Geheimagenten, Doppelagenten und Abtrünnigen. Anstatt bei der Kripo zu landen, schickt man den jungen Engel zum Observieren. Und dann stellt er einen der linken Studentenführer, wie er mit blutverschmierten Händen über der Leiche eines amerikanischen Professors steht, der seinerseits ebenfalls ein CIA-Mitglied ist.

Der Roman treibt den Leser voran und ist ungemein spannungsgeladen. Doch der wahre Reiz bestand in dem Zeitgefühl, was Thomas Christos in 1966 erschafft. Man taucht ein in fast unglaubliche Zeiten, die eigentlich nur etwas mehr als fünfzig Jahre zurückliegen. Großartiger Krimi aus der Thomas Engel Serie. Weiterlesen

Film: Adam

Der sehr berührende Film Adam ist eine kurze Momentaufnahme im Leben zweier sehr unterschiedlicher Frauen in Casablanca. Der viel zu ernste Witwe Abla, die nach dem Unfalltod ihres Mannes mit ihrer kleinen Tochter eine Bäckerei führt, um sich über Wasser zu halten. Und die junge Samia, die Friseurin war und jetzt alleine und hochschwanger nach Unterkunft und Arbeit sucht. Mehr erfährt man nicht über den Hintergrund der beiden Frauen. Denn ihre kurze Zeit miteinander braucht keine weiteren Erklärungen. Es geht um Gemeinsamkeit, Vertrauen und solidarische Unterstützung. Vor allem aber Gefühle, die auch an dem Publikum dieses Films nicht vorbeigehen können. Ein sehr ergreifender und aufwühlender Film, der ohne viele Worte und Aktionen auf den Punkt kommt.

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Schwarze Schwäne, Gaito Gasdanow -Erzählungen-

Nie hatte ich von Gaito Gasdanow gehört, bis ich die wunderschöne Rezension von Bettina Hartz in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung las. Und so versank ich ebenfalls in den wehmutsvollen brillant erzählten Band Schwarze Schwäne. Es sind Kurzgeschichten eines jungen Mannes, der heimatlos gestrandet war im Paris der zwanziger Jahre. Und heimatlos war Gaito Gasdanow, denn das Russland seiner Heimat war mit der Oktoberrevolution für immer verloren. Es gab kein Zurück mehr. Das merkt man seinen Geschichten an, die von endgültigen Verlusten sprechen, jedoch nie jammervoll, nie anklagend wirken. Der Autor ist eher ein Augenzeuge seiner Texte, berichtet, wird urplötzlich Protagonist und erlebt eine Fiktion. Eine Fiktion, die Bettina Hartz als absurde Märchen betitelt.

Wunderschöne Erzählungen mit einem Nachwort der Übersetzerin Rosemarie Tietze, dass sie unbedingt als Erstes lesen sollten. Denn dann werden die einzelnen Erzählungen aus Sicht des Autors noch eine Tick besser! Richtig gute, großartige Prosa. Weiterlesen

Natriumchlorid, Jussi Adler Olsen – Fall neun des Sonderdezernats Q –

Der neunte Fall des Sonderdezernats Q. Eigentlich sollte es Carls Geschichte werden, wie Fall acht endlich Assads Hintergrund aufklärte. Doch mit Carl hinterlässt uns der Autor einen Cliffhanger. So ist Natriumchlorid auch nicht der stärkste Fall, den as kuriose Sonderdezernat Q aufklärt. Aber da man nach so vielen Fällen, Carl, Assad, Rose und mittlerweile Gordon einfach liebt, verzeiht man auch etwas abwegige Erzählstränge. Außer Frage steht natürlich, dass man diesen Band gelesen haben muss, wenn man ein Anhänger des Sonderdezernat Q ist.

Jetzt bleibt es zu warten auf den letzten und zehnten Band. Hoffen wir, das Jussi Adler Olsen noch einmal ein richtiges Feuerwerk in den Abschlussband packt.

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Eisige Schatten, Jorn Lier Horst – William Wisting ermittelt –

Schon der neunte Fall für den norwegischen Kommissar William Wisting, doch für mich war es der erste aus der Reihe. Ein sehr nordischer Krimi, der sich nicht nur doch Kälte und Schneemassen auszeichnet. Die Autoren aus Norwegen, Schweden und auch Dänemark schaffen es immer wieder, ihre Thriller so realistisch zu schreiben, dass man den Eindruck bekommt, an einer Ermittlung teilzunehmen. Bei Jorn Lier Horst auch keine Wunder, denn er selbst lange in leitender Stellung bei der Kriminalpolizei.

Tolle Protagonisten, gute Story und vor allem leicht und spannend geschrieben. Ein Serienkiller wird auf Norwegisch dingfest gemacht, auch wenn das FBI mitmischt. Sehr lesenswert!

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18/4 Der Hauptmann und der Mörder, Zhou Haohui

Nachdem wir vor Kurzem erst einen Thriller aus Korea besprochen haben, hier nun ein waschechter chinesischer Thriller. Auch hier muss ich wiederholen, dass er Roman natürlich von der chinesischen Lebensweise gefärbt ist, wie sollte er nicht, denn der Autor wurde 1977 in Yangzhou geboren und lebt auch dort.

Die Story über einen Serienkiller, der sich in Selbstjustiz übt und das Sonderkommando 18/4, welches versucht ihn zur Strecke zu bringen ist durchweg spannend und gut geschrieben. Dem amerikanisch, europäisch und vor allem nordeuropäisch geprägten Thriller-Liebhaber wird auffallen, dass der chinesische Krimi recht männerlastig ist und von einem obrigkeitlichen Verhalten im Polizeiapparat dominiert wird. Das jedoch sind Realitäten in China. Wer viel im asiatischen Raum tätig war, liest darüber hinweg. Denn es geht um die Geschichte an sich und die ist ziemlich gut. Ich warte ungeduldig auf die zwei Folgebände, 18/4 Der Pfad des Rächers und 18/4 Die blinde Tochter, die demnächst bei Heyne erscheinen werden.

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Rabbits, Terry Miles

Ich war nie ein Gamer und Computerspiele werden es mir wohl auch nicht mehr antun, dennoch liebe ich Geschichte wie „Ready Player Number one“ oder in diesem Fall „Rabbits“. Eine rasante, spannende Geschichte über ein mysteriöses Spiel, das sich sowohl in der Realität als auch mit Hilfe von Computersimulationen abspielt. Es ist nur den wenigen wirklichen Cracks der Welt der Computerspiele bekannt und die dürfen darüber nicht reden. Als Runde elf beginnt, scheint jedoch etwas falsch zu laufen. Menschen, Spieler verschwinden oder sterben. Ist das Spiel Rabbits daran schuld? K und seine Freundin Zoe begeben sich auf einen lebensgefährlichen Quest, wobei es immer schwierig wird zu erkennen, wo die Realität aufhört und das Spiel beginnt.

Richtig schnelle und gute Unterhaltung aus dem Universum der Computerspiele. Eine abgefahrene Reise in die Welt der virtuellen Spiele, einer verzerrten Wirklichkeit und waschechten, hochintelligenten Computercracks.

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