Alle Artikel von Angela Perez

Heike Koschyk: Das Glück unserer Zeit Band 1 und 2

Wer den ersten Teil dieser Familiengeschichte gelesen hat, will auch den zweiten Teil lesen, und zwar sofort. Daher meine Empfehlung: beide zusammen erstehen. Und aus dem Grund habe ich mich entschlossen, beide Bände zusammen vorzustellen. Zugegeben, Familiengeschichten sind zurzeit in Mode, aber auch wenn man schon die eine oder andere Saga gelesen hat, sollte man diese ausgezeichnet recherchierte und umgesetzte Geschichte einer deutschen Unternehmerfamilie nicht versäumen. Weiterlesen

Val McDermid: Das Mädchen, das den Weihnachtsmann umbrachte

Für Krimifreunde und die, die den britischen Sinn für Humor schätzen, hat der Droemer Verlag mit den Kurzgeschichten von Val McDermid ein richtiges Schmankerl für die Weihnachtszeit und für den Weihnachtswunschzettel. McDermid erweist sich als Meisterin der Kurzgeschichte. Jede Geschichte hat ihren eigenen Charme und Nervenkitzel. Aber die Titel gebende Geschichte Das Mädchen, das den Weihnachtsmann umbrachte ist mein persönlicher Favorit. Die Autorin erzählt abwechslungsreich und spannend. Die Charaktere sind treffend herausgearbeitet und lassen es angesichts der Kürze der Geschichte nicht an der nötigen Tiefe missen. Zugegeben, nicht jede Geschichte hat mit Weihnachten zu tun. Aber wenn der Weihnachtsmann tot ist, gibt es dann noch Weihnachten? Für mich schmälert das nicht die erzählerische Leistung der Autorin, die mich auf ihr Gesamtwerk Weiterlesen

Bernhard Hofer: Tannenfall Der erste Schnee

Bernhard Hofer beweist mit dem ersten Band seiner 4er Reihe Tannenfall, dass nicht nur Stephen King Meister des verwirrenden Kopfkinos ist. Auch er beherrscht es, es dem Leser bei der Unterscheidung zwischen realer Welt, Fiktion und Wahnvorstellungen nicht leicht zu machen. Denn der Autor pendelt mit Leichtigkeit zwischen den Zeiten und Orten, das man Acht geben muss, nicht auf der Strecke zu bleiben. Die Berliner Staatsanwältin Marlene Castor möchte in der Abgeschiedenheit der österreichischen Bergwelt einen beruflichen Rückschlag  aufarbeiten. Ihre Tochter Lya, die sie begleitet, verschwindet bei einem gemeinsamen Ausflug in einem Stollen. Verzweifelt beginnt sie die Suche nach ihrem Kind. Sie stößt auf Ablehnung und Intrigen, weiss nicht, wem sie noch trauen kann. Fragen, die im Raum stehen, werden hoffentlich im Verlauf der gesamten Sagea beantwortet. Trotz des Tempos in der Geschichte, gelingt es Hofer andererseits durch seine Sprache Ruhe auszustrahlen. Überhaupt seine Sprache, sie ist bildlhaft und wortgewaltig. Und wenn die Verwirrung, die diese spannende Geschichte auszulösen vermag, gewollt ist, ist es gelungen! Weiterlesen

Tillie Olsen: Ich steh hier und bügle

Es heißt, das Werk von Tillie Olsen enthält biographische Züge. Tatsächlich steckt von ihr und ihrer eigenen Lebensgeschichte zuviel in diesen Erzählungen, als dass man Werk und Vita der Autorin getrennt sehen könnte. Olsen wäre dieses Jahr 110 Jahre alt geworden. Sie war 1957, als ihr erstes Buch »Ich steh hier und bügle« erschien 45 Jahre alt. Und ich habe diese Autorin erst jetzt entdeckt!  Aber wie sagt man: lieber spät als nie. 65 Jahre später sind die Geschichten so aktuell, wie bei ihrer Erstveröffentlichung. Die Belastungen für berufstätige, alleinerziehende und unterdrückte Frauen – wie für die Mutter, Protagonistin in Olsens Geschichte sind nicht einfach zu bewältigen. Olsen schafft etwas sehr Bemerkenswertes: sie reduziert zwei Leben auf eine 11 seitige Kurzgeschichte. Sie arbeitet die Charaktere von Mutter und Tochter Emily fein heraus und offenbart deren Sorgen und Weiterlesen

Gina Mayer: Ballet School

Was für mich Hanni und Nanni und Goldköpfchen waren, könnte für junge und jung gebliebene Leserinnen Ballet School, die neue Trilogie von Gina Mayer sein. Und Fans von »Find me in Paris« werden es lieben. Der erste Eindruck begeistert mich: zarte Pastelltöne in rosa-grün, metallisch glänzend, eine stilisierte Tänzerin in einem Blütenkleid und die Schrifttypen stehen einerseits für Tradition und andererseits für das hier und heute. Ein wirklich schön aufgemachtes Buch, dass die Erwartung schürt und – nicht enttäuscht. Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen, was sage ich, ich habe es verschlungen und freue mich auf die nächsten Bände. Das Ballett nimmt einen großen Raum ein, aber es geht um sehr viel mehr. Es ist eine Geschichte über Verlust, Trauer, aber vor allem über Freundschaft und die Kraft der Freundschaft. Es ist die Geschichte von besten Freundinnen im besten, positiven Sinne. April, Weiterlesen

Susanne Abel: Was ich nie gesagt habe

Eine Weile nachdem ich »Stay away from Gretchen« gelesen und an dieser Stelle vorgestellt hatte, traf ich eine Frau, deren Vater ein GI in Deutschland war und der von seiner Einheit zurück in die USA geschickt wurde, als herauskam, dass er sich eben nicht von deutschen Mädchen ferngehalten hatte. Dieser Frau gelang es, ihren Vater ausfindig zu machen. Sie glaubte nicht, dass die US-Armee so gehandelt hatte. Ich erzählte ihr von dem Buch, und dass sie offensichtlich nicht das einzige Opfer dieser Politik war. Um diesen Punkt zwischen ihrem Vater und sich aus der Welt zu räumen war es leider zu spät, aber immerhin hat sie ihren Frieden gefunden. Und nun die Fortsetzung, die sich ebenfalls mit schweren, unbequemen Themen wie alltäglichem Rassismus im Deutschland der 50er Jahre, Flucht und Vertreibung, Demenz, Zweiter Weltkrieg und der Suche nach einem verlorenen Kind Weiterlesen

Gisela Hopfmüller | Franz Hlavac: 111 Ideen für einen besonderen Garten

Kennen Sie die Reihe 111… aus dem Verlagshaus emons? Wenn nicht, ist das vorliegende Buch »111 Ideen für einen besonderen Garten« ein guter Einstieg. Wie, ein Gartenbuch jetzt im Winter? Nach der Gartensaison ist vor der Gartensaison! Und somit genau die richtige Zeit sich in der Theorie mit dem Garten zu beschäftigen. Die Eindrücke des fast beendeten Gartenjahres sind noch frisch und die Einschätzung darüber, was sich bewährt hat und was Platz für Neues machen sollte, noch überlegenswert. Ein Garten ist ja nicht statisch und er verändert sich mit uns. Die Anforderungen ändern sich. Da, wo vielleicht einmal die Schaukel stand, könnte ein schöner Sitzplatz entstehen. Jedem der 111 Themen sind 2 Seiten gewidmet: 1 Seite Text, klar, verständlich und flott geschrieben, gespickt mit Fachwissen, Bezugsquellen und allerlei nützlichen Infos, dazu 1 Seite Foto(s). Mein Lieblingskapitel ist die Nr. 106 – Vom Genießen. Weiterlesen

Catalin Dorian Florescu: Der Feuerturm

Der rumänisch-stämmige Schweizer Autor Catalin Dorian Florescu erzählt vordergründig eine Familiengeschichte über 5 Generationen, in der die männlichen Erstgeborenen der Stoica-Dynastie zur Feuerwehr gehen und somit der Feuerturm, einst Bukarest‘ höchstes Gebäude, eine zentrale Stelle im Roman einnimmt. Aber es ist auch der Roman der Stadt Bukarest und des Lebens in dieser von ständiger Fremdherrschaft gebeutelten Stadt. Den politischen Strömungen und Entwicklungen wird genauso viel Platz eingeräumt wie Freundschaft und Liebe. Vor allem aber ist es die Annäherung des Autors an seine Wurzeln. Was sich für mich darin zeigt, dass die Geschichte zögerlich beginnt und im Verlauf immer mehr an Fahrt aufnimmt. Florescu hat für seinen Roman die Hausaufgaben gemacht. Gut recherchiert und aus der Position des Weiterlesen

Gloria Naylor: Linden Hills

 

Nach ihrem fulminanten Debütroman Die Frauen von Brewster Place ließ Gloria Naylor fünf Jahre später den fiktiven Roman» Linden Hills« folgen. Was es ihr und ob es ihr etwas bedeutet hätte, dass die beiden Bücher neuaufgelegt in deutscher Sprache erschienen sind, werden wir nicht erfahren und müssen uns mit Mutmaßungen begnügen. Wahrscheinlich wäre sie stolz und zufrieden. Zieht man in Betracht wie sie sich zeitlebens mit gesellschaftspolitischen Themen auseinandergesetzt hat und Literatur und Kreatives Schreiben an diversen amerikanischen Universitäten unterrichtet hat, würde sie sich vielleicht fragen, ob aus dem derzeitigen Hype um schwarze Literatur ein dauerhaftes Interesse an dieser bleibt. Thema ihres zweiten Romans ist der amerikanische Traum. Naylor schreibt darüber leidenschaftlich, scharf und schnörkellos und gewährt dem Leser einen anspruchsvollen Einblick in die moderne Klassenhierarchie, eingebettet in die schwarze Kultur. Weiterlesen

Kate Saunders: Die Intrigen am King’s Theatre

Seit Jane Austen die Leser mit ihren bezaubernden Geschichten über mutige, eigenwillige, junge Damen und galante Herren entzückte, hat das viktorianische England nichts von seinem Reiz für Autoren und Leser verloren. Im Gegenteil, in einer Zeit, in der es gesellschaftlich akzeptiert ist, in Jogginghose in ein Restaurant zu gehen, haben Geschichten mit ihren anspruchsvollen Umgangsformen, die im 19. Jahrhundert spielen, Konjunktur. Kate Saunders unterhaltsamer dritter Laetitia-Rodd-Krimi spielt im Jahr 1853. Da die beiden vorangegangenen Fälle in sich abgeschlossen sind, benötigt man keine Vorkenntnisse um „Die Intrigen am King’s Theatre“ zu lesen. Der Autorin gelingt der Spagat zwischen historischer Authentizität und modernen Formulierungen. Durch diesen gekonnten Mittelweg kommt Saunders Geschichte um die vornehme Londoner Weiterlesen