Kategorie: Buchbesprechungen

Die Liebe in Zeiten von Mao Zedongs, Liao Yiwu

Der Autor, ist ein Mann, der vier Jahre in Haft vom chinesischen Regime gequält und erniedrigt wurde. Ein Mann, der seinen Hass mit genau der Brutalität aufs Papier gebracht hat, wie er sie durch Misshandlung erlebte. Da dieses Buch seinen Anfang im Gefängnis nahm, wo es im Geheimen geschrieben und herausgeschmuggelt wurde, trägt jede Zeile dieses Erbe. Die Geschichte ist gezeichnet von dem Wahnsinn, der Heranwachsende, der Kinder und jungen Menschen in China in ihrer gottgleichen Verehrung zu Mao Zedong befiel. Die chinesische Kulturrevolution, ein ebenso schwarze Geschichte der Menschheit, wenn es um die Verführung der Jugend geht, wie die Verblendung der Hitler Jugend. Ein Kapitel, das gekennzeichnet war vom Verrat an Eltern, Liebenden und Freunden, bis die eigene Identität nur noch eine leere Hülle wurde, in der Seele und Herz von falsch verstandener Euphorie und Menschenverachtung aufgefressen. Liao Yiwus Protagonist ist Zhuang Zigui, am Anfang ein Jüngling, noch keine Mann, aber schon ein kleiner roter General, der für seinen Führer Mao sterben würde. Ein Mensch, dem die menschlichsten aller Gefühle durch die Revolution abhandengekommen sind. Denn Liebe kann nur ein kontrarevolutionäres Verhalten von Kapitalisten und Royalisten sein, das mit Zähnen und Fäusten aus den Leibern der Feinde gebissen und geschlagen werden muss.

Ein sehr interessantes Buch, über die Verirrung eines Volkes durch politische Propaganda. Aber nicht einfach auszuhalten, denn der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um die aller unwürdigsten und zu tiefst verstörenden Handlungen von Mensch an Menschen geht.

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Guy Stern: Wir sind nur noch wenige

Die meisten Leser: innen kennen „Das Tagebuch der Anne Frank“ und wissen um ihr Schicksal. Weniger bekannt hingegen ist, dass etwa 9000 junge Emigranten aus Deutschland und Österreich, meist Juden, die in den USA eine neue Heimat gefunden hatten, während des Zweiten Weltkrieges in einem Ausbildungszentrum der United States Army, genannt Camp Ritchie, von der Feldnachrichtentruppe der US Army, ausgebildet wurden. Unter den sogenannten Ritchie-Boys waren viele bekannte Persönlichkeiten wie Stefan Heym, Hans Habe, Hanus Burger, Georg Kreisler und – Guy Stern. Sehr spät – mit fast einhundert Jahren – erinnert sich Stern und erzählt aus seinem langen, facettenreichen Leben. Er erinnert seine Kindheit in seiner Heimatstadt Hildesheim. Er überlebt als einziger seiner Weiterlesen

Genial Normal, William Sutcliffe – Jugendbuch –

Ein unglaublich witziges Kinder- und Jugendbuch, bei der die Illustration des fünfzehnjährigen Sam auf dem der Einband, einem schon einen Vorgeschmack auf die tolle Geschichte gibt. Denn Sam ist verwirrt, regelrecht genervt, als seine Eltern zu Geld kommen und von einem durchschnittlich normalen Vorort Londons ins elitäre Künstlerviertel nach Hamstead ziehen. Als er, sein älterer Bruder Ethan und die kleine Schwester Freya auch noch auf der Nord-London-Akademie für Begabte und Talentierte angemeldet werden, ist für Sam die Katastrophe eingetreten. Auf dieser Schule sind alle einfach nur bekloppt. Dort wird aus dem früher beliebten Schüler Sam ein Außenseiter und Loser. Komisch nur das Ethan und Freya die neue Schule lieben. Es liegt wahrscheinlich daran, dass Sam weder begabt noch talentiert ist. Sam ist einfach nur stinknormal.

Die Dialoge sind witzig und so treffend für pubertierende Teenager, dass einem sofort klar wird, der Autor kennt sich mit heranwachsenden Kindern bestens aus. Ein tolles Kinder- und Jugendbuch mit viel Tiefgang, was soziale Klischees betrifft.

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Max La Manna, You can cook this!

Alles verwenden, nichts verschwenden! Der Untertitel hat mich gereizt zu diesem Buch zu greifen. Als ausgebildeter Koch und für die Wirtschaftlichkeit einiger Betriebe verantwortlich, bin ich schon vorgebildet im Umgang mit der besten Verwertung der Produkte und der sogenannten Resteverwertung. Doch wird der Begriff Resteverwertung meist falsch verstanden. Es geht in diesem Buch nicht um die Reste, die nach einem Essen übriggeblieben sind und zu neuen Gerichten verwertet werden. Es geht um die ganzheitliche Verarbeitung der Lebensmittel, vom Stiel, über die Schale, den Blättern bis hin zur Blüte, alles zu verwenden und in köstliche Gerichte zu verwandeln. Nichts verschwenden oder einfach im Biomüll entsorgen! Man kann fast alles verwenden. Max La Manna hat sich daran gemacht, uns mit diesem Buch den Weg dazu zubereiten. Und das Beste an seinen Gerichten hat er selbst in seinem Titel gesagt „You Can Cook This!“ Du kannst es einfach nachkochen! Stimmt!

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Fran Littlewood: Die unglaubliche Grace Adams

Seitdem die ersten Autorinnen und Filmemacherinnen das tabuisierte Thema Menopause erfolgreich behandelt haben, ist der Damm gebrochen und der Weg zu einer Auseinandersetzung freigemacht. Das Thema ist – ich wage es zu sagen – heiß. So heiß, dass der Verlag HarperCollins letztes Jahr verkündete, sie würden proaktiv nach Geschichten suchen, die weibliche Erfahrungen reflektieren und Frauen in der Menopause als smarte, witzige, starke, emanzipierte Charaktere, die hocherhobenen Hauptes gehen und kämpfen, porträtieren. Und ja Grace, du bist ganz sicher eine Kämpferin, witzig, unvergesslich und ziemlich unglaublich, wie vermutlich auch deine geistige Mutter, Fran Littlewood, die mich mit ihrem Debütroman völlig überzeugt. Weiterlesen

Hisashi Kashiwai, Das Restaurant der verlorenen Rezepte

Nagare Kamogawa, ehemaliger Polizist im Ruhestand und begnadeter Koch, mit dem Spürsinn für die richtigen Zutaten, betreibt mit seiner Tochter Kioshi in Kyoto ein kleines Restaurant und eine Detektei. Es gibt keinen Hinweis oder Schild am Haus. Einzig in dem angesagten Gourmet Insider mit einer Zeile: „Wir finden den Geschmack, den sie nochmal wiedererleben möchten“.  Keine Adresse, keine Telefonnummer. Nagare und seine Tochter sind der Meinung, wer sie finden will, findet sie. Wir brauchen keine fadenscheinige Beurteilung im Internet oder in Gourmetzeitschriften.

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Felix Francis: Hindernis

Mit 70 Jahren und 8 Solo-Kriminalromanen, veröffentlicht seit dem Tod seines Vaters Dick Francis 2010, hat sich Felix Francis längst freigeschwommen und es bedarf nicht mehr der Erwähnung seines krimischreibenden Vaters. Bedenken, dass der im Pferderennmilieu angesiedelte Krimi durch zu viel Fachjargon vielleicht zu einseitig ist, können leicht zerstreut werden. Es bedarf keiner Vorkenntnisse, um die Geschichte zu verstehen und zu genießen. Denn: unglücklicherweise – wie ich – hat der Protagonist, Anwalt und Krisenmanager Harrison „Harrry“ Foster, auch gar keine Ahnung vom Pferderennsport und muss sich schnellstens das 1 x 1 des Sports aneignen und so lernen Leser und Protagonist zusammen die hinlänglich erklärten Aspekte des Rennsports. Dieser Kriminalroman ist Weiterlesen

Meine Wildkräuter, Martina Fischer

Der Zufall wollte es, dass ich gerade zurück bin aus Tirol, wo ich unter anderem eine Kräuterwanderung mitgemacht habe. Und dann fiel mit dieses wunderschöne Buch von Martina Fischer, der Sennerin und ausgebildeten Heilkräuter und Wildpflanzenberaterin in die Hand. Sie erzählt gekonnt von fast dreißig Kräutern, Bäumen und Wildbeeren. Über jedes Kraut, jede Beere erfährt man ein paar historische Sachen, wann und wo man am besten sammelt, die Verwendung und natürlich wie und was es heilen kann. Auch sind in jedem Kapitel nicht nur Anleitungen für Heiltinkturen, Salben und Tees vorhanden, sondern wenn möglich auch leckere Rezepte zum Kochen und Genießen. Wunderschöne Fotos der einzelnen Kräuter machen die Identifizierung einfach.

Zum Einstieg in die Heilkräuterwelt und das Sammeln, ein idealer und schöner Begleiter.

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Die Geografie der Zukunft, Tim Marshall

Wie der Kampf um die Vorherrschaft im All unsere Welt verändern wird. Der Wettlauf hat nicht begonnen, er ist im vollen Gang. Nach dem großen Erfolg und Spiegelbestseller „Die Macht der Geografie“ nun von Tim Marshall ein Folgebuch. „Die Geografie der Zukunft“, wer übernimmt die Macht im All. Wer ist mit seinen Ambitionen schon weiter als die anderen oder setzt man auf die Wirkung der Abschreckung, wie bei den Atombomben oder einigt man sich auf Gesetze, die dann für alle im All dem Weltraum gültig sind. Der Wettlauf um die ersten Erfolge im All hatte schon früh begonnen. Der zweite Weltkrieg war gerade mal sieben Jahre vorbei, da schickten die Russen den ersten Hund ins All und wenig später den ersten Menschen, Jurin Gagarin. Die Amerikaner konterten mit Niel Amstrong, dem ersten Menschen, der den Mond 1969 betrat. Mit dem angeblichen Ausstieg der Amerikaner aus der Raumfahrt, sah es so aus, als dass dieses kostspielige Unterfangen uninteressant ist. Warum interessieren sich dann private Unternehmen wie Elan Musk oder Jeff Bezon dafür. Warum investieren sie in eine sehr teure Technologie, wenn sie nichts einbringt. Warum bauen, China, Russland und sogar ganz kleine Staaten ein eigenes Strassenüberwachungssystem auf. Bei uns besser bekannt, weil es auch jeder nutzt, das von den Amerikanern installierte GPS.

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Ute Mank: Elternhaus

Es geht in Ute Manks Roman um Beziehungen: Eltern-Kinder-Beziehungen, Geschwisterbeziehungen, Partnerbeziehungen und darum, welche Auswirkung eine Entscheidung innerhalb eines Familiengeflechts auf jedes einzelne Familienmitglied hat und welche Veränderungen damit einhergehen.  Mank behandelt diese Themen mit viel Umsicht und einem hohen Maß an Sensibilität. Sie urteilt nicht und hat für jeden Charakter Sympathie und für sein Handeln Verständnis. Ich habe das Gefühl, die Protagonisten zu kennen, sehe sie direkt vor mir und bin von ihnen berührt. Die Autorin erzählt zwar gerade und schnörkellos, aber mit dem Blick auf Details und Nuancen sehr bildhaft und transportiert viel Gefühl. Die einzelnen Themen sind fein herausgearbeitet und es ist beeindruckend, wie sie im Weiterlesen