Das Fest der Hessen, der Hessentag ist eine feste Größe unter den Festen der Republik. Er zieht viele Hunderttausende in die jeweilige Festtagsstadt. Das Land gibt einige Millionen für Infrastrukturmaßnahmen aus und deshalb läßt sich die Politik und die Stadt feiern. Das kommt sehr authentisch in diesem Krimi rüber. Eine Hessenkönigin hat der Autor kreiert und die Wahl wird zum Mittelpunkt des Geschehens. Mit sehr viel Hessenflair bereitet der Autor seine Geschichte aus die natürlich mit einem Opfer aus der Riege der Bewerberinnen endet. Da die Bewerberinnen aus verschiedenen Regionen des Hessenlandes kommen, werden diese Regionen auch ins Rampenlicht gerückt. Viele Hessen werden sich im Roman mental wiederfinden. Weiterlesen
Kategorie: Buchbesprechungen
Trotzdem, Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge

Trotzdem von Ferdinand Schirach
Zwei Philosophen sprechen über die Corona Pandemie und wie bisher mit ihr umgegangen wurde. Ob die Schritte vertretbar sind mit unserem Grundgesetz, unserem Recht auf Freiheit und welche Folgen sie haben könnte.
Sehr kluge Gedanken, die in dem per Instant-Messaging-Dienst zwischen Alexander Kluge in München und Ferdinand von Schirach in Berlin organisiertem Gespräch, ausgetauscht wurden. Ein kleines Buch, das Hoffnung gibt, denn es sieht sich die historischen Katastrohen an und die doch positiven Erneuerungen, die damals dadurch entstanden. So sind die beiden Denker sich einig, dass auch das Virus uns an eine Zeitwende gebracht hat. Beides ist jetzt möglich, das Strahlende und das Schreckliche.
Gioacchino Criaco: Die Söhne der Winde
Africo, im Aspromonte ist eine der ärmsten Gegenden Italiens. Hier wird man entweder Mafioso oder wandert aus. Wie das Leben dort aussieht schildert uns einer der von dort kommt. Die Situation der Menschen hat sich über die Jahrhunderte nicht wesentlich verbessert. Warum das so ist wird hier deutlich erklärt. Die Gegend ist ein großer Obst und Gemüsegarten. Er gehört aber nur wenigen. Die Anderen dürfen aber für wenig Geld in diesem Garten schuften. Alle bedienen sich bei den Armen: die Grundbesitzer, die Lastwagenfahrer und die Mafiosi. Die Jugend hat die Möglichkeit zu lernen wird aber von der Konsumgesellschaft auf den leichten Weg geführt. Der Autor zeichnet ein überzeugendes Bild Kalabriens. Weiterlesen
Thomas Engström: East of Inferno
Die Thriller-Serie um Ex-Agent Ludwig Licht geht mit diesem Buch zu Ende. Leider bin ich jetzt erst auf diesen Agenten Ludwig Licht aufmerksam geworden, weil er aus dem gewohnten Agentengenre deutlich heraus sticht. Licht ist sozusagen der gegen Bond. Sozusagen James Bond auf Ecstasy. Schräg, aber gut! Der vorliegende Band spielt in Georgien, Tiflis. Ein Schauplatz, der sehr selten ist und auch von einem gewissen exotischen Reiz. Selten bekommt man Einblicke in die Lebensweise von Georgiern, die teilweise noch unter dem Diktat der ehemaligen Sowjetunion stehen. Der Autor zeigt auf, welche Seilschaften es nach seiner Meinung immer noch gibt. Dies ist nachvollziehbar und macht diesen Roman so spannend. Weiterlesen
Die stummen Wächter von Lockwood Manor, Jane Healey

Wenn es um die unheimliche Stimmung des Hauses geht, ist der Roman ein Versuch in Richtung Rebecca von Daphne du Maurier. Nur Lockwood Manor ist nun mal nicht Manderley. Es liest sich dennoch gut und auch spannend, obwohl die Beschreibungen um die Tierexponate des Museums manchmal etwas langatmig sind.
Es ist eine der etwas gruseligen Geschichten über ein altes, englisches Herrenhaus, dass im Endeffekt gar nichts für den Horror, der darin stattfand, kann. Denn es sind wie immer nur Menschen, die für die tragischen Traumata und Verletzungen der Schwächsten unter uns verantwortlich sind. Und so greift die Autorin am Ende zwei wichtige Themen auf, bei denen ich erstaunt war, sie in einem Buch wie Die stummen Wächter von Lockwood Manor zu finden. Und genau dieser Umstand macht den Roman so lesenswert.
Claudia Zaltenbach: T O F U, Yuba & Okara
Wenn ich ganz ehrlich bin, mein erster Mozzarella hat mir auch nicht geschmeckt. Ich fand ihn fade, geschmacklos und uninspirierend. Erst nachdem ich ihn mit guten Tomaten (leider gibt es in den wenigsten Restaurants gute Tomaten, selbst beim Italiener nicht) und etwas gutem Olivenöl gekreuzt habe, kam ich in den Genuss. Seitdem bin ich Mozzarella-Fan und habe sogar einige eigene Rezepte kreiert. Als Involtini in Parmaschinken eingewickelt, lauwarm, mit einem frischen Tomaten – Olivenölfond übergossen. Ein Gedicht!
Genauso habe ich über Tofu gedacht, fade, geschmacklos, trocken. Wer will das den Essen? Ich kann gar nicht verstehen, was die Vegetarier und Veganer daran finden. Auch eigene Kreationen waren für mich nicht der Bourner. Irgendetwas musste ich falsch gemacht haben. Vielleicht hätte ich wie Claudia Zaltenbach auch mal Japan, China und Korea besuchen sollen und mich ebenso wie sie in Tofu –Restaurants überraschen lassen. Weiterlesen
Aeneas Rooch: Mein wasserdichtes Baby
Als ich diesen Titel in der Vorschau sah, wurde ich neugierig, da als frisch gewordener Großvater, natürlich ein Interesse besteht zu verstehen wie das mit dem Enkel weitergeht. Viele Schritte in der Entwicklung meines Enkels kann ich nun voraussehen, weil der Autor diese Entwicklungsschritte wissenschaftlich und detailgenau erklärt. Spannend ist es auch zu lesen, wenn der Autor die Frage aufwirft: sollen Eltern Schnuller ablecken? Wenn wir wissen, dass viele Kinder Allergien haben könnte es doch sein, dass wir es mit den hygienischen Bedingungen die wir unseren Kindern zumuten übertreiben und es daher vielleicht sinnvoll erscheint mit den körpereigenen Abwehrkräften unsere Kinder zu Konditionieren. All diese Fragen beantwortet uns der Autor. Weiterlesen
Regina Porter: Die Reisenden
Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was Erzählen. In ihrem Debütroman nimmt uns Regina Porter mit auf eine Reise über 6 Jahrzehnte der US–Geschichte und zweier Familien, die eine schwarz, die andere weiß. Ein Debütroman stilistisch einwandfrei, wortgewaltig und fordernd. 6 Jahrzehnte US– Geschichte beginnend in den Fünfzigern von der Bürgerrechtsbewegung, dem Mord an Martin Luther King bis hin zu Obama beschreibt Regina Porter das Leben zweier Familien vom Rassismus, Vietnamkrieg und deren Traumata, Homosexualität, Ungleichheit und befreienden Aufenthalt im Ausland. Weiterlesen
Die Toten von Inverness, G.R. Halliday

Dieser Krimi aus den schottischen Highlands ist das Debüt vom G.R. Halliday. Es fehlt dem Krimi auf keinen Fall an Spannung. Er ist zum Teil auch ordentlich gruselig. Nur hätte er hundert Seiten weniger vertragen können, um das zu sein, was man atemlos und crispy nennt. Aber in diesem Band führt der Autor seine Charaktere erst ein und braucht das eine oder andere Wort mehr. Auch müssen sich seine Protagonisten noch abschleifen, vor allem die eigenwillige DI Monica Kennedy.
Trotzdem ist der Krimi packend und sehr lesenswert. Ein gutes Debüt, das bestimmt vom Autor mit dem nächsten Band getoppt werden kann.
Eva-Maria Schnurr, Uwe Klußmann: Die Macht der Geheimdienste
Gastbeitrag: Ulrich Steiner:
Wer ermöglichte den Siegeszug Napoleons hinter den Kulissen, wer baute den ersten professionellen englischen Geheimdienst auf und wie wurde die Enigma geknackt? Insgesamt 15 freie Journalisten, Autorinnen und Redakteure des Nachrichtenmagazins SPIEGEL haben in dem Buch über Agenten, Spione und Spitzel einen Einblick geschaffen, in das wahrscheinlich älteste der Gewerbe der Welt.
Obwohl bereits im alten Ägypten Spione organsiert im Einsatz waren und schon Moses laut dem Alten Testament der Bibel Kundschafter mit klarem Auftrag losschickte, gilt geschichtlich erst die Zeit ab dem Mittelalter als Beginn von professionalisierter Geheimdienstarbeit. Historiker mögen darüber streiten. Weiterlesen
