Die stummen Wächter von Lockwood Manor, Jane Healey

Wenn es um die unheimliche Stimmung des Hauses geht, ist der Roman ein Versuch in Richtung Rebecca von Daphne du Maurier. Nur Lockwood Manor ist nun mal nicht Manderley. Es liest sich dennoch gut und auch spannend, obwohl die Beschreibungen um die Tierexponate des Museums manchmal etwas langatmig sind.

Es ist eine der etwas gruseligen Geschichten über ein altes, englisches Herrenhaus, dass im Endeffekt gar nichts für den Horror, der darin stattfand, kann. Denn es sind wie immer nur Menschen, die für die tragischen Traumata und Verletzungen der Schwächsten unter uns verantwortlich sind. Und so greift die Autorin am Ende zwei wichtige Themen auf, bei denen ich erstaunt war, sie in einem Buch wie Die stummen Wächter von Lockwood Manor zu finden. Und genau dieser Umstand macht den Roman so lesenswert.

Fotocopyright: Alicia Clarke

Jane Healey wuchs in einem viktorianischen Bauernhaus auf, in dem es Gerüchten zufolge spukte. Sie studierte Kreatives Schreiben in New York und schrieb ihre Abschlussarbeit über übersinnliche Phänomene in Jane Eyre. Jane Healey lebt in London.

 

 

Hetty ist eine junge, alleinstehende Frau und glücklich mit ihrer Arbeit im Museum in London. Als immer mehr Kollegen für den Zweiten Weltkrieg eingezogen werden, überträgt man ihr, Teile der Ausstellung aufs Land zu bringen, um sie vor Bombardierungen zu schützen. Major Lord Lockwood stellt Teile seines großen Herrenhauses zur Verfügung und ist auch bereit Hetty für die Dauer der Evakuierung bei sich aufzunehmen. So landet die unsichere junge Hetty Cartwright mit der Säugetiersammlung und noch einigen exotischen Exponaten in einer Welt, die ihr fremd ist. Der arrogante Major führt den herrschaftlichen Haushalt samt Tochter und Dienstboten mit fester Hand. Außerdem ist die Stimmung im Haus immer noch von dem Verlust von Lady Lockwood und ihrer Schwiegermutter überschattet. Beide waren erst vor ein paar Monaten bei einem Autounfall ums Leben gekommen. So wundert es nicht, dass die mit Hetty etwas gleichalte Tochter des Lords von einer starken Melancholie heimgesucht wird.

Doch es scheint noch mehr als nur der Tod ihrer Mutter und Großmutter an der jungen Lady zu nagen. Etwas Mystisches, fast Unheimliches umgibt Lockwood Manor mit seinen unzähligen Zimmern. Gerüchte von einer Dame in Weiß, die dort herumgeistert, beschäftigt das Personal. Hetty würde sich nicht so schnell von dem Geschwätz erschrecken lassen, wenn nicht plötzlich einige ihrer ausgestopften Lieblinge verschwinden würden. Erst ist es der Jaguar, der eines Morgens nicht mehr aufzufinden ist. Dann wird eine Vitrine mit Kolibris geplündert. Hetty ist sprachlos und vor allem besorgt, dass man sie zur Verantwortung ziehen könnte. Denn Lord Lockwood weist jede Schuld weit von sich. Erst als sich Hetty mit der jungen Lady, Lucy näher befreundet, erfährt sie mehr von dem Despoten des Hauses und der Geschichte von Lockwood Manor.

Recht gute Unterhaltung, ein bisschen gespenstisch, voller englischem Adelskolorit und einer dramatischen Familiengeschichte. Dass die Autorin es schafft, in die Geschichte auch noch zwei sehr wichtige Gesellschaftsthemen einzuflechten, macht den Roman dann doch interessant. Worum es geht, wird nicht verraten, das müssen Sie schon selber lesen.

Die stummwn Wächter von Lockwood Manor, Jane Healey, hanserblau, Taschenbuch, Seiten 378, ISBN 978-3-446-26600-1, Euro 15,00.

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