Trotzdem, Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge

Trotzdem von Ferdinand Schirach

Zwei Philosophen sprechen über die Corona Pandemie und wie bisher mit ihr umgegangen wurde. Ob die Schritte vertretbar sind mit unserem Grundgesetz, unserem Recht auf Freiheit und welche Folgen sie haben könnte.

Sehr kluge Gedanken, die in dem per Instant-Messaging-Dienst zwischen Alexander Kluge in München und Ferdinand von Schirach in Berlin organisiertem Gespräch, ausgetauscht wurden. Ein kleines Buch, das Hoffnung gibt, denn es sieht sich die historischen Katastrohen an und die doch positiven Erneuerungen, die damals dadurch entstanden. So sind die beiden Denker sich einig, dass auch das Virus uns an eine Zeitwende gebracht hat. Beides ist jetzt möglich, das Strahlende und das Schreckliche.

Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge im Gespräch , Copyright: Archiv Kairosfilm

Der Spiegel nannte Ferdinand von Schirach einen »großartigen Erzähler«, die New York Times einen »außergewöhnlichen Stilisten«, der Independent verglich ihn mit Kafka und Kleist, der Daily Telegraph schrieb, er sei »eine der markantesten Stimmen der europäischen Literatur«. Die Erzählungsbände »Verbrechen«, »Schuld« und »Strafe« und die Romane »Der Fall Collini« und »Tabu« wurden zu millionenfach verkauften internationalen Bestsellern. Sie erschienen in mehr als vierzig Ländern. Sein Theaterstück »Terror« zählt zu den weltweit erfolgreichsten Dramen unserer Zeit. Ferdinand von Schirach wurde vielfach mit Literaturpreisen ausgezeichnet. Er lebt in Berlin. Zuletzt erschienen von ihm u.a. »Die Herzlichkeit der Vernunft«, ein Band mit Gesprächen mit Alexander Kluge, sowie sein persönlichstes Buch »Kaffee und Zigaretten«.

Alexander Kluge, geboren 1932 in Halberstadt, Jurist, Filmemacher und Schriftsteller. Er lebt in München. Seine letzten Bücher: »Kongs große Stunde. Chronik des Zusammenhangs« und – mit Georg Baselitz – »Weltverändernder Zorn. Nachricht von den Gegenfüßlern«.

Lassen wir hier die beiden Autoren zu Wort kommen:

Alexander Kluge: „Aus der Katastrophe erwächst etwas Neues. Durch die Pest in Florenz Boccaccios Leichtigkeit, durch das Erdbeben in Lissabon die Aufklärung. In der „Göttlichen Komödie“ von Dante Alighieri heißt es am Schluss, wenn Vergil und Dante die Hölle wieder verlassen: „Und wir entstiegen aus der engen Mündung/Und traten vor zum Wiedersehn der Sterne.“ Welche Sterne werden wir nach der Pandemie sehen?“

Ferdinand von Schirach: „Hier in der westlichen Welt haben wir geglaubt, wir seien sicher, unserer Welt sei sicher, der Staat, die Wirtschaft, die Kultur. Natürlich, es gab Krieg, Hunger, Elend, Finanzkrisen, Terrorismus, Diktatoren und anderer Abscheulichkeiten … aber im Großen und Ganzen lebten wir doch in einer behüteten Welt.

Jedes Jahr erschien ein neues iPhone, die Supermärkte waren voller Waren, die Zeitungen kritisch, Albernheiten konnten Politik, Zeitungen und Menschen eine ganze Woche beschäftigen – unserer Demokratie schien gefestigt. …Und jetzt plötzlich: Nichts stimmt mehr. Das, was wir für den sicheren Grund hielten, ist weggebrochen.

Die beiden Autoren diskutieren das Für und Wider, das nach Corona erwogen werden muss. Doch zum Schluss machen sich die Hoffnung und der Wunsch breit, dass die Menschheit daraus gelernt hat. Denn wie sagt Herr von Schirach: „Wir können offenbar alles, wenn Gefahr droht, das haben wir jetzt gelernt. Und warum sollten wir die Lehren nicht ins Positive wenden?“

Trotzdem, Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge, Luchterhand, gebunden, Seiten 75, ISBN-13: 978-3630876580, Euro 8,00.

 

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