Wenn man Rezensionen verfasst, benötigt man immer einen guten Einstieg. Bei diesem Buch von Ottolenghi und seinem Team, dem OTK Ottolenghi Test Kitchen habe ich gleich drei verschiedene Aufmacher.
Einstieg 1: Für Personen denen Yotam Ottolenghi kein Begriff ist, fragen sich, was ist das denn für ein Buch. Optisch mit seinem Orange und Pink. Titel Shelf Kitchen schwer zu verstehen, nicht einladend mit optisch köstlichem Gericht. Mein Chefredakteur, der als erster das Buch in die Hand bekommen hat, fragte mich, was ist das? Meine Antwort: Ja, das ist Yotam Ottolenghi, seine Bücher sind in der Szene so bekannt, dass er sich das erlauben kann.“
Einstieg 2: Ich sammele alles was es an Kochbüchern, Rezeptheftchen und auch an handgeschrieben Aufzeichnungen von Großmutter, Urgroßmutter, älteren Nachbarinnen oder Großtanten zu finden ist. Gerade die handgeschriebenen Rezepte, zum Teil in Sütterlin geschrieben, haben viele interessante Tipps und Tricks drin. Diese Handhefte wurden in den Küchen eingesetzt, beim Kochen gelesen, dazugeschrieben und waren meistens in Folie eingewickelt. Was macht das Yotam Ottolenghi? Er hat den Umschlag wasserfest und somit abwaschbar gemacht. Auch er möchte, dass man das Buch nicht ins Regal stellt, sondern in der Küche benutzt und bietet sogar Platz zum Eintragen von eigenen Verbesserungen, Zutaten, etc.
Einstieg 3: Ich koche aus und mit Leidenschaft und es bereitet mir Freude, die Familie mit leckeren Essen zu verwöhnen. Was ich nicht mag, sind überfüllte Kühlschränke. Daher ist unser Kühlschrank immer gut aufgeräumt. Wie sagt dann aber meine Frau immer: Wenn ich in den Kühlschrank schaue, finde ich nichts zum Essen. Mein Mann geht in die Küche, schaut in den Kühlschrank und hat ein leckeres Gericht zusammen. Genauso hat Yotam Ottolenghi mit seinem Team jetzt dieses Kochbuch verfasst. Nichts eingekauft, mit dem Vorhandenen ein Essen gezaubert. Hierzu will Yotam Ottolenghi uns mit diesem Buch animieren. Räumt die Speisekammer und den Kühlschrank auf und macht was draus. Weiterlesen


Mit dem zehnten Band der Reihe um Kommissar Dupin haben der Protagonist und seine Mitarbeiter mitten in der Augusthitze den zehnten Fall auf dem Tisch. Ein Mord an einem reichen Schafzüchter, ausgerechnet auf der Insel Belle-Ìle, die nur mit dem Boot zu erreichen ist. Allein das eine Herausforderung für den Kommissar. Wie alle anderen Verbrechen zuvor, kommt auch dieses ungelegen: die Vorbereitungen für George Dupins zehnjähriges Dienstjubiläum in der Bretagne sind in vollem Gange. Außerdem soll er sich in einem Test als Bretone erweisen. Da lässt sich auch der Autor nicht lumpen und lässt es krachen! Bannalec verwöhnt uns einerseits mit stimmungsvollen gleichsam farbenprächtigen Beschreibungen der bretonischen Landschaft, andererseits serviert er kulinarische Highlights, die das Wasser im Mund zusammen laufen lassen, verbunden mit kulturellen, teils keltischen Bräuchen. Gekonnt baut Bannalec den Spannungsbogen auf und hält ihn – dank vieler Verdächtigen und auch dank des Tempos – bis zum Schluss. Die bekannten Figuren, mittlerweile zu gern gesehenen Freunden geworden, entwickelte der Autor konsequent weiter und lässt seinen Protagonisten zur Hochform auflaufen. Möge es nicht der letzte Fall für Dupin sein!
Venedig mit seiner wechselvollen Geschichte – seit Jahrhunderten beschrieben, gemalt und besungen, geheimnisvoll, strahlend schön und immer wieder Schauplatz für Verbrechen – hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren und so hat Ulrich Hoffmann die Lagunenstadt zu seinem Tatort auserwählt. Sein flüssiger Schreibstil macht Freude, die Stadt mit den Augen des Autors wieder zu entdecken und Lust auf eine Reise dorthin. Venedig entdecken wollte auch Hoffmanns Protagonistin, Kaitlyn „Cat“ Picard mit ihren Teenager-Zwillingen Leo und Leonie. Leider richten sich Mörder und ihre Opfer nicht nach den Schulferien und so macht Tatortfotografin Kaitlyn was sie immer macht: Multitasking. Auch wenn ich ihr die quality time mit ihren Kindern von Herzen gönne, auf ihre Suche nach dem Täter quer durch Venedig, von prächtigen Palazzi bishin zu den Glasbläsereien von Murano, möchte ich nicht verzichten und eine unerwartete Wendung während der Ermittlungen sorgen für das Salz in der Suppe. Ulrich Hoffmann hat seine Figuren interessant mit Entwicklungspotential nach oben angelegt und thematisiert Kaitlyns Beruf, die Fotografie, angemessen und allgemein verständlich. Von vorneherein europäisch angelegt, dürfen wir gespannt sein, an welchen Hotspot uns der nächste „Mordort“ führt.
Mit seinem neuesten Kriminalroman macht er, der Autor Frank Goldammer, hoch spannend und atmosphärisch dicht deutlich, warum es noch erhebliche mentale Unterschiede zwischen Ost und Westdeutschen gibt. Bücher, die in dieser Deutlichkeit die Unterschiede herausarbeiten sind selten. Es wird deutlich dass die Menschen in Ostdeutschland quasi nahtlos von der Nazidiktatur zu einer Diktatur von in „Kommunisten“ übergeleitet wurden. In der DDR, das wird in diesem Buch deutlich, wurden viele, auch staatstreue Bürger, abgehört, drangsaliert und auch schnell weggesperrt. Familien werden entzweit und das gesäte Misstrauen untereinander war präsent. Nach der Wende war einsehbar, dass es berechtigt war. Mit seinem siebten Buch über den Kriminalkommissar Heller ist diese Serie beendet. 



In der deutschen Krimilandschaft, sind Gerichtskrimis oder Anwaltskrimis eine seltene Kategorie. Im amerikanischen finden wir die Bücher von Grisham die million Seller sind. Der Autor ist selbst Strafverteidiger und wenn man die unten stehende Biografie liest, ist man geneigt Dr. Pirlo mit dem Autor zu vergleichen. Das Buch ist spannend und gibt gute Einblicke in die Handlungsweisen von Strafverteidigern mit denen der normale Bürger meist nichts zu tun hat. Strafverteidiger sind meist gezwungen Wege zu gehen, die nicht immer rechtskonform sind. Der Protagonist dieser Auftaktserie mit Anton Pirlo und seiner Partnerin Sophie Mahler geht diese Wege und zeigt, dass nicht immer alles so ist wie es scheint. Besonders in der Schickimicki Gesellschaft Düsseldorfs findet man, wie in den meisten deutschen Großstädten auch, Selbstdarsteller die mehr scheinen als sind. Wir sind gespannt was das Anwaltsduo in den nächsten Büchern zaubert.