Andrew Mikolajski: Gartenwissen Pflanzenschnitt

Gartenwissen Pflanzenschnitt von Andrew Mikolajski ist gerade rechtzeitig erschienen, bevor der Garten aus dem Winterschlaf erwacht und wir uns wieder an die Arbeit machen. Während fast jeder Pflanze eine Pflegeanleitung mit Hinweis auf den bestmöglichen Standort angeheftet ist, schweigt des Sängers Höflichkeit hinsichtlich der Schnittinformationen. Ist man zu zaghaft – warum sonst hat man die Pflanze gehegt und gepflegt, gedüngt und gewässert – wundert man sich im nächsten Jahr, dass die Blütenpracht hinter all den Erwartungen zurück bleibt. Geht man mit der Machete dran, nach dem Motto: viel schneiden hilft viel, hebt sich die Pflanze zumindest in ihrer Mickrigkeit von allen anderen ab. Wieso das so ist, kann einem dann keiner sagen. Der Autor will uns mit seinem Sachbuch mit Standardwerk-Qualitäten vor solchen Fehlschnitten bewahren. Weiterlesen

Der Sucher, Tana French

Die New York Times hat es richtig beschrieben: „Tana French schreibt große Romane in denen auch Verbrechen geschehen.“ Ihr Buch „Der Sucher“ ist eine Sozialstudie eines kleinen irischen Dorfes, in dem eigene Gesetze und Machtgefüge herrschen. Das merkt der ehemalige amerikanische Cop Calvin aus Chicago recht schnell. Doch er wird dort gut aufgenommen und man hilft ihm mit der Renovierung seines kleinen Hauses. Er soll einer von ihnen werden und besonders sein alter, cleverer Nachbar Mart sorgt dafür. Wahrscheinlich wäre das  auch geglückt, wenn nicht ein Jugendlicher, Trey, bei ihm aufgetaucht wäre. Das Kind ist wild und tendiert ins Asoziale, doch es ist auch verletzt, denn sein größerer Bruder ist spurlos verschwunden. Der Instinkt des ehemaligen Cops wird bei Cal geweckt und er will dem Kind helfen. Anscheinend ist das der größte Fehler, den er machen konnte.

Tana French ist die irische Version von Juli Zeh. Sie ist eine Beobachterin und Menschenkennerin par excellence und führt die Leser mit einer unheimlichen Leichtigkeit in menschliche Abgründe. Das nenn ich gute Literatur! Weiterlesen

Frank Goldammer: Im Schatten der Wende, Kriminaldauerdienst Ost-West; Interview mit dem Autoren

Mit seiner neuen Serie von Kriminalromanen setzt der Dresdner Schriftsteller die Schilderung der Verhältnisse in Ostdeutschland, kurz vor und nach der Wende, fort. Es ist schon bemerkenswert, wie dicht der Autor die Gefühlslage eines jungen Polizisten schildert, der bei einer Montagsdemonstration in Leipzig eingesetzt wird und sich einer riesigen Menschenmenge gegenüber sieht. Auch die geschilderten Zustände die sich ergeben, nachdem die DDR zwar noch existiert aber sich die Befehlsstrukturen gänzlich geändert haben werden sehr realistisch widergegeben. Das Misstrauen der Bevölkerung und die Unsicherheit in das eigene Handlungsvermögen bestimmen die Handlung dieses Kriminalromans. Er macht aber auch deutlich, was sich in den letzten 30 Jahren geändert hat und welche Intentionen hinter dem Wunsch nach Reisefreiheit und Freiheit in der Lebensführung zum Umsturz geführt haben. Weiterlesen

Heike Stöhr: Der Pesthändler

Pest allein reicht nicht. Aber wenn man wie Heike Stöhr gründlich recherchiert, es einem nicht auf die eine oder andere Leiche ankommt, die nicht der Pest zum Opfer fällt, das Ganze mit einer Amour Fou würzt, den Leser miträtseln lässt und überrascht, hat man das, was dieser Rezension zugrunde liegt: einen überaus spannenden  Kriminalroman, der im Mittelalter angesiedelt ist. Die Handlung ist fesselnd und gut durchdacht und hält den Leser bei der Stange. Mir gefällt die Sprache. Zusammen mit den historischen Begebenheiten und Orten, den Beschreibungen des Lebens zu Zeiten der Pest oder etwa der Alltag einer Witwe oder das harte Leben der Bergleute, ergibt es ein rundes, authentisches Bild jener Zeit. Alles von der Autorin sehr gut recherchiert, man spürt, dass die Autorin Pirna sehr gut kennt und u.a. Geschichte studiert hat. Wer darüber hinaus mehr über die Pest, die Medizin und den Bergbau im 16. Jahrhundert erfahren möchte, dem empfehle ich das Nachwort. Die Charaktere sind lebendig und die Weiterentwicklung des Protagonisten Valentin, der auf der Suche nach der Wahrheit ist und seinen Bruder vor dem Henker retten will und der Protagonistin Magdalena, der jungen Witwe, die zu einer mutigen, starken Frau reift, gibt der Geschichte einen besonderen Dreh und erhöht die Kurzweiligkeit. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, einiges lernen können und Lust bekommen die Altstadt von Pirna zu entdecken. Weiterlesen

Jo Nesbø: Eifersucht

Mit diesem Werk macht der norwegische Autor den Menschen eine Freude die sich nur für kurze Zeit mit Krimis zurückziehen können. Aber diese sieben Kurzgeschichten haben es in sich. Wie seinerzeit Roald Dhal oder Ellery Queen schaffte es seine Leserschaft zunächst auf die falsche Fährte zu locken um dann mit einer Volte ein überraschendes Ende zu präsentieren. Beste Unterhaltung auf höchstem Niveau ist garantiert. Bei der Titelgeschichte, Eifersucht, beschreibt der Autor diesen menschlichen Ausnahmezustand so genau, dass die meisten der Leser diesen Zustand nachvollziehen können weil die meisten von uns in schon einmal erlebt haben. Weiterlesen

Heimwehküche Vegetarisch, Madeleine und Florian Ankner

Die Serie Heimwehküche vom DK Verlag ist von sich aus eine gelungene Sache. Der Titel Heimwehküche lädt ein zu einer Küche mit deutschen Wurzeln von Nord nach Süd, von Ost nach West. Gerichte die regional gekocht werden, aber woanders wenig bekannt sind. Also eine Einladung über den Tellerrand hinauszuschauen. Es sind schon erschienen Heimwehküche „Lieblingsessen aus Omas Küche“ und Norddeutsche Heimwehküche „Die besten Rezepte von Ostfriesland bis Rügen“.

Jedes Mal von einem anderen Autorenteams. Dieses Mal von dem Ehepaar Madeleine und Florian Ankner.

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Olia Hercules, Landküche, Traditionelle Rezepte und Geschichten aus der Ukraine

Wer heute ein Kochbuch schreibt, der befasst sich nicht nur mit den Rezepten und Bildern zu den Gerichten. Man erzählt mehr, z.B. bei einem Buch mit Wildgerichten von der Jagd, der Hege und Pflege und wie gesund Wildfleisch ist oder bei einem veganen Kochbuch, wo die Gemüse herkommen, aus China, Georgien oder Südamerika. Wie man sie lagert und ganzheitlich verarbeitet. Olia Hercules „Landküche“ mit dem Beititel „Traditionelle Rezepte und Geschichten aus der Ukraine“. Auch wenn die Rezepte überwiegen, liegt in diesem Buch die Betonung auf die Geschichten.

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Martin Beyer: Tante Helene und das Buch der Kreise/ Interview mit dem Autoren

Man kann eine Familiengeschichte so oder so erzählen. Oder wie Martin Beyer! Ihm ist gelungen, das Leben der Helene K. in einer packenden, aufwühlenden Geschichte zu erzählen. Beruhend auf persönlichen Gesprächen mit der Künstlerin Irene Wedell zeichnet der Autor einfühlsam und respektvoll das Bild der authentische Protagonistin Helene Klasing. Eine vielseitig talentierte Persönlichkeit, die in der Nachkriegszeit heranwächst. Eine Zeit, die durch ständigen Wandel bestimmt wird: wirtschaftliche Veränderungen und Besserungen, gesellschaftspolitische Bestrebungen, die in der 68er Bewegung ihre vorläufige Hochzeit erleben. Helene, mittlerweile Studentin und mit Harry einem Studenten auf Lehramt liiert, der zum inneren Kreis der 68er Bewegung gehört, erkennt schnell, dass diese Bewegung nicht ihre Bewegung ist. Sie wird weder als Frau noch Künstlerin ernst genommen und selbst Harry bezweifelt ihre intellektuellen Kapazitäten, um an den Grundsatzdiskussionen teilzunehmen.

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Karin Smirnoff: „ Mein Bruder“

Gastrezension: Rolf Meier-Lenz

Der Roman „Mein Bruder“ ist der Auftakt einer Trilogie um die Ich-Erzählerin Jana Kippo,die in Schweden – nach einer halben Million verkauften Büchern – bald zur TV-Serie werden soll.  Am Anfang vom ersten Band eins, der hier vorgestellt wird, stapft Jana Kippo durch tiefen Schnee. Sie ist auf dem Weg zu ihrem Zwillingsbruder, der auf dem Gehöft ihrer Eltern in der nördlichen Provinz Västerbotten lebt. Schon auf der ersten Seite von „Mein Bruder“ spürt man , dass diese Heimkehr für die Mittdreißigjährige alles andere als einfach wird. Doch wenn Jana ihren alkoholabhänigigen Zwillingsbruder davon retten will, sich zu Tode zu trinken, muss sie bei ihm bleiben – an diesem Ort, an dem beide als Kinder Schreckliches erlebt haben. Es sind kurze, knappe Sätze in denen die Autorin in Flashbacks von der Kindheit erzählt die die Kippo-Zwillinge durchgemacht hatten. Vom Vater, der die Tiere auf dem Hof quält, die Tochter missbraucht, den Sohn misshandelt. Und die Mutter sieht dem Treiben tatenlos zu. Selbst vom Ehemann misshandelt versucht sie Zuflucht in Bibelsprüchen die sie hundertfach in  Zierdeckchen stickt .Die erwachsene Jana Kippo erzählt davon mit abgründigen Humor – genauso wie von ihrer Gegenwart, in der sie einen Job als Altenpflegerin im Dorf annimmt und dabei auf Familiengeheimnisse stößt. Weiterlesen

Film: Die Adern der Welt, DVD und Blu-Ray

Wer den Film »Das Weinende Kamel« gesehen hat, dem brauche ich über diesen Film nicht viel erzählen. Wer aber die Filme von Byambasuren Davaa nicht kennt, dem kann ich nur empfehlen, sehen Sie einen, dann werden Sie alle sehen. Einfühlsam für die Ursprünglichkeit der modernen Nomaden in der Mongolei, die Traditionen und die Liebe zu ihrem Land, erzählt sie eine Geschichte von heute. Eine Geschichte, die geprägt ist vom Raubbau an der Erde, von Geisterglauben und Familienzusammenhalt, aber auch von Smartphones und der Fernsehshow »Mongolia’s Got Talent«, bei uns als »Deutschland sucht den Superstar« bekannt ist.

So träumt auch der zwölfjährige Amra in der Show aufzutreten, als ein tragischer Unfall sein Leben auf den Kopf stellt. Er muss von heute auf morgen erwachsen werden und für sein Land und die Traditionen kämpfen. Er Film, der zu Herzen geht und Sehnsüchte nach Natur und Ritualen weckt, die uns Menschen langsam für immer entgleiten. Ein wunderbarer Film!

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