Blinde Tunnel, Tove Alsterdal

Tove Alsterdal bekannt durch ihre Trilogie um die Kriminalromane der Ermittlerin Eira Sjödin legt den ersten Standalone in Deutschland nach. Der Roman aus dem Jahr 2019 ist sehr wahrscheinlich vor ihrem Durchbruch mit der Trilogie entstanden. Es nennt sich zwar ein Kriminalroman, doch ist eher eine Erzählung, die sich im Heute abspielt und auf Verbrechen der Vergangenheit zurückblickt. Verbrechen, die begangen wurden von den Nazis an den damaligen Sudetendeutschen jüdischer Abstammung. Wer von den Opfern nach Kriegsende die Deportation überlebte und nicht schnell genug aussiedeln konnte, wurde anschließend wieder zum Opfer, weil er als Deutscher angesehen wurde und dieses Mal als Kriegsverbrecher bestraft wurde. Im Grunde genommen ist es die Erzählung einer Ungerechtigkeit, die einem die Haare zu Berge stehen lässt, die jedoch erst einmal ganz harmlos anfängt: Mit dem Kauf eines Weingutes in Tschechien.

Tove Alsterdal ist eine brillante Erzählerin, das merkt man schon an diesem Buch und sie hat sich in ihrer Trilogie um Eira Sjödin noch gesteigert. Ihr starkes Auge für zwischenmenschliche Beziehungen tragen ihre Kriminalfälle.

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Olivia Ford: Der späte Ruhm der Mrs. Quinn

Der Debütroman von Olivia Ford ist die herzerwärmende Geschichte der 77-jährigen Jenny Quinn, die unerwartet das Casting übersteht und als Teilnehmerin in der britischen TV Show „Back Duell“ landet. Dort reüssiert sie mit ihren Rezepten, inspiriert die Zuschauer, dass es nie zu spät ist seine Träume zu verwirklichen und avanciert zum Liebling der TV-Nation. Aber das allein reicht nicht für einen großen Roman. Abgesehen von wunderbaren, fein herausgearbeiteten Charakteren, die man gerne in seinem Freundeskreis hätte, erzählt Ford die Liebesgeschichte von Jenny und Bernard, die seit fast sechzig Jahren verheiratet sind aus der Sicht von Jenny. Rückblenden in Jennys Kindheit und Jugend runden das Bild von Jenny ab. Eine weitere Weiterlesen

Abdel Alaoui, Marokko, 100 einfache Rezepte

Choukran – ist arabisch und heißt Danke. Dieses Buch von Abdel Alaoui ist eine Hommage, ein Dankeschön an seine Mutter, die trotz des Aufenthaltes in Frankreich ihrem   Sohn mit dieser Küche, liebevoll die kulinarische Tradition erhalten hat. Harissa, Datteln, Minze, Ras el – Hanout, selbst eingelegt Salzzitronen (kann man auch fertig kaufen), Sardinen, Grüner Tee, Orangenblüten- und Rosenwasser, wenn sie das zusammen haben, ist Marokkos Küche bei ihnen zu Hause. Keine Angst vor fremden Küchen! Wie steht es auf dem Umschlag in goldenen Lettern. 100 einfache Rezepte. Und um das zu unterstreichen hat Abdel Alaoui zu jedem Gericht den Schwierigkeitsgrad angegeben. Von sehr einfach, einfach und mittelschwer. Schwer kommt erst gar nicht vor. Eine gelungene Einladung sich an Gerichte zu trauen, auch wenn das dazu gehörige Bild etwas anderes suggeriert. Auch muss man sich keinen Tajine zulegen. Diesen markanten typisch marokkanischen Schmortopf mit einer Haube auf der Garschale aus Lehm oder Ton. Ein guter Schmortopf, am besten gusseisern tut es auch.

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Uli Stein: Uli Stein Jubiläumsausgabe

Das Werk ist eine Hommage an einen der bekanntesten deutschen Cartoonisten. Uli Stein. Wer kennt ihn, bzw. seine Pinguine, Mäuse, nicht die in viele Journalen und Büchern abgebildet wurden. Wer ist dieser Mensch? Wie sind seine Anfänge? Was macht seinen Erfolg aus? Diese und andere Fragen beantwortet der Prachtband ausführlich mit Text und Bildern. Natürlich fehlen nicht die Cartoons von den Anfängen und jetzt. Sein zum Teil tiefschwarzer Humor findet seinen Niederschlag im Buch wie auch seine gesamte Tierwelt. In den 40 Jahren seines Schaffens ist da einiges zusammen gekommen. Weiterlesen

Frankfurter Buchmesse 2023: Eine Nachlese

Die 75. Frankfurter Buchmesse ist zu Ende gegangen. Ein positives Fazit: Das Interesse an Büchern ist ungebrochen, und zwar bei Jung und Alt. Mein Kollege Stephan Schwammel und ich haben uns wie so viele andere in das Getümmel gestürzt und sind begeistert von der Stimmung und dem Angebot. Während Stephan Schwammel sich bei den renommierten, großen Verlagen umgesehen hat und mit vielen Rezensionsexemplaren zurückkam und wir uns schon jetzt auf die Buchvorstellungen freuen können, habe ich mich bei den „kleinen“, spezialisierten Verlagen und den Indie Verlagen umgesehen. Weiterlesen

Bov Bjerg, Der Vorweiner

Wow, was für eine Idee! Da muss man erstmal draufkommen! Wenn es nach Jules Vernes Romane geht, der Science-Fiction Romane, mit damals vielen interessanten Ideen, zu Papier gebracht hat und diese sind dann fast alle Realität geworden, könnten die Beschreibungen von Bov Bjerg in diesem Roman auch Realität werden. Bov Bjerg erzählt ein Szenario, welches wir heute für Utopie halten. So etwas wird und kann nicht passieren. Die Menschen werden immer Gefühle, Emotionen und Empathie haben. Ist das so? Oder stumpfen wir nicht immer mehr ab? Die ewig schlechten Nachrichten, mit Bildern untermalt, von brutalen Kriegen, Massakern, Mord, Totschlag, Amokläufen oder geschundenen und ertrunkenen Flüchtlingen. Oder die überbrutalen Videospiele, in denen der Erfolg hat, der die meisten Gegner tötet. Können wir noch Emotionen zeigen und Weinen?

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Martin Suter: Melody

Auch im vorliegenden, elften Roman, den er pünktlich zu seinem 75. Geburtstag veröffentlicht, bleibt Martin Suter seinem Genre treu und führt die Leser: innen wiederholt gekonnt in die Welt der Schönen, Reichen und Mächtigen. Und mit Dr. Peter Stotz hat Suter einen Protagonisten erschaffen, der mit den wunderbaren Charakteren Weynfeldt und von Allmen auf einer Stufe steht. Spannend wird es aber erst durch den Blick hinter die glänzende Fassade. Tom Elmer, gerade dreißig, Jurist mit zwei abgeschlossenen Studiengängen in der Schweiz und in England, ohne Anstellung, denn bis zum überraschenden Suizid des vermeintlich wohlhabenden Vaters, war sein Beruf Sohn, was ihm schmerzlich bewusstwird. Auf sich gestellt und mittellos hat er einige erfolglose Bewerbungen verschickt und befürchtet, dass er sich arbeitslos melden müsste, als er zum Gespräch bei Dr. Weiterlesen

Thomasina Miers, Mexikanisch Vegetarisch, Bunte Gemüse, würzige Salsa, eine Chiliparade mit frisch-fruchtigen Aromen

Bis vor ein paar Jahren hat noch fast niemand darüber geredet. Die ersten Vegetarier und erst recht die Veganer galten als eine verrückte Modeerscheinung. Die sind bald wieder weg. Die Aufklärung durch viele Medien, was ist besser für unsere Zukunft, der Welt, Umwelt, einfach weniger Tierhaltung. Was ist gesünder für unser Allgemeinempfinden, sollten wir uns nicht viel mehr pflanzlich ernähren. Und die Schäden durch den Klimawandel haben uns gezeigt und vorgegeben, dass kein Restaurant, Hotel, Gasthof ohne ein veganes/vegetarisches Angebot mehr zurechtkommt. So auch Thomasina Miers in ihrem angesagtesten mexikanischen Restaurant „Cantina Wahaca“ in London. Auch Frau Miers hat diese Entwicklung mitgemacht. Sie selbst bezeichnet sich als Flexitarierin. Sie ißt noch Fleisch, je nachdem wie ihr zumute ist, bevorzugt aber immer mehr die pflanzliche Kost.

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Cecilia Lattari (Text) und Alice Guidi (Illustration): Die geheime Kraft des Waldes

Ich muss sagen, Cecilia Lattari hat sich für ihr Buchprojekt mit Alice Guidi eine ganz besondere Illustratorin ins Boot geholt, die mit viel Liebe und Verständnis für das Thema dieses Buch sehr gelungen gestaltet hat. Die geheime Kraft des Waldes ist ein sehr persönliches Buch in dem die Autorin von ihren Erfahrungen und ihrem Weg zur „grünen Hexe“ erzählt. Was ist eine „grüne Hexe“? Diese Frage stellt und beantwortet Lattari gleich zu Beginn: Jemand, „der die Sprache der Natur und den Kreislauf der Jahreszeiten kennt…“  Womit wir beim Thema sind. Die geheime Kraft des Waldes folgt den Jahreszeiten, vom Winter bis zum Frühling. Vier Kapitel, je eins pro Jahreszeit, Weiterlesen

Karin Erlandsson: Innehalten, Masche halten

Dass Stricken im Norden beheimatet ist, kann man angesichts der schönen, traditionellen Strickmuster aus Skandinavien und Großbritannien vermuten. Dass aber das älteste Fragment eines Stoffes, der gestrickt wirkt, vermutlich 8500 Jahre alt ist und in einer Höhle in Israel gefunden wurde, überrascht mich. Wie so viele andere Informationen in Karin Erlandssons erfrischend persönlichem Sachbuch. Im Plauderton erzählt die Autorin die Geschichte des Strickens, die ganz eng mit der 10.000-jährigen Geschichte der Schafe verknüpft ist. Ja, die Frage, muss ich das alles wissen, nur um einen Schal zu stricken, kann man stellen und man kann auch sagen, das muss man nicht alles wissen, aber: mit dem Wissen aus diesem Weiterlesen