
Die Owsla, wie sich die Familien der Kaninchen nennen, sind eher Rotten, in denen nur die Stärksten aufgenommen werden. Da kann das junge sanfte Kaninchen Fiver keinen Start machen, auch wenn er der Bruder des klugen Hazel ist. Aber Fiver hat eine andere Gabe, er ist hellsichtig und nach einem seiner Anfälle, sieht er den Tod der gesamten Rotte, das Tal voller Blut und riesige Maschinen, die Bäume und Wiesen vernichten. Obwohl Hazel sich sofort an das Oberkaninchen des Owsla wendet, werden sie nur ausgelacht. Hazel und Fiver entscheiden aus dem Tal zu fliehen, ehe es zu spät ist. Eine Handvoll der jüngeren Kaninchen und auch der starke Hauptmann Bigwig schließen sich ihnen an. Doch der Weg in ein neues Zuhause ist gefährlich, tückisch und für manch einen von ihnen auch tödlich.
Watership down ist ein Märchen, eine Fabel, eine Lehre und vor allem eine ganz entzückende Geschichte von Richard Adams, die von den begnadeten Illustratoren James Sturm und Joe Sutphin adaptiert wurde. Und da sie das Leben der Kaninchen nicht durch süße rosarote Brillen darstellt, sondern sehr real, geht es manchmal beim Überleben hart zur Sache. Watership down ist meiner Meinung nach ein Buch für Kinder ab 10 Jahren, für Jugendliche und definitiv Erwachsene. Ein bisschen erinnerte es mich an Animal Farm, eine Fabel aus der man eine Menge lernen kann.
„Antoine des Gommiers“ ist der dritte Roman von Lyonel Trouillot, der im Litradukt Verlag erschienen ist und der ebenfalls von Peter Trier übersetzt wurde. Es ist ein erstklassig geschriebener Roman, der in vielerlei Hinsicht beeindruckt. Sprachlich ein Genuss, Dank einer überaus gelungenen Übersetzung. Denn sogar Beschreibungen von Horror und Gewalt bergen eine gewisse Poesie und Schönheit, wie auf Seite 22: „Am Boulevard Jean-Jacques Dessalines nährt nicht einmal mehr die Illegalität ihren Mann. Nachts bleiben nur einige Geschäfte, die noch illegaler als die vom Tag sind… Ansonsten ist der Boulevard Jean-Jacques Dessalines eine lange Gerade, bewohnt von der Angst, einigen Schreien und dem Lärm der Schüsse. Wenn es also anderswo besser ist, dann ist das keineswegs erstaunlich“. Auch wenn die Geschichte 
Hat sich Simone Meier in ihren voran veröffentlichten Romanen im hier und heute bewegt, greift sie in ihrem heute erschienenen Roman „Die Entflammten“ die historische Lebensgeschichte der Jo van Gogh-Bonger auf. Sie verwebt – auf unterschiedlichen Erzähl- und Zeitebenen – die fiktive Familiengeschichte der Ich-Erzählerin Gina, Studentin der Kunstgeschichte mit schriftstellerischen Ambitionen mit der realen Geschichte von Vincent van Goghs Schwägerin, die mit Vincents jüngerem Bruder Theo verheiratet ist. Sehr schnell wird klar: hinter jedem Mann – ob erfolglos, depressiv, oder mit Syphilis infiziert – steht eine starke Frau! Ginas Mutter ermutigt und unterstützt ihren Mann darin, ein Buch zu schreiben und finanziert mit ihrer Arbeit den
Als ich am 21.5.2003 in die Ausstellung mit Karikaturen von Phil Hubbe im Rathaus von Eschborn eingeführt habe, hatte ich meinen Lieblingswitz über Behinderte erzählt, um die Minen der Anwesenden bei dieser ungewöhnliche Ausstellung zu entkrampfen. Diese Ausstellung war seinerzeit Teil einer Veranstaltungsserie mit Musik, Filmen, und Workshops. Diese Veranstaltungsserie fand anlässlich des von der UN verkündeten Jahres der Menschen mit Behinderungen statt. Die Veranstaltungsserie war ein großer Erfolg und war Treibsatz für viele Aktivitäten von und mit Menschen mit Behinderungen. Die Ungläubigkeit war unter den Anwesenden ziemlich groß, das man über Menschen mit Behinderungen Witze machen kann.
Welch eine Freude, endlich ist der neuste Kriminalroman von Elke Nansen, von meiner Lieblingsautorin da. Ein schaurig, schöner Ostfrieslandkrimi „Tödliche Ostfriesengeister“. Die Kriminalromane von Elke Nansen sollte man nicht verpassen, ich verpasse keinen. Mit Lobeshymnen und Superlativen sollte man bei Rezensionen vorsichtig sein, denn dann wird die nächste Veröffentlichung daran gemessen. Meine Hochachtung vor Elke Nansen, sie hat auch dieses Mal ein Meisterwerk ihrer morbiden Literatur in ein Buch verpackt. Nicht, dass es nur ein mitreißender, spannender Krimi ist, hat sie, wie in allen ihren Büchern viel Wissens- und Lesenswertes mit sehr interessanten Themen verbunden. Ob es die mystische Welt Ostfrieslands von den Erzählungen der Großeltern ist, die heute nicht mehr so bekannten Drückerkolonen, forensische Entwicklung, Traumata oder die traurige Geschichte des Umgangs der Nazi mit psychisch auffälligen Personen. Auch wenn man von vielen Sachen teilweise etwas gehört oder gelesen hatte, sind die Aufklärungen von Elke Nansen immer eine Bereicherung.
Die Literaturwissenschaftlerin Caroline Bernard alias Tania Schlie fokussiert ihre Romanbiographie über die mexikanische Malerin Frida Kahlo auf die Zeit von August 1938 bis März 1939. In dieser Zeitspanne wird ihre künstlerische Entwicklung verortet hin zu einer selbständigen Künstlerin mit einer eigenen Formensprache, der ersten Einzelausstellung in New York bis zur Entdeckung der europäischen Ismen und ihrer Avantgarde in der Kunstmetropole Paris. Am sensibelsten sind bei Bernard die Stellen, an denen sie die Verve des zeichnerischen Prozesses und dessen malerische Umsetzung erläutert. Fridas lebenslange Hassliebe (und Konkurrenz) zu Diego Rivera, ihre Abhängigkeit von ihm, aber auch dessen Zuspruch, Unterstützung und Ermunterung prägen sie ebenso wie die notorische Untreue ihres Mannes. Sie versucht, sich aus dieser Beziehung zu lösen, genießt die Liebe zu anderen Männern. Dabei wirkt die Entscheidung zwischen „Liebe und (künstlerischer) Freiheit“ voraussehbar, da sie für viele Künstlerinnen zutrifft und deren Geschichte verwässert. Fridas Geschichte ist geprägt durch den schweren Busunfall im September 1925, bei der eine Stange ihr Becken durchbohrt, sie zu monatelanger Bettruhe im Korsett zwingt und zu zahlreichen Fehlgeburten führt. Rivera, der bekannteste Maler Mexikos mit seinen Wandmalereien („murales“) bringt ihr in der Rekonvaleszenzzeit die Malerei nahe, die zunehmend wichtiger wird und zu einer eigenen Ausdruckskraft führt, aber auch wie in der „Time“ als „Gynäkologische Bilder“ kritisiert wird.
Für den Journalisten und Autor Jürgen Schmieder war es das offensichtlich der „Arschtritt ins Glück“ und nach wenigen Seiten versteht der Leser warum Schmieder so empfindet. Nach seinem „Sprung über den Canyon ohne abzustürzen“ wie es seine Ärztin nach seinem diabetischen Koma ausdrückte, begriff er seine Situation als Chance. Systematisch und diszipliniert ging er den Weg zur Gesundheit und machte dabei erstaunliche Erfahrungen, die er bereit war, mit Betroffenen, Gefährdeten und Interessierten zu teilen. Er sieht sich nicht als selbsternannter Guru, erzählt ohne erhobenen Zeigefinger und scheint schonungslos ehrlich zu sein. Der Moment, als es Klick machte? Als er erkannte, dass am Anfang die richtige Einstellung stehen und das persönliche Umfeld stimmen muss. Folgerichtig definierte er das Toxische in seinem Leben und – eliminierte es. Wobei es nicht nur um so offensichtliche Dinge wie Nikotin, Alkohol, Zucker oder Essen, sondern auch um menschliche Beziehungen geht. Beziehungen, die nicht guttun, die herunterziehen und die beendet werden sollten. 