Ein Mensch kann nicht zweimal Sterben. Oder doch? Kryo – kalt – mit Kälte behandeln. Russland – Staat, Oligarchen, Geld, Macht, Gewalt, Korruption, Einschüchterung, um die Ziele durchzusetzen, auch Mord.
Pawel Danilow, ein russischer Oligarch, der sein Firmenimperium mit seinem Bruder teilt, gründet in Selenograd dem Silicon Valley von Russland, die Firma KryoZit und ist überzeugter Transhumanist und Kryoniker. Dieses umstrittene System, in dem sich zu Lebzeiten Probanten zur Verfügung stellen, sich nach ihrem Tod in sogenannten Dewars in Stickstoff einfrieren lassen, in der Hoffnung, dass die Technik soweit fortschreitet, um wiederbelebt zu werden. Oder hier, dass die Forschung es schafft, dass man das Gehirn digital auslesen kann, um es auf ein externes Medium zu übertagen, wodurch man künstlich weiterlebt. Nur sein Bruder Andrej will damit nichts zu tun haben und geht ins Kloster.

Erinnern Sie sich? Die 80er Jahre, Talking Head und deren Song „Once in a lifetime“ mit der Zeile „Same as it ever was“, zu Deutsch: Genau so, wie es immer war? Es gibt weitere Gemeinsamkeiten zwischen diesem Song und dem vorliegenden Roman, wie unbewusst zu leben und keinen Kontext zu Ereignissen in seinem Leben herzustellen, den Dingen ihren Lauf zu lassen, statt aktiv und die treibende Kraft seines Lebens zu sein, und dann die lichten Momente, in denen man sich fragt, wie man an einen – diesen – gewissen Punkt kommen konnte und als Reaktion darauf die Dinge sieht, wie sie sind. Aber man sollte sich von dem etwas angestaubten Titel nicht täuschen lassen: dies ist ein großer Roman, der genug bietet, um den ganzen Sommer zu
Der Verlag hat sich ins Zeug gelegt, den neuen Roman von Isabelle Lehn optisch ansprechend zu präsentieren. Der Ausschnitt aus Cornelius Völkers Gemälde „Handtasche“ ist meiner Meinung nach gut gewählt: Die Frau auf dem Bild spielt – kokett – mit ihren Reizen, mit einer gewissen Unschuld und gleichzeitig verbirgt sie etwas. Der Verlag hat sich auch nichts unversucht gelassen, auf den Inhalt hinzuweisen und aus den Kommentaren der Schriftstellerkollegen Simon Urban und Daniela Dröscher zitiert. Letztendlich aber, wenn Leserin und Leser das Buch aufgeschlagen haben und mit dem Lesen beginnen, muss die Geschichte überzeugen. Isabelle Lehn hat für diese Geschichte eine Form gewählt, wie sie aus dem investigativen Journalismus bekannt ist, oder wie sie in einem Ermittlungsprotokoll Verwendung
Auf der Rückseite wird der Roman von der Presse als ebenso gewalttätig wie zärtlich beschrieben. Und es stimmt, gefühlsmäßig beinhaltet die Geschichte wirklich alles. Es sind scharfkantige und dennoch liebenswerte Personen, es geht um tiefe Liebe und ebenso tiefen Hass, um Verlust und Wiederfinden. Was aber diesen Roman so einzigartig macht, ist der Spannungsbogen, der bis zur letzten Seite straff gehalten wird. Denn man kann Alma der Protagonistin irgendwie nicht trauen. Ist sie eine Mörderin oder ist sie derart dement, dass sie nur Fantasien hat? Und um diese geniale Geschichte zu erzählen, braucht die Autorin nur ein Haus in einer Sackgasse und ein Ehepaar, Alma und Otto.

Mit der Figur der kleinen Prinzessin Berti können sich Kinder sofort identifizieren. Sie wollen vieles aber sofort. Wenn das nicht gelingt gibt’s Gebrüll oder andere Formen der Auseinandersetzung. Dabei finden der weibliche Teil der Zuhörerschaft die Idee mit den langen Haaren das Beste. Der männliche Teil favorisierte die Möglichkeit des langen Schlafes.
Es ist immer ein besonderer Augenblick ein neues Buch in den Händen zu halten. Und manchmal – noch vor dem Öffnen des Buches – weiß man intuitiv, dass die Erwartungen und die Ansprüche an das Buch erfüllt werden. So in diesem Fall. Thilo Wydras Doppelbiografie ist eine literarische Pastete: es ist alles drin – Biografie, Geschichte, Liebesroman, Sachbuch, Familiengeschichte, Feminismus, Emanzipation und natürlich Kinogeschichte. Dennoch ist Wydra strukturiert und hat seine Biografie klar gegliedert: Teil I, England, Die frühen Jahre (bis 1938), Teil II, Amerika, Golden Age (bis 1970), Teil III, Der Ausklang, Die letzten Jahre und wie es sich beim Film gehört gibt es einen Abspann und für die Statistiker den Anhang mit Zeittafel, Filmographie, Bibliographie usw. Was mich jedoch noch mehr als alles andere begeistert, ist die spürbare Neugier, mit der sich Wydra auf Spurensuche begibt und dieses komplexe Bild von
Du kannst der Vergangenheit nicht entfliehen! Ein Hoch an Lina Bengtsdotter, besser, imposanter beeindruckender kann man nicht das Leben und das Erwachsen werden in einem kleinen Dorf in Schweden beschreiben. Da Lina Bengtsdotter in so einer Kleinstadt aufgewachsen ist, hoffe ich nur, dass es nur ein Roman ist und nicht doch autobiographisches dran ist. Die Geschichte spielt in dem schwedischen Dorf Silverbro. In solchen kleinen Orten ist das Gemeinschaftsgefühl stark ausgeprägt, jeder kennt jeden. Bei den Gegebenheiten und Situationen in den einzelnen Häusern kennt man sich aus. Man trifft sich im selben Pub, beim selben Wirt. Duldet die Andersdenkenden, die Abgerutschten, verdrängt die Gerüchte über häusliche Gewalt bis hin zum Missbrauch. Man weiß es, aber spricht nicht drüber. Man mischt sich nicht ein. Die Jugend wächst damit auf, sucht den Halt in den Freundschaften, privaten Feten und im Alkohol. Die Erwachsen erzählen von den vielen Mythen und Sagen, auch von Silverbro, von dem vor Jahren verschwundenen Mädchen Sofia, die nie wieder aufgetaucht ist.