Wiener Zuckerbäcker, Bernadette Wörndl

Wer des Öfteren in Wien ist und die Stadt genauso liebt, wie ich es tue, kennt natürlich auch die Kaffeehäuser. Ob das alte Café Savoy, das Sacher oder auch die kleineren rund um den Naschmarkt, der Spanischen Hofreitschule oder der Albertina. Eines ist klar, die Wiener Zuckerbäcker und auch die Caféhäuser haben noch heute eine ganz besondere Tradition. Wenn sie Weihnachten die Auslagen des Sacher betrachten, kann man sich schon im wahrsten Sinne des Wortes an den Süßigkeiten sattsehen. Wen wundert es? Wien war lange die Hauptstadt eines Kaisers und das hat sich auf die Kultur, den leiblichen Genuss und auch die Extravaganz der Speisen niedergeschlagen. Bernadette Wörndel hat in ihrem Zuckerbäckerbuch süße Klassiker und wiederentdeckte Schätze verewigt. So finden wir hier nicht nur die ursprünglichen Rezepte für Kuchen, Torten, Schnitten, Gebäck und Kekse, es werden auch die typischen Wiener Leckereien, wie Marillenknödel, Germknödel und nicht zu vergessen der Kaiserschmarrn appetitlich vorgestellt. Die zusätzlichen wunderschönen Fotografien des historischen und auch modernen Wiens verleihen dem Backbuch viel mehr Flair als nur einer Rezeptsammlung.

Ich wünsche Ihnen beim Backen, Rühren, Dampfen und Garnieren viel Spaß und vor allem tauchen sie genüsslich in die süßen Aromen der österreichischen Hauptstadt ein.

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Katharina von der Leyen: Weiter

Schreiben, sich etwas von der Seele schreiben, ist Therapie und Teil eines Heilungsprozesses. Eine derartige Aufarbeitung erfordert viel Mut und Kraft und vermutlich hilft es von der Leyen nur bedingt, dass sie ihr Handwerk beherrscht und eine erfahrene Schreiberin ist, denn in diesem speziellen Fall geht es um niemanden geringeres, als um sich selbst. Als ich das erste Mal vom Buch aufschaue, stelle ich erstaunt fest, dass ich mich bereits auf Seite 39 befinde. Die geschliffene Sprache, der flotte Schreibstil nehmen mich für Katharina von der Leyen und ihre persönliche Geschichte ein. Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich zustimmend nicke. Nicht als Betroffene, derartige Erfahrungen musste ich noch nicht machen, sondern als Begleitung. Es sind haarsträubende Erfahrungen, die die Autorin mit Betroffenen Weiterlesen

Tim Armann, Mach´s Lecker! Der Anfang von richtig gutem Essen

Die einzige Kochschule die du brauchst! Ich habe selbst mal den Beruf des Kochs erlernt und bin heute noch leidenschaftlicher Koch und habe mich zusätzlich darauf spezialisiert, Kochkurse für „Anfänger“ oder, „Wie einfach und schnell man köstliche Gerichte zubereiten kann“. Daher war ich sehr gespannt auf das Buch von Tim Armann, was er zu bieten hat? Ich bin ehrlich, ich habe vom Titel her „Mach´s Lecker!“ etwas anderes erwartet – nur einfache, schnelle Gerichte. Im Nachhinein bin ich überrascht und sehr begeistert. Tim Armann hat hier eine richtig gute und einfache „Koch – Schule“ herausgebracht hat. In der Küchenwelt gibt es viele Kochbücher von wahren Küchenmeistern, angefangen mit Apicius der Römische Feinschmecker und Kochbuchautor, etwa im 1. Jahrhundert nach Christus; der Große Pellabrat von 1569, ein bedeutendes Zeugnis der Nürnberger Tafelkultur;  Henriette Davidis, die ihr erstes Kochbuch 1845 herausgegeben hat und als Standartwerk der deutschen Küche gilt; der Giude Culinare von dem französischen Meisterkoch Escoffier von 1903; zu dem „Jungen Koch“ nachdem heute noch ausgebildet wird. Das Lehrbuch für jeden Koch/Köchin. Auch wenn die Küche sich weiterentwickelt hat und immer im Umbruch ist, so haben die Standartwerke die Wurzeln zum heutigen Essverhalten gegeben. Heute kocht man nach modernsten, wissenschaftlichen Erkenntnissen, Methoden und Hightech-Geräten. Und jetzt kommt Tim Armann! Ja, es ist ein Kochbuch als Koch-Schule, unprätentiös, einfach, sehr gut erklärt, macht Lust aufs Kochen und Nachmachen, einfache Rezepturen, sehr gute Anleitungen.

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Sabine Schmidt: Das kleine Nähcafé am Fluss

Sabine Schmidt ist mit „Das kleine Nähcafé am Fluss“ ein beachtenswertes Debüt gelungen! Die Bloggerin und Modemacherin bewegt sich thematisch auf bekanntem Terrain: Nähen und DIY (do-it-yourself), was besonders dann zum Tragen kommt, wenn es in der Geschichte um Stoffe, Nähmaschinen, Zubehör und das „Nähcafé“ geht. Aber eins nach dem anderen. Protagonistin und Ich-Erzählerin Maura Siebenstern, erfolgreiche Enddreißigerin mit durchgetaktetem Tagesablauf muss nach 20 Jahren in ihr Heimatdorf Rockenbrook in Schleswig-Holstein, um ihre Tante zu beerdigen und den Nachlass zu regeln. Dass das nicht alles ist, nicht sein kann – ist klar. Und so wird die Fahrt von Köln, ihrem gegenwärtigen Wohnsitz, nach Weiterlesen

City on Fire, City of Dreams und City in Ruins, Don Winslows letzte Bücher

Im Jahr 2017 schrieb ich für die Rezension von Winslows Polizeidrama, Corruption, folgendes: Es gibt gute Thriller, es gibt fantastische Thriller, doch die absolute Superlative sind die Thriller von Don Winslow! Ein Satz der sich auch für alle nachfolgenden Bücher bewährt hat.

Don Winslow verfasste weit über zwanzig Romane. Etliche wurden und werden noch verfilmt, doch keines der Bücher hatte jemals Schwächen oder Längen. Seine Weltbestseller zeichnen sich durch erstklassige Recherche aus, bei der man sich manchmal fragt, woher hat Winslow diese Fakten. Und eine weitere seiner großen Stärken ist sein besonderer Stil.

Mit unprätentiösen wenigen Worten lässt er den Leser in der Welt der Drogenbarone oder Mafiafamilien eintauchen, als wäre er selbst dort groß geworden. Kein überflüssiges Wort fällt, wenn er völlig nebenbei Grausamkeiten beschreibt und dennoch dem noch so brutalen Auftragsmörder eine verletzliche Seele andichten. Und das Wort dichten ist für Winslow mehr als zutreffend. Auch wenn die Unterhaltungsliteratur, besonders das Genre Thriller und Action allgemein nicht unbedingt zur ernsten Literatur gehört, bilden Winslows Werke die Ausnahme. Er kann sogar alle Regeln des Schreibens auf den Kopf stellen und damit jede Lektorin und jeden Lektor verzweifeln lassen. Jedoch bringen sogar seine Zweiwortsätze, selbst Zweiwortkapitel etwas besser auf den Punkt, als man das mit vielen Worten hätte sagen können.

Die Trilogie über das Leben des irischen Mafiamitglieds Danny Ryan, sind nun wirklich seine letzten Bücher, die Anfang dieses Jahrs fertig wurden. Don Winslow sagte, er hätte alles geschrieben, was er erzählen wollte. Aber ein noch größeres Anliegen ist es ihm, seine ganze Energie seit Anfang des Jahres in die Politik zu stecken. In einem Interview sagte er:

Zitat:

›Trump sei ein „Möchtegern-Diktator, ein Faschist, der, als er abgewählt wurde, versucht hat, sich diese Macht mit einem Staatsstreich wieder zu nehmen“, sagte der Schriftsteller der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Die Trump-Seite scheue nicht vor heftigen Angriffen zurück, die Gegenseite schon: „Die Demokratische Partei hat leider manchmal Hemmungen, richtig zurückzuschlagen. Ich nicht.“‹ Frankfurter Rundschau Mai 2024

Ein großartiger Autor verlässt die Welt der Bücher und das Eschborner Stadtmagazin wünscht ihm Glück mit all seinen zukünftigen Aktivitäten!

Doch jetzt lassen Sie uns über Danny Ryan reden:

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José Pizarro, Die Spanische Landküche,Rezepte und Geschichten aus José Pizarros Heimat der Extremadura

Die Extremadura ist ein autonomes Gebiet im Westen Spaniens an der Grenze zu Portugal. Dieser sehr rustikale, ländliche Bereich ist bekannt durch seine historischen Städte und die kulinarischen Spezialitäten. Die Gerichte haben ihre Wurzeln in der einfachen bäuerlichen Küche. Die heute geschätzt wird für ihre berühmten Delikatessen den „Jamon Iberico de Bellato“. Dem luftgetrockneten Schinken von den freilaufenden schwarzen Schweinen, die sich fast nur von Eicheln den Bellotos ernähren. Oder den Tosta des Cesar, ein Weichkäse aus Schafsmilch, aus der Gegend von Cesar Cáceras. Wohl dem, der das Glück hatte in solch einer ländlich, bäuerlichen Gegend aufzuwachsen, mit dem familiären Hintergrund von Großeltern, Eltern und Geschwister. Wo es notwendig war den Lebensunterhalt mit eigenem Anbau von Gemüse, Obst, Getreide, Kartoffeln und Viehzucht zu bestreiten. Wo dann die Großmutter und Mutter täglich die selbstgeernteten Produkte zu köstlichen Gerichten verarbeitet haben. Selbst wenn man als Kind, das alltägliche für normal gehalten hat, so erkennt man viel später, welche Leistungen dahinterstanden und die Erinnerungen führen einen dann mit Dank zurück. Und genau das war die Inspiration von José Pizarro zu diesem Buch „Die Spanische Landküche“.

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Karolina Ramqvist: Brot und Milch

Dass schwedische Autorinnen und Autoren mehr können, als spannende Krimis und Thriller zu schreiben, beweist Karolina Ramqvist mit ihrem neuen Roman „Brot und Milch“ auf sehr eindrucksvolle Weise. Sie erzählt die Geschichte der namenlosen Protagonistin, „die Frau, die sich erinnert“, in der Ich-Form. Besser kann man eine Geschichte über das Essen und seine Auswirklungen auf einen Menschen wohl auch kaum schreiben und die Grundlage dafür ist Ramqvists suggestive, einzigartige Sprache.  Für mich fühlt es sich an, als würde ich in einem riesigen Supermarkt herumlaufen, in dem alle Sinne angesprochen werden. Aber je weiter ich gehe, desto furchteinflößender werden die Schatten in den Ecken. Weiterlesen

Charlotte Link, Dunkles Wasser, Ein Kate Linville Thriller

Kate Linvilles schwerster Fall – nichts bleibt, wie es mal war… Charlotte Link, die Meisterin der Spannung und Tiefenpsychologie. Auch in diesem Buch „Dunkles Wasser“ hat sie wieder geschafft, mit komplexen Handlungssträngen den Leser bis zur letzten Seite zu fesseln. Die Protagonisten mit realistischen Charakteren, vielschichtig und authentisch darzustellen. Sie zeigen menschliche Schwächen und Ambivalenzen, was die Handlung glaubwürdig und nachvollziehbar macht. Ihre Wahl mit den einsamen Gegenden Schottlands und dem tristen Wetter erzeugt allein davon schon eine atmosphärische Spannung. Natürlich zeigt sie uns wieder die Probleme der Menschheit auf mit Gewalt, Missbrauch, zwischenmenschlicher Missverständnisse und unerfüllter Liebe. Wie in allen ihren Büchern auch in diesem Buch sind die Themen subtil in die Handlungen eingewoben und bieten uns Lesern zusätzlich Möglichkeiten zum Nachdenken. Speziell hier in „Dunkles Wasser“ hat sie sehr tiefergehende psychologische und gesellschaftliche Einblicke uns zukommen lassen. Man fühlt und denkt mit der Hauptprotagonistin mit.

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Prof. Dr. Gregor Hasler: Was uns wirklich nährt

Lieber Herr Professor Dr. Hasler, Ihr wacher, verschmitzter Blick hat mich neugierig auf das Buch und auf das, was Sie zu sagen haben, gemacht. Im Irrgarten der Ernährungsratgeber ist es gar nicht so einfach, etwas Passendes für sich zu finden, insbesondere, wenn man nicht unter einer Intoleranz, Unverträglichkeit oder Allergie leidet, sondern sich einfach nur gut und gesund ernähren möchte. Sozusagen schöner wohnen im eignen Körper. Nicht alles von den „Einblicken in die Ganzheitsmedizin der Ernährung“ ist neu für mich, vieles habe ich an anderer Stelle schon einmal gelesen. Nicht immer selbstverständlich aber vertrauensbildend ist, dass Sie ihre Thesen mit Ergebnissen von wissenschaftlichen Studien untermauern und dabei gerne auf Forschungsergebnisse internationaler Kollegen verweisen. Weiterlesen

Frankfurter Buchesse 2024 – eine Nachlese

Wenn Sie mich fragen: Lohnt sich ein Besuch auf der Buchmesse, kann ich nur sagen: ja, ja und nochmals ja! All diese vielen, wunderbaren Bücher und diese besondere Stimmung sind es wert.

Durchaus positiv zu sehen ist das erweiterte Sicherheitskonzept der Buchmesse. Besucher wie Aussteller müssen sich ggfs. Personen- und/oder Taschenkontrollen unterziehen, nachdem sie die Körperscanner passiert haben. Dafür steht eine Halle zur Verfügung und ausreichend Sicherheitspersonal sorgt für einen reibungslosen Ablauf.

Mehr als 4300 Aussteller aus 131 Ländern bieten ihre Werke wohlfeil und die stoßen sowohl bei den Fachbesucherinnen und Fachbesuchern – vorsichtige Schätzungen gehen von 114.000 Fachbesucher*innen aus – als auch bei Privatbesuchern auf ungebrochenes Interesse. Dennoch hört man kritische Stimmen vom Gastgeberland Italien. Es wird nicht genug gelesen. Das können die Verlage der „New Adult Literatur“ nicht bestätigen. Bei ihnen boomt es. Ihre Klientel ist leicht im Gedränge auszumachen: sie tauchen in größeren Gruppen auf und sind im Stil ihrer Romanheldinnen und Helden gekleidet und feiern ihre Autoren, deren Geschichten und – ein kleines bisschen auch sich selbst. Der Wandel ist nicht zu übersehen. Davon zeugt auch das neue „Game Business Center“ für Computerspiele und das doppelt so große Areal für Hörbücher und Podcasts. Weiterlesen