Alle Artikel von Elke Rossmann

Das Haus der Bücher und Schatten, Kai Meyer

Dies ist mein erstes Buch von Kai Meyer und ich war erstaunt, noch nie von ihm gehört zu haben. Denn sein Schreibstil ist nicht nur gefällig, ich würde ihn als schön beschreiben und dabei vermisst das Buch weder Spannung noch Ausdruckskraft. Der Roman, eigentlich ein Krimi, der in zwei Zeitsträngen spielt, 1913 und 1933, führt den Leser durch zwei Geschehnisse, die sowohl mysteriös, historisch solide, dramatisch und ungemein fesselnd sind. Natürlich verknüpfen sich beide Geschichten am Ende zu einer großen, überraschenden Aufklärung, die den übernächtigten Leser, weil man das Buch einfach nicht zur Seite legen kann, zufrieden mit einer guten Geschichte entlässt.

Ein solider Krimi, mit leicht gruseligen, schwer einzuschätzenden Mystery-Elementen in einem gut beschriebenen geschichtlichen Rahmen. Eine absolute Leseempfehlung von mir!

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Film: Megalopolis, by Francis Ford Coppola, DVD und Blu-ray

Ich glaube, es ist mir noch nie so schwer gefallen, eine Rezension für einen Film zu schreiben. Dazu muss ich sagen ich bin ein Coppola Fan. Auch wenn die heroische Darstellung der Mafia im Paten eine berechtigte Kritik, genau wie die zwiespältige Meinung, ob ›Apocalypse Now‹ ein anti oder ein kriegsverherrlichender Film ist, völlig legitim sind. Dennoch habe ich den ›Paten‹, und zwar Teil I, II und III mehr als fünf Mal gesehen, genau wie ›Apocalypse Now‹. Denn es war und ist immer noch großes Kino. Jetzt kommt Coppolas Lebenswerk, das vierzig Jahre dauerte und selbst finanziert wurde, aus Mangel an Investoren, ins Kino und in unserem Fall auf DVD und Blu-Ray. Und ja, ich bin hin und hergerissen, wie ich den Film denn nun finden soll.

Er hat mich fasziniert, ich habe den Kopf geschüttelt. Er ist mit philosophischen Dialogen überfrachtet, ähnlich schwer zu verstehen, als wolle man die Ilias von Homer lesen, dennoch gruselt es einem bei den Parallelen zur USA von Präsident Trump. Die Bilder sind grell, funkelnd, bezaubernd, wirr und manchmal zusammenhangslos. Der Film ist schwer zu begreifen, aber das war der Stummfilm Metropolis von Fritz Lang 1927 bestimmt auch.

So ist meine Quintessenz dieses Films: Ja, ich werde mir ihn ein zweites Mal ansehen. Ja, ich empfehle Ihnen, liebe Leser und Filmliebhaber, sehen Sie sich ihn an. Am besten mit mehreren Freunden und reden sie über den Film. Denn auch wenn der Film umstritten ist in der Presse und eine verhaltene Reaktion in Cannes erhielt, so wird doch über ihn geredet! Weiterlesen

Die Frau des Serienkillers, Alice Hunter

Ziemlich starker Tobak dieser Thriller. Aber so ist es wohl, wenn sich ein Familienidyll, mit Cottage auf dem Land, einer wunderbar süßen Dreijährigen und einem kleinen Café in dem die Kekse duften und man dazu noch Keramikbemalung angeboten bekommt, plötzlich in Luft auflöst. Eigentlich ist es schlimmer als eine Auflösung, denn auf dieses Leben fällt eine Atombombe, als der geliebte, gut aussehende und liebevolle Ehemann nicht nach Hause kommt. Stattdessen stehen zwei Kriminalbeamte in Beth Küche und fragen nach ihrem Mann, ohne weitere Erklärungen abzugeben. Als Tom dann viel später am Abend nach Hause kommt, nimmt man ihn gleich mit auf Revier. Beth ahnt nicht, dass sie nie wieder die Chance hat, mit ihm alleine zu reden. Denn schon am anderen Tag landet ohne Kaution in der Untersuchungshaft. Es geht um Mord und für Beth und ihre kleine Poppy bricht die Welt zusammen. Ihr Mann soll ein perfider Mörder sein! Solch eine Neuigkeit macht sich nicht gut in einem kleinen Dorf der Provinz und so beginnt die Hexenjagd nicht nur für Tom. Plötzlich wird getuschelt, die Presse hetzt die junge Mutter und auch den Müttern aus der Kita ist nicht zu trauen. Beth ist am Ende, bis Adam, ein Mann und Vater, der erst kürzlich auf tragische Weise seine geliebte Frau verlor, ihr eine helfende Hand reicht. Vielleicht eine fatale Entscheidung?

Ein spannender Thriller der das Idyll vielleicht ein bisschen zu sehr in Szene setzt und mit den überkandidelten Müttern manchmal an Desperate Housewives erinnert. Doch die Story hat es in sich. Vor allem am Ende, wenn alles auf den Tisch kommt. Definitiv lesenswert mit unerwarteten und heftigen Wendungen. Auch wenn mir die Mischung von, auf der einen Seite zu viel Friede, Freude Eierkuchen im Vorstadtidyll und auf der anderen Seite plötzlich knallharter Thriller an dem Hannibal Lektor Freude hätte, mittlerweile eine Nuance zu hart ist. Aber ich bin sicher, der Thriller findet seine Liebhaber.

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Wir finden Mörder, Sie haben den Fall. Wir haben die Lösung, Richard Osman

Wenn sie den ganz speziellen, doch totwitzigen englischen Humor lieben, sind Sie bei der Krimi-Serie, ›Wir finden Mörder‹ genau richtig. Die Situationen in dem Krimi sind genau wie der Humor manchmal regelrecht absurd und würzen diese Geschichte damit ungemein. Das Rezept dafür: Ein bisschen Monty Python, ein bisschen Mick Herron mit seiner grandiosen Serie, über die aufs Abstellgleis verbannten, ältlichen MI5 Agenten und dann packen wir noch das internationale Flair von St.Lucia, Dubai, Hawaii, Irland und der englischen Provinz dazu. Voilà wir haben eine neue grandiose Serie. Ich habe mich unglaublich amüsiert, über die Geschichte, die Protagonisten und die Dialoge. Guter Krimi? Nein ein ausgezeichneter Krimi!

Ich hatte Richard Osmans Donnerstag Mordclub nie gelesen, der die Bestsellerlisten hier stürmte, doch die neue Serie ›Wir finden Mörder‹ wird bestimmt ein ebenso großer Erfolg. Ich freue mich jetzt schon auf den zweiten Band.

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Das Mädchen im Schnee, Javier Castillo

Es ist der Albtraum aller Eltern. Bei einer Massenveranstaltung 1998, der Thanksgiving-Parade in Big Apple, löst sich die dreijährige Kiera von der Hand ihres Vaters. Aaron wird abgedrängt und stürzt, danach kann er seine Tochter nicht mehr finden. Was wie ein Unfall in der Masse beginnt, endet mit dem Verlust eines geliebten Kindes, welches man nie wieder findet. Es kostet die Eltern alles, die schwangere Grace verliert zusätzlich ihren ungeborenen Sohn, beide Eltern verlieren sich, ihre Liebe und auch die Ehe. Nach fünf Jahren erhält Grace plötzlich ein Videoband, auf dem ihre achtjährige Tochter Kiera in einem Kinderzimmer, beim Spielen zu sehen ist. Die Eltern, die Journalistin Miren und auch das FBI sind sich einige, es ist Kiera, doch die wenigen Anhaltspunkte, wie der Raum und das Spielzeug bringen niemanden weiter. Die Zeit vergeht, der Fall wird aufgegeben, selbst die Eltern glauben nicht mehr an Wiedersehen, als eine zweite Aufnahme kommt. Das Mädchen ist fast schon ein Teenager, aber es ist Kiera.

Die Einzige, die immer weiter sucht, sich gegen den Willen des FBI und auch ihre Vorgesetzten bei der Zeitung stemmt, ist die Journalistin Miren Triggs. Denn sie hat sich geschworen, nie mit dem Suchen aufzuhören.

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Nichts ruht für immer, von Harlan Coben, die Myron Bolitar Serie, Band 12

Als 2018 der elfte Band, Preis der Lüge aus der Myron Bolitar Serie erschien, schrieb ich die folgende Rezension: Welche ein Trio-Infernale sind doch Harlan Coben, Myron Bolitar und Winsor Horne Lockwood der Dritte.

Der amerikanische Autor Harlan Coben fing 1995 mit seiner Myron Bolitar Serie an. Er schrieb über die Jahre zehn Thriller mit dem sympathischen Sportagenten und Ex-Star-Basketball Spieler der NBA. In 2011 war dann erst einmal Schluss und dieses Jahr kam dann der Knaller. Es gibt einen neuen Bolitar Roman, ›Home, der im August 2018 bei Randomhouse unter dem Titel ›Der Preis der Lüge erschien.

Diese Serie ist unvergleichlich spannend, genial und sehr witzig! Fangen Sie mit Band eins an und ich garantiere Ihnen, sie lassen nicht locker, bis sie Band elf gelesen haben. Umso schöner ist es jetzt im Jahr 2025 den zwölften Band, ›Nichts ruht für immer‹, vorzustellen.

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Blutbuße, Viveca Sten, dritter Band der Hanna Ahlander Serie

Blutbuße ist bereits der dritte Teil der Serie um Hanna Ahlander. Eine junge Polizistin am Polarkreis, die den allerbesten Instinkt hat, wenn es um Scherverbrechen geht. Sie arbeitet zusammen mit Daniel Lindskog, in den sie sich leider verliebt hat. Aber er ist eine verbotene Frucht, da er kürzlich Vater geworden ist und außerdem wähnt Hanna ihren Kollegen in einer glücklichen Beziehung. Ausgerechnet in der Osterwoche, in der alle sich auf ein langes freies Wochenende gefreut hatten, wird eine erfolgreiche Unternehmerin ermordet. In ihrem Zimmer in der Copperhill Mountain Lodge muss ein Gemetzel stattgefunden haben, denn jemand stach immer und immer wieder auf die Frau ein. Sie ihres Zeichens war nicht gerade Everybody’s Darling. Wie sich zeigt, hatten eine Menge Menschen etwas gegen die knallharte Investorin. Nicht zuletzt, weil sie ein altes Hochgebirgshotel, ein Symbol der goldenen siebziger und achtziger Jahre in Storlien, für Millionen abreißen und im neuen Glanz wieder aufbauen wollte. So fängt der neue Polarkreis-Krimi von Viveca Sten an. Und wir Leser bekommen eine Handvoll mögliche Täter serviert. Ist es ein Mitglied ihrer Familie, ein Verfechter des alten Hotels, ihr Kompagnon, die Investmentmafia, ein korruptes Stadtratsmitglied oder doch nur ein Hotelangestellter, der auf Rache aus ist?

Eine gute Story, vor allem mit dem alten Hotel, das mich irgendwie an das Overlook Hotel aus Steven Kings Buch, Shining erinnerte. Gut hätte mir gefallen, wenn Viveca Sten, anstatt zu viele private Schauplätze der Polizisten auszuleuchten, mehr Zeit und damit Text in dem alten Hotel in den siebziger Jahren verbracht hätte. Diese Passagen hatten einen ganz besonderen Reiz und machten die alte Hotelruine in der heutigen Zeit zu einem Ort des Gruselns. Spannend, gut geschrieben mit hervorragenden Protagonisten und von mir gibt es eine hundertprozentige Leseempfehlung.

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Man spricht über Jaqueline, Katrin Holland

Magda Birkmann eine der Herausgeberinnen nennt das Buch von Katrin Holland in ihrem interessanten Nachwort, ein seltsames Gemisch aus Sachlichkeit und veralteter Romantik. Ich schließe mich dem Gedanken an. Die erzählte Geschichte weckt beim Leser eine Erwartungshaltung, die in Richtung einer romantischen Liebesgeschichte Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts geht. Daher ist das Ende völlig unerwartet und versachlicht die Erzählung mit einem Mal so sehr, dass es sich schon fast kalt anfühlt. Diese Mischung macht den Roman erst richtig interessant und führt den leichtfüßigen fast komödiantischen Anfang der Geschichte am Ende ad absurdum.

Wer sich für die kaum beachteten Frauenromane dieser Zeit interessiert und einmal die mutigen und talentierten Autorinnen lesen möchte, ist mit diesem Buch genau richtig. Es ist bereits das zweite Buch (1.Stella Benson, Zauberhafte Aussichten) von Rowohlts, das ich in der Reihe wieder entdeckter Autorinnen gelesen habe. Es ist einfach großartig zu sehen, was diesen Schriftstellerinnen bereits vor fast hundert Jahren am Herzen lag.

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Spiegelberg, Christoph Gasser

Christof Gasser schafft es in seinen Krimis immer wieder, den Nichtschweizern unter uns, die rosarote Brille abzunehmen. Dass in dem kleinen so sauberen Land mit den idyllischen Bergen und seinem Käsefondue längst nicht alles im eidgenössischen Einklang harmoniert, wird einem bei seinen Geschichten schnell klar. Ob Prostitution von jungen Mädchen, mafiöse Clans oder korrupte Politiker, das Land, welches in etwa mit Niedersachsen an Fläche und Einwohnerzahl zu vergleichen ist, hat, was Kriminalität angeht, einiges im petto. Doch anders als bei seinen Solothurn Krimis bringt der Autor in seinem Standalone ›Spiegelberg‹ zusätzlich interessante Schweizer Nachkriegsgeschichte mit ins Spiel. Er beleuchtet die Jurafrage, die mit der Moeckli-Affäre 1947 den Stein des Anstoßes bildete und über viele Jahrzehnte bis zur endgültigen Abstimmung 2017 immer wieder zu Straßenschlachten führte. So siedelt der Autor einen seiner Hauptprotagonisten Gérard Murival genau in die Separatisten Szene des Jurabogens an. Durch einen Mord wird sein Leben zur ewigen Flucht, obwohl er der Erbe eines Millionen schweren Unternehmens werden sollte. Und seiner Tochter Camille erging es nicht besser.

Definitiv sind die Kriminalromane von Christof Gasser nicht nur spannend, sie sind genau wie die Solothurn-Krimis immer unglaublich klug, fundiert und sehr, sehr unterhaltend. Für mich liegt es daran, dass sie unglaublich real sind und nicht wie erfundene Geschichten wirken. Egal ob ein Standalone wie Spiegelberg oder die Solothurn-Reihe, ich liebe diese Schweizer Kriminalromane von Herrn Gasser.

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