Alle Artikel von Elke Rossmann

Trotzdem, Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge

Trotzdem von Ferdinand Schirach

Zwei Philosophen sprechen über die Corona Pandemie und wie bisher mit ihr umgegangen wurde. Ob die Schritte vertretbar sind mit unserem Grundgesetz, unserem Recht auf Freiheit und welche Folgen sie haben könnte.

Sehr kluge Gedanken, die in dem per Instant-Messaging-Dienst zwischen Alexander Kluge in München und Ferdinand von Schirach in Berlin organisiertem Gespräch, ausgetauscht wurden. Ein kleines Buch, das Hoffnung gibt, denn es sieht sich die historischen Katastrohen an und die doch positiven Erneuerungen, die damals dadurch entstanden. So sind die beiden Denker sich einig, dass auch das Virus uns an eine Zeitwende gebracht hat. Beides ist jetzt möglich, das Strahlende und das Schreckliche.

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Die stummen Wächter von Lockwood Manor, Jane Healey

Wenn es um die unheimliche Stimmung des Hauses geht, ist der Roman ein Versuch in Richtung Rebecca von Daphne du Maurier. Nur Lockwood Manor ist nun mal nicht Manderley. Es liest sich dennoch gut und auch spannend, obwohl die Beschreibungen um die Tierexponate des Museums manchmal etwas langatmig sind.

Es ist eine der etwas gruseligen Geschichten über ein altes, englisches Herrenhaus, dass im Endeffekt gar nichts für den Horror, der darin stattfand, kann. Denn es sind wie immer nur Menschen, die für die tragischen Traumata und Verletzungen der Schwächsten unter uns verantwortlich sind. Und so greift die Autorin am Ende zwei wichtige Themen auf, bei denen ich erstaunt war, sie in einem Buch wie Die stummen Wächter von Lockwood Manor zu finden. Und genau dieser Umstand macht den Roman so lesenswert.

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Die Toten von Inverness, G.R. Halliday

Dieser Krimi aus den schottischen Highlands ist das Debüt vom G.R. Halliday. Es fehlt dem Krimi auf keinen Fall an Spannung. Er ist zum Teil auch ordentlich gruselig. Nur hätte er hundert Seiten weniger vertragen können, um das zu sein, was man atemlos und crispy nennt. Aber in diesem Band führt der Autor seine Charaktere erst ein und braucht das eine oder andere Wort mehr. Auch müssen sich seine Protagonisten noch abschleifen, vor allem die eigenwillige DI Monica Kennedy.

Trotzdem ist der Krimi packend und sehr lesenswert. Ein gutes Debüt, das bestimmt vom Autor mit dem nächsten Band getoppt werden kann.

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Das Ritual des Wassers, Eva Gracía Sáenz

Hier ist er endlich, der zweite Band der Reihe um Inspector Unai Ayala, genannt Kraken. Nach Band I, Die Stille des Todes hat die Autorin mit dem Roman Das Ritual des Wassers ganz gehörig nachgelegt. Es sind wieder fünfhundert Seiten geballte Spannung. Wie auch schon beim ersten Band haben die Fälle immer irgendwie, mit dem Privatleben des Inspectors zu tun. Und das ist nicht weiter erstaunlich, denn die Beschreibungen von Vitoria, die Hauptstadt des Baskenlands hinterlässt bei Leser das Gefühl, als würde jeder, jeden kennen. Man wird Teil der Stadt, der Ermittlungen und Krakens Familie. Die Autorin verzaubert einen regelrecht mit ihrer Geschichte und so kann man den fünfhundert Seiten langen Thriller nicht aus der Hand legen.

Großartige Mischung aus hartem Thrillerstoff, einer innigen Geschichte von Freundschaft und der Erzählung von tragischen und auch wunderbaren Familienbanden.

Diese Reihe darf ihnen als Krimi- und Thrillerfan nicht entgehen.

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Barracoon, Zora Neale Hurston

Der Sklavenhandel war ein Millionengeschäft. Afrikaner wurden gegen ihren Willen gefangen, verschifft, versklavt, geschunden und oft zu Tode geprügelt. So manches Mal aus reinem Vergnügen vergewaltigt und geschlagen, denn sie waren weniger Wert als Tiere, die afrikanischen Sklaven. Selbst nachdem 1807 Großbritannien und ein Jahr später die USA den internationalen Menschenhandel mit Afrika abgeschafft hatte, wurden weitere sechzig Jahre etwa 3,9 Millionen Afrikaner verschleppt.

Mit dem letzten amerikanischen Seelenverkäufer der Clotilda kam Oluale Kossola 1860, mit neunzehn Jahren nach Amerika und für fünf Jahre in die Sklaverei. Erst mit sechsundachtzig Jahren erzählt er 1931 der afroamerikanischen Autorin und Anthropologin Zora Neale Hurston sein Leben. Es ist ein ganz erstaunliches historisches Dokument. Denn es fängt nicht nur authentisch sein Leben ein, sondern auch seine Gefühle. Es beleuchtet vor allem, was Afrikaner ihrem eigenen Volk antaten, wenn sie Menschen jagten und an die weißen Händler in die Sklaverei verkauften. Ein bewegendes Buch, das ein zusätzliches, neues Licht auf die Sklaverei wirft, das auch für mich nicht so klar war. Vor allem ist es ein bewegendes Zeugnis eines jungen Mannes, der von seiner Familie brutal getrennt wurde und seine Heimat nie wieder sehen durfte.

So alt und doch so aktuell in unserer Zeit der Zwangsmigrationen. Denn ob man verschleppt wird oder von Bomben davon läuft, ist am Ende völlig egal.

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LIFE UNDERCOVER Als Agentin bei der CIA, Amaryllis Fox

Es ist nicht das erste Buch, das von einem/er CIA-Agenten/in veröffentlicht wurde. Jedoch für mich das erste wirklich beeindruckende Buch, geschrieben von einer Spionin. Amaryllis Fox ist nicht nur hochintelligent, sie versteht es auch ihr Leben so zu beschreiben, dass man als Leser jeden Schritt mit ihr tut. Mit einem großartigen Schreibstil führt uns die Autorin völlig unaufgeregt in ihr damaliges Leben als CIA-Agentin. Ein Leben, für welches das Wort aufregend das falsche Wort wäre. Amaryllis Fox beschreibt ihre Tätigkeit bei der CIA ohne jegliches Heldenepos, als das was es war: beängstigend, furchtbar stressvoll und lebensgefährlich.

Der Central Intelligence Agency hängt nicht der beste Ruf an, doch Amaryllis Fox macht ein bisschen gut an dem Bild. Ich als Leser habe der Autorin jedenfalls alle Gründe, warum sie zur Agency ging und diese dann auch wieder verlassen hat, abgenommen.

Eines der besten Autobiographien aus dem Agenten-Milieu, die ich je gelesen habe.

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Oxen Nr. 4: Lupus, Jens Henrik Jensen und ein Interview mit dem Autor

Nach der dreiteiligen Oxen-Serie, um den traumatisierten Jägersoldaten Niels Oxen, der die kriminelle Vereinigung des Danehofs zerschlägt, nun ein brandneuer OXEN mit dem Titel Lupus.

Alle Fans von Niels Oxen haben bestimmt schon sehnsüchtig auf diesen vierten Band gewartet. Man kommt auch auf seine Kosten bei der neusten Verschwörung, die von dem ehemaligen Elitesoldaten, der Geheimdienstmitarbeiterin Margarethe Franck und dem pensionierten Chef des PET, Axel Mossmann aufgedeckt wird. Jedoch hätte das Buch gut und gerne einige Seiten weniger haben können. Leider ist es für Oxen-Fans am Anfang sehr langatmig. Für neue Leser aber bestimmt notwendig, um die Hintergründe zu erklären.

Eine sehr spannende, gut durchdachte Geschichte voller Action und Thrill. Die noch besser hätte sein können, wenn auf das eine oder andere Wort verzichtet worden wäre.

Dennoch kann ich den vierten Oxen-Band jedem Leser ohne Vorbehalt empfehlen. Falls Sie jedoch OXEN nicht kennen, dann fangen Sie unbedingt mit Band 1, OXEN Das erste Opfer, an.

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Der Kreidemann, C.J. Tudor

Der Kreidemann von CJ Tudor

Nicht umsonst sagte Stephen King: Wenn Sie meine Bücher mögen, werden Sie auch dieses verschlingen.

Der Kreidemann erinnert wirklich an einen der alten Kings, wie ES und Friedhof der Kuscheltiere. Es ist ein spannender und gruseliger Thriller, der in zwei Zeitebenen erzählt wird. Natürlich sind die Teile die im Jahr 1986 spielen und aus der Sicht von Kindern erzählt werden die tragenden Teile der Geschichte. Vielleicht erinnern Sie sich, auch ES von King hatte diese bezaubernde Kindergeschichte, dem Club des Loseren. Im Kreidemann werden Eddie, Fat Gav, Metal Mickey, Hoppo und Nicky, auch eine Art Verliererclub, in eine Reihe mysteriöser Morde hineingezogen. Dabei sind sie nur eine Handvoll Kinder, die mit schrecklichen Toden und mit Kreidezeichnungen konfrontiert werden, die keiner der Erwachsenen verstehen will.

Hochspannung à la King, aber mit einem untypischen Ende dieses Genres. Auf jeden Fall eine Empfehlung wert.

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Unschuldsengel, Zoje Stage

Dieses Buch ist ein wirklich wilder Ritt für jeden erprobten Thriller-Leser. Aus der Hand legen ist unmöglich, weil man sich im Laufe der Geschichte immer wieder fragt, ist es nun ein Thriller, ein Familiendrama oder eine Horrorgeschichte. Es hat wohl von jedem Genre etwas. Dabei ist es nicht nur so spannend, dass man geneigt ist, an den Nägeln zu kauen, es spielt auch Achterbahn mit unseren Gefühlen. Das liegt daran, dass man immer wieder unterschiedliche Positionen einnimmt. Mal für die, von der siebenjährigen Hanna gequälten Eltern. Und dann überkommt einem wieder das Mitleid mit der kleinen Soziopathin Hanna.

Sind Sie auf der Suche nach einem Thriller, der Herzklopfen bereitet, dann nehmen Sie sich unbedingt Unschuldsengel vor!

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Goldkind, Claire Adam

Goldkind gehört nicht zu den Büchern der leichten Unterhaltung. Es ist ein eher düsteres Buch, jedoch so spannend und zum Teil verstörend, dass man es nicht aus der Hand legen kann. Dabei dreht sich die in Trinidad spielende Geschichte, um die Entscheidung eines Vaters, ob er eines seiner Söhne für das Wohl des anderen Sohns Opfer soll oder nicht. Es geht um die fürchterliche Armut in einem so schönen Land, der man nur mit Bildung entkommen kann. Doch diese Bildung kostet Geld, es reicht nicht aus, nur talentiert zu sein. Die einfühlsame Familiengeschichte ist mehr als eine Geschichte, sie wird zu einer Herausforderung, die den Leser zu einer moralisch und ethisch-sittlichen Bewertung zwingt. Für einen Debütroman ist dieses Buch einfach nur grandios!

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