Unschuldsengel, Zoje Stage

Dieses Buch ist ein wirklich wilder Ritt für jeden erprobten Thriller-Leser. Aus der Hand legen ist unmöglich, weil man sich im Laufe der Geschichte immer wieder fragt, ist es nun ein Thriller, ein Familiendrama oder eine Horrorgeschichte. Es hat wohl von jedem Genre etwas. Dabei ist es nicht nur so spannend, dass man geneigt ist, an den Nägeln zu kauen, es spielt auch Achterbahn mit unseren Gefühlen. Das liegt daran, dass man immer wieder unterschiedliche Positionen einnimmt. Mal für die, von der siebenjährigen Hanna gequälten Eltern. Und dann überkommt einem wieder das Mitleid mit der kleinen Soziopathin Hanna.

Sind Sie auf der Suche nach einem Thriller, der Herzklopfen bereitet, dann nehmen Sie sich unbedingt Unschuldsengel vor!

Fotocopyright: Gabrianna Dacko

Leider liegt keine weitere Vita über die Autorin vor.

 

 

Stellen Sie sich vor, Sie sind verheiratete mit ihrem Traummann, leben in einem Traumhaus und bekommen dann noch eine süße Tochter. Das Drama beginnt, als Hanna immer größer wird und kein Wort spricht. Alle medizinischen Möglichkeiten wurden untersucht, ihr Gehör ist perfekt, sie versteht, was man sagt, doch kein Wort kommt über ihre Lippen. Dabei ist sie intelligent, sogar viel weiter im Schreiben und Rechnen, als es für ihr Alter normal ist. Jedoch muss sie von ihrer Mutter Suzette zu Hause unterrichtet werden, denn jeder Versuch, sie in einer Schule anzumelden, scheitert. Dort wird sie zu einem kleinen Monster, knurrt wie ein Hund, verletzt sogar andere Kinder und das alles mit dem Lächeln eines kleinen Engels.

Auch ihre Mutter kennt diese Seite an Hanna, hat sie bereits gespürt, die Feindschaft, den Hass, die Zerstörung. Aber sobald Alex ihr Vater in der Nähe ist, wird Hanna zu dem liebsten kleinen Mädchen, was man sich vorstellen kann. Erst als Hanna versucht Suzette ernsthaft zu verletzen, sieht auch Alex, zu was sein Kind in der Lage ist. Als sie anfängt zu sprechen und mit einem französischen Akzent behauptet Anne-Marie Dufosset zu sein, ein kleines Mädchen, das während des Wahns der Hexenverbrennungen umkam, beginnt ein wahrer Albtraum.

Grandiose Unterhaltung die ganz ambivalenten Gefühle beim Leser weckt. Das erreicht die Autorin, weil sie die Geschichte aus zwei Perspektiven erzählt. Einmal kommt die Mutter Suzette mit all ihren Leiden zu Wort und dann beschreibt Hanna aus ihrer Sicht die Welt. Es bleibt einem als Leser eigentlich gar nichts anderes übrig, als sich irgendwann zwischen den beiden Charakteren zu entscheiden. Wer ist die Hexe, Suzette oder Hanna? Oder anders gesagt, wer hat wirklich die große psychische Schädigung, die Mutter oder die Tochter?

Unschuldsengel, Zoje Stage, Knaur, Taschenbuch, 432 Seiten, ISBN 978-3-426-22692-6, Euro 14,99.

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