Alle Artikel von Elke Rossmann

Das Geheimnis, Ellen Sandberg

Das Geheimnis ist ein Familiendrama, das sich über drei Generationen von Müttern und Töchtern zieht. Es ist die mittlerweile sechzigjährige Ulla, die als Kind von ihrer Mutter mehr oder weniger verstoßen wurde und deshalb versuchte, bei Sandra ihrer eigenen Tochter eine Übermutter zu werden. Doch auch sie steht vor einem Familienscherbenhaufen, denn ihre schwangere Tochter will sie nicht in ihrem Leben haben. Ulla ist ratlos und flüchtet sich auf eine Reise in die Vergangenheit un zieht in das kleine Haus ihrer Mutter am Chiemsee. Dort wo Helga als Malerin 1975 in einer Kommune lebte und Ulla ihre Mama an den Wochenenden und Ferien immer besuchen durfte. Doch nach einem tragischen Autounfall, bei dem die Neunjährige schwer verletzt wurde, will ihre Mutter sie nie wieder sehen.

Ein gut geschriebener und spannender Roman um Versagensängste, Familienbande und einem gut gehüteten Geheimnis. Sehr unterhaltsam.

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Chaos, Glück und Höllenfahrten, Wiglaf Droste

Wiglaf Droste, Sänger, Autor, Journalist, Enfant terrible und vor drei Jahren hätte man ihn noch als Querdenker bezeichnet, als dieses Wort einen positiven, lobenden Klang hatte. Seine Schriften sind endlos, mal anklagend, mal zynisch, mal witzig und vor allem bitter. Droste wurde sogar ein eigener Stil, die neue Textform der polemischen Satire angedichtet. Ob das Cholerische an ihm vom Trinken oder Weltverdruss oder einer symbiotischen Verbindung vom beiden kam, sei dahingestellt. So waren seine Worte oft schneidend und noch öfter zutreffend. Es ist nicht einfach ein Leben in ein Buch zu packen, doch mit Chaos, Glück und Höllenfahrten kam der Tiamat Verlag einem solch intensiven Leben, wie dem Wiglaf Drostes sehr nahe. Die autobiografische Schnitzeljagd, die aus eigen Texten und Texten von Kollegen, Verlegern und Freunden besteht, hinterlässt ein gewisses Gesamtbild von Droste, das den so vielfältigen Charakter wohl ziemlich gut trifft. Weiterlesen

Die Fesseln des Bösen, Jean Christophe Grangé

Jean-Christophe Grangé hatte immer einen harten Stil und schönte nie ein Verbrechen. Doch in seinem Roman, Fesseln des Bösen, schwelgt der Autor zum Teil in Perversität. Natürlich, wenn man eine Hardcore BDSM Szene zum Hintergrund eines Thrillers macht, bleibt einem als Schriftsteller nicht viel übrig. Dennoch ist Grangé natürlich ein Meister seines Fachs und seit Jahren der beste französische Thrillerlieferant. Mir persönlich haben seine Titel, wie Der Flug der Störche, Purpurne Flüsse oder Das Imperium der Wölfe besser gefallen, doch ist Fesseln des Bösen wieder unglaublich spannend. Denn eines schafft der Meister des harten Krimis immer wieder, er erschafft Protagonisten, die sich am menschlichen Abgrund hangeln und das trifft nicht nur für seine mutmaßlichen Mörder zu. Auch die sogenannten Guten, wie Kommissar Corso, machen einem normalen Menschen Angst.

Damit spielte Grangé schon immer und meisterhaft: Mit der Angst seiner Leserschaft!

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5000km Freundschaft, Torben Kroker und Karl-Heinz Schulz

Ich war ein wenig skeptisch bei dem Buch. Denn der Roadtrip eines Vierundneunzigjährigen zusammen mit einem zweiundzwanzigjährigen jungen Mann ist das wirklich ein Buch wert? Vor allem erfüllt das Cover mit dem Foto der beiden erst einmal ein Klischee: Karl-Heinz Schulz, genannt Carlos, wirkt wie der griesgrämige Nachbar der Siedlung und Torben Kroker eher wie ein wohlerzogenes Bübchen ohne jegliche Lebenserfahrung. Aber weit gefehlt, denn die Reisebeschreibung ihrer fünftausend Kilometer in 2020 quer durch Europa, mit dem Ziel die Plätze wiederzusehen, an denen Carlos nach dem Krieg interniert war, sind überaus unterhaltsam. Die Reisebeschreibung von Torben Kroker mit allen Problemen die auftreten, wenn man mit einem Freund unterwegs ist, der dreiundsiebzig Jahre älter ist, sind nett geschildert. Aber auch die Highlights in Frankreich und vor allem Spanien machen Spaß und man kann menschlich nur den Hut vor dem jungen Mann ziehen. Dem werden Lebenserinnerungen an die Nachkriegszeit von Carlos gegenübergestellt, sodass man mit Carlos die Zeit in den Orten noch einmal erlebt.

Zwei sehr unterschiedliche Menschen, nicht nur wegen ihrer so unterschiedlichen  Lebensjahre, wagen eine außergewöhnliche Reise. Sie auf dieser Reise zu begleiten ist anrührend, interessant und spannend. Ein Abenteuer, zu dem Mut gehört und von dem beide sehr froh waren, es gewagt zu haben. Denn dieses Jahr im Januar 2022 ist Carlos mit sechsundneunzig Jahren verstorben.

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Was Bären über Bienen wissen (müssen), Kinderbuch ab 4 Jahre

Wieder einmal ein entzückendes Kinderbuch vom Esslinger Verlag. Eine sehr lehrreiche Geschichte über die Bienen, wie sie im Stock zusammenleben, und warum sie eigentlich Honig fabrizieren. Ein Buch, das man vorlesen sollte und zusammen mit seinen Kindern entdecken. Denn die Illustrationen von Alex Griffiths sind wunderschön und erfreuen Große genau wie die Kleinsten. So ganz nebenbei erfahren Ihre Kinder dann auch viel über Bienenhaltung und dem einem oder anderem kleinen Angsthasen wird die Furcht vor Bienen genommen.

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Leichenschilf, Anna Janssom

Als Rezensentin von Krimis und Thrillern ist man geübt darin, den Killer recht schnell auf die Spur zu kommen. Doch ich muss sagen, bei dieser neuen Krimi-Serie von Anna Jansson, wusste ich bis zum Schluss nicht, was eigentlich Sache ist. Die Protagonisten reichen von schrullig über krank, boshaft aber auch irgendwie liebenswert. Als Leser geht man hier mit. Man kann es fast nicht aushalten, wenn eine der Personen wieder mal völlig dumm handelt. Auch gerät man in Wut, weil Kommissar Bark Unrecht getan wird. Das sind alles Anzeichen dafür, dass man voll und ganz in der Geschichte ist und vor allem mitgerissen wird!

Einen neue Krimi-Serie, die es in sich hat und echte Thriller Fans begeistern wird. Grusel, Grusel!

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1966, Thomas Christos

Eine Zeit des Aufbruchs, das Wirtschaftswunder beginnt langsam und Berlin eine Trotzburg der Amerikaner mitten in der Ostzone, das ist 1966. Den jungen Kriminalkommissar Thomas Engel und seine Verlobte Peggy zieht es nach Berlin, um neu anzufangen. Doch wie brisant die Situation ist, merken sie am ersten Tag, als sie mit ansehen müssen, wie ein Flüchtiger der DDR erschossen wird. Der Verfassungsschutz, die CIA, und die Interne bei der Polizei geben sich die Hand. Es wimmelt von Geheimagenten, Doppelagenten und Abtrünnigen. Anstatt bei der Kripo zu landen, schickt man den jungen Engel zum Observieren. Und dann stellt er einen der linken Studentenführer, wie er mit blutverschmierten Händen über der Leiche eines amerikanischen Professors steht, der seinerseits ebenfalls ein CIA-Mitglied ist.

Der Roman treibt den Leser voran und ist ungemein spannungsgeladen. Doch der wahre Reiz bestand in dem Zeitgefühl, was Thomas Christos in 1966 erschafft. Man taucht ein in fast unglaubliche Zeiten, die eigentlich nur etwas mehr als fünfzig Jahre zurückliegen. Großartiger Krimi aus der Thomas Engel Serie. Weiterlesen

Film: Adam

Der sehr berührende Film Adam ist eine kurze Momentaufnahme im Leben zweier sehr unterschiedlicher Frauen in Casablanca. Der viel zu ernste Witwe Abla, die nach dem Unfalltod ihres Mannes mit ihrer kleinen Tochter eine Bäckerei führt, um sich über Wasser zu halten. Und die junge Samia, die Friseurin war und jetzt alleine und hochschwanger nach Unterkunft und Arbeit sucht. Mehr erfährt man nicht über den Hintergrund der beiden Frauen. Denn ihre kurze Zeit miteinander braucht keine weiteren Erklärungen. Es geht um Gemeinsamkeit, Vertrauen und solidarische Unterstützung. Vor allem aber Gefühle, die auch an dem Publikum dieses Films nicht vorbeigehen können. Ein sehr ergreifender und aufwühlender Film, der ohne viele Worte und Aktionen auf den Punkt kommt.

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Schwarze Schwäne, Gaito Gasdanow -Erzählungen-

Nie hatte ich von Gaito Gasdanow gehört, bis ich die wunderschöne Rezension von Bettina Hartz in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung las. Und so versank ich ebenfalls in den wehmutsvollen brillant erzählten Band Schwarze Schwäne. Es sind Kurzgeschichten eines jungen Mannes, der heimatlos gestrandet war im Paris der zwanziger Jahre. Und heimatlos war Gaito Gasdanow, denn das Russland seiner Heimat war mit der Oktoberrevolution für immer verloren. Es gab kein Zurück mehr. Das merkt man seinen Geschichten an, die von endgültigen Verlusten sprechen, jedoch nie jammervoll, nie anklagend wirken. Der Autor ist eher ein Augenzeuge seiner Texte, berichtet, wird urplötzlich Protagonist und erlebt eine Fiktion. Eine Fiktion, die Bettina Hartz als absurde Märchen betitelt.

Wunderschöne Erzählungen mit einem Nachwort der Übersetzerin Rosemarie Tietze, dass sie unbedingt als Erstes lesen sollten. Denn dann werden die einzelnen Erzählungen aus Sicht des Autors noch eine Tick besser! Richtig gute, großartige Prosa. Weiterlesen

Natriumchlorid, Jussi Adler Olsen – Fall neun des Sonderdezernats Q –

Der neunte Fall des Sonderdezernats Q. Eigentlich sollte es Carls Geschichte werden, wie Fall acht endlich Assads Hintergrund aufklärte. Doch mit Carl hinterlässt uns der Autor einen Cliffhanger. So ist Natriumchlorid auch nicht der stärkste Fall, den as kuriose Sonderdezernat Q aufklärt. Aber da man nach so vielen Fällen, Carl, Assad, Rose und mittlerweile Gordon einfach liebt, verzeiht man auch etwas abwegige Erzählstränge. Außer Frage steht natürlich, dass man diesen Band gelesen haben muss, wenn man ein Anhänger des Sonderdezernat Q ist.

Jetzt bleibt es zu warten auf den letzten und zehnten Band. Hoffen wir, das Jussi Adler Olsen noch einmal ein richtiges Feuerwerk in den Abschlussband packt.

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