Wenn wir heimkehren, Andrea Heuser

Wenn wir heimkehren, ist ein leises, zärtlich geschriebenes Buch, das man jedoch stellenweise nur schwer ertragen kann. Denn die Schicksale von Margot, Fred, Willi, aber auch Mathilde und Agnes sind herzergreifend. Unfähig mit ihren Situationen umzugehen, kann man sie doch so gut verstehen. Denn in der Geschichte passiert jungen Menschen, Kindern etwas, dass nicht unbedingt nur mit Bosheit anderer Leute zu tun hat. Es sind Ergebnisse von Erziehung, dem Zeitgeist, des Krieges oder einfach nur der Unfähigkeit sich von Verletzungen zu befreien, indem man sie laut ausspricht. Aber wie bringt Willi es so schön auf den Punkt: „Das waren ganz andere Zeiten damals, weißt du …“

Ein Roman, der 1933 beginnt und uns bis in die Gegenwart führt. Eine Geschichte von Verlust, Liebe, Verrat, Verdrängung und dem Wunsch durch einen Menschen, in der Geborgenheit eines Zuhauses anzukommen. Ein sehr bewegendes Buch, das trotz seiner schrecklichen Schicksale wunderschön ist.

Autorenfoto: ® Jürgen Bauer

Andrea Heuser wurde 1972 in Köln geboren. Sie studierte Germanistik, Politik und Vergleichende Religionswissenschaften in Köln und Bonn und promovierte mit einer Studie zur deutsch-jüdischen Gegenwartsliteratur. Sie schreibt Lyrik, Libretti und Romane. Für ihre literarischen Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis für Lyrik sowie 2016, 2017 und 2019 mit den Literaturstipendien des Freistaats Bayern, der Kunststiftung NRW und der Stadt München für die Arbeit an ›Wenn wir heimkehren‹. Bei DuMont erschien bislang ihr Romandebüt ›Augustas Garten‹ (2014). Andrea Heuser lebt mit ihrer Familie in München.

Margot wächst gemeinsam mit ihren vier Geschwistern in einem reichen, bourgeoisen Elternhaus in Luxemburg auf. Für die beiden Schwestern Mathilde und Margot ist die Welt ein buntes Abenteuer, das es zu erleben gilt. Wobei die strenge Mama, eine prinzipienstarke, recht kühle Person, auf die Wahrung der Etikette achtet. Der erste Schlag in Margots Leben ist der Tod ihrer Schwester, die sich in der Sûre ertränkt. Warum das passiert, versteht sie lange nicht. Bis das junge Mädchen Margot selbst von einem deutschen Offizier verführt wird. Als sie schwanger ist, gibt jener Offizier zu, verheiratet zu sein. So wird schnell eine Ehe mit dem deutschen Gefreiten Hermann Heider arrangiert. Völlig verstört, naiv und alleingelassen kommt Margot hochschwanger nach Trier und die Bombenangriffe der Alliierten nehmen zu. Doch mit Ende des Krieges ist Margots und das Martyrium ihren kleinen Sohns Fred noch nicht zu Ende. Das Schlimmste kommt noch, als Herrmann Heider aus Gefangenschaft nach Hause kehrt.

Für Willi, der fast noch als Kind eingezogen und im Krieg schwer verletzt wurde, lassen die Albträume auch in Friedenszeiten nicht nach. Obwohl gerade Willi von unbändiger Lebenslust und Frohsinn ist. Und dann eines Tages begegnen sich Margot und Willi. Und irgendwie wissen beide sofort, dass sie sich gegenseitig etwas verloren Geglaubtes wieder geben können. Die Möglichkeit, miteinander heimzukehren.

Wenn wir heimkehren, Andrea Heuser, Dumont Verlag, gebundene Ausgabe, Seiten 585, ISBN: 978-3-8321-9811-4, Euro 24,00.

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