Alle Artikel von Elke Rossmann

1983 Verfluchte Hitze, Lukas Holliger

Ironisch, lustig, typisch Schweiz! Ein Kriminalfall durchmixt mit historischen Begebenheiten, wie die Zeitungsausschnitte der Neuen Züricher Zeitung, dem SonntagsBlick und dem Tages-Anzeiger am Ende des Buches belegen.

Sommer 1983, obwohl der Kalte Krieg seine frostigste Zeit erlebt, herrscht ein Jahrhundertsommer. Der Asphalt schmilzt, die aufgeheizten Städte stöhnen bei über fünfunddreißig Grad und die Wälder sind knochentrocken. Kommissär Heiner Glut hat einen neuen Job auf der Polizeistation Spiegelhof in Basel. Doch noch bevor er anfängt, entfacht er einen Waldbrand mit seiner Zigarette, in dem er wahrscheinlich umgekommen wäre, wenn nicht der Grenzschutzbeamte Urs Zeller sich mit ihm in einen Bunker gerettet hätte. So beginnt sein Dienst mit einer Verwarnung, dem Spitznamen Brandstifter und seinem neuen Freund Urs vom Grenzschutz. Als dann auch noch der Mord an einem russischen Hellseher ins Büro flattert, ist die Laune total dahin. Denn wer kann bei der verfluchten Hitze schon ermitteln.

Total witzig, spannend und herrlich demaskierend, wenn es um Verschwörungstheorien geht. Denn selbst bei einem Mordfall an einem Russen in der Schweiz lässt unser Kommissär Politik einfach Politik sein und wählt lieber das Prinzip von Ockhams Rasiermesser: ›Von mehreren möglichen hinreichenden Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen.‹ Leider reagieren Bosse und Politiker auf solche Vereinfachungen immer angefasst, selbst wenn es fast vierzig Grad sind! Ein echtes Lesevergnügen!

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Die Gabe der Lüge, Val McDermind, Ein Karen Pirie Ermittlung

Edinburgh im Lockdown. Auch DCI Karen Pirie sitzt mit ihrer Kollegin der Wohnung ihres Freunds Hamish fest. Die Langeweile ist kaum zu überbieten, bis Jason, das Küken ihrer Cold Case Unit auf einen Fall stößt. Die Studentin Lara Hardie verschwand vor einem Jahr spurlos, jegliche Ermittlungen führten ins Nichts. Als der Nachlass des kürzlich verstorbenen Bestsellerautors Jake Stein der National Library vermacht wird, meldet sich eine der Bibliothekarinnen bei Karens Team. Sie hat ein unvollständiges Manuskript des Schriftstellers gefunden, bei dem es um einen Mord geht. Der Mord an einer jungen Studentin, die Lara Hardie so sehr ähnelt, dass die Frau die Historic Case Unit von DCI Pirie kontaktiert. Als sie und ihre beiden Mitarbeiter Jason und Daisy das Material sichten, konkretisiert sich der Verdacht. Doch was soll dieses Manuskript, in dem der Autor die Geschichte zweier Schriftsteller und einem perfekten Mord erzählt. Definitiv handelt es sich in der Realität um Jake Stein und Ross McEwens, doch kann es wirklich sein, dass die junge Frau in dem unvollständigen Manuskript wirklich Lara Hardie und Jake Stein der Mörder? Schwer zu beweisen, vor allem wenn der angebliche Mörder tot ist!

Val McDermid ist eine Ikone, wenn es um Krimis geht. Ihre Protagonisten und ihr Schreibstil sind so perfekt, durchdacht und spannend, dass man ohne zu zögern jeden McDermid lesen kann. Jedoch muss ich für meinen Teil feststellen, dass die Autorin im Alter noch besser wird. Die Gabe der Lüge ist einfach eine tolle Story! Für mich bisher der einzige Krimi, der den Mut hatte im Lockdown zu spielen und dabei keine Sekunde Spannung verloren hat.

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Die Quellen, Marie-Hélène Lafon

Die unglaublichen Stärken von Madame Lafons Literatur sind ihr einmaliger Erzählstil und das sie einfach weiß, wovon sie spricht. Ob sie in ihrer Kindheit im Cantal in der Auvergne einfach nur eine gute Beobachterin war oder ob es ihr so ging, wie einer der Kinder in diesem Buch, werden wir nicht erfahren. Doch sie beschreibt die Einsamkeit, Not, Bedrohung und Verzweiflung ihrer Protagonisten mit solch berührenden Worten, die ganz nebenbei fallen, als wäre sie in jeder Sekunde dabei gewesen. Genau wie das Buch Die Annonce und auch Die Geschichte des Sohns sind Die Quellen wieder atemraubend. Ihre Bücher kann man nicht zur Seite legen, keines das ich bisher besprochen habe. Erst wenn die letzte Seite gelesen ist, klappe ich es zu.

Die Quellen erzählen zwei Tage, den 10. und 11.Juli 1967 einer Bauersfrau mit drei Kindern und einem gewalttätigen Mann. Dann erfahren wir die Gedanken vom 19.Mai 1974 des Bauern und am Ende, am 28. Oktober 2021 kommt Claire die Tochter zu Wort. Vier Tage in einem Leben, die ein Leben beschreiben und sowohl Melancholie aber auch Hoffnung hinterlassen. Hoffnung darauf, dass wir die Leser, uns nie zu Gefangenen von Verpflichtungen machen und dabei vergessen zu leben. Chapeau Madame Lafon!

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Film: Neue Geschichten vom Pumuckl, DVD und Blu-Ray

Der Pumuckl und sein Meister Eder sind jedem der Generation 1960 bis 1990 bekannt. 1982 wurde die Geschichte das erste Mal als Serie für das Fernsehen adaptiert. Es basierte auf den Kinderbüchern von Ellis Kaut, die 1965 veröffentlicht wurden. Drei Jahre, nachdem die Serie als Hörspiel für den Bayrischen Rundfunk über den Äther ging. Ob als Kind, Jugendlicher oder junger Erwachsener man liebte den Pumuckl mit seiner nervigen Stimme einfach. Gustel Bayrhammer als geduldiger Münchner Tischler war sein treues Pendant, bereits in den anfänglichen Hörspielen. Hans Clarin verlieh bis ins hohe Alter dem liebenswerten Kobold seine Stimme. Nach dem Tod von Gustel Bayerhammer und Hans Clarin wurde es ruhiger um den Pumuckl, auch wenn noch eine Kinofilm und ein Musical folgten.

Szenenbilder: Copyright ® Constantin Film Vertriebs GmbH

Tja und dann kommt das Jahr 2024 und dreizehn neue Folgen von Pumuckl und seinem Eder erscheinen. Dreißig Jahre sind vergangen, seit Meister Eder gestorben ist und seine Werkstatt geschlossen wurde. Sein Neffe Florian Eder will eigentlich die Werkstatt verkaufen, doch als er einen Eimer mit Leim umwirft und Pumuckl daran kleben bleibt, tritt das Koboldgesetz in Kraft. Er wird sichtbar und muss jetzt für immer bei diesem Menschen bleiben. Na, da hat sich der Florian Eder was ans Bein gebunden. Kurzerhand übernimmt er die Werkstatt und eröffnet die Tischlerei wieder. Sehr zu Freude seines kleinen Kobolds.

Die neuen Serien von Pumuckl anzuschauen, ist, wie nach Hause kommen. Als wäre es gestern gewesen, dass man über den kleinen Kerl gelacht hat. Mit Florian Brückner wurde ein solch sympathischer neuer Eder gefunden, dass es an nichts mangelt. Maximilian Schafroth leiht Pumuckl seine Stimme, und wird hier und da von einer KI unterstützt, die Hans Clarins Stimme in der Synchronisierung mit einbezieht. Natürlich sind die Animationen in den neuen Serien viel besser als Früher, doch Pumuckl bleibt einfach Pumuckl.

Man kann sich gar nicht vorstellen, dass es um den Pumuckl auch viel Streit gab. Die Autorin der Geschichten und die Zeichnerin, die Pumuckl visuell ein Leben gab, konnten sich erst nach langem Rechtsstreit einigen. Und als der 50. Jubiläumsband des ersten Pumuckl-Buchs 2015 erschien, meldeten sich die Leser und Fans des Kobolds. Man hatte doch wirklich dem Pumuckl sein kleines Bäuchlein weggezaubert. Empörung folgte auf den Fuß und so sah unser Pumuckl bei den weiteren Veröffentlichungen wieder so aus, wie er das immer tat.

Haben Sie als Kind, Jugendlicher oder sogar damals schon Erwachsener den Pumuckl und seinen Eder geliebt, dann sehen Sie sich die neuen Serien an. Es sind liebevolle, moderne Geschichten mit einem sehr sympathischen Eder und einem herzigen, frechen und lustigen Pumuckl. So wie wir ihn kennen!!!

Willkommen zurück lieber Pumuckl!

Constantin Film:

NEUE GESCHICHTEN VOM PUMUCKL
DIE SERIE

Hurra, hurra, der Pumuckl ist wieder da!

Ab 25. Juli 2024 auf DVD, Blu-ray & digital

Dicker Staub flockt durch die Luft, als Meister Eders Neffe Florian (Florian Brückner) die Werkstatt betritt. Mehr als 30 Jahre lang waren Hobelbank und Kreissäge eingemottet. Florian Eder und seine Schwester Bärbel haben die alte Schreinerwerkstatt ihres Onkels geerbt. Lange stand sie leer. Jetzt soll sie verkauft werden. Doch in der Werkstatt scheint es nicht mit rechten Dingen zuzugehen. Es spukt! Und prompt wiederholt sich das Schicksal: Pumuckl bleibt am Leim kleben und wird für Florian Eder sichtbar. Der kann seinen Augen kaum trauen. Ein Kobold? Ein Koboldsgesetz besagt: Wenn ein Kobold für einen Menschen sichtbar wird, dann muss er für immer bei diesem Menschen bleiben. Eder beschließt, seinen Job zu kündigen, die Werkstatt wiederherzurichten und in der Wohnung darüber einzuziehen. Von nun an erleben Florian Eder und Pumuckl viele neue Abenteuer voller Spaß, Herzlichkeit und Schabernack.
Florian Brückner („Der Boandlkramer und die ewige Liebe“) übernimmt die Rolle von Meister Eders Neffen. In weiteren Rollen spielen u.a. Milan Peschel, Frederic Linkemann, Ilse Neubauer, Katharina Thalbach und Teresa Rizos. Behutsam und liebevoll wurde die Figur des “Pumuckl” modernisiert. Das Schauspiel und die Stimme von Kabarettist Maximilian Schafroth sind die Vorlage für die Animation des Kobolds. Außerdem wurde für Pumuckls Stimme zum ersten Mal überhaupt in diesem Umfang mittels KI die Stimme Schafroths in die unverkennbare Pumuckl-Stimme von Hans Clarin umgewandelt. Für alte und neue Pumuckl-Fans stehen beide Stimmversionen zum Schauen bereit.

Regie führt Marcus H. Rosenmüller. Er steht wie kein anderer für Filme mit Herz, darunter „Unheimlich perfekte Freunde“, „Wer früher stirbt, ist länger tot“, „Trautmann“ und die Trilogie „Beste Zeit“, „Beste Gegend“ & „Beste Chance“. Die Kamera übernimmt Stefan Biebl.

Die Serie beinhaltet alle 13 Folgen:

1.            Koboldgesetz
2.            Pumuckl wird verschenkt
3.            Der alte Eder
4.            Der verflixte Kaugummi
5.            Eder ist an allem Schuld
6.            Pumuckl und die Geburtstagsüberraschung
7.            Pumuckl geht angeln
8.            Pumuckl wird verzaubert
9.            Werkstatt in Gefahr
10.          Pumuckl und das Pferd vom Nil
11.          Pumuckl und die Spinne
12.          Pumuckl will Skifahren
13.          Pumuckl feiert Silvester
Darsteller:

Florian Brückner, Milan Peschel, Frederic Linkemann, Ilse Neubauer, Katharina Thalbach und Teresa Rizos
Regie:  Marcus H. Rosenmüller
Drehbuch:
Korbinian Dufter, Matthias Pacht, Moritz Binder, Katharina Köster

DVD-Ausstattung:

Bildformat: 1.78:1 in 16:9

Tonformat: Deutsch Dolby Digital 5.1, Deutsch Dolby Digital 2.0, Deutsch 5.1 KI-Stimme Hans Clarin, Deutsch Stereo KI-Stimme Hans Clarin
Jahr: Deutschland, 2023
Länge: ca. 77 Min.
FSK: ab 0 Jahren

Extras: Making-of „Aus dem Leben eines Kobolds“ (ca. 46 Min.)

DVD Kauf-EAN: 4011976910183

Blu-ray-Ausstattung:
Bildformat: 1.78:1 in 16:9
Tonformat: Deutsch Dolby Digital 5.1, Deutsch Dolby Digital 2.0, Deutsch 5.1 KI-Stimme Hans Clarin, Deutsch Stereo KI-Stimme Hans Clarin
Jahr: Deutschland, 2023
Länge: ca. 77 Min.
FSK: ab 0 Jahren

Extras: Making-of „Aus dem Leben eines Kobolds“ (ca. 46 Min.)

Blu-ray Kauf-EAN: 4011976356684

Das Cover und die Szenenbilder wurden freundlicherweise honorarfrei vom der Constantin Film Vertriebs GmbH zur Verfügung gestellt. Die Szenenbilder werden einen Monat nach Erscheinen der Rezension wieder gelöscht.

Der Märtyrer – Teil II vom Paria, Anthony Ryan, Hobbit Press Klett Cotta

Endlich kam der zweite Band der Saga um Alwyn Scribe heraus. Eigentlich ist es seine Lebensgeschichte, die er selbst als alter Mann erzählt. Und dieser Teil erinnerte mich an den ›Herr der Ringe‹. Denn er handelt wie der zweite Band, von Tolkiens Meisterwerk, ›Die zweit Türme‹ fast nur von Schlachten. Doch gut erzählt sind selbst solche Erzählungen interessant und mitreißen. Man denke nur an die Erfolge von Game of Thrones. Ritter, Schlachten, Ehre, Mystik und Liebe dürfen nicht fehlen, bei solch einem Epos. Hinterhältige Könige, sehr unheilige Kleriker und verblendete Gläubige machen das Leben von Alwyn schwer. Auch wenn er in den Rang eines Hauptmanns und später sogar ein Sir befördert wird, hadert er mit dem Adel, dem Glauben und vor allem dem ganzen Brimborium, der auf Ehrgefühl basiert. Er ist und bleibt ein einfacher Mann des Volkes, bis er in das Land der Caerither kommt und Magie, Wahrheit und Ehrlichkeit am eigenen Leibe verspürt.

Ein Stoff wie Robin Hood, die Arthus Sage, Herr der Ringe, Game of Throns oder auch der Highlander. Ich kann nur hoffen, dass diese Trilogie ebenfalls verfilmt wird. Denn sie hat einen unglaublichen Trumpf, Alwyn Scribe. Ein Antiheld, der immer wieder zum widerwilligen Helden emporsteigt. Dabei ist er clever, gerissen, zynisch und hat ein verdammt gutes Herz! Eine Abenteuer-Trilogie, die Spaß macht!

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Richter sterben besser, Teil III der Siggi Bruckmann – Reihe, Thorsten Schleif

Im dritten Band über die Verwicklungen des Amtsrichters Siggi Bruckmann mit dem politischen und organisierten Verbrechen geht es richtig zur Sache. Nicht nur, dass Siggi zur Hochzeit seiner Ex nach Malle muss, seine Freundin und Journalistin Robin begleitet ihn. Er ist zwar glücklich mit der neuen Liebe, doch die lässt nicht locker und stochert immer noch in einem alten Mord herum, der mit Siggi viel zu tun hat. Immerhin ist er so etwas wie ein Nebentäter und sich seiner Rolle als quasi Mörder sehr klar. Als der Richter dann auch noch den Sohn von Bandenchef Yildiz, denn er unwissend zu einem Mord angestiftet hat, ins Gefängnis schickt, werden die Probleme größer. Denn anscheinend will jemand Siggi töten. Ein BMW ohne Nummernschilder versucht ihn zu überfahren, dann landet ein Blumentop aus großer Höhe nur Zentimeter neben seinem Kopf und besagter BMW scheint ihn auch noch zu verfolgen. Es könnte Yildiz sein, oder die Russische Mafia, der er mit der Aufdeckung eines Immobilienschwindels sehr schadete. Vielleicht sogar Ministerpräsident Laak, dessen Sohn sich im Rahmen der Ermittlungen das Leben nahm. Als Siggi mit seiner alten Freundin Richterin Paula Hellrich, die gerade über den Fall des Russischen Mafiaboss verhandelt, essen geht, fallen dann die tödlichen Schüsse. Richter sterben nun einmal besser.

Witzig, spannend und ironisch bis zu den Satzzeichen! Es ist einfach eine herrliche Reihe. Und der Cliffhanger beruhigt mich, denn Teil vier steht uns ins Haus.

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Milo tanzt, Anna Becker, Kinder- und Jugendbuch

Das Leben in der Schule ist nicht einfach, wenn man zwölf ist. Vor allem wenn man Bullies wie Bo und Lenny in der Klasse hat. Doch Milo hat Maxim, seinen besten Freund und ein großes Geheimnis. Denn er tanzt Ballett, liebt es und ist richtig gut darin. Erfahren darf das auf der Schule niemand, denn sonst wird sein Leben zur Hölle. Auch wenn seine Familie und Maxim ihn bestärken in seiner Leidenschaft, weiß Maxim eines noch nicht: Wenn Milo die Prüfung schafft, dann kann es sein, dass er auf die Ballettschule wechselt und sie sich wahrscheinlich kaum noch sehen werden. Als eines Tages ein neuer Schüler in die Klasse kommt, wird die Situation noch schwieriger, denn Luca setzt alles daran, sowohl hinter Milos als auch Maxims Geheimnis zu kommen. So fängt der ganze Ärger an.

Wieder mal ein solch wundervolles Kinderbuch von Thienemann, dass man nur begeistert sein kann. Ich hatte gelesen, das Buch sei ein moderner ›Billy Elliot‹, doch ›Milo tanzt‹ ist viel realer und im wahren Leben verwurzelt. Ganz bestimmt ein tolles Buch für Ihr Kind, sowohl für Mädchen und Jungen. Denn ihre Kinder wissen, liebe Leser, dass Zwölfjährige sehr gemein sein können und da hilft nur ein echt guter Freund!

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Tanzpalast, Harald Gibers

Berlin 1950, der Ostsektor grenzt sich immer mehr vom Westen, den Amerikanern, ab. Ein kalter Krieg beginnt in einer Stadt in der immer noch Hunger und Armut herrscht. Aber durch die Alliierten blüht auch das Nachtleben. Man verdient sich den Lebensunterhalt als tanzender Gigolo. Deutsche Fräuleins werden die Geliebten der amerikanischen Offiziere, nur um an die köstlichen Lebensmittel der PX ranzukommen oder einen warmen Hintern, in einer beheizten Wohnung zu haben. Auch Lotte lässt sich aushalten, bis sie eines Nachts verschwindet. Rita eine Freundin von Kommissar Oppenheimer bittet ihn um Hilfe. Dabei ist es als deutscher Polizist nicht so einfach im Kreise des amerikanischen Militärs Nachforschungen anzustellen. Als die junge Frau tot gefunden wird, ist ihre Leiche absurd in Szene gesetzt. Oppenheimers Team tappt im Dunkeln. Die Dance Hall Luxor, in der sowohl Lotte als auch ihr Mann René gearbeitet haben, ist der einzige Anhaltspunkt. Leben kommt erst in die Ermittlung, als die Ehefrau eines US-Offiziers ebenfalls verschwindet. Jetzt tickt für Oppenheimer die Uhr und die MP macht ebenfalls Druck.

Dies war mein erster Oppenheimer-Krimi und ich muss sagen, er hat mir sehr gut gefallen. Die Adaption der Geschichte im Berlin der Fünfziger kommt sehr authentisch rüber, genau wie die Protagonisten. Gerne fügt der Autor auch das eine oder andere geschichtliche Ereignis mit ein. Und man merkt, wie viel Ahnung er davon hat. Solider Krimi, spannend und sympathisch! Ich für meinen Teil werde mir mal die ersten Teile der Kommissar Oppenheimer-Ermittlungen vornehmen.

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Anna O, Matthew Blake

Eines muss man Matthew Blake lassen, Anna O. ist ein außergewöhnlicher Thriller mit einem hohen Spannungspotenzial. Vor allem ist es eine ungewöhnliche Geschichte, denn er beschreibt das Resignationssyndrom, eine Komaschlaf, in den besonders Kinder fallen, die furchtbare Traumata hinter sich haben. So geschehen bei Kindern, die im Flüchtlingslager Moria waren und beobachtet bei Flüchtlingskindern in Schweden. Doch einen Thriller daraus zu machen ist eine heikle Sache. Da muss man als Leser doch hier und da die medizinischen Möglichkeiten sehr weit interpretieren und mit den psychischen Möglichkeiten, auf Menschen einzuwirken, großzügig umgehen. Auch konnte ich am Ende die Gründe für das ganze Debakel schwer nachvollziehen und hätte als perfider Mörder oder Mörderin, erst einmal andere Opfer auf meiner Liste gehabt.

Nichtsdestotrotz spannend bis zur letzten Seite, wenn man nicht darauf besteht, dass jeder Thriller immer völlig realistisch sein muss.

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Geister weinen nicht, Ane Riel

Auf der Rückseite wird der Roman von der Presse als ebenso gewalttätig wie zärtlich beschrieben. Und es stimmt, gefühlsmäßig beinhaltet die Geschichte wirklich alles. Es sind scharfkantige und dennoch liebenswerte Personen, es geht um tiefe Liebe und ebenso tiefen Hass, um Verlust und Wiederfinden. Was aber diesen Roman so einzigartig macht, ist der Spannungsbogen, der bis zur letzten Seite straff gehalten wird. Denn man kann Alma der Protagonistin irgendwie nicht trauen. Ist sie eine Mörderin oder ist sie derart dement, dass sie nur Fantasien hat? Und um diese geniale Geschichte zu erzählen, braucht die Autorin nur ein Haus in einer Sackgasse und ein Ehepaar, Alma und Otto.

Spannend wie ein Krimi, herzzerreißend wie ein Liebesroman, tragisch wie ein Drama. Großartig beschrieben und verdammt gut erzählt!

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