Ken Follett: NEVER – DIE LETZTE ENTSCHEIDUNG; Interview mit Ken Folett

Begonnen hat Ken Follett seine Schriftstellerkarriere dem Bestseller “die Nadel“ der auch verfilmt wurde. Mit seinem neuen Roman hat er wieder ein Thema angepackt das uns fast täglich über die Bildschirme oder die Zeitungen vermittelt wird. Konflikte zwischen Nationen, Menschen und Religionen die mit Hass und Machtwillen ausgetragen werden. Da die meisten Länder sich in Bündnissen befinden, können kleine Konflikte sich schnell zu Flächenbränden oder Weltkriegen entwickeln. Follett nimmt hier einen Konflikt in Afrika und einen in Asien als Thema der realistische Hintergründe hat. Bekannter Manier schraubt er die Spannung immer höher und vergisst auch nicht die menschliche Seite die die Protagonisten in ihrem Handeln beeinflusst. Ist zur letzten Seite dieses Buch hofft man, dass sich die Vernunft nicht der Machthunger durchsetzt.

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foto: barbara_follett

In den letzten 40 Jahren hat Ken Follett 30 Romane verfasst. Seine ersten fünf Bestseller waren Spionageromane: Die Nadel (1978), Dreifach (1979), Der Schlüssel zu Rebecca (The Key to Rebecca – 1980), Der Mann aus St. Petersburg (The Man from St. Petersburg – 1982) und Die Löwen (Lie Down with Lions – 1986). Auf den Schwingen des Adlers (On Wings of Eagles – 1983) ist die wahre Geschichte zweier Angestellter von Ross Perot, die während der Revolution in 1979 aus dem Iran gerettet werden.
Die Nadel wurde mit großem Erfolg mit Donald Sutherland in der Hauptrolle verfilmt. Sechs weitere Follett-Romane dienten als Vorlage für Mini-Serien für das Fernsehen: Der Schlüssel zu Rebecca, Die Löwen, Auf den Schwingen des Adlers, Der dritte Zwilling – die CBS erwarb die TV-Rechte an diesem Roman für die Rekordsumme von $1.400.000 –, Die Säulen der Erde und Die Tore der Welt. Die beiden letzten Verfilmungen wurden in viele Sprachen synchronisiert und in zahlreichen Ländern ausgestrahlt. Ken verwirklichte sich mit einem Gastauftritt als Diener in Der dritte Zwilling – und später als Händler in Die Säulen der Erde – einen lebenslangen Traum, aber er wird die Schriftstellerei nicht an den Nagel hängen.
Die großen Freuden in Kens Leben, abgesehen von den ihm nahe stehenden Menschen, sind gutes Essen und Wein, Shakespeare und Musik.

In der Sahara folgen westliche Geheimdienstagenten der Spur mächtiger Drogenschmuggler. Die Amerikanerin Tamara und ihr französischer Kollege Tab gehören zu ihnen. Für ihre Liebe riskieren sie ihre Karriere – und im Einsatz für ihr Land ihr Leben. Nicht weit entfernt macht sich die junge Witwe Kiah mit Hilfe von Schleusern auf den Weg nach Europa. Als sie sich gegen Übergriffe verteidigen muss, hilft ihr ein Mitreisender. Doch er scheint nicht zu sein, was er vorgibt. In China kämpft der hohe Regierungsbeamte Chang Kai gegen die kommunistischen Hardliner. Er hat ehrgeizige Pläne, und er befürchtet, dass die Kriegstreiberei seiner Widersacher das Land und dessen Verbündeten Nordkorea auf einen Weg leitet, der keine Umkehr zulässt. In den USA führt Pauline Green, die erste Präsidentin des Landes, ihre Amtsgeschäfte souverän und bedacht. Sie wird alles tun, was in ihrer Macht steht, um zu verhindern, dass die USA in einen unnötigen Krieg eintreten müssen. Doch wenn ein aggressiver Akt zum nächsten führt, wenn alle diplomatischen Mittel ausgereizt sind, die letzte Entscheidung gefallen ist – wer kann dann noch das Unvermeidliche verhindern?

Ken Follett: NEVER – DIE LETZTE ENTSCHEIDUNG, Roman, Lübbe Verlag, Hardcover, 877 Seiten, ISBN: 978-3-7857-2777-5, € 32,-

Interview mit Ken Folett:

Nach zehn Jahren als Thrillerautor verblüfften Sie die Buchwelt mit einer kompletten Wende: Mit „Die Säulen der Erde“ veröffentlichten Sie einen aufwändig recherchierten Roman über den Bau einer Kathedrale im Mittelalter, der zum Kultbuch avancierte und sich bis heute 27 Millionen Mal verkauft hat. Nun nehmen Sie zum zweiten Mal eine solche Wende vor. Warum?

Ich glaube, dass man sich als kreativer Künstler immer wieder neu erfinden muss. Ich will nicht immer wieder dieselbe Art von Geschichte schreiben. Früher oder später fährt man sich fest, dann muss man versuchen, etwas Neues zu finden. Und mit etwas Glück ist das Neue vielleicht sogar besser als das Bisherige.

Woher nahmen Sie die Inspiration zu Ihrem neuen Roman?

Als ich für „Sturz der Titanen“, den ersten Band meiner Jahrhundert-Trilogie, recherchierte, stellte ich schockiert fest, dass der Erste Weltkrieg ein Krieg war, den niemand wollte. Aber einer nach dem anderen trafen die Kaiser und Premierminister, ohne einen Krieg zu beabsichtigen, Entscheidungen, von denen jede uns dem schrecklichsten Konflikt, den die Welt bis dahin gesehen hatte, einen kleinen Schritt näherbrachte. Ein Krieg, von dem ich glaube, dass er aus Versehen geführt wurde. Und mir kam der Gedanke: Könnte das noch einmal passieren? Und wie zu Beginn eines jeden Romans stellte ich mir die Frage: Kann ich darüber eine Geschichte schreiben?

Wie sind Sie auf den Titel von „Never“ gekommen?

Wir alle wissen, dass ein dritter Weltkrieg im Bereich des Möglichen liegt. Ich habe immer wieder gedacht, dass das wirklich passieren könnte – aber wann? Wir alle hoffen, dass er NIE stattfinden wird, aber NIE ist nur ein Wort.

In „Never“ sind zahlreiche Charaktere und Handlungsstränge auf fast allen Kontinenten geschickt ineinander verwoben. Welches sind Ihre Hauptakteure?

Meine Geschichte handelt von Verbindungen zwischen Terrorismus und organisierter Kriminalität. Es ist eine Geschichte, die vom Westflügel des Weißen Hauses über die Sahara nach Peking führt. Ich stellte mir eine kleine Gruppe intelligenter und engagierter Charaktere vor, die darum kämpfen, den Ausbruch eines schrecklichen Krieges zu verhindern.
Meine fünf Hauptfiguren sind ein chinesischer Topspion, der mit einer schönen Schauspielerin verheiratet ist, die Präsidentin der Vereinigten Staaten, eine arme Witwe in der Sahara, ein libanesisch-amerikanischer Geheimagent und eine mutige junge Frau, die Terroristen jagt.

Basieren die Figuren in „Never“ auf realen Personen?

Nein. Alle Figuren sind frei erfunden, und das aus gutem Grund, denn in meinem Roman kommen Staatsoberhäupter diverser Länder vor, und ich wollte klarstellen, dass es sich dabei nicht um real existierende Personen handelt. Dennoch denke ich, dass die realen Staatsoberhäupter die gleichen Entscheidungen treffen würden. „Never“ ist die realistischste Geschichte, die ich je geschrieben habe.

Wie lange haben Sie für das Schreiben gebraucht?

Bei „Never“ ging mir das Schreiben sehr schnell von der Hand. Ich habe das Exposé und den ersten Entwurf innerhalb eines Jahres geschrieben, und die Überarbeitung hat nur drei Monate gedauert, was für mich außergewöhnlich kurz ist. Das letzte Mal, dass so viele Ideen so schnell aus mir heraussprudelten, war bei meinem Thriller „Die Nadel“, und das liegt nun schon fast ein halbes Jahrhundert zurück.

Wie sind Sie bei der Recherche vorgegangen?

Für meine Recherche habe ich zahlreiche Menschen interviewt, die den Machtzentren der internationalen Politik nahestehen, darunter ein ehemaliger britischer Premierminister und ein ehemaliger europäischer Erster Minister, zwei Botschafter und ein General. Ich habe sie alle nach der Gefahr eines möglichen dritten Weltkriegs befragt und danach, wie und wann er ausbrechen könnte. Und wie immer zeigte ich mein Buch verschiedensten Experten, um ihren Rat einzuholen.
Ich plante auch mehrere Reisen, aber die Pandemie kam mir dazwischen. Glücklicherweise hatte ich meine Recherchereisen nach Peking und nach Nordafrika bereits vorher abgeschlossen, und in Washington, D.C., kenne ich mich sowieso bestens aus. Ich studierte Flugzeugträger, Raketenwerfer und Atomschutzbunker. Ich las jede Ausgabe von THE ECONOMIST, der FINANCIAL TIMES, außerdem das Magazin FOREIGN AFFAIRS, THE CHINA QUARTERLY und THE JOURNAL OF STRATEGIC STUDIES, sammelte Dutzende von Büchern über Außenpolitik, insbesondere über die militärische Stärke konkurrierender Staaten. Aber das Wichtigste waren die Gespräche mit den Menschen, die an vorderster Front in der Weltpolitik stehen.

Was war das Überraschendste, was Sie bei Ihren Recherchen für „Never“ herausgefunden haben?

Es war die Tatsache, dass die Präsidentin oder der Präsident der USA zu jeder Tages- und Nachtzeit eine kleine Karte bei sich trägt, die wie eine Kreditkarte aussieht. Sie ist mit einem Code bedruckt, der sich jeden Tag ändert. Das Staatsoberhaupt muss die Plastikhülle aufbrechen, um ihn zu lesen. Der Code dient dazu, die Identität der Präsidentin oder des Präsidenten zu bestätigen, wenn sie oder er das Pentagon anruft, um einen Atomangriff zu befehlen.

Das Interview führte der Lübbe Verlag.

 

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