Kategorie: Buchbesprechungen

Oli Hilbring: SCHÖN DOOF! Ich such was Ernstes

Wer sich dieses Büchlein anschaut, kann verstehen, dass man Oli Hilbring einen der bekanntesten Cartoonisten Deutschlands nennt. Seine Spezialität: Kalauer! Aber diese Kalauer sind von einer Brillanz und Skurrilität dass man sich unwillkürlich fragt,: was geht dem Mann im Kopf vor? Olli Hilbring setzt diese Kalauer in brillant- doofe Kartons um. Dabei geht der geniale stupide Wortwitz nicht verloren. Die Humor-Szene ist sich einig: Wer den Witz so tief ansetzt, hat Hochachtung verdient! Denn eine Situation auf diesen einen Moment zu konzentrieren, bei dem man sich vor Lachen den Kaffee übers eigene Hemd kippt und gleichzeitig das dringende Bedürfnis nach einer flachen Hand auf der Stirn verspürt, ist hohe Kunst. Der Lappan Verlag hat die besten Cartoons von Oli Hilbring in einem Buch zusammengefasst! Mein Tipp dieses Buch in kleinen Dosierungen verabreichen, d. h. jeden Tag mindestens eine neue „schön doof“ Seite aufschlagen. Weiterlesen

Gisela Hopfmüller | Franz Hlavac: 111 Ideen für einen besonderen Garten

Kennen Sie die Reihe 111… aus dem Verlagshaus emons? Wenn nicht, ist das vorliegende Buch »111 Ideen für einen besonderen Garten« ein guter Einstieg. Wie, ein Gartenbuch jetzt im Winter? Nach der Gartensaison ist vor der Gartensaison! Und somit genau die richtige Zeit sich in der Theorie mit dem Garten zu beschäftigen. Die Eindrücke des fast beendeten Gartenjahres sind noch frisch und die Einschätzung darüber, was sich bewährt hat und was Platz für Neues machen sollte, noch überlegenswert. Ein Garten ist ja nicht statisch und er verändert sich mit uns. Die Anforderungen ändern sich. Da, wo vielleicht einmal die Schaukel stand, könnte ein schöner Sitzplatz entstehen. Jedem der 111 Themen sind 2 Seiten gewidmet: 1 Seite Text, klar, verständlich und flott geschrieben, gespickt mit Fachwissen, Bezugsquellen und allerlei nützlichen Infos, dazu 1 Seite Foto(s). Mein Lieblingskapitel ist die Nr. 106 – Vom Genießen. Weiterlesen

Die rätselhaften Honjin-Morde, Seishi Yokomizo

Auf jeden Fall ist Seishi Yokomizo ein japanischer Arthur Conan Doyle oder das asiatische Pendant von Agatha Christie. Genau wie die beide, wohl weltweit berühmtesten Krimigenies, kreierte auch Seishi Yokomizo einen liebenswürdigen, dennoch eigenartigen Ermittler. Er ist weniger frustriert als Sherlock es war und auch weniger exaltiert als Poirot, aber… Kosuke Kindaichi ist ein junger Mann, etwas heruntergekommen und mit einem leichten Stottern, wenn er aufgeregt ist. Aber er ist bereit ein angesehener Privatdetektiv, der die größten Mysterien zu knacken vermag. So auch den Tod eines frisch getrauten Ehepaars. Die beiden wurden mit einem Dolch erstochen, in einem Haus, ohne Fluchtweg, weil alle Türen und Fenster von innen verschlossen waren.

In seinem ersten Fall um Kosuke Kindaichi greift der Autor gleich einen „Locked-Room-Murder Mystery“ auf. Es ist wunderbar dieses Buch zu lesen, denn es trifft den Tonfall der alten Christie und Doyle Geschichten. Ein Sonntagsnachmittagsbuch, das Freude bereitet, auch wenn es sehr spannend ist.

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Catalin Dorian Florescu: Der Feuerturm

Der rumänisch-stämmige Schweizer Autor Catalin Dorian Florescu erzählt vordergründig eine Familiengeschichte über 5 Generationen, in der die männlichen Erstgeborenen der Stoica-Dynastie zur Feuerwehr gehen und somit der Feuerturm, einst Bukarest‘ höchstes Gebäude, eine zentrale Stelle im Roman einnimmt. Aber es ist auch der Roman der Stadt Bukarest und des Lebens in dieser von ständiger Fremdherrschaft gebeutelten Stadt. Den politischen Strömungen und Entwicklungen wird genauso viel Platz eingeräumt wie Freundschaft und Liebe. Vor allem aber ist es die Annäherung des Autors an seine Wurzeln. Was sich für mich darin zeigt, dass die Geschichte zögerlich beginnt und im Verlauf immer mehr an Fahrt aufnimmt. Florescu hat für seinen Roman die Hausaufgaben gemacht. Gut recherchiert und aus der Position des Weiterlesen

Brian Klingborg: Das rote Zeichen, Ein Fall für Kommissar Lu Fei

China, das Reich der Mitte, ist hier im deutschsprachigen Raum mit Kriminalromanen wenig vertreten. Der vorliegende Roman ist sehr spannend und spiegelt die gesellschaftliche Situation in China wider. Der Autor behandelt nicht nur die Struktur der Polizei, des Parteiapparats sondern auch die Religiosität der Chinesen. Außerdem werden die wirtschaftlichen Verhältnisse, die Korruption und die Organisation dieses gewaltigen Reiches mit 1,4 Milliarden Menschen leicht verständlich geschildert. Kriminalromane sind halt auch Mittel fremde Kulturen und Lebensweisheiten von Menschen zu vermitteln. Weiterlesen

Gloria Naylor: Linden Hills

 

Nach ihrem fulminanten Debütroman Die Frauen von Brewster Place ließ Gloria Naylor fünf Jahre später den fiktiven Roman» Linden Hills« folgen. Was es ihr und ob es ihr etwas bedeutet hätte, dass die beiden Bücher neuaufgelegt in deutscher Sprache erschienen sind, werden wir nicht erfahren und müssen uns mit Mutmaßungen begnügen. Wahrscheinlich wäre sie stolz und zufrieden. Zieht man in Betracht wie sie sich zeitlebens mit gesellschaftspolitischen Themen auseinandergesetzt hat und Literatur und Kreatives Schreiben an diversen amerikanischen Universitäten unterrichtet hat, würde sie sich vielleicht fragen, ob aus dem derzeitigen Hype um schwarze Literatur ein dauerhaftes Interesse an dieser bleibt. Thema ihres zweiten Romans ist der amerikanische Traum. Naylor schreibt darüber leidenschaftlich, scharf und schnörkellos und gewährt dem Leser einen anspruchsvollen Einblick in die moderne Klassenhierarchie, eingebettet in die schwarze Kultur. Weiterlesen

Die 3 Könige brachten Gold, Wein auch und Möhren, Kinder erzählen die Weihnachtsgeschichte, Hartmut Ronge

Es geht um die Weihnachtsgeschichte mit Maria, Josef und dem Christkind, das in Bethlehem geboren wurde. All das erzählt und gezeichnet von Kindern.

Nicht nur die gemalten Bilder sind fantastisch. Es ist vor allem, wie die Kinder die Geschichte verstanden haben und wiedergeben. So wird dann schnell mal aus den Zeilen: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! Von Kindern verstanden: „Der Engel grüßte die Gebadete und sagte: Der Herr isst mit dir.“ Dazu eine Kinderzeichnung, die Maria in ein Handtuch gewickelt zeigt und einen Engel, der über den gedeckten Tisch fliegt.

Es ist ganz herrlich, diese von Kindern verstandene und nacherzählte Weihnachtsgeschichte zu lesen und zu betrachten. Vor allem habe ich laut gelacht, wenn ich so Sätze gelesen habe, wie: Sie fragten nach dem König der Buden und er schickte sie nach Betlehem auf den Weihnachtsmarkt!

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Manuel Ulrich, Ösch Noir, Kochbuch

Dass der Schwarzwald schon immer eine kulinarische Hochburg war, ist unter Kennern bekannt. Angefangen mit dem Pionier von einer Gasthofküche zur französischen Haut cuisine Franz Keller Senior, mit seinem Schwarzen Adler in Oberbergen, bis hin zu den Sternetempeln in einem Feinschmeckerdorf Baiersbronn, die Traube Tonbach und Bareis, die als das Mekka der guten Küche im Schwarzwald gelten. Und nun auch Donaueschingen mit dem Öschberghof. Vom Golfhotel zum Fine-Dining-Tempel. Zu verdanken haben wir dies Alexander Aisenbrey, dem Geschäftsführer des Öschberghof.  Aisenbreys Jahre in der Traube Tonbach haben ihn dazu bewogen, aus dem Öschberghof ein Luxusresort zu machen. Baulich hatte er das verwirklicht und was gehört zu einem Luxusresort, die Sterneküche – ein neues Mekka – ein kulinarisches Highlight mit dem Ösch Noir – im Öschberghof. Dass dieses ihm gelungen ist, beweisen die zwei Sterne, die das Restaurant schon hat und nun auch noch das eigene Kochbuch von dem Eigengewächs Manuel Ulrich als Küchenvirtuose im Fine Dining Restaurant dem Ösch Noir.

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Acht perfekte Morde, Peter Swanson

Wenn man selbst ein Krimiliebhaber ist und bereits viele gelesen hat, macht dieser Thriller von Peter Swanson einfach nur Spaß. Denn es ist ein ständiger Verweis auf andere Thriller. Immerhin geht es um eine vor zehn Jahren in einem Literaturblock veröffentlichen Liste. Die Liste, der acht perfekten Morde in der Krimiliteratur. Autor dieser Liste war damals Malcolm Kershaw, mittlerweile Mitbesitzer eines eigenen Buchladens, in dem gebraucht und neue Krimis und Thriller verkauft werden. Malcolm lebt ein ruhiges und einsames Leben, bis eines Tage eine FBI-Agentin in seinen Laden kommt. Es scheint, ein Serienmörder treibt sich in Neuengland herum und mordet Malcoms Liste der perfekten Morde ab. So wird der kauzige Buchhändler plötzlich selbst zum Ermittler und immer mehr Abgründe tun sich vor ihm auf.

Eine tolle Idee für einen Thriller, bei der man als Leser ständig das Gefühl hat alte Bekannte zu treffen. Denn wer die Liebe des Buchhändlers zu seinen Büchern versteht, kennt mindestens die Hälfte aller Bücher, die in diesem Thriller erwähnt werden. Abgesehen davon ist das Buch ein Verwirrspiel, das nur nach und nach seine Geheimnisse lüftet. Prima Unterhaltung!

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T.J. Newman, Flug 416, Willst du deine Passagiere retten – oder deine Familie

Wie würden sie sich entscheiden, wenn sie der Pilot eines Flugzeuges sind? Sie werden gezwungen die Maschine, die sie gerade fliegen zum Absturz zu bringen oder ihre Familie stirbt? Könnten sie es entscheiden? Sie sind Präsident eines Staates und ein entführtes Flugzeug ist im Anflug, wie am 11. September 2001, bedroht ein Objekt voller Menschen, könnten sie den Befehl zum Abschuss geben. Wie würden sie sich fühlen? Sie sind Pilot*in eines Abfangjägers, sie fliegen neben der entführten Maschine, sehen die entsetzten und hilfesuchenden Gesichter an den Scheiben und bekommen den Befehl zum Abschuss. Würden sie den Befehl ausführen können?

Der Debütroman von T.J. Newman „Flug 416“ ist ein mehr als gelungener Thriller. Lee Child: „Gänsehaut-Lektüre! Intensive Spannung, Schockmomente, Angst pur!“

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