Das Geheimnis, Ellen Sandberg

Das Geheimnis ist ein Familiendrama, das sich über drei Generationen von Müttern und Töchtern zieht. Es ist die mittlerweile sechzigjährige Ulla, die als Kind von ihrer Mutter mehr oder weniger verstoßen wurde und deshalb versuchte, bei Sandra ihrer eigenen Tochter eine Übermutter zu werden. Doch auch sie steht vor einem Familienscherbenhaufen, denn ihre schwangere Tochter will sie nicht in ihrem Leben haben. Ulla ist ratlos und flüchtet sich auf eine Reise in die Vergangenheit un zieht in das kleine Haus ihrer Mutter am Chiemsee. Dort wo Helga als Malerin 1975 in einer Kommune lebte und Ulla ihre Mama an den Wochenenden und Ferien immer besuchen durfte. Doch nach einem tragischen Autounfall, bei dem die Neunjährige schwer verletzt wurde, will ihre Mutter sie nie wieder sehen.

Ein gut geschriebener und spannender Roman um Versagensängste, Familienbande und einem gut gehüteten Geheimnis. Sehr unterhaltsam.

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Clara Morgenthau: Soul Painting

Soul Painting – was ist das, habe ich mich gefragt. Denn: malt man nicht immer mit der Seele? Neugierig wie ich bin, wollte ich dem Thema auf den Grund gehen. Was mir gleich zu Beginn gefällt: Clara Morgenthau widmet »dieses Buch allen Menschen, die durch Soul-Painting ihrer unerschöpflichen Kreativität und inneren Freude begegnen«. Die Autorin scheut sich nicht, ihre Visionen und Gefühle mit ihren Leserinnen und Lesern zu teilen und sehr bald wird klar, hier geht es nicht nur ums Malen. Sehr ist die Autorin von ihren Aufenthalten in Indien geprägt und Meditation und Yoga sind fester Bestandteil ihres Tagesplans. Wer sich der Reiseleitung Clara Morgenthaus anvertraut, wird über intuitives Malen sowie die Kraft von Glaubenssätzen nach der Sedona-Methode erfahren, lernen, dass man den Schlüssel zur eigenen Kreativität selbst in der Hand hat.  Herausfinden, Wünsche in Ziele umzuwandeln und welche Materialien benötigt werden, um loszumalen. Die Anleitungen sind leicht verständlich geschrieben und werden wirksam durch Fotos ergänzt. Damit Geist und Seele gut genährt werden, verrät uns die Autorin 3 ihrer Lieblingsgerichte. Die Anwendung dieses Buches ist eine Therapie. Ein Stück Lebenshilfe, Wünsche in Ziele umzuwandeln. Clara Morgenthau hat es wunderschön auf den Punkt gebracht: »Kreativität ist Mut – Mut, etwas Neues auszuprobieren und unseren inneren Kritiker für einen Augenblick zu vergessen«.

 

Foto: Detlev Müller

Clara Morgenthau ist seit ihrer frühsten Kindheit bereits kreativ. Sie wuchs in Frankfurt Main auf. Nach ihrem Diplom lebte sie in Hamburg, zog mit ihrem VW Bus durch Süd-Europa, war in Italien bei einem Wanderzirkus und lebte über einige Jahre hinweg immer wieder monatelang in einem indischen Ashram im Bundesstaat Gujarat, wo sie meditierte. Malen und Musik haben sie ihr ganzes Leben lang schon begleitet. Ihr Ideenreichtum und ihr Zugang zu einer schier unerschöpflichen Kreativität sind unverzichtbar, wenn sie Menschen auf ihre einfühlsame und erfrischende ART & Weise von Herz zu Herz etwas vermittelt. Die Methode, die sie anderen Menschen Nahe bringt, aus dem inneren Wesenskern heraus zu agieren, ohne den Verstand oder den Intellekt zu nutzen, aus dem Herzen, der Seele zu Malen, nennt sie „Soul-Painting“. Clara glaubt daran, dass alles miteinander verbunden ist. Dieser ganzheitliche Ansatz zieht sich wie ein roter Faden durch ihr gesamtes Wirken. So fließt in ihre Arbeit auch immer eine natürliche Spiritualität ein, die sie täglich durch Meditation und Yoga lebt. Alles, was sie auf ihrem kreativen, künstlerischen und spirituellen Weg erfährt und selbst lernt, gibt sie voller Freude weiter, ohne etwas zurückzubehalten. Ihre größte Freude ist es, wenn sie durch das Medium von Kreativität andere Menschen inspiriert, ihrem wahren Wesenskern zu begegnen und ein glückliches Leben zu leben.

EMF   –  Gebunden – 128 Seiten –  €20,00 – ISBN ‎ 978-3-7459-0906-7

Stefan Rebenich: Der Kultivierte Gärtner

Ein Gartenbuch der besonderen Art. Und das in jeder Hinsicht. Die verspielt, elegante Aufmachung könnte nicht gegensätzlicher sein zu der klaren Strukturierung des Inhalts. Hier schreibt der Akademiker. Als Professor wahrscheinlich Kummer mit den Studierenden gewohnt, gibt Stefan Rebenich eine „hinführende“ Einleitung. Seinen philosophischen Exkursionen hinke ich manchmal etwas hinterher und muss mich anderweitig schlaumachen. Das schreckt mich nicht ab, im Gegenteil, es spornt mich an und sehr schnell wird mir klar, was für einen Schatz ich in Händen halte. Es ist ein Buch, das mich künftig begleiten wird, griffbereit, um immer wieder etwas nachzulesen oder auch um ein wenig zu blättern. Schon der Aufmachung wegen. Es ist ein haptisches Vergnügen über die glatten Seiten zu streichen und das Auge erfreut sich an den zartgrünen Illustrationen. Dankenswerterweise hat der Autor gänzlich auf Fotos verzichtet.  Und nebenbei erfahre ich viel Wissens- und Überdenken Wertes. Wie etwa der Satz: Der Garten ist der Spiegel unserer Seele. Oder, dass der Garten nicht kurzfristigen Moden unterworfen sein sollte. Und, dass ich von keinem so viel für meinen Garten lernen kann, wie von Vincent van Gogh: „Ich suche jetzt das Wesentliche zu übersteigern und das Alltägliche absichtlich vage zu belassen.“ Weiterlesen

Chaos, Glück und Höllenfahrten, Wiglaf Droste

Wiglaf Droste, Sänger, Autor, Journalist, Enfant terrible und vor drei Jahren hätte man ihn noch als Querdenker bezeichnet, als dieses Wort einen positiven, lobenden Klang hatte. Seine Schriften sind endlos, mal anklagend, mal zynisch, mal witzig und vor allem bitter. Droste wurde sogar ein eigener Stil, die neue Textform der polemischen Satire angedichtet. Ob das Cholerische an ihm vom Trinken oder Weltverdruss oder einer symbiotischen Verbindung vom beiden kam, sei dahingestellt. So waren seine Worte oft schneidend und noch öfter zutreffend. Es ist nicht einfach ein Leben in ein Buch zu packen, doch mit Chaos, Glück und Höllenfahrten kam der Tiamat Verlag einem solch intensiven Leben, wie dem Wiglaf Drostes sehr nahe. Die autobiografische Schnitzeljagd, die aus eigen Texten und Texten von Kollegen, Verlegern und Freunden besteht, hinterlässt ein gewisses Gesamtbild von Droste, das den so vielfältigen Charakter wohl ziemlich gut trifft. Weiterlesen

Kochen, essen, leben Nigella Lawson

Zitat Nigella Lawson: Essen ist für mich Vergnügen. Ich denke ständig darüber nach, und ich lerne daraus. Essen bedeutet Wohlbehagen, Anregung und Schönheit, es steht für Zuwendung und kann geben. „Kochen, essen, leben“ ist für mich nicht irgendein Mantra, es ist Dasein. Härende Worte. Ich weiß es aus Erfahrung. Nicht jeder kann das verstehen. Da ich selbst gerne koche und esse, stimme ich Nigella Lawson gerne zu. Doch leider ist nicht für jeden genüsslich Essen ein Erlebnis. Es gibt leider auch Menschen, die empfinden Essen nur als Nahrungsaufnahme, dafür lieben sie die Musik oder die bildende Kunst oder ihre Erfüllung im Beruf. Da sie diese Zeilen konsumieren, gehören sie sicherlich zur ersten Gruppe.

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Die Fesseln des Bösen, Jean Christophe Grangé

Jean-Christophe Grangé hatte immer einen harten Stil und schönte nie ein Verbrechen. Doch in seinem Roman, Fesseln des Bösen, schwelgt der Autor zum Teil in Perversität. Natürlich, wenn man eine Hardcore BDSM Szene zum Hintergrund eines Thrillers macht, bleibt einem als Schriftsteller nicht viel übrig. Dennoch ist Grangé natürlich ein Meister seines Fachs und seit Jahren der beste französische Thrillerlieferant. Mir persönlich haben seine Titel, wie Der Flug der Störche, Purpurne Flüsse oder Das Imperium der Wölfe besser gefallen, doch ist Fesseln des Bösen wieder unglaublich spannend. Denn eines schafft der Meister des harten Krimis immer wieder, er erschafft Protagonisten, die sich am menschlichen Abgrund hangeln und das trifft nicht nur für seine mutmaßlichen Mörder zu. Auch die sogenannten Guten, wie Kommissar Corso, machen einem normalen Menschen Angst.

Damit spielte Grangé schon immer und meisterhaft: Mit der Angst seiner Leserschaft!

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Matteo Strukul: Die Macht der sieben Familien

Matteo Strukul hat wieder zugeschlagen. Nach der erfolgreichen, vierteiligen Reihe über die berühmte Medici-Dynastie führt der Autor seine Leser:innen erneut in die Renaissance und konfrontiert sie gleich mit sieben Familiendynastien, denen im Kampf um Macht, Reichtum und Gebietserweiterung jedes Mittel recht ist. Sie sind Meister der Verschwörung, Intrigen liegen ihnen im Blut und sie gehen keiner blutigen Auseinandersetzung aus dem Weg. Wer zu einer dieser Familien gehört, braucht keine Feinde mehr. Überleben ist alles! Verhasster Ehefrauen entledigt man sich wie Heinrich VIII.: Rübe runter. Das ist wie Game of Thrones auf Italienisch, nicht weniger zimperlich, aber vordergründig kultivierter. Und der Papst spielt auch immer mit. Wer sich für das Buch entscheidet, begibt sich auf eine rasante, spannende Reise in die Vergangenheit Italiens, auf der er auf eine atmosphärische Dichte und lebendige und überzeugende Charaktere trifft. Weiterlesen

5000km Freundschaft, Torben Kroker und Karl-Heinz Schulz

Ich war ein wenig skeptisch bei dem Buch. Denn der Roadtrip eines Vierundneunzigjährigen zusammen mit einem zweiundzwanzigjährigen jungen Mann ist das wirklich ein Buch wert? Vor allem erfüllt das Cover mit dem Foto der beiden erst einmal ein Klischee: Karl-Heinz Schulz, genannt Carlos, wirkt wie der griesgrämige Nachbar der Siedlung und Torben Kroker eher wie ein wohlerzogenes Bübchen ohne jegliche Lebenserfahrung. Aber weit gefehlt, denn die Reisebeschreibung ihrer fünftausend Kilometer in 2020 quer durch Europa, mit dem Ziel die Plätze wiederzusehen, an denen Carlos nach dem Krieg interniert war, sind überaus unterhaltsam. Die Reisebeschreibung von Torben Kroker mit allen Problemen die auftreten, wenn man mit einem Freund unterwegs ist, der dreiundsiebzig Jahre älter ist, sind nett geschildert. Aber auch die Highlights in Frankreich und vor allem Spanien machen Spaß und man kann menschlich nur den Hut vor dem jungen Mann ziehen. Dem werden Lebenserinnerungen an die Nachkriegszeit von Carlos gegenübergestellt, sodass man mit Carlos die Zeit in den Orten noch einmal erlebt.

Zwei sehr unterschiedliche Menschen, nicht nur wegen ihrer so unterschiedlichen  Lebensjahre, wagen eine außergewöhnliche Reise. Sie auf dieser Reise zu begleiten ist anrührend, interessant und spannend. Ein Abenteuer, zu dem Mut gehört und von dem beide sehr froh waren, es gewagt zu haben. Denn dieses Jahr im Januar 2022 ist Carlos mit sechsundneunzig Jahren verstorben.

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Denise Schweida (Hg.): God Save The Queen

Bedarf es in dieser gefährlichen Zeit, in der Europäer auf der Flucht vor Kriegswaffen sind, wirklich noch eines weiteren Buches über die Queen? Vielleicht gerade deswegen! Hat sie nicht in ihrer 70jährigen Regentschaft gezeigt, dass sie eine ausgezeichnete Diplomatin ist, die die Friedensprozesse u.a. in Afrika begleitete. Ein Staatsoberhaupt, das sich für die Transformation des British Empire zum Commonwealth einsetzte und die Gemeinschaft darauf einschwor, mit der Wahl ihres Thronfolgers zu ihrem Nachfolger als Head of Commonwealth, dessen Fortbestand zu sichern. Eine Person, die laut Stellenbeschreibung unparteiisch und unpolitisch zu sein hat und – nicht, weil sie eine Frau ist – keine Meinung zu haben hat. Dennoch möchte man glauben, dass diese kleine große Frau in ihrem kleinen Finger mehr diplomatisches Gespür hat als alle, die im Augenblick in diplomatischen Missionen unterwegs sind. Denise Schweida hat sehr persönliche Würdigungen zum 70. Jahrestag der Thronbesteigung ihrer Majestät zusammen getragen. Teils auf persönlichen Begegnungen beruhend, teilen sie alle eine Gemeinsamkeit: die Bewunderung für eine außergewöhnliche Frau. Weiterlesen

Was Bären über Bienen wissen (müssen), Kinderbuch ab 4 Jahre

Wieder einmal ein entzückendes Kinderbuch vom Esslinger Verlag. Eine sehr lehrreiche Geschichte über die Bienen, wie sie im Stock zusammenleben, und warum sie eigentlich Honig fabrizieren. Ein Buch, das man vorlesen sollte und zusammen mit seinen Kindern entdecken. Denn die Illustrationen von Alex Griffiths sind wunderschön und erfreuen Große genau wie die Kleinsten. So ganz nebenbei erfahren Ihre Kinder dann auch viel über Bienenhaltung und dem einem oder anderem kleinen Angsthasen wird die Furcht vor Bienen genommen.

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