
Die kleinen Lügen der Ivy Lin, Susie Yang

Das Debüt von Susie Yang wurde in den USA hochgelobt. Von People, Boston Globe, The Washington Post bis Glamour waren sich alle einig. Es ist eine fesselnde Charakterstudie. Aber ist es ein Roman, der in Europa Furore machen wird. Ich bin mir nicht sicher, denn um den Roman so spannend, ein-, zweideutig zu finden, muss man ›The american way of life‹ kennen und besonders den chinesischen Frauen so tief sitzenden Wunsch, eine steile Karriere vorzuzeigen, nur um die Eltern stolz zu machen. Wobei Karriere sowohl beruflicher Art als auch den sozialen Aufstieg durch eine Heirat bedeuten kann. Kennt man beides, so ist dieses Debut überaus unterhaltsam. Denn es deckt die Bigotterie des amerikanischen Erfolgstraums genauso auf, wie das zum Teil lebensfeindliche eher kapitalistische Streben in der US-chinesischen Kultur der Neuzeit. Für jeden anderen kann die sogenannte fesselnde Charakterstudie manches Mal ein bisschen unverständlich sein. Man fragt sich außerhalb der US stehend, warum die Protagonistin handelt, wie sie handelt und tut, was sie tun.
Dennoch will ich der Erzählung eine gewisse Spannung nicht abreden. Jedoch durchweg begeistert Schmunzeln, über diesen Roman kann nur ein Insider. Darf ich dennoch vorschlagen, Sie versuchen es! Mir hat es sehr viel Spaß gemacht! Weiterlesen
Annabelle Hirsch: Die Dinge
Annabelle Hirsch hat sich für Ihr – für mich überaus gelungenes Debüt – ein rechercheintensives Thema gewählt und es bestens umgesetzt und gemeistert. 100 Kapitel. 100 Objekte (Frau nicht inbegriffen). Flott, unterhaltsam bis witzig und leicht verständlich geschrieben, stellt die Autorin Gegenstände aus dem Alltag der Frauen, deren Bedeutung und ihren Einfluss vor und teilt mit der Leserschaft ihren Blick auf „Die Dinge“ “ (beispielhaft seien hier erwähnt: Chopines (Plateauschue), Daumenschraube, Phrygische Mütze, Analytical Engine, Die Hutnadel, Chanel No. 5, Lippenstift, Klebezettel der Widerstandgruppe „Rote Kapelle“, Bikini und Minikleid). Ob man sich den einzelnen Themen chronologisch (beginnend 30.000 v. Chr. mit Verheilter Oberschenkelknochen) oder zufällig (bis 2017 Pussy Hat) nähert, obliegt den Leserinnen Weiterlesen
Paula Rodriguez: Dringliche Angelegenheiten
Wer sagt, dass ein Krimi immer ernst, furchteinflößend und spannend bis zum Herzkasper sein muss? Spätestens nach der Lektüre von Paula Rodriguez Debütroman weiß man, es geht auch anders: Schrill, mit schwarzem Humor, thematisiert Rodriguez systemische Polizeikorruption, die Bindung an den römischen Katholizismus und die Macht der Medien. Dabei ausgezeichnet geschrieben mit einem Gefühl für die Sprache, die bei der Polizei, im Fernsehen, im Zusammenhang mit den neuen Technologien und sogar in der Religion verwendet wird. Rodriguez erzählt ihre Geschichte schnell, witzig, mit beißendem Sarkasmus und vielen spannenden Momenten, aber auch sehr unterhaltsam aus der Perspektive der Weiterlesen
Solothurn hüllt sich in Schweigen, Christof Gasser

Christof Gasser hat mal wieder ein topaktuelles Thema am Haken. Clan-Kriminalität und ihr mafiösen Strukturen. Hauptmann Dornach behält wie immer den Überblick, egal ob es um Mafiamorde geht oder bei der neuen vor Verzweiflung um sich schlagende Staatsanwältin. Er steht seinen Papa bei seiner recht risikofreudigen Tochter Pia, den Opa bei seinem kleinen Enkel Mirio und schlägt sich gut als Kriminalbeamter, der einen Kater bei sich zu Hause in Polizeigewahrsam nehmen muss. Mit der Devise immer ruhig bleiben, versucht er dem Sohn eines Clan-Bosses dingfest zu machen, denn der ist der Meinung, mit seinen teuren Anwälten und der gehörigen Portion krimineller Arroganz gehört ihm die Schweiz. Da hat er die Rechnung ohne Dornach gemacht!
Christof Gasser hat wie immer bei den Solothurn-Krimis die richtige Mischung! Lokalkolorit, warme Familienbande und starke aus dem Leben gegriffene Kriminalgeschichten, ergeben den Mix von Bestsellern. Und mit ›Solothurn hüllt sich in Schweigen‹ ist er auf Platz eins der Bestsellerlist in der Schweiz gewandert.
Rainer Hank: Die Pionierinnen
Wie weit der Weg vom Maria-Frisé-Anekdoten erzählenden Journalisten und Kollegen, den die geneigten Zuhörer immer wieder aufforderten, die Histörchen zu Papier zu bringen, hin zu dem Autor von „Die Pionierinnen“ gewesen ist, kann nur Rainer Hank sagen. Wir, Leserinnen und Leser, können uns glücklich schätzen, dass er ihn gegangen ist und vor allem, wie er ihn gegangen ist. Es wäre unter seiner Würde und unter deren, der hier beschriebenen und portraitierten Journalistinnen gewesen, hätte er sich auf die bloßen Anekdoten beschränkt. Und so setzt Hank die Portraits der 12 Journalistinnen in einen zeitlichen und politischen Kontext und schlägt die Richtung Sachbuch ein. Der Titel „Die Pionierinnen“ ist mit Bedacht gewählt und steht im engeren Sinne für die Journalistinnen in der jungen Bundesrepublik, grenzt aber all die anderen Pionierinnen, die sich in anderen Weiterlesen
Schatten – Der Pakt -, Timo Parvela und Pasi Pitkärren, Kinderbuch ab 10 Jahre

Es wird Weihnachten und der dreizehnjährige Pete hat nur einen Wunsch: Seine totkranke Freundin Sara soll wieder gesund werden. Obwohl er schon lange weiß, dass der Weihnachtsmann im Kaufhaus nur ein Mensch im Kostüm ist, der die Kinder erfreut, so stellt er sich doch in der Schlange an. Trotzdem er eigentlich viel zu alt dafür ist, klettert er auf den Schoss des Weihnachtsmanns und flüstert ihm seinen Wunsch ins Ohr. Noch in der gleichen Nacht bekommt er Besuch von einem unangenehmen kleinen Wichtel namens Elipö. Erst hält er das alles für einen Traum, doch der böse kleine Mann verhandelt mit Pete, über die Gesundheit von Sara. Alles möglich, behauptet Elipö, doch er will dafür Petes Schatten. Was ist schon ein Schatten, wenn es um die beste Freundin geht. Pete geht auf den Handel ein. Es kommt der Weihnachtstag und Sara ist wie von Geisterhand wieder gesund und munter. Ein Wunder! Doch von dem Tag verändert sich Pete. Ihm ist kalt und er wird böse auf alles und jeden. Selbst sein Hund will nichts mehr mit ihm zu tun haben. Als auch Sara sich von ihm abwendet, merkt er, irgendetwas stimmt nicht mit ihm, denn er wird immer wütender und irgendwie durchsichtig. Hat das alles hat mit seinem fehlenden Schatten zu tun?
Der erste Teil einer sehr netten finnischen Weihnachtsgeschichte, die in drei Teilen erscheint. Typisch für den hohen Norden kommen Trolle, Gnome, Wichtel, eine Schattenflickerin, der Weihnachtsmann, Schattenhüter und auch der Krampus darin vor. Eine Erzählung über Freundschaft, Wünsche, Abenteuer und Mut. Die Illustrationen sind manchmal ein wenig gruselig, aber passen ganz genau zu dem Buch. Definitiv eine Weihnachtsgeschenk Empfehlung von mir. Weiterlesen
Marcel Huwyler: Frau Morgenstern und der Abgrund
Marcel Huwyler schickt seine Protagonisten Violetta Morgenstern, pensionierte Lehrerin, die sich nun als Problemlöserin betätigt – mal als Auftragskillerin, mal als Ermittlerin und ihren Kollegen Miguel Schlunegger, seines Zeichen Ex-Söldner und mit allen möglichen Kampfsporttechniken vertraut, ins fünfte Abenteuer. Und der Warnung des Autors, ja nicht die letzte Seite zuerst zu lesen, möge die geneigte Leserschaft bitte Folge leisten! Huwyler erzählt seine Geschichte in einer mit Sorgfalt verwendeten Sprache auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen: im hier und jetzt und in der Zeit um 1937. Beide, sowohl Violetta als auch Miguel, zwei gewissermaßen schrullige Charaktere in verschrobenen Lebensumständen, haben sich weiterentwickelt Weiterlesen
Ellen Sandberg, Keine Reue
Erinnerungen können gefährlich sein!
Auf der Rückseite des Cover steht: Ellen Sandberg, jeder Roman ein fesselndes Leseerlebnis. Das kann man mehr als unterschreiben. Ellen Sandberg schafft es in ihren Romanen Gegebenheiten, Familienporträts, das Zusammenleben und Fehlverhalten der Gegenwart und Vergangenheit realistisch darzustellen. Die Schrecken der Vergangenheit aufzudecken und wieder ins Gedächtnis zu rufen. Nicht umsonst sind alle ihre Bücher auf der Spiegel Bestsellerliste. Jeder Band ist völlig anders. Autark und abgeschlossen. Keine Serienprotagonisten. Man freut sich schon im Vorfeld auf jedes neue Buch, mit welchem Thema überrascht uns Ellen Sandberg denn dieses Mal. Jeder Band informativ und spannend zusammengestellt. Gut, dass Ellen Sandberg seit 2017 jedes Jahr ein neues Werk herausbringt. Man muss nur noch zugreifen und lesen.
Berge des Wahnsinns, von Lovecraft / Barranger, Illustrierter Klassiker des Fantasy Buchs in zwei Teilen

Howard Philipp Lovecraft muss man eigentlich nicht vorstellen, wenn man Fantasie- und Horrorgeschichten liebt. Irgendwann ist einem eine Lovecraft Erzählung unter die Finger gekommen. Geboren 1890 erinnert sein feiner Stil an die wundervollen Erzählungen von Jules Verne. Was die beiden großformatigen Bände jedoch so besonders macht, sind die sensationellen Illustrationen, die Lovecrafts Worte plötzlich zum Leben erwachen lassen. Eine imposante gruselig schöne Welt unbekannter Herkunft in den Bergen der Antarktis taucht vor den Augen des Lesers auf. Durch den fast akademischen Bericht, den Lovecraft einem Geologen der Miskatonic University über eine Antarktis Expedition in den Mund legt und Barrangers fantastischen realen Zeichnungen, bekommt die Erzählung eine beunruhigende Wirklichkeit, die einem dann doch den Schauer über den Rücken jagt.