Die kleinen Lügen der Ivy Lin, Susie Yang

Das Debüt von Susie Yang wurde in den USA hochgelobt. Von People, Boston Globe, The Washington Post bis Glamour waren sich alle einig. Es ist eine fesselnde Charakterstudie. Aber ist es ein Roman, der in Europa Furore machen wird. Ich bin mir nicht sicher, denn um den Roman so spannend, ein-, zweideutig zu finden, muss man ›The american way of life‹ kennen und besonders den chinesischen Frauen so tief sitzenden Wunsch, eine steile Karriere vorzuzeigen, nur um die Eltern stolz zu machen. Wobei Karriere sowohl beruflicher Art als auch den sozialen Aufstieg durch eine Heirat bedeuten kann. Kennt man beides, so ist dieses Debut überaus unterhaltsam. Denn es deckt die Bigotterie des amerikanischen Erfolgstraums genauso auf, wie das zum Teil lebensfeindliche eher kapitalistische Streben in der US-chinesischen Kultur der Neuzeit. Für jeden anderen kann die sogenannte fesselnde Charakterstudie manches Mal ein bisschen unverständlich sein. Man fragt sich außerhalb der US stehend, warum die Protagonistin handelt, wie sie handelt und tut, was sie tun.

Dennoch will ich der Erzählung eine gewisse Spannung nicht abreden. Jedoch durchweg begeistert Schmunzeln, über diesen Roman kann nur ein Insider. Darf ich dennoch vorschlagen, Sie versuchen es! Mir hat es sehr viel Spaß gemacht!

Autorinnenfoto: ® Onur Pinar

Susie Yang wurde in China geboren und kam als Kind in die Vereinigten Staaten. Nach ihrer Promotion im Bereich Pharmazie gründete sie in San Francisco ein erfolgreiches Tech-Startup. Sie hat kreatives Schreiben in Tin House und Sackett Street studiert. Ihr Debüt Die kleinen Lügen der Ivy Lin schaffte es auf Anhieb auf die New York Times-Bestsellerliste.

 

Ivy Lin aufgewachsen bei ihrer Großmutter in China, wird im Kindesalter zu den Eltern nach Amerika geholt. Eine enorme Umstellung, vor allem, weil Nan, ihre Mutter nur eines im Kopf hat. Ivy soll Ärztin werden und ihre Eltern stolz machen, dabei hat ihr Muttersein mit Liebe nichts zu tun. Doch Ivy merkt sehr schnell, das man arm, wie die Lins nun mal sind, in den USA nichts wird. Es geht schon im Kindes- und Teenageralter um Statussymbole, die richtigen Freunde in den richtigen Schichten und darum ein Auftreten zu haben, um mit den reichen Wölfen zu heulen. Als Meifeng, ihre Großmutter auch nachgeholt wird ins Gelobte Land, lernt Ivy als Erstes, dass Stehlen moralisch vertretbar ist. Wenn du ein armer Mensch, ist es legitim. Meifeng ist eine Meisterin darin und Ivy lernt schnell. Ausgerechnet Roux, ein Junge einer rumänischen Familie aus der Unterschicht erwischt sie dabei. Aber da er sie mag, schweigt und unterstützt er sie. Als Nan von den Diebstählen erfährt, straft sie ihre Tochter mit Schweigen. Ivy schläft mehr aus Wut mit Roux, als aus Liebe. Doch was sie mit Roux dabei anstellt, wird sich erst sehr viel später im Leben einholen. Nach dem Motto, man sieht sich immer zweimal, nimmt die Geschichte ihren Lauf.

Als Shen, Ivys Vater als IT-Spezialist auf einer Privatschule einen Job bekommt, darf Ivy die Schule kostenfrei besuchen. So trifft sie auf die reichen, schönen, elitären, selbstsicheren Kids der Oberklasse. Und als sie Gideon Speyer begegnet, weiß sie, er ist der Mann, den sie heiraten wird. Mit vielen kleinen Winkelzügen kommt sie ihrem Ziel immer näher. Fast siegesgewiss steht ihr plötzlich wieder Roux gegenüber. Er ist ein Outlaw, reich, attraktiv, kriminell und außerdem Gideons Schwester Sylvias Lover. Leider kennt er all die kleinen  Lügen der Ivy Lin …

Die kleinen Lügen der Ivy Lin, Susie Yang, Penguin Verlag, Klappenbroschur, Seiten 496, ISBN: 978-3-328-60320-7, Euro 18,00, erschienen September 2023, Aus dem Englischen von Kristina Lake-Zapp.

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