Alle Artikel von Elke Rossmann

Die Liebe in Zeiten von Mao Zedongs, Liao Yiwu

Der Autor, ist ein Mann, der vier Jahre in Haft vom chinesischen Regime gequält und erniedrigt wurde. Ein Mann, der seinen Hass mit genau der Brutalität aufs Papier gebracht hat, wie er sie durch Misshandlung erlebte. Da dieses Buch seinen Anfang im Gefängnis nahm, wo es im Geheimen geschrieben und herausgeschmuggelt wurde, trägt jede Zeile dieses Erbe. Die Geschichte ist gezeichnet von dem Wahnsinn, der Heranwachsende, der Kinder und jungen Menschen in China in ihrer gottgleichen Verehrung zu Mao Zedong befiel. Die chinesische Kulturrevolution, ein ebenso schwarze Geschichte der Menschheit, wenn es um die Verführung der Jugend geht, wie die Verblendung der Hitler Jugend. Ein Kapitel, das gekennzeichnet war vom Verrat an Eltern, Liebenden und Freunden, bis die eigene Identität nur noch eine leere Hülle wurde, in der Seele und Herz von falsch verstandener Euphorie und Menschenverachtung aufgefressen. Liao Yiwus Protagonist ist Zhuang Zigui, am Anfang ein Jüngling, noch keine Mann, aber schon ein kleiner roter General, der für seinen Führer Mao sterben würde. Ein Mensch, dem die menschlichsten aller Gefühle durch die Revolution abhandengekommen sind. Denn Liebe kann nur ein kontrarevolutionäres Verhalten von Kapitalisten und Royalisten sein, das mit Zähnen und Fäusten aus den Leibern der Feinde gebissen und geschlagen werden muss.

Ein sehr interessantes Buch, über die Verirrung eines Volkes durch politische Propaganda. Aber nicht einfach auszuhalten, denn der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um die aller unwürdigsten und zu tiefst verstörenden Handlungen von Mensch an Menschen geht.

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Genial Normal, William Sutcliffe – Jugendbuch –

Ein unglaublich witziges Kinder- und Jugendbuch, bei der die Illustration des fünfzehnjährigen Sam auf dem der Einband, einem schon einen Vorgeschmack auf die tolle Geschichte gibt. Denn Sam ist verwirrt, regelrecht genervt, als seine Eltern zu Geld kommen und von einem durchschnittlich normalen Vorort Londons ins elitäre Künstlerviertel nach Hamstead ziehen. Als er, sein älterer Bruder Ethan und die kleine Schwester Freya auch noch auf der Nord-London-Akademie für Begabte und Talentierte angemeldet werden, ist für Sam die Katastrophe eingetreten. Auf dieser Schule sind alle einfach nur bekloppt. Dort wird aus dem früher beliebten Schüler Sam ein Außenseiter und Loser. Komisch nur das Ethan und Freya die neue Schule lieben. Es liegt wahrscheinlich daran, dass Sam weder begabt noch talentiert ist. Sam ist einfach nur stinknormal.

Die Dialoge sind witzig und so treffend für pubertierende Teenager, dass einem sofort klar wird, der Autor kennt sich mit heranwachsenden Kindern bestens aus. Ein tolles Kinder- und Jugendbuch mit viel Tiefgang, was soziale Klischees betrifft.

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Film: Perfect Addiction, für junge Erwachsene und Teenager, DVD und Blu-Ray

Perfect Addiction ist definitiv ein Film für junge Leute, Teenager und altersmäßig etwas darüber. In dem Alter hätte es mir der Film auch angetan, genau wie die Twilight Saga oder Dirty Dancing, um mal einen alten Film dieses Genres zu nennen. Es geht um die erste gefühlt große Liebe, den ersten Betrug, Rache und die Einsicht, dass man immer erst sich selbst verwirklichen sollte, bevor man sich auf einen Partner konzentrieren kann. Diese Dreiecks-Geschichte ist im Milieu der Marshall Art, des Ultimate Fighting Championship aber auch den verbotenen Fight Clubs angesiedelt. Eine harte Sportart, die wenn sie undercover geht, tödlich enden kann. Dort wird meist ohne Limits gekämpft. Erstaunlicherweise spielt Sienna, eine sehr sportliche junge Frau, die Trainerin eines dieser Champions. Ein junger Mann, der durch einen Motorradunfall fast nicht mehr auf die Beine kommt. Sienna gibt ihm sein Selbstbewusstsein zurück und durch Disziplin auch seine Fitness. Mittlerweile sind sie auch ein Liebespaar und leben zusammen. Wieder auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Fight Champion angekommen, dankt er es Sienna, indem er mit ihrer kleinen Schwester Sex hat. Sienna schwört Rache und trainiert ab dem Moment seinen größten Konkurrenten.

Ein netter Film, bei dem mir gefallen hat, dass die Hauptdarstellerin eine gestandene und selbstbewusste junge Frau ist. Sie lässt die beiden harten Kerle ganz schön schwitzen, nicht nur beim Sport, denn auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Ein netter Film und gute Unterhaltung für einen kurzweiligen Abend.

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Meine Wildkräuter, Martina Fischer

Der Zufall wollte es, dass ich gerade zurück bin aus Tirol, wo ich unter anderem eine Kräuterwanderung mitgemacht habe. Und dann fiel mit dieses wunderschöne Buch von Martina Fischer, der Sennerin und ausgebildeten Heilkräuter und Wildpflanzenberaterin in die Hand. Sie erzählt gekonnt von fast dreißig Kräutern, Bäumen und Wildbeeren. Über jedes Kraut, jede Beere erfährt man ein paar historische Sachen, wann und wo man am besten sammelt, die Verwendung und natürlich wie und was es heilen kann. Auch sind in jedem Kapitel nicht nur Anleitungen für Heiltinkturen, Salben und Tees vorhanden, sondern wenn möglich auch leckere Rezepte zum Kochen und Genießen. Wunderschöne Fotos der einzelnen Kräuter machen die Identifizierung einfach.

Zum Einstieg in die Heilkräuterwelt und das Sammeln, ein idealer und schöner Begleiter.

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Feuer auf den Bergen, Romina Casagrande

Hinterer Seelenkogel ist mit einer Höhe von mehr als dreitausend Meter der zweithöchste Gipfel im Gurgler Kamm der Ötztaler Alpen. Auf seiner Spitze verläuft die Grenze von Italien zu Österreich. 1978 ein gefährlicher Berg für die italienischen Schmuggler, denn vom Schmuggeln lebten die meisten Familien, in der Zeit, als immer mehr Bauern ihre Höfe nicht mehr halten konnten und am Hungertuch nagten. Alkohol, Armut und Brutalität sind auf jedem Hof zu finden. Auch auf dem Hof, von dem der Junge mit dem Halbwolf in die Wälder flieht. Der Junge der sich Hasenohr nennt und seiner Vergangenheit davonläuft. Als es Winter wird und er fast verhungert, landet er im Haus von Pa und lernt dort Luce, sein Tochter kennen. Doch für sein Brot muss man arbeiten und das heißt bei Pa, man muss schmuggeln. Vierzig Jahre später verschwindet auf der österreichischen Seite ein kleiner Junge und der stille, am Berg sehr erfahrene Jan wagt sich auf den Seelenkogel, um ihn zu suchen. Schnell stellt er fest, dass der Junge sich nicht verlaufen hat, er läuft vor etwas davon. Auch wenn sich die Welt verändert, manche Schicksale tun das nie.

Ein überaus berührender Roman über das Leben in den Grenzgebieten Südtirols zu Österreich. Die authentischen Charakteren sind so faszinierend, dass man beim Lesen neben ihnen steht. Eine spannende große Geschichte mit viel Tiefgang und umso mehr Geheimnissen. Das Buch ist eine echte Überraschung von einer Insiderin aus Meran.

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Richter jagen besser, Thorsten Schleif

Wie schön, dass die Reihe um Siggi Buckmann, dem etwas anderen Amtsrichter weitergeht. Mit Richter jagen besser legt Autor Thorsten Schleif, seines Zeichens selbst Amtsrichter und damit Experte auf dem Gebiet, wieder einen spannenden, witzigen und sehr unterhaltsamen Krimi hin. Scheininvestmentfirmen, Russenmafia, durch und durch korrupte Politiker und Justitia, die gar nicht daran denkt blind und damit unparteilich zu sein. Der Selbstmord seines pensionierten Mentors schockierte Siggi und auch seinen Staatsanwaltsfreund Ulli schwer. Schnell finden sie heraus, dass Jochen völlig verschuldet war, etwas dass überhaupt nicht zu dem rechtschaffenden ehemaligen Richter passt. Und dann taucht da auch noch diese Journalistin auf, die sich Buckmann nähert, um einen Artikel über den Tod des Drogenkönigs Ercan Ayaz, den Siggi auf dem Gewissen hat, zu ermitteln. Es wird mal wieder eng an allen Fronten!

Auch mit Teil II der Siggi Buckmann Serie hat Thorsten Schleif sein Talent als Autor bewiesen. Eine Mischung aus Krimi, Komödie, bitterer Wahrheit und menschlichen Verfehlungen. Großartig!

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Davonkommen, Fabio Andina

Davonkommen ist ein Roman, der den Leser in vieler Hinsicht aufwühlt. Erst fällt es einem schwer die Gedanken, des emotional so schwer verletzten Mannes zu folgen. Kein Wunder, denn es erzählt ein Mensch, der sich mit allen möglichen Psychopharmaka und Bier betäubt. Und der Autor findet die richtigen Worte für diesen Zustand, denn die Beschreibungen sind chaotisch, rastlos und manchmal von Erinnerungslücken gezeichnet. Als es dem Vater, der seine Frau und auch seinen geliebten Sohn durch eine Scheidung verliert, besser geht, wird das Buch systematischer, nachvollziehbarer und sehr, sehr emotional. Die Liebe zu seinem Sohn ist greifbar und es treibt einen die Tränen in die Augen, wie beide, Vater und Sohn, in der Ruhe und durch sich selbst anfangen zu heilen.

Eines der bewegendsten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Von einem Autor, der wahrlich erzählen kann, sowohl vom Chaos im Leben, als auch von den großen einzigartigen Gefühlen, der Liebe zu und von einem Kind.

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Film: Alle reden übers Wetter DVD und Blu-Ray

Definitiv sind die Adjektive „unaufgeregt“ und „tief“, wie für diesen Film gemacht. Die Ruhe mit der die zynisch, intellektuellen Hochschul-Kreisen in der Hauptstadt oder der kopfgesteuerte, saloppe Umgang mit Ex-Männern und deren neuer Familie gezeigt wird, macht den Zuschauer regelrecht kribbelig. Solange Clara, die Dozentin, die gerade ihren Doktor macht, in Berlin ist, wirkt auch sie unaufgeräumt. Sie kann sich weder für noch gegen ihre Affäre zu einem Studenten entscheiden. Ihrer Doktormutter Margot die Stirn zu bieten ist ebenfalls nicht drin, doch am schlimmsten ist es, wenn das Gespräch auf ihre ostdeutsche provinzielle Herkunft kommt. Als sie mit ihrer jugendlichen Tochter Emma zum 60. Geburtstag ihrer Mutter zurück in die Provinz fährt, scheint dort die Zeit stehen geblieben. Zwar wird Clara ruhiger bei den Leuten ihrer Vergangenheit, ist aber mittlerweile keine mehr von ihnen und wird selbst zur Beobachterin. Und im Endeffekt ist es egal, ob als intellektueller Überflieger im Westen oder Landpomeranze im Osten, in beiden Strukturen reden alle nur übers Wetter. Nur so kann man vermeiden, auf den schmerzhaften Kern der Dinge zu kommen.

Ich war durch und durch begeistert. Der Film fängt die Landbevölkerung im Osten genau wie die sogenannte hippe Berliner Society einem Dokumentarfilm gleich ein. Das pralle wahre Leben starrt einem entgegen. Nicht nur hat die Regisseurin Annika Pinske genau hingesehen, wie solche Strukturen funktionieren, sie hat die Menschen auch äußerst realistisch wiedergegeben. Das hat auch viel mit den schauspielerischen Leistungen zu tun. Nicht nur die Hauptprotagonisten, sondern auch alle Nebenrollen treffen den richtigen Ton. So wird der Zuschauer zum Voyeur und fühlt sich manchmal auch so. Sehr sehenswert! Weiterlesen

Elternabend, Sebastian Fitzek

Eigentlich bespricht man Weltbestseller Autoren kaum noch. Rezensionen sind den neuen eher unbekannten Autorinnen und Schriftstellern vorbehalten. Doch Sebastian Fitzek hat etwa gemacht, was mutig ist und bei vielen Autoren schon schief ging. Er hat das Genre gewechselt. Vom Blut aufwischenden Thrillerautoren, der manchmal so brutal wurde, das selbst hartgesottene Leser zuckten, zum leichten Geschichtenerzähler mit viel Humor aber auch einem scharfen Auge für das Alltägliche. Gratuliere Herr Fitzek, Sie haben mich dazu gebracht, bei Ihrer Geschichte laut zu lachen, in mich hineinzugickeln, zu schmunzeln, zu grinsen und manchmal auch zu seufzen. Wüsste man es nicht, dann würde man die Geschichte Elternabend niemals Sebastian Fitzek zuordnen.

Elternabend ist eine tiefsinnige Komödie, die viel Stoff zum Zustimmen gibt. Dabei musste der Autor seine Protagonisten gar nicht großartig überzeichnen. Ein genaues Hinsehen hat gereicht, um die Realität zu einer Persiflage werden zu lassen. Großartig! Und da der Autor am amüsanten anscheinend Gefallen gefunden hat, freuen wir uns auf sein nächstes Buch: Der erste letzte Tag. Die Leseprobe lag bei und die Mundwinkel zuckten schon wieder hoch und ich dachte, ach du lieber Himmel, genau, wer kennt solche Situationen nicht!

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Witwenwald, Kristoffer Bark Reihe II, Anna Jansson

Wie es scheint setzt Anna Jansson auf ihr Erfolgsrezept vom ersten Band. Denn ihre Protagonisten sind auch in Witwenwald wieder eine Ansammlung von reichlich kaputten Seelen, die sich alle mehr oder weniger verdächtig machen. So stolpert man als Leser wieder durch die recht spannende Geschichte und möchte jedem der Charaktere inklusiver Kristoffer Bark helfen. Denn logisches Handeln ist selbst bei einer Polizistin nicht selbstverständlich. Obwohl, wenn man einen richtigen Burn-out hat, fehlt vielleicht die Logik?

Fazit: Prima Fortsetzung mit viel Spannung. Manchmal zu brutal aufgetischt, das hätte auch mit leiseren, raffinierteren Effekten passieren können. Hier und da eine Wiederholung zu viel für meinen Geschmack. Nichtsdestotrotz wächst einem Kristoffer Bark ans Krimiherz und sein Team wächst so langsam auch! Weiterlesen