
Der Autor, ist ein Mann, der vier Jahre in Haft vom chinesischen Regime gequält und erniedrigt wurde. Ein Mann, der seinen Hass mit genau der Brutalität aufs Papier gebracht hat, wie er sie durch Misshandlung erlebte. Da dieses Buch seinen Anfang im Gefängnis nahm, wo es im Geheimen geschrieben und herausgeschmuggelt wurde, trägt jede Zeile dieses Erbe. Die Geschichte ist gezeichnet von dem Wahnsinn, der Heranwachsende, der Kinder und jungen Menschen in China in ihrer gottgleichen Verehrung zu Mao Zedong befiel. Die chinesische Kulturrevolution, ein ebenso schwarze Geschichte der Menschheit, wenn es um die Verführung der Jugend geht, wie die Verblendung der Hitler Jugend. Ein Kapitel, das gekennzeichnet war vom Verrat an Eltern, Liebenden und Freunden, bis die eigene Identität nur noch eine leere Hülle wurde, in der Seele und Herz von falsch verstandener Euphorie und Menschenverachtung aufgefressen. Liao Yiwus Protagonist ist Zhuang Zigui, am Anfang ein Jüngling, noch keine Mann, aber schon ein kleiner roter General, der für seinen Führer Mao sterben würde. Ein Mensch, dem die menschlichsten aller Gefühle durch die Revolution abhandengekommen sind. Denn Liebe kann nur ein kontrarevolutionäres Verhalten von Kapitalisten und Royalisten sein, das mit Zähnen und Fäusten aus den Leibern der Feinde gebissen und geschlagen werden muss.
Ein sehr interessantes Buch, über die Verirrung eines Volkes durch politische Propaganda. Aber nicht einfach auszuhalten, denn der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um die aller unwürdigsten und zu tiefst verstörenden Handlungen von Mensch an Menschen geht.


Der Zufall wollte es, dass ich gerade zurück bin aus Tirol, wo ich unter anderem eine Kräuterwanderung mitgemacht habe. Und dann fiel mit dieses wunderschöne Buch von Martina Fischer, der Sennerin und ausgebildeten Heilkräuter und Wildpflanzenberaterin in die Hand. Sie erzählt gekonnt von fast dreißig Kräutern, Bäumen und Wildbeeren. Über jedes Kraut, jede Beere erfährt man ein paar historische Sachen, wann und wo man am besten sammelt, die Verwendung und natürlich wie und was es heilen kann. Auch sind in jedem Kapitel nicht nur Anleitungen für Heiltinkturen, Salben und Tees vorhanden, sondern wenn möglich auch leckere Rezepte zum Kochen und Genießen. Wunderschöne Fotos der einzelnen Kräuter machen die Identifizierung einfach.
Wie schön, dass die Reihe um Siggi Buckmann, dem etwas anderen Amtsrichter weitergeht. Mit Richter jagen besser legt Autor Thorsten Schleif, seines Zeichens selbst Amtsrichter und damit Experte auf dem Gebiet, wieder einen spannenden, witzigen und sehr unterhaltsamen Krimi hin. Scheininvestmentfirmen, Russenmafia, durch und durch korrupte Politiker und Justitia, die gar nicht daran denkt blind und damit unparteilich zu sein. Der Selbstmord seines pensionierten Mentors schockierte Siggi und auch seinen Staatsanwaltsfreund Ulli schwer. Schnell finden sie heraus, dass Jochen völlig verschuldet war, etwas dass überhaupt nicht zu dem rechtschaffenden ehemaligen Richter passt. Und dann taucht da auch noch diese Journalistin auf, die sich Buckmann nähert, um einen Artikel über den Tod des Drogenkönigs Ercan Ayaz, den Siggi auf dem Gewissen hat, zu ermitteln. Es wird mal wieder eng an allen Fronten!
Davonkommen ist ein Roman, der den Leser in vieler Hinsicht aufwühlt. Erst fällt es einem schwer die Gedanken, des emotional so schwer verletzten Mannes zu folgen. Kein Wunder, denn es erzählt ein Mensch, der sich mit allen möglichen Psychopharmaka und Bier betäubt. Und der Autor findet die richtigen Worte für diesen Zustand, denn die Beschreibungen sind chaotisch, rastlos und manchmal von Erinnerungslücken gezeichnet. Als es dem Vater, der seine Frau und auch seinen geliebten Sohn durch eine Scheidung verliert, besser geht, wird das Buch systematischer, nachvollziehbarer und sehr, sehr emotional. Die Liebe zu seinem Sohn ist greifbar und es treibt einen die Tränen in die Augen, wie beide, Vater und Sohn, in der Ruhe und durch sich selbst anfangen zu heilen.

