Die Lüge, Mattias Edvardsson

Die Luege von Mattias Edvardsson

Wie viele Familien heutzutage sind die Eltern von Stella in einer hilflosen Situation. Zwar ist sie jetzt bereits neunzehn, doch schon im zarten Alter von vierzehn Jahren war es ein Albtraum sie zu erziehen. Stella ist und war gewalttätig durch Impulskontrollverlust, trinkt, nahm Drogen und fand früh zu den Jungs. Das, obwohl ihr Vater Pfarrer ist und sich eigentlich immer nur liebevoll um sie kümmerte. Die Mutter ist erfolgreiche Rechtsanwältin und ihrer Tochter genauso zugewandt. Doch Stella fühlt sich im Gefängnis, kontrolliert und missverstanden.

Doch dann wird ein sehr reicher, dreiunddreißigjähriger Mann auf einem Spielplatz erstochen. Er verblutet und alle Indizien zeigen auf Stella. Sie landet in der Untersuchungshaft. Ab dem Zeitpunkt wird dann das Familienleben von drei Perspektiven erzählt und wird mit jeder Seite spannender. Nehmen Sie mich wörtlich, erst mit dem allerletzten Satz, erfährt man, wer der Mörder ist.

Ein Thriller, eine Sozialstudie unserer Zeit und ein fast ganz normales Familienleben.

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Martin Walker: Menu surprise, Der elfte Fall für Bruno, Chef de police

Es sind diese Bücher die man am liebsten in einem Rutsch durchlesen will. Walker ist die Literatur gewordene Werbeschrift für das Périgord. Das Herzland der französischen bodenständigen Küche. Es lebt in der Tradition der Einfachheit und der Frische seiner Produkte. Wen Bruno seinen Zuhörern erklärt dass bei der Verwendung einer Ente nur das Gefieder übrig bleibt, so ist das symptomatisch mit dem Umgang von Essen. Essen spielt eine gewichtige Rolle in Martin Walkers Romanen, was auch in seinen Kochbüchern zum Ausdruck kommt. Aber das Verbrechen schläft auch im Périgord nicht. Deshalb braucht es den pfiffigen Chef de Police der noch andere Aufgaben in seiner Gemeinde hat. Weiterlesen

Wo man im Meer nicht mehr stehen kann, Fabio Genovesi

Einer der entzückendsten Familiengeschichten, die ich je gelesen habe. Man muss den sechsjährigen Fabio einfach lieb gewinnen, genau wie seine zehn schrulligen Großväter, bei denen der Fluch der Manchinis bereits zugeschlagen hat. Denn jedes männliche Mitglied der Familie, das bis zum vierzigsten Geburtstag nicht heiratet, wird irgendwie verrückt. Doch der kleine Fabio profitiert von der Verrücktheit seiner Opas und lernt dadurch Dinge, die ein normaler Junge sonst nie lernen würde.

Die Geschichte ist wunderbar elegant und gleichzeitig mit einer kindlichen, liebevollen Naivität geschrieben, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Man lacht mit Fabio, vergießt ein paar Tränen und nimmt ein gehöriges Stück Lebensweisheit mit.

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Davor und Danach, Nick Singer, Jugendbuch

Ein bewegendes Buch, nicht nur für Jugendliche. Auch Erwachsene müssen darüber nachdenken, es verarbeiten und vor allem trauern. Es ist eine so eindrucksvolle Geschichte einer langen Flucht aus dem Sudan nach Schottland, die eigentlich heute schon wahr sein könnte. Jedoch spielt Davor und Danach in einer leider viel zu nahen Zukunft, in der es keine Arktis und Antarktis mehr gibt, in der die Sonne den Tod bringt und die halbe Menschheit zur Flucht zwingt. Doch schon wie heutezutage sind es die Verschonten, die mit Kälte und Wasser gesegneten, die diese geschundenen Flüchtlinge als Eindringlinge und wertlosen Abfall ansehen. Und Angst davor zu kurz zu kommen, macht jeden zum Mörder. Doch ist Mhairi kein vierzehnjähriges dunkelhäutiges Mädchen aus dem Sudan, die in das erlösende Europa will. Sie selbst ist in Schottland geboren und muss sich zu Fuß auf die zehntausend Kilometer lange Reise nach Hause machen. Um dann was zu finden? Das was die Bootsflüchtlinge in unserem Jahrhundert ebenfalls finden? Indem man sie lieber ertrinken lässt, als an die heilbringenden Küsten zu lassen. Menschen, denen ihr sozialer Status wichtiger ist, als das Leben eines Flüchtlingkindes?

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Dr. Stuart Farrimond: Kochen in Perfektion, Profi – Wissen für die Küche

Nein, kein Rezeptbuch mit schön gestalteten Gerichten. Nein, kein Kochbuch, das einen mit leuchtenden Bildern animiert, das Gericht nach zu kochen.

„ Kochen in Perfektion“ Profi-Wissen für die Küche, ein Buch nur für Profiköche mit Nichten. Ein Buch für jeden der gerne kocht und für diejenigen, die sich beim Ko-chen versuchen wollen. Durch die wissenschaftlichen Anleitungen von Herrn Dr. Stuart Farrimond zum garantiert, sicheren Gelingen. Weiterlesen

Simone Buchholz: Mexikoring

Im Moment läuft die Diskussion um Clankriminalität wieder verstärkt in den Medien. Die Autorin Buchholz nähert sich dem Thema auf Ihre Weise. Als hochspannendem Kriminalroman. Sie lässt ihre Staatsanwältin Chastity Riley mit ihren Mitstreitern in diesem Milieu ermitteln. Aber diese Familienclans sind nur sehr schwer zu knacken. Buchholz bleibt aber nicht nur an der Oberfläche. Sie schildert nachvollziehbar was da in diesen Familien abläuft und welche Strategien entwickelt werden müssen, um diese Strukturen an unser Rechtssystem anzupassen oder zu zerstören. Dieser Roman ist nicht rechtslastig und besticht durch seine ruppige, manchmal rotzige Sprache. Weiterlesen

Martin Sonntag (Hrsg.), Saskia Wagner (Hrsg.): Deutschland dreht durch, 70 Jahre Grundgesetz,

Wenn der Stammtisch endgültig die Deutungshoheit in der politischen Debatte übernimmt, haben die Irren gewonnen. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen… Anscheinend geht es uns zu gut im freiheitlichsten System, das je deutschen Boden betreten hat. Wir leben im Zeitalter der Spalter und der Spaltung. Ist unsere Demokratie tatsächlich in die Jahre gekommen? Anlässlich des 70. Geburtstags des Grundgesetzes schauen führende Cartoonistinnen und Cartoonisten des Landes auf den Zustand der Nation. Weiterlesen

DVD Miniserie Escape at Dannemora – Flucht von Dannemora

Basierend auf einer wahren Begebenheit

Ein Gefängnisausbruch? Kann man damit Zuschauer noch auf die Couch locken? Haben wir mit Clint Eastwoods Ausbruch von Alcatraz nicht schon den ultimativen Fluchtfilm gesehen? Nein, denn jetzt kommt die wahre Geschichte über die Flucht von zwei Schwerverbrechern aus einem Gefängnis im Bundesstaat New York. Was die Miniserie so interessant macht, ist die so perfekt eingefangene Stimmung. Denn nicht nur bei den Bildern aus dem Gefängnis überkommt den Zuschauer das Gruseln, auch bei dem Leben der normalen Bürger in dieser Kleinstadt überläuft einen ein Schauer. Dort will man nicht tot über dem Zaun hängen und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Gefängnisangestellte Tilly sich entscheidet, zwei Mördern bei der Flucht zu helfen!

Großes Kino mit einer unwiderstehlichen Patricia Arquette als Aufseherin der Gefängnis-Schneiderei Tilly Mitchell und den beiden Insassen gespielt von Benicio del Toro und Paul Dano

 

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Schnelles Lesen, langsames Lesen – Warum wir das Bücherlesen nicht verlernen dürfen, Maryanne Wolf

Die digitale Entwicklung lässt sich nicht mehr zurückdrehen. So lesen unsere Kinder auf Handys, iPads und dem Laptop. Doch wie gut ist die Qualität des Lesens mit diesen Medien? Eines weiß die Wissenschaft bereits: 1. Wie gut wir lesen, ist nicht nur ein Indikator für die Qualität unseres Denkens, sondern gutes Lesen hilft, auch völlig neue Entwicklungen bei der Gehirnevolution unserer Spezies den Weg zu bereiten. 2. Das einseitige digitale Lesen ist nicht so tief und konzentriert, wie das Lesen eines Buches. Und das unsere Kinder durch die Reizüberflutung kein Wissensreservoir mehr im Gehirn verankern. Was wohlmöglich künftig zur Folge hat, dass die Fähigkeit beim Lesen Analogien zu bilden und Rückschlüsse zu ziehen, verkümmert. Das kritische Denken und auch die Empathie sind in Gefahr, wenn den nächsten Generationen nicht mehr vorgelesen wird und sie keine Bücher mehr in der Hand haben.

Maryanne Wolf warnt vor der Entwicklung und versucht einen ausgeglichenen Weg zwischen intensiven Lesen von Büchern und Querlesen der digitalen Medien zu finden.

Für ein wissenschaftliches Buch sind die Untersuchung von Maryanne Wolf und ihre Schlussfolgerungen unglaublich spannend!

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Willnot, James Sallis

Liest man den Klappentext, erwartet man einen Thriller. Doch dieses wunderschöne, unglaublich gut geschriebene Büchlein, ist eher eine Sozialstudie einer amerikanischen Kleinstadt. Es ist ein kleines philosophisches Werk und definitiv eine wunderschöne Liebesgeschichte. Man muss sich bei Willnot die Sätze einzeln auf der Zunge zergehen lassen und wird am Ende eine ganze Weile nachdenklich vor sich hin grübeln. Ein Roman, bei dem man bedauert, wenn er zu Ende ist, für den man sich sehr gerne Zeit nimmt und beim langsamen Lesen genießt.

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