Mit ihrem Debütroman »Die Frauen von Brewster Place« legte Gloria Naylor vor 40 Jahren den Grundstein für ihre äußerst steile Karriere und inspirierte Oprah Winfrey eine erfolgreiche Miniserie basierend auf dem Buch zu produzieren, in dessen Zentrum sieben schwarze Frauen stehen. Jede Geschichte in Die Frauen von Brewster Place für sich genommen ist fesselnd und obwohl jede Geschichte nur tangential mit jeder anderen Geschichte verbunden ist, bietet die Autorin eine Gesamteinheit, die den Roman trägt. Und zwar nicht in herkömmlicher linearer Struktur, sondern unter Verwendung von mehreren Miniplots, die das Leben der einzelnen Protagonistinnen beleuchten und der Autorin ermöglichen, sich auf die Charaktere zu fokussieren. Und es gelingt Naylor ihre Figuren überzeugend zu entwickeln. Jede Frau wird mit ihrer eigenen einzigartigen Persönlichkeit präsentiert, die fein ausgearbeitet ist, so dass sie sowohl einprägsam als auch kraftvoll daherkommt. Weiterlesen
Ich finde Geschichten über unwahrscheinliche Freundschaften spannend, jedoch so etwas Berührendes, wie diese emotional aufgeladene Geschichte über den Teenager Lenni und die achtzigjährige Margot sucht ihresgleichen. Mit 17 bzw. 83 (eine kombinierte Lebenszeit von 100 Jahren) sollten sie wenig gemeinsam haben. Schließlich wurden sie in verschiedene Welten, verschiedene Epochen hineingeboren. Margot kann auf ein langes und reiches Leben blicken, während Lennis zu Ende geht, bevor es kaum begonnen hat. Und doch verbindet diese beiden Frauen mehr als der gemeinsame Aufenthalt auf einer Palliativstation: Die Feier des Lebens. Und so ist die Geschichte der beiden Frauen angefüllt mit Licht und Farbe, Weisheit und Witz, Anmut, Humor und Hoffnung. Es ist kaum zu glauben, dass es Marianne Cronins Romandebüt ist. Eine starke Leistung. Die Geschichte lebt von den beiden liebenswerten Charakteren. Lenni: lebhaft, respektlos, mutig und sterbend, eine alte Seele mit fragilen, jungen Schultern. Margot: eine Überlebende mit lebenslangem Bedauern und einem speziellen Sinn für Humor. Die beiden sind verwandte Seelen und fühlen sich zueinander hingezogen. Durch ihre Freundschaft und die Stunden, die sie für ihr gemeinsames Krankenhauskunstprojekt verbringen, kann Margot ihr Leben noch einmal erleben und neu bewerten, während Lenni mittelbar ein Leben führen kann, eine Erfahrung, die sie nie besitzen wird. Die Symbiose ist einfach, dennoch schmerzhaft schön. »Wir können ebenso wenig nicht wissen, warum du stirbst, wie wir wissen können, warum du lebst. Das Leben und das Sterben sind große Geheimnisse, und man kann beides nicht verstehen, solange man es nicht selbst erlebt hat.«
Ein Werk das voll von feiner Ironie ist, die uns Deutsche und Juden so auf den Arm nimmt, dass man nicht böse oder gar beleidigt sein kann. Es ist schon bemerkenswert wie wir in diesem Buch auf unsere Grundeigenschaften skelettiert werden. Die Gegensätze Juden Nazis sind so überzeichnet und skurril, das jeder mit Sicherheit manches Vorurteil kennt. Der Autor zeigt uns unsere Welt die voll von Aggressionen gegenüber Mitmenschen ist und die durch soziale Medien in erschreckender Weise zum Ausdruck kommt. Ein Werk das zum Nachdenken anregt.
Die spannendsten Geschichten sind diejenigen die sich fast so zugetragen haben wie sie erzählt werden. Fiktion und Wahrheit mischen sich in diesem Roman sodass dieser Wirtschaftskrimi uns vor Augen führt, wie gewissenlose Gangster Menschen um ihr Geld bringen und Existenzen zerstören. Der Autor hat es auf 432 Seiten geschafft atemlose Spannung und zeitweise großen Zorn hervorrufen zu können. Es geht um die Geschichte von Wirecard die in diesem Roman Worldcard AG heißt. Eckert zeigt, wie kriminelle Macher, Bürokratie und zu sorglose Prüfer über- tölpeln und am Nasenring über das Finanzparkett ziehen.. Es erscheint unglaublich, dass an ausgefuchsten Prüfungsgesellschaften vorbei in dieser Art und Weise es über Jahre möglich gemacht wurde Milliardenbeträge in dunkle Kanäle versickern zu lassen ohne dass nachgefasst wird. Es erscheint im Nachhinein unglaublich dass sich eine Bundesbehörde die die Finanzwelt kontrollieren soll für nicht zuständig erklärt. Spätestens nach dem Erscheinen dieses Buches wird die Öffentlichkeit weitere Erklärungen erwarten dürfen.
Eine berührende Geschichte die der Autor Jan Weiler uns da erzählt. Von Gefühlen einer 16 Jährigen, die wilden Protest schiebt bis es zur Eskalation kommt. Der Autor bringt uns aber auch den Ruhrpott näher und zu den darin lebenden Menschen mit ihren Eigenheiten und Vorlieben. Erzählt wird auch über Freundschaft und deren zerbrechen. Die DDR Vergangenheit und der Druck des Systems auf Menschen halten viele nicht aus und fliehen. Das wird nach und nach deutlich je tiefer man in die Handlung des Romans eindringt. Hier der verschrobene und scheinbar antriebslose Markisenverkäufer und an seiner Seite seine Tochter die vor leben strotzt.
Stünde im Titel nicht „ohne sie umzubringen“ hätte man die Lösung schnell zur Hand. Wir kennen solche Szenarien aus Krimis: ein schön, aber abseits gelegenes Hotel – eigentlich geschlossen. Pandemie-bedingt, was auf die Aktualität verweist, in dem eine Gruppe von Menschen zusammen kommt und sich vor eine Aufgabe gestellt sieht. In Andrea Weidlichs neuestem Buch gilt es sich von toxischen Menschen zu befreien. Initiatorin dieses Experimentes ist Charly, eine Freundin von Andrea Weidlich, die nicht nur die Autorin der Geschichte ist, sondern sich selbst auch eine tragende Rolle darin geschrieben hat. Nämlich die der Autorin Andrea Weidlich. Charlys Einladung sind nicht alle gefolgt, aber Adrian, Marie, Isa, Daniel, Andrea und ihr bester Freund Lukas. Begleitet wird das Experiment von Paul, Charlys Therapeuten. 

Ein Zustandsbericht aus dem Jahre 1700 und folgende, der die politischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zustände in England speziell in London thematisiert. Diese Beschreibungen sind hoch spannend, witzig und sehr detailreich. Daniel de Foe, weltberühmt durch seinen Roman Robinson Crusoe, ist aber auch ein vielschreibender und kritischer Betrachter seiner Zeit. Da er auch ein Herausgeber von verschiedenen Zeitungen ist, deren Artikel den Herrschenden nicht gefällt, befindet er sich ständig auf der Flucht und ist meist zahlungsunfähig. Aber Eulenspiegelhaft windet er sich aus grotesken Situationen heraus und düpiert seine Ankläger. Der Autor, versteht es bestens uns dieses Sittenbild, einer durch und durch korrupten Gesellschaft, zu vermitteln. Viele politische Schachzüge der damaligen Zeit kommen uns heute sehr bekannt vor. Er erzählt uns über Armut, Seuchen und Krieg, den schmalen Grat zwischen Schuld und Unschuld, über die Entstehung des investigativen Journalismus unter dem Druck von Zensur, Fake News, Populismus und Paranoia – und über die Liebe in liebloser Zeit.
Sehr geehrte Leserschaft, sind Sie bereit für eine Fahrt auf der emotionalen Achterbahn? Dann nehmen Sie Platz, legen den Sitzgurt an und folgen Sie den Hinweisen des Autors. Alex Ragougneau kann für sein Opus 77 aus dem Vollen schöpfen. Seine Erfahrungen, die er als Schauspieler, Regisseur und Dramatiker gesammelt hat fließen ein, machen die Geschichte um die außergewöhnliche Musikerfamilie Claessens spannend und glaubwürdig. Es ist ein Leben, das der Musik geweiht ist und in dem Glanz und Gloria, aber vor allem der richtige Ton hart erarbeitet sind und der Weg zum Ruhm nicht von jedem Wunderkind zu Ende gegangen wird. In dieser Welt halten sich Licht und Schatten die Waage. Auf stehende Ovationen im Scheinwerferlicht folgt die Einsamkeit. Allein im Hotelzimmer, allein bei den Proben für den nächsten Auftritt, allein mit sich in den Sekunden vor dem Konzertbeginn. Das Timing des Autors ist ausgezeichnet, sein Sinn für Dramatik ausgeprägt. Die Beleuchtung stimmt, wenn er mit Licht und Schatten spielt.