Kategorie: Buchbesprechungen

Heiko Nieder: The Restaurant

Das ist schwer! Nicht nur das Buch in seinen Ausmaßen, sondern auch sein Gewicht. Aber beides bringt mich nicht in die Verzweiflung. Was bewerte ich jetzt, das Buch „The Restaurant“ , was an sich schon ein tolles Meisterwerk ist. Oder vergehe ich mich in einer Lobeshymne vom legendären „The Dolder Grand“ in Zürich/Schweiz oder dem Autor und Kochkünstler „Heiko Nieder“. Weiterlesen

José Eduardo Agualusa: Barroco Tropical

Immer wenn sich die Redaktion aufmacht exotische Schriftstellerinnen und Schriftsteller kennen zu lernen, trifft man auf Bücher des Unionsverlag. So ja auch das vorliegende Werk „Barroco Tropical“. Angola, ist zunächst für uns Mitteleuropäer ein unbekanntes Terrain. Hier schließt der Autor uns ein Tor auf und lässt uns in das Herz des schwarzen Afrika blicken. Durch die Augen, der Autor schildert aus vielerlei Perspektiven das Leben, die Liebe, die Korruption und die Menschen in diesem Teil der Welt. Es ist bunt, geradezu grell, chaotisch, spiritistisch und manchmal unbegreiflich was in diesem Teil der Welt vorgeht. Sinnbildlich dafür steht der Ausspruch eines alten Einwohner Angolas: Ihr Europäer beschreibt wie Regen fallen kann, wir Angolaner reden mit dem Regen. Weiterlesen

Alex Beer: Der letzte Tod, Ein Fall für August Emmerich

Wir schauen durch diesen Raman direkt in das Wien von 1922. Eine wirtschaftlich zerstörte Stadt die am Anfang einer galoppierenden Inflation steht und deren Einwohner in Löchern wohnen die man nicht Wohnungen nennen kann. Die Polizei ist schlecht ausgerüstet und in bürokratischen Denkmustern gefesselt. Der Protagonist, August Emmerich kann sich dem nur entziehen weil er brillante Ergebnisse erzieht. Sein persönlicher muffeliger Umgangston macht ihn unbeliebt. Deshalb hat er auch Feinde die ihm tödlich nahe kommen. Die Mordinspektion „Leib und Leben“ arbeitet wieder auf Hochtouren und wir, die Leser fiebern mit.

 

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Tanja Dusy. Matrjoschka, Kochen wie in Osteuropa

Von Russland bis nach Aserbaidschan: Die 70 besten Rezepte für Eintöpfe, Grillgerichte, Teigspezialitäten, Teegebäck und mehr!

„Matrjoschka“ das sind die allseits bekannten russischen Holzpuppen, wenn man sie öffnet, steckt zur Überraschung immer eine kleinere darin, bis es nicht mehr geht. Soll der Titel Matrjoschka ein Synonym dafür sein, dass, wenn man dieses Buch öffnet auf jeder Seite eine Überraschung ist. Mir kam es fast so vor. Sie wird aber nicht kleiner. Kochen wie in Osteuropa! Und die erste Überraschung, die uns die Autorin Tanja Dusy offenbart, sie zeigt uns die Verwandtschaft der Gerichte aus den Ländern, die sich hinter dem sogenannten Eisernen Vorhang, dem ehemaligen Ostblock, durch die Abgrenzung erhalten und entwickelt haben. Im Estland im Norden bis Mazedonien im Süden, von Tschechien im Westen bis nach tief nach Russland im Osten.

Tanja-Dusy
Foto: Klaus-Maria-Einwanger

Tanja Dusy, zwar in Goirle Niederlande am 1. Februar 1964 geboren, ist eine deutsche Kochbuchautorin und Journalistin. Nach ihrem Studium in Germanistik, Kunstgeschichte, Theater, Film und Fernsehwissenschaften mit dem Abschluss Master of Arts in Köln, arbeite sie zuerst als Autorin bei Endomol und später als Redakteurin und Aufnahmeleiterin für die Vox-Sendung Kochduell. Seit 2001 ist sie bei Gräfe und Unser als Kochbuchautorin. Ihre Spezialgebiete sind die modernisierte Alltagsküche und Länderküchen Indiens, Frankreichs und dieses Mal Matrjoschka – Osteuropa.

Dieses Buch ist wirklich eine Matrjoschka. Jedes Rezept eine Überraschung, zum Teil bekannt, zum Teil neu. Herrlich, das erste Rezept eine Erinnerung an meine schon lange verstorbene Großmutter. Zu Silvester gab es immer den Russischen Heringssalat mit Roter Bete und Kartoffeln. Hier als Schichtsalat oder Hering unterm Pelzmantel genannt. Weitere Gerichte sind die Russischen Eier, die Pirogi aus Polen, Pelmeni, Bigos, Blini, es fehlt auch nicht das russische Stroganoff oder das tschechische Biergulasch, sowie die herzhaft eingelegten Gemüse mit den für mich gewöhnungsbedürftigen Salzgurken. Eine kulinarische Entdeckungsreise durch Osteuropa. Alle Gerichte zum einfachen Nachkochen. Darauf kann man sich bei Tanja Dusy verlassen. Sehr gut gelungen ist die Einführung zu diesen Gerichten beginnend mit der Länderkarte, den Menschen von Festen und Feiern, den typisch osteuropäischen Produkten und Zutaten.

Wenn der Eiserne Vorhang etwas Positives gebracht hat, dann, dass die Küche im Ostblock über Jahrzehnte ihre aromatische – traditionelle – authentische Küche erhalten geblieben ist. Für uns eine Wiederentdeckung. Genießen sie den Ausflug in die osteuropäische Küche.

Fotografie von Schwestern Britta Welzer und Svenja Mattner-Shahi. Beide sind Weltenbummlerinnen mit gemeinsamer Passion fremde Länder kennenzulernen. Zusammen haben sie den Instagramm-Account@Klara_and_ida sowie den dazugehörigen Blog www.klaraida.de. Als Bloggerinnen teilen sie ihr Wissen über Food-Fotografie rund ums Essen und Kochen.

Tanja Dusy, Matrjoschka, EMF, ISBN: 978-96093-862-0. Hardcover, Seiten 160, € 22,00

Ta-Nehisi Coates: The Beautiful Struggle – Der Sound der Strasse

The Beautiful Struggle von Ta-Nehisi Coates

THE BEAUTIFUL STRUGGLE ist eine bewegende Vater-Sohn-Geschichte über die Herausforderungen der gesellschaftlichen Realität, in die wir hineingeboren werden, und über die Liebe, die uns davor beschützt. Die Einblicke, die Ta-Nehisi Coates mir in seine von Rassismuserfahrungen, Gewalt, Drogen und Bandenkriminalität geprägte Kindheit und Jugend gewährt, haben mich teilweise erschüttert, aber auch berührt. Das Baltimore dieses Heranwachsenden ist nichts für schwache Nerven und weist keine Gemeinsamkeiten mit dem Baltimore auf, dass ich in den 80igern kennenlernte. Überhaupt erscheint mir die Geschichte weit weg, hallt aber enorm in mir nach und lenkt gleichzeitig den Blick auf die Situation im eigenen Land, legt die Parallelen frei und bekommt dadurch Allgemeingültigkeit. Dank des sehr ausführlichen Namen- und Begriffsglossars von Julian Brimmer kenne ich jetzt Wörter, nach denen ich mich bislang nicht getraut habe zu fragen. Dass der Weg des Autors nicht in die Kriminalität führte, sondern er es bis nach Harvard schafft, ist an sich schon eine Lebensleistung. Weiterlesen

Carsten Sebastian Henn: RUM ODER EHRE

Wenn die Zeit Rum ist….dieser Satz steht als Aufmacher hinten auf dem Klappentext. Mit solchen Wortspielen ist der ganze Kriminalroman von Carsten Sebastian Henn gespickt. Ich muss gestehen „Rum oder Ehre“ ist mein erster Roman von Carsten Sebastian Henn. Mit meiner Begeisterung über die Schreibweise und den köstlichen Wortwitz habe ich mir sofort das Vorgängerbuch „Gin des Lebens“ und den „Buchspazierer“ besorgt und werde darüber sicherlich auch eine Rezension schreiben. Wie man mit so viel Humor einen spannenden Krimi schreiben kann und dabei zusätzlich gut recherchiertes Fachwissen, in diesem Fall über „Rum“ Geschichte, Herstellung und Unterschiede rüberbringen kann, macht einfach Freude. Weiterlesen

Jewgeni Wodolaskin: Luftgänger

Wodolaskin schildert mit viel Feingefühl: Die Stimme schwebte mühelos übers Wasser, begleitet von den Lichtern des Gutshauses, ich zitterte vor nächtlicher Kälte und von den neuen Gefühlen, die mich überschwemmten und scheut sich nicht, andererseits deutlich die Misshandlungsmethoden und Leiden der Lagerhäftlinge zu beschreiben. Dagegen steht wirkungsvoll der Realismus des Arztes und der Frau des Helden, beide Kinder einer anderen Generation. Es gefällt mir, wie der Roman modern daher kommt, umgeben von der Melancholie der russischen Seele, die mich berührt.  „Überhaupt glaube ich, einen Menschen richtig zu beschreiben kann man nicht ohne Liebe“ lässt der Autor Jewgeni Wodolaskin seinen Helden dieses sagen und beherzigt selbst im Umgang mit Innokenti Platonow diese Worte. Einfühlsam beobachtet er die Entwicklung seines Helden vom Mann ohne Gedächtnis, der so alt wie das Jahrhundert ist, nämlich 99 Jahre, aber äußerlich keinerlei Anzeichen eines solch hohen Alters aufweist hin zum Zeitgenossen. Weiterlesen

Semi Hassine: Bock auf Handfestes Essen

Bock auf handfestes Essen von Semi Hassine

Einfach gut von Currywurst bis Shakshuha. Das nenn ich mal gelungene Integration. Semi Hassine spricht in seinem Vorwort, hier genannt Inthro: Wir hier im Pott sind alle einfach gestrickt. Firlefanz gibt´s woanders und so versteht sich unsere handfeste Küche für Familien, mit starken Männern, sanften Frauen und strammen Kindern. Wohlgemerkt Semi Hassine ist tunesischer Abstammung und schreibt dann weiter: Als waschechter Osnabrücker und Wahl–Hattinger lebe ich unsere Region auf den Tellern, die unsere Welt bedeuten. Tradition zu wahren und die DNA des Potts sind die besten Zutaten. Zum Traditionellen habe ich Neues hinzugefügt, um die kulturelle Vielfalt unserer Heimat kulinarisch zu fassen. Wir sind heute ein Pott mit vielen Zutaten. Teile des Inthro´s musste ich originalgetreu wiedergeben. Denn es beschreibt dieses Kochbuch. Weiterlesen

Anne Mette Hancock: Narbenherz

Hat Anne Mette Hancock mit ihrem Erstlingsroman überrascht und für Furore gesorgt, legt sie mit der Fortsetzung Narbenherz nach und festigt ihren Ruf, zu den besten Crime-Autor*innen Dänemarks zu gehören. Der Thriller kommt echt skandinavisch daher: schlicht ohne Schnörkel, elegant, nachhaltig. Die Autorin verzichtet darauf, große Stimmungsbilder als Einstieg in die Geschichte zu geben, sondern lässt den Leser auf Seite 3 Zeuge eines Verbrechens werden. Die kurzen Kapitel geben der Geschichte eine eigene Dynamik und steigern die Spannung. Der ideenreiche Plot ist raffiniert gestrickt und wirkt zu keinem Zeitpunkt konstruiert. Anne Mette Hancock legt falsche Fährten und führt den Leser aufs Glatteis, führt aber am Ende alle Erzählstrenge plausibel zusammen und überrascht mit dem Schluss: Wie in Agatha Christies „Orientexpress“ steckt in jedem Täter ein Opfer. Weiterlesen

Horvath und die verschwundenen Schüler, Marc Hofmann

Dass Marc Hofmann Lehrer ist, merkt man sofort und man vermutet, er hat einen ausgezeichneten Humor, um mit seinem Beruf umzugehen. So begegnet auch Hofmanns Protagonist, Gregor Horvath, seines Zeichens ebenfalls Gymnasiallehrer, den Widrigkeiten, Hormonüberschüssen und der völligen kurzfristig, pubertätsbedingten Verblödung seiner Schüler der elften Klasse mit stoischer Ruhe. Selbst wenn bei einer Klassenfahrt zu einer abgelegenen Scharzwaldhütte gleich in der ersten Nacht ein Schüler spurlos verschwindet. Als sich jedoch ein dubioses Rockerpärchen bei ihnen einnistet und draußen im Wald dunkle Gestalten herumschleichen, wird es selbst dem coolen Pauker zu viel. Er informiert seine Freundin oder doch besser Ex-Freundin Betty von der Kripo Freiburg, die auch sofort erscheint. Nur in dem Moment ist eine weitere Schülerin verschwunden. Jetzt wird es haarig für Horvath und so einfach kommt er aus der Nummer nicht mehr raus.

Geistreich, schlagfertig und mitten aus dem Schulleben geschrieben, lacht man bei diesem Krimi so manches Mal laut auf. Zusätzlich ist der Lehrer-Krimi, der in den düsteren Höhen des Schwarzwalds spielt, spannend und richtig spritzig!

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