Kategorie: Buchbesprechungen

Felix Francis: Hindernis

Mit 70 Jahren und 8 Solo-Kriminalromanen, veröffentlicht seit dem Tod seines Vaters Dick Francis 2010, hat sich Felix Francis längst freigeschwommen und es bedarf nicht mehr der Erwähnung seines krimischreibenden Vaters. Bedenken, dass der im Pferderennmilieu angesiedelte Krimi durch zu viel Fachjargon vielleicht zu einseitig ist, können leicht zerstreut werden. Es bedarf keiner Vorkenntnisse, um die Geschichte zu verstehen und zu genießen. Denn: unglücklicherweise – wie ich – hat der Protagonist, Anwalt und Krisenmanager Harrison „Harrry“ Foster, auch gar keine Ahnung vom Pferderennsport und muss sich schnellstens das 1 x 1 des Sports aneignen und so lernen Leser und Protagonist zusammen die hinlänglich erklärten Aspekte des Rennsports. Dieser Kriminalroman ist Weiterlesen

Meine Wildkräuter, Martina Fischer

Der Zufall wollte es, dass ich gerade zurück bin aus Tirol, wo ich unter anderem eine Kräuterwanderung mitgemacht habe. Und dann fiel mit dieses wunderschöne Buch von Martina Fischer, der Sennerin und ausgebildeten Heilkräuter und Wildpflanzenberaterin in die Hand. Sie erzählt gekonnt von fast dreißig Kräutern, Bäumen und Wildbeeren. Über jedes Kraut, jede Beere erfährt man ein paar historische Sachen, wann und wo man am besten sammelt, die Verwendung und natürlich wie und was es heilen kann. Auch sind in jedem Kapitel nicht nur Anleitungen für Heiltinkturen, Salben und Tees vorhanden, sondern wenn möglich auch leckere Rezepte zum Kochen und Genießen. Wunderschöne Fotos der einzelnen Kräuter machen die Identifizierung einfach.

Zum Einstieg in die Heilkräuterwelt und das Sammeln, ein idealer und schöner Begleiter.

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Die Geografie der Zukunft, Tim Marshall

Wie der Kampf um die Vorherrschaft im All unsere Welt verändern wird. Der Wettlauf hat nicht begonnen, er ist im vollen Gang. Nach dem großen Erfolg und Spiegelbestseller „Die Macht der Geografie“ nun von Tim Marshall ein Folgebuch. „Die Geografie der Zukunft“, wer übernimmt die Macht im All. Wer ist mit seinen Ambitionen schon weiter als die anderen oder setzt man auf die Wirkung der Abschreckung, wie bei den Atombomben oder einigt man sich auf Gesetze, die dann für alle im All dem Weltraum gültig sind. Der Wettlauf um die ersten Erfolge im All hatte schon früh begonnen. Der zweite Weltkrieg war gerade mal sieben Jahre vorbei, da schickten die Russen den ersten Hund ins All und wenig später den ersten Menschen, Jurin Gagarin. Die Amerikaner konterten mit Niel Amstrong, dem ersten Menschen, der den Mond 1969 betrat. Mit dem angeblichen Ausstieg der Amerikaner aus der Raumfahrt, sah es so aus, als dass dieses kostspielige Unterfangen uninteressant ist. Warum interessieren sich dann private Unternehmen wie Elan Musk oder Jeff Bezon dafür. Warum investieren sie in eine sehr teure Technologie, wenn sie nichts einbringt. Warum bauen, China, Russland und sogar ganz kleine Staaten ein eigenes Strassenüberwachungssystem auf. Bei uns besser bekannt, weil es auch jeder nutzt, das von den Amerikanern installierte GPS.

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Ute Mank: Elternhaus

Es geht in Ute Manks Roman um Beziehungen: Eltern-Kinder-Beziehungen, Geschwisterbeziehungen, Partnerbeziehungen und darum, welche Auswirkung eine Entscheidung innerhalb eines Familiengeflechts auf jedes einzelne Familienmitglied hat und welche Veränderungen damit einhergehen.  Mank behandelt diese Themen mit viel Umsicht und einem hohen Maß an Sensibilität. Sie urteilt nicht und hat für jeden Charakter Sympathie und für sein Handeln Verständnis. Ich habe das Gefühl, die Protagonisten zu kennen, sehe sie direkt vor mir und bin von ihnen berührt. Die Autorin erzählt zwar gerade und schnörkellos, aber mit dem Blick auf Details und Nuancen sehr bildhaft und transportiert viel Gefühl. Die einzelnen Themen sind fein herausgearbeitet und es ist beeindruckend, wie sie im Weiterlesen

Silke Ziegler, Liebe unter Mandelblüten

Es ist sicherlich unheimlich schwer für ein Buch einen Titel zu finden. Er soll ansprechen, soll die Aufmerksamkeit erregen zum Zugreifen, Kaufen und schließlich zum Lesen verführen und am Ende den Leser erfreuen. Als ich die Ankündigung in meiner Postbox sah, rosa Umschlag und den Titel „Liebe unter Mandelblüten“, habe ich gar nicht groß weitergelesen, sondern einfach weggeblättert, mit den Gedanken, brauche ich nicht! Ich hatte die Ankündigung aber nicht gelöscht. Tage später, bei der Überprüfung meiner Mails, welche ich aus dem Postfach entfernen kann, traf ich wieder auf die Ankündigung „Liebe unter Mandelblüten“. Nun fiel mir die Autorin auf „Silke Ziegler“. Oh, da war doch etwas, da hatte ich doch vor Kurzem ihr Buch „Im Zauber der Stille“ gelesen und war mehr als begeistert, vom Schreibstil, ihre Einfühlsamkeit auf Situationen und Gegebenheiten, ihre Beschreibung der Charaktere. Ich habe mir sofort das Buch bestellt. Mein Tipp an den Emons Verlag, für jede Neuerscheinung von Silke Ziegler keinen Titel schreiben, auf dem Umschlag, nur ein Bild von ihr, ihren Namen Silke Ziegler und „Neustes Buch!“  Die Kenner greifen sofort zu und die anderen werden neugierig und greifen dann auch zu. Probieren sie es aus.

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Brian Klingborg: Die Beute des Tigers, Ein Fall für Kommissar Lu Fei (Band 2)

Im asiatischen Raum werden exotischen Tieren in Pulverform besondere potenzfördernde Eigenschaften zugeschrieben. Da diese Tiere besonderem Schutz unterliegen, betreiben kriminelle Elemente einen schwunghaften Handel mit dieser Art von Medizin. Hier setzt der spannende Roman mit seinem Inspektor Lu Fei an und lässt uns, abseits von der großen Politik, in das chinesische Alltagsleben Einblick nehmen. Es wird hier, wie auch bei dem ersten Band mit Lu Fei des Autoren deutlich, wie die chinesische Gesellschaft funktioniert. Wer also spannende Unterhaltung mit exotischen Ambiente mag, ist hier gut aufgehoben. Weiterlesen

Michael Bennett, 6 Tote

Michael Bennett öffnet uns ein einzigartiges Fenster zu einer faszinierenden Kultur, Deon Meyer.

Mit dem Auftauchen der Europäer und der Kolonialisierung Neuseeland stand die Kultur der Maori kurz vor der Vernichtung und war somit dem Aussterben gewidmet. Nur ein Bruchteil der indigenen Bevölkerung hat überlebt und so die einzigartige Kultur erhalten. Michael Bennett gibt uns einen wunderbaren Einblick auf die Geschichte und Kultur und dem Leben von Neuseeland – Aotearoa „Land der langen weißen Wolke“. Neuseeland hat oder hatte eine einzigartige Tierwelt, die es nirgends woanders gab. Es gab so gut wie keine Fressfeinde, daher gab es Vogelarten, die gar nicht fliegen konnten. Mit der Invasion der Europäer, den blinden Passagieren den Ratten, den mit Absicht eingebürgerten Wieseln zu Bekämpfung von Kaninchen, hatten diese behäbigen Laufvögel kaum oder keine Überlebenschancen. Erst heute versucht man unbewohnte Inseln von Schädlingen zu befreien und mit viel Aufwand und Kosten die einheimischen Vögel wieder aufzubauen. Ebenso kannten die Maori keine Feinde, Neid, Besitztum. Alles gehört allen und wurde immer geteilt. Die Erde, der Boden, die Pflanzen, das Wasser. Humarie – das lyrische Wort für Wille und Frieden, Aroha – Liebe und Manaaki – Güte und Mitgefühl. Als die IWI, die sogenannten Stammesführer, in ihrer Güte und Mitgefühl alles zu Teilen, von den Europäern einen für sie Mitnutzungs- Pachtvertrag unterschrieben hatten, ahnten sie nicht, dass sie eine Verkaufsunterzeichnung geleistet haben. Alle Versuche und Klagen auf Rückgabe ihres Eigentums sind bis auf 2 % Zusage gescheitert.

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Anna Jessen: Traumfrauen. Petticoat und große Freiheit

Der 1. Teil von Anna Jessens neuem Zweiteiler ist eine Hommage an die Generation Frauen, wie unsere Großmütter und Mütter, die nach dem 2. Weltkrieg durchstarteten und ihren Weg – privat und beruflich –  gingen. Gleichzeitig ist es eine Hommage an den Lebensstil der Hansestadt Hamburg in den 50er Jahren. Es ist eine Verbeugung vor der Emanzipation dieser Frauen und deren Forderung nach Gleichstellung. Wohl wissend, dass sie mehr als nur ihr Wissen und Können einsetzen mussten. „Tricksen und Schummeln“ hat die Protagonistin Klara Paulsen als Kind auf dem Schwarzmarkt gelernt. Und diese „Schule“ erweist sich immer wieder als hilfreich. Anna Jessen schreibt mit Herzblut, ist mittendrin, mehr die Chronistin, als die Autorin Weiterlesen

Martin Walker: Troubadour, Der fünfzehnte Fall für Bruno, Chef de police

Erstaunt reibt man sich als Freund von Bruno Chef de Police von Saint Denise das vorliegenden Buch bereits seinen 15. Fall zu lösen hat. Wie immer spielt der Ort, die Region und die Politik eine nicht unwesentliche Rolle. Diesmal ist es das Verhältnis Frankreichs zu Spanien. Frankreich hat viele Spanier die vor dem Franco Regime geflüchtet sind, aufgenommen. Durch die Trennungsbestrebungen Kataloniens von Spanien wird von dort großer Unmut laut, dass Frankreich eine Folk Band unterstützt die okzitanische Lieder singt, die aus dem Mittelalter stammen und die für Unabhängigkeit und Freiheit stehen. Da hier internationale Politik eine Rolle spielt, sind Geheimdienst, Police Nacional und Gendarmerie gefordert die alle von Bruno unterstützt werden wollen.. Die Kanäle laufen heiß und es kommt wie immer zu einem fulminanten Höhepunkt, den sie sich als Leser nicht entgehen lassen sollten. Weiterlesen

Richter jagen besser, Thorsten Schleif

Wie schön, dass die Reihe um Siggi Buckmann, dem etwas anderen Amtsrichter weitergeht. Mit Richter jagen besser legt Autor Thorsten Schleif, seines Zeichens selbst Amtsrichter und damit Experte auf dem Gebiet, wieder einen spannenden, witzigen und sehr unterhaltsamen Krimi hin. Scheininvestmentfirmen, Russenmafia, durch und durch korrupte Politiker und Justitia, die gar nicht daran denkt blind und damit unparteilich zu sein. Der Selbstmord seines pensionierten Mentors schockierte Siggi und auch seinen Staatsanwaltsfreund Ulli schwer. Schnell finden sie heraus, dass Jochen völlig verschuldet war, etwas dass überhaupt nicht zu dem rechtschaffenden ehemaligen Richter passt. Und dann taucht da auch noch diese Journalistin auf, die sich Buckmann nähert, um einen Artikel über den Tod des Drogenkönigs Ercan Ayaz, den Siggi auf dem Gewissen hat, zu ermitteln. Es wird mal wieder eng an allen Fronten!

Auch mit Teil II der Siggi Buckmann Serie hat Thorsten Schleif sein Talent als Autor bewiesen. Eine Mischung aus Krimi, Komödie, bitterer Wahrheit und menschlichen Verfehlungen. Großartig!

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