Nicolas Barreau: Die Freundin der Braut

Hinter jedem intelligenten Mann steht eine noch clevere Frau. Im Fall von Nicolas Barreau ist es Daniela Thiele. Mit deutscher Gründlichkeit hat sie ihrem Pseudonym nicht nur eine Vita, sondern auch ein Gesicht verpasst. Charmant, jungenhaft lächelt der vermeintliche Barreau in die Kamera. Als „Das Lächeln der Frauen“ erscheint, soll er Anfang 30 sein und nur zu gern hält die Leserschaft ihn für einen unverbesserlichen, französischen Romantiker. Nur Elmar Krekeler, Kritiker bei „Die Welt“ äußert bereits in seiner Rezension zu „Das Lächeln der Frauen“ den Verdacht, dass es sich bei Barreau um ein Pseudonym von Daniela Thiele (*1956) handelt. Allerdings fehlten ihm die letzten Beweise. Weiterlesen

Ben Kindler, Jahreszeitenküche

Angekündigt wird das Buch mit „Nachhaltige Gerichte müssen nicht teuer sein“. Gute erlesene Produkte möglichst aus biologischem Anbau vom Markt oder direkt vom Hof mit den Rezepten von Ben Kindler, einfach – schnell – günstig und familientauglich. Ben Kindlers Einleitung beginnt mit „Liebe Leser:innen“. Hier schreibt er von seiner Kindheit wie er aufgewachsen ist, auf dem Land, vom Landleben, wie Großmutter und Mutter seinen Werdegang geprägt haben, mit dem Garten, der bearbeitet werden musste und wie man jahreszeitlich gesät, angepflanzt und dann geerntet gepflückt, gelesen, entweder gleich verspeist, gekocht oder eingeweckt hat. Die ersten Erdbeeren, dann Himbeeren, Johannisbeeren, Busch- und Stangenbohnen, Gurken, die sauer eingelegt wurden oder die Früchte für den Winter zu Marmelade, Pflaumenmus oder in Weckgläsern eingekocht wurden. Ich kann aus eigener Kindheit das nur bestätigen. Auch wenn ich des Öfteren die Aufgaben im Garten verflucht habe, während die Freunde Fußball spielten, mussten wir Kinder in dem Garten Unkraut jäten oder Ernten. Im Nachhinein bedanke ich mich bei meinen Eltern für die gute Schule, so auch Ben Kindler.

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Carolyn McHugh: Taylor Swift Superstar

Man kann um ihre Musik herumkommen, die Swifties – wie sich ihre Fans nennen – belächeln, über ihre Rekordalben und Grammys mit einem Schulterzucken hinweggehen, sich fragen, warum über eine 34jährige eine Biografie geschrieben wird (und das ist nicht die erste oder einzige Biografie). Aber: die Frau, die laut seriösen US-amerikanischen Journalisten mit einem Wort die Wahlen in Amerika entscheiden kann, sollte man schon einmal genauer unter die Lupe nehmen. Wie Carolyn McHugh. In ihrer inoffiziellen Auseinandersetzung mit der Künstlerin fokussiert sie sich auf die künstlerische Entwicklung und die bisherige Karriere von Taylor Swift, die immerhin schon gute 20 Jahre währt. Während McHugh jeden Song und jedes Album Weiterlesen

Satu Rämö, HILDUR – Das Grab im Eis, Kriminalroman.

Hildur – Das Grab im Eis ist der zweite Teil der Trilogie von Satu Rämö.  Wie man es bei einer Trilogie erwartet, sollte jedes Buch einen eigenständigen Abschluss haben. Daher werde ich auch die einleitenden Worte, zum besseren Verständnis wiederholen, damit auch der- oder diejenige, die mit dem zweiten Teil beginnen, die richtige Einstimmung bekommen.

Atmosphärisch, emotional und mitreißend – Der zweite Fall für Islands wagemutigste Ermittlerin. Island, der zweitgrößte Inselstaat Europas nach Großbritannien. Die größte Vulkaninsel der Welt. Von den Wikingern als Eisland bezeichnet, woraus Island wurde. Das kommt nicht von ungefähr. Island liegt nur knapp unter dem Polarkreis. Die Nähe zum Polarkreis beschert Island ein raues Klima mit langen dunklen Wintern. Die spärliche Vegetation kann nur existieren, weil Island im Golfstrom liegt. Genau hierhin, zu den gerade mal 366 000 Einwohnern, den vielen Schafen und den robusten kleinen Island-Ponys, die dieses Klima ertragen können, hierhin hat es die Finnin Satu Rämö verschlagen. Als Austauschstudentin hat Satu Rämö sich entschieden nach Island zu gehen und ist geblieben. Ihr persönliches Interesse an Sagen und Geschichten hat sie zu Hildur geführt.

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Sophie Bonnet: Provenzalische Flut

Die Fans von Kommissar Durand werden sich freuen, dass der 10. Band von Sophie Bonnets Reihe um den französischen Kommissar endlich erschienen ist und die Leserinnen und Leser, die ihn jetzt erst entdecken, werden sich vielleicht wundern, warum sie Durand noch nicht auf dem Schirm hatten. Mich hat Bonnet schon mit dem Prolog für ihre Story eingenommen. Spannend vom Anfang bis zum Ende, viel Lokalkolorit, was den Gedanken „man-müsste-mal-wieder-nach-Frankreich-reisen“ aufkommen lässt. Ich freue mich mit Pierre und Charlotte, die sich getraut haben und drücke die Daumen, dass sie ihre Flitterwochen genießen können. Wann kommt ein Mord schon gelegen? Für das Opfer wohl nie. Und so richtig passt der Fall auch Weiterlesen

David Grann, Der Untergang der Wager, Eine wahre Geschichte von Schiffbruch, Mord und Meuterei

Meine ersten literarischen Erfahrungen habe ich in meiner Kindheit mit Büchern über Freibeutern, Piraten und Korsaren gemacht. Ich war so begeistert, dass ich selbst unbedingt zur See fahren wollte. Wohlgemerkt, aus Unkenntnis des tatsächlichen Lebens auf so kleinen Schiffen sich den Unbilden des Wetters, der Mannschaft und Kapitänen auszusetzen. Nicht umsonst gab es restriktive Anordnungen auf den Schiffen um jeden Unmut, Widersprüchen bis hin zu Revolten, Meuterei mit dem Tod zu ahnden. Heute würde ich sagen, das hat es auch gebraucht. In meiner weiteren Entwicklung hat mich alles interessiert was mit Expeditionen und Abenteuern zur Erkundung der unbekannten Welt von sehr wagemutigen und tapferen Männern unternommen worden ist. Gut die Erstbesteigung vom Mount Everest von Hillary und seinem Sherpa Tenzing Norway ist im aller Munde. Über die gescheiterten Expeditionen, obwohl sie vielleicht viel mehr Brisant haben, weiß man wenig. Die bekannteste ist wenig bekannt. Am ehesten noch die die Shakelton Expedition, 635 Tage im Eis, von 1914 – 1917. Wer es noch nicht gelesen oder als Hörbuch gehört hat, unbedingt nachholen. Genauso ist dieses Buch. Ich wusste nicht, dass etwas ähnliches 200 Jahre vorher, wohlgemerkt wir schreiben erst die Jahre 1740 bis 1744, schon mal dagewesen ist und bestens über Log- und Tagebücher dokumentiert wurde. Zu der Zeit versuchten die europäischen Länder die neue Welt unter sich aufzuteilen und das hauptsächlich mit militärischen, kriegerischen Mitteln. Portugal und Spanien hatten schon die meisten Länder der neuen Welt für sich okkupiert. England wollte mitmischen und stellt eine Armada zusammen, um die spanische Flotte im Pazifik zu Schaden, aber dafür muss man um das gefährliche Kap Horn, der Südspitze von Südamerika herum. Festgehalten in einem Buch von 400 Seiten in „A Voyage Round the World in the Years 1740 – 1744“.

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Yaniv Iczkovits: Fannys Rache

Yaniv Iczkovits Roman ist wie das pralle Leben und ihn auf ein Genre zu reduzieren, würde diesem Werk nicht gerecht werden. Sicher, es ist ein Historienroman, immerhin spielt er im 19. Jahrhundert. Iczkovits ist sogar präzise: die Geschichte beginnt am 8.2.1894, es ist ein Freitag, und ist in 12 Teile gegliedert mit Angabe des genauen Datums. Die Geschichte ist also im zaristischen Russland Nikolai I. angesiedelt. Die jüdische Bevölkerung leidet unter Diskriminierung und Ausgrenzung und die gesamte Bevölkerung unter Ausbeutung, Denunzierung und den Schergen des Zaren – den Agenten der Ochrana, der Geheimpolizei. Da hätten wir dann den Agententhriller. Sie halten die Menschen in Schach, vermuten hinter jedem Baum einen Spitzel oder Attentäter Weiterlesen

dame & dusa, Anna Taube, dame & dusa (Illustr.):Die kleine Qualle auf der Suche nach dem Poch

Es geht ums Herz, ein Kinderbuch das mindern erklärt wer ein Herz hat und wie es schlägt. Ein nicht leichtes Unterfangen weil Lebewesen verschiedener Herzen und Herztöne haben. Sehr schön sind die Grafiken in denen die kleine Qualle auf die verschiedensten Fische trifft und in deren Lebensumgebungen diese Zusammentreffen stattfinden. Die Bilder sind sehr stimmungsvoll und die Kinder achten sehr wohl auf die verschiedensten Fische. Das Poch übt schon einen Reiz aus zu erkunden woher das pochen kommt. Die Suche auf Grund des Meeres ist spannend. Weiterlesen

Carla Berling: Glück für Wiedereinsteiger

Um „Glück für Wiedereinsteiger“ zu haben, muss man erst einmal aussteigen. Und genau das tun Thea – die auch die Rolle der Ich-Erzählerin innehat – und Ronny, Ehepaar seit 40 Jahren, zwar nicht glücklich, aber zufrieden. Plötzlich, in den Vorbereitungen für ihre Mottoparty zum Jahreswechsel stellen sie fest, dass sie Träume haben, die sie nur verwirklichen können, wenn sie getrennte Wege gehen: Thea zieht es in die Ruhe und Weite Neuseelands, während Ronny sich in das pralle Leben in Paris stürzen will. Nun, erstens kommt es anders, zweitens als die beiden denken. Bei aller Planung ruht kein Segen auf ihren Vorhaben. Oder doch? Wie sagte die Oma immer: Am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende. Weiterlesen

Rebecca F. Kuang: Yellowface

Rebecca F. Kuangs neuer Roman “Yellowface“ wird allgegenwärtig gehypt: Autorenkollegen, Kritiker, Blogger, Verlagsmitarbeitende, überschlagen sich in ihrem Lob für diesen – wie er genannt wird – Krimi, denn die Protagonistin June Hayward ist kriminell. Sie ist eine Diebin. Genau genommen ist sie eine kriminelle, diebische, schreibende Opportunistin. Zugegeben, sie veredelt das Manuskript, das sie ihrer auf tragische Weise verstorbenen Autorenfreundin gestohlen hat fast, und hier liegt die Betonung auf fast, bis zur Unkenntlichkeit. Aber: …wer ein Werk oder die Umgestaltung vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich weitergibt…  begeht eine Straftat nach dem Urheberschutzgesetz §106 und riskiert eine Freiheitsstrafe Weiterlesen