Judith Beier & Nora Imlau: Flieg, Hummelchen, flieg! Ein Mutmachbuch zum Lachen und Trösten Interview mit den Autorinnen

Ein wunderbar gemaltes Bilderbuch Kinderbuch von Lisa Rammensee, das liebevoll die Geschichte einer kranken Hummel zeigt. Umsorgt von Eltern und Geschwistern zeigt die Geschichte den Betrachtern das es Hilfe gibt wenn man krank ist. Auch wenn es lange dauert, muss man an Heilung glauben. Jammern hilft nicht. Auch im Krankenhaus gibt’s Hilfen. Das Buch ist auch von den gereimten Texten für Kinder leicht verständlich. Auch hat der „Experte“ von Vorlesebüchern sofort die Problematik auf dem Buchumschlag erkannt und da er mit Sensor und Insulinschlauch kämpft, kann er nachempfinden wie es dem Hummelchen geht. Den Eltern ist auch bewusst, wie den Hummels im Buch, dass sie kämpfen und stark sein müssen. Das Buch gibt hier Mut. Weiterlesen

Dirk Bernemann: Kalk

Es ist das erste Mal, dass sich Dirk Bernemanns und meine Wege kreuzen. Kaum zu glauben, gehört Bernemann doch zu den ungeheuer fleißigen Schreibern, die immer was zu sagen haben. Seit 2005 hat er immerhin 19 Romane und Kurzgeschichtenbände veröffentlicht. Und nun „Kalk“. „Stefan Kalk“. Kalk für den „in die Enge getriebenen alten weißen Mann“ oder doch eher Kalk, wie ein sehr wichtiges Salz, durch dessen unterschiedliche Verarbeitung, wie etwa Brennen oder Löschen, ein Kalkkreislauf entsteht durch den Kalk in jede gewünschte Form gebracht werden kann.

Also „Kalk“. Auf den ersten Blick ein sehr durchschnittlicher Mann im zweiten Lebensdrittel, dem selten ein zweiter Blick vergönnt ist. Aber das ist die Oberfläche. Wird daran gekratzt, und hört man Kalk zu, überrascht Weiterlesen

Sepia und das Erwachen der Tintenmagie, Theresa Bell

Eine geheimnisvolle Stadt in der Tinte und Bücher das wertvollste Gut sind, ein Waisenkind, das von einem Buchdrucker aufgenommen wird, Geheimnisse und Bleibuchstaben mit einem Eigenleben sind die besten Zutaten, um eine magische Geschichte zu erzählen. Wenn in Flohall Perlnacht ist, die erste Nacht des neuen Jahres, bleiben alle zu Hause, denn es bringt Unglück, in der Nacht auf den Straßen bei den Geistern zu sein. Nur leider wird Sepia ausgerechnet in der Nacht aus dem Waisenhaus abgeholt, um ihren Dienst beim Buchdrucker Silbersilbe aufzunehmen. Auch wenn die älteren Lehrlinge alles andere als nett zu Sepia sind, ist Meister Silbersilbe herzensgut. Und die beiden Lehrlinge des Buchbinders und der Malerin aus Flohall, Niki und Sanzio, werden in kürzester Zeit zu Sepias besten Freunden. So könnte Sepias Leben endlich schön werden, wenn nicht plötzlich ein Anschlag auf ein Café und dann ein Feuer in der Buchdruckerei ihr Leben völlig durcheinanderbringen würden. In dieser Nacht verschwinden die drei Meister und Niki, Sanzio und Sepia bleibt nichts anderes übrig, als nach ihnen zu suchen.

Das Buch ist der hübsche Auftakt einer neuen magischen Reihe, die ganz ähnlich wie bei Harry Potter von mutigen Kindern handelt, die gegen einen übermächtigen Feind kämpfen und ihre eigenen alchimistischen Fähigkeiten dabei entdecken.

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Paulo Coelho, Maktub

Maktub ist ein arabisches Wort, das wörtlich „es ist geschrieben“ bedeutet. Es wird oft verwendet um auszudrücken, dass etwas vorbestimmt oder unvermeidlich ist, ähnlich dem Konzept des Schicksals. „Maktub“ bedeutet, dass Ereignisse des Lebens bereits festgelegt sind. Alles, was passiert hat einen tieferen Sinn, der oft über das menschliche Verständnis hinausgeht. In vielen Kulturen gehört es zu den Religionen, insbesondere im Islam, wo der Glaube an das Schicksal manifestiert ist. Paulo Coelho umschreibt es in seinem Buch auf Seite 29 mit diesen Zeilen: „Maktub“ bedeutet: Es steht geschrieben. Manch ein Araber deutet „Es steht geschrieben“ jedoch anders, denn Gott ist barmherzig und hat, obwohl alles schon geschrieben steht, Seine Feder und Seine Tinte oft nur dazu benutzt, um uns zu helfen.

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Zauberhafte Aussichten, Stella Benson

Stella Benson war definitiv ihrer Zeit weit voraus, sowohl als Schriftstellerin, als Feministin und auch als Mensch, der 1892 geboren wurde. Und das spiegelt sich in dem Buch Zauberhafte Aussichten in jedem Satz. Denn es hat eine abstruse Schönheit, wie man das von Picassos und Dalis Bildern kennt. Es ist gesellschaftskritisch gleich der Achtundsechziger-Bewegung, dabei feministisch wie die Achtziger und dennoch völlig aus der Zeit gefallen. Die Geschichte ist ein wilder Ritt einer Frau in London zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Als Dame in der Gesellschaft, dem Komitee und der Moral verpflichtet, manifestiert man sein Dasein mit Wohltätigkeit. Nur Sarah Brown ist anders, war immer anders und findet ihren Platz nicht. Bis eine Hexe während einer Sitzung des Komitees erscheint und Sarah einlädt, bei ihr zu wohnen.

Viel treffender als es die Daily Mail vor über hundert Jahren zu dem Buch schrieb, vermag ich es auch nicht auszudrücken: ›Alle, die mit Humor etwas anfangen können, alle, die von Schönheit verzückt werden, alle, die Gefallen an Allegorien finden, die uns abwechselnd zu Gelächter und zu Tränen rühren, sollten sich unverzüglich Zauberhafte Aussichten beschaffen.‹

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Film: Chantal im Märchenwald, Jugendfilm von den Machern von Fack ju Göhte

Man sollte schon den Film ›Fack ju Göhte‹ mögen, damit man sich an ›Chantal im Märchenland‹ erfreuen kann. Denn es sind viele der gleichen Charaktere dabei und selbst Elias M’Barek hat einen Gastauftritt. Es geht um Spaß und Humor und um richtig junge Leute, die man vielleicht in meinem Alter nicht mehr so versteht. Aber ganz so sinnfrei ist der Film nun auch nicht. Denn es geht im Großen und Ganzen darum, dass die alten Märchen, die vor hunderten Jahren geschrieben wurden eine ganz andere Gesellschaft repräsentieren. Da gab es den mutigen Ritter, der gegen Drachen kämpfte, die edle Jungfrau, die gerettet werden musste und hatte die Prinzessin ihren Prinzen, war sie wunschlos glücklich, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Das lag dann wohl daran, dass die Gebrüder Grimm die Märchen etwa Ende des achtzehnten Jahrhunderts geschrieben und gesammelt haben. Die Erzählungen von Tausend und einer Nacht wurden sogar Anfang des 18. Jahrhunderts aus dem Arabischen ins Französischen übersetzt. Damals war das Patriarchat und die Heterosexualität die einzig akzeptierte offizielle Lebensweise in Europa und ist es heute in vielen der arabischen Staaten immer noch.

Was also passiert, wenn heutige Handyjunkies, die sowohl multikulti als auch sexuell irgendwie emanzipiert sind und sich eigentlich nur von ihren Follower und den entsprechenden Produktagenturen dominieren und manipulieren lassen, in eine völlig altertümliche Märchenwelt kommen. Das schreit schon nach einigen witzigen Situationen. Und das Chantal eigentlich gar nicht so doof ist, wie sie immer rüberkommt, wissen wir ja schon seit Fack ju Göhte!

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Sabine Bode: Ich will aber Agnetha sein!

Licht aus – Spot an! Die Show beginnt und ich sitze gefühlt in der ersten Reihe. Die Komikerin und Bestsellerautorin hält, was Sabine Bode verspricht. Man merkt, Bode ist ein „alter Hase“. Das Timing – das bekannter Weise darüber entscheidet, ob ein Gag reüssiert oder floppt – stimmt. Wer vermag schon zu sagen, ob bereits alles über diese vier Schweden geschrieben ist. Solange ihre Musik erklingt und die Menschen, mittlerweile die dritte Generation, dazu mit dem Fuß wippen oder gar Tanzen, werden Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid die Fantasie der Menschen beflügeln. Und das tun sie immerhin seit einem halben Jahrhundert! Ich denke, dass jede nächste Generation einen anderen Ansatz hat und andere Aspekte in den Mittelpunkt ihrer Weiterlesen

Philip Khoury: Natürlich vegan backen

Harrods Food Halls sind für Foodies der kulinarische Himmel auf Erden und wenn der Chefpatissier ein veganes Backbuch schreibt, darf man gespannt sein. Und ich wurde nicht enttäuscht. Khoury ist nicht einfach hergegangen und hat Butter durch Margarine ersetzt. Zutat für Zutat kam auf den Prüfstand. Khoury, wie er sagt, wollte natürliche Zutaten verwenden, aber keinen Kompromiss hinsichtlich der Köstlichkeit und Nachhaltigkeit eingehen. Er glaubt fest daran, dass pflanzenbasierte Desserts und Kuchen die Zukunft sind und setzt sich für Tierrechte und Umweltschutz ein.

Und das Ergebnis seiner 3-jährigen Reise von der Idee bis hin zum vorliegenden Buch? Gelungen! Selbstbewusst die elegante, schlichte und dennoch moderne Aufmachung. Einfach zu schade, um im Bücherregal zu verschwinden. Sichtbar Weiterlesen

1983 Verfluchte Hitze, Lukas Holliger

Ironisch, lustig, typisch Schweiz! Ein Kriminalfall durchmixt mit historischen Begebenheiten, wie die Zeitungsausschnitte der Neuen Züricher Zeitung, dem SonntagsBlick und dem Tages-Anzeiger am Ende des Buches belegen.

Sommer 1983, obwohl der Kalte Krieg seine frostigste Zeit erlebt, herrscht ein Jahrhundertsommer. Der Asphalt schmilzt, die aufgeheizten Städte stöhnen bei über fünfunddreißig Grad und die Wälder sind knochentrocken. Kommissär Heiner Glut hat einen neuen Job auf der Polizeistation Spiegelhof in Basel. Doch noch bevor er anfängt, entfacht er einen Waldbrand mit seiner Zigarette, in dem er wahrscheinlich umgekommen wäre, wenn nicht der Grenzschutzbeamte Urs Zeller sich mit ihm in einen Bunker gerettet hätte. So beginnt sein Dienst mit einer Verwarnung, dem Spitznamen Brandstifter und seinem neuen Freund Urs vom Grenzschutz. Als dann auch noch der Mord an einem russischen Hellseher ins Büro flattert, ist die Laune total dahin. Denn wer kann bei der verfluchten Hitze schon ermitteln.

Total witzig, spannend und herrlich demaskierend, wenn es um Verschwörungstheorien geht. Denn selbst bei einem Mordfall an einem Russen in der Schweiz lässt unser Kommissär Politik einfach Politik sein und wählt lieber das Prinzip von Ockhams Rasiermesser: ›Von mehreren möglichen hinreichenden Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen.‹ Leider reagieren Bosse und Politiker auf solche Vereinfachungen immer angefasst, selbst wenn es fast vierzig Grad sind! Ein echtes Lesevergnügen!

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Elisabeth Grindmeyer, Stephanie Haßelbeck: Slow Gardening

Ich bin Küchengärtnerin im zweiten Lehrjahr und noch immer auf der Suche nach einem ultimativen, Rat gebendem Sachbuch für Praktiker. Kurz und knapp, dabei einprägsam, ermutigend und erfolgversprechend, so stelle ich mir das vor. Und so haben es die Schwestern Elisabeth Grindmeyer und Stephanie Haßelbeck geschrieben. Slow Gardening ist ein ganzjähriger Begleiter: vom Saatkorn bis zur Verarbeitung, von der Beet Planung bis zum leckeren Gericht auf dem mit Blumen aus dem Garten geschmückten Tisch. Mit praktischen Hinweisen, übersichtlich gestaltet, tollen, anregenden Fotos und dabei ganz unaufgeregt und entspannt. Dass das Buch jetzt im Herbst erscheint, gereicht ihm nicht zum Nachteil. Im Gegenteil. Nach dem Gartenjahr Weiterlesen