Alle Artikel von Stephan Schwammel

Synke Köhler: Die Entmieteten

Gastrezension: Rolf Meier-Lenz, Berlin

Der Roman handelt von einem vom Abriss bedrohten Mietshaus im Osten Berlins. Die Immobilieneigner treffen auf eine eigenwillige und wehrhafte Haus- und Schicksalsgemeinschaft. In ihrem klugen, spannenden sowie hochaktuellen Debütroman schlägt Synke Köhler eine thematische Brücke von der Vorwendezeit ins moderne, durchgentrifizierte Berlin.

 

 

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Kerstin Ehmer: Die schwarze Fee

Eine Milieustudie die als Kriminalroman oder umgekehrt daherkommt. Mit ausführlicher Recherche im Berlin der 20er Jahre werden wir direkt in die tristen Wohnverhältnisse des Weddings versetzt. Da wo es Gemeinschaftstoiletten auf der Halbetage gab und es ewig nach Kohl und nassen Klamotten riecht. Kinder gibt es zu Hauf und die SPD hat noch die Genossen fest im Griff. Anarchisten aus Russland und Nazis machen ihr zu schaffen. Ein guter Genosse verschwindet und seine Freundin eine angehende Ärztin macht sich auf die Suche. Was in diesem Krimi betroffen macht sind die Schilderungen der viele Fälle von Syphilis. Ein Krimi stark im Ausdruck und in der Schilderung des Milieus. Weiterlesen

Antonio Manzini: Ein kalter Tag im Mai, Rocco Schiavone ermittelt

Es hat schon seine Gründe warum die Romane mit dem schrägen, nicht ganz astreinen Vicequestore Schiavone so erfolgreich sind. Diese liegen in der menschlichen, ach so menschlichen Natur des Protagonisten. Dem italienischen Flair der Umgebung in der die Romane spielen und den Themen die in italienischen Romanen nicht fehlen dürfen: Mafia, Essen und die Liebe. Wer die erste Staffel: Der Kommissar und die Alpen im ZDF gesehen hat, wartet gespannt wann die Fortsetzung kommt. Bislang nur im Bezahlfernsehen.

 

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Helon Habila: Öl auf Wasser

Menschen die Umweltzerstörung hautnah miterleben sind die Menschen die Helon Habila beschreibt. Der sogenannte Fortschritt zerstört Lebensgrundlagen und ganze Gesellschaften. Die Machenschaften von Ölgesellschaften, die mit kriminellen Handlungen einhergehen sind in Nigeria besonders deutlich zu sehen. Das Öl, das ohne große Rücksichtnahme gefördert wird verseucht riesige Gebiete und zerstört Ökologie und Ökonomie. Banden die einen Teil vom Kuchen abhaben wollen setzen der Bevölkerung zusätzlich zu. Der vorliegende Roman gibt dazu tiefe Einblicke. Weiterlesen

Garry Disher: Kaltes Licht

Wenn man wieder in den Polizeidienst in Australien zurück will, scheint man das zu können. Sergeant Alan Auhl hat aber aufgrund seines Alters mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Aber nach und nach erweist sich seine Erfahrung als Segensreich. Auch außerhalb des Dienstes ist er für manche Kolleginnen hilfreich. Ein Jahre altes Skelett, ein ungeklärter Mordfall und vergessene Geheimnisse treiben den alten Fuchs Auhl an die Grenzen. Dass er dabei manchmal auch außerhalb der Legalität wandelt scheint entschuldbar. Weiterlesen

Dennis Lehane: Alles was heilig ist.

Wieder ein Krimi der mit Bostoner Lokalkolorit sehr spannend daherkommt. Das Ermittlerduo fällt von einem Extrem ins Andere. Das schnelle Geld lockt. Wenn ein schwerkranker und sehr reicher Mann um Hilfe bittet und mit 50.000$ winkt werden die zwei doch weich. Sie werden aber bald erkennen müssen, dass der Job lebensgefährlich für sie daher kommt.

 

 

 

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Michael Jensen: Totenland

Ein historischer Kriminalroman der Spitzenklasse. Er vereint mehrere sehr interessante Aspekte in sich. Zum Einen schildert er die letzten Kriegstage und die Opfer die er unter der Zivilbevölkerung angerichtet hat. Zum Zweiten deckt er die psychischen Befindlichkeiten der Opfer und der Täter auf. Der Polizist als Opfer der beiden Kriege in die er gezwungen wurde und die Täter in den Reihen der SS und politisch handelnden. Mitläufertum ist angesagt, nur nicht auffallen und versuchen seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. All das schafft der Autor in bemerkenswerter Weise ohne dabei den Spannungsbogen der Kriminalhandlung zu vergessen. Weiterlesen

Tomi Ungerer: Zeraldas Riese

Ein wunderbar kleines aber feines Büchlein, das für diejenigen ist, die sich ihre kindliche Seele erhalten haben. Dabei ist diese Geschichte eine Parabel die wie schon der gestickte Wandbehang meiner Großmutter gezeigt hat: Liebe vergeht und Kochen besteht. Dabei ist bei Zeralda auch ein glückliches Ende möglich. Als Fazit kann hier festgestellt werden: wer gut ist mordet nicht.

 

 

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Rita Falk: Guglhupfgeschwader

Harte Zeiten für den Eberhofer Franz! Ehrungen stehen an. Ja, für Ihn, den Provinzbullen. !0 jähriges Dienstjubiläum in Niederkaltenkirchen. Der berühmte  Kreisel soll nach ihm benannt werden. Klar ist die ganze Mischpoche der Eberhofers dagegen. Der kiffende Vater, der gescheite Bruder, nur die begnadet kochende Oma, ja mei, ihr Bub ist doch was geworden. Ja wie immer geht’s im Ort drunter und drüber, die Hormone tanzen umeinand das haste noch nicht gesehen. Rita Falk hat sich zu ihrem 10 jährigen wieder ein schriftstellerisches Denkmal gesetzt. Ach ja, und das organisierte Verbrechen hat auch in Niederbayern Fuß gefasst: Weiterlesen

Elke Nansen: Tödliches Campen

Diesmal hat sich die Autorin mit Ihrem spannenden Krimi um drängende bundesdeutsche Themen gekümmert. Natur und Umwelt, Homosexualität in bestimmten Berufsgruppen und organisiertes Verbrechen. Es ist wieder eine brisante Mischung die uns die Autorin hier verabreicht. Da der Norden als touristische Region im Besonderen von Besuchern abhängt stellt sich die Frage ob schöne Gebiete zuzupflastern Sinn macht. Elke Nansen löst diese Frage mit einem mysteriösen Mord. Weiterlesen