Alle Artikel von Stephan Schwammel

Angelo Scerbanenco: Das Mädchen aus Mailand, Duca Lamberti ermittelt

Wie in dem Nachwort dieses Buches zu lesen ist, ist dieser Roman der Türöffner des italienischen Kriminalromans. Er ist sehr spannend weil er auf mehreren Ebenen aufklärerisch wirkt. Da damals als der Roman in den 70er Jahren erschien, Berichte über Prostitution selten waren, führt er eine intellektuelle und eine realistische Diskussion darüber in seiner Handlung. Er spiegelt auch die Gesellschaft Italiens in dieser Zeit treffsicher wider. Der Roman ist für alle Freunde Italiens ein muss, weil er die damaligen sozialen Verhältnisse offen darlegt.

 

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Joachim B. Schmidt: Kalmann

Ein wunderbarer Roman in dem die Natur Islands, der Behinderte namens Kalmann und ein kleines Dorf und ihre Bewohner eine Rolle spielen. Kalmann, der Protagonist läuft mit seiner Ausrüstung, Cowboyhut, Sheriffstern und Mauser Pistole Streife um sein Dorf zu schützen. Er ist Haifänger und Jäger. Die Geschichte wird aus der Sicht Kalmanns erzählt der eine kognitive Behinderung hat, die ihn aber unterscheiden lässt was richtig und falsch ist. Sehr klar und einfühlsam werden uns, den Lesern, die einzelnen Bewohner und ihre Marotten geschildert.

 

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„Warhol. Ein Leben als Kunst – Die Biographie“ von Blake Gropnik

Warhol von Blake Gopnik

Gastbeitrag von Dr. Ulrike Bolte

Bei der akribischen Recherche zu „Warhol“ benutzte Blake Gropnik Interviews mit über 260 Liebhabern, Freunden, Kollegen und Bekannten des Künstlers und die Einsichtnahme in ungefähr 100 000 Zeitdokumente wie Briefe, Tagebücher, Inventare, Nachlässe, Mitschriften, Audio- und Videoaufnahmen von Gesprächen sowie altes Filmmaterial. Innerhalb von sieben Jahren forschte und schrieb der Autor in zahlreichen Archiven, Sammlungen und Forschungseinrichtungen in ganz USA. Gropnik erhielt für dieses Werk den renommieren Pulitzer Preis. Weiterlesen

Harald Lüders: Lass Gott aus dem Spiel, Mitch Bergers dritter Fall

Wenn Geld, Religion und politische Ränke zusammen kommen ist das ein hochexplosives Gemisch. Dieses Gemisch schildert uns der Autor unter Hochspannung. Das Frankfurter Bahnhofsviertel als Schauplatz dieser Aktivitäten ist geradezu ideal. Der Investitionsdruck vom benachbarten Bankenviertel, die Rotlichtkriminalität mit den benachbarten Hinterhofmoscheen und der politische Einfluss der Amerikaner in Frankfurt als ehemaliges Hauptquartier der 5. Armee ist überall brennglasmäßig zu sehen oder zu spüren. Der Hauptdarsteller ist ein neugieriger Journalist und ihn trifft des Amors Pfeil was ihn verwundbar macht. Klasse geschrieben, gut recherchiert ein echter Pageturner. Weiterlesen

Ria Endres: Nordend, Ein Stadtteil wird verkauft

Die Gentrifizierung der deutschen Städte greift um sich. Das merken nicht nur die MieterInnen sondern auch die Menschen die die Innenstädte als Einkaufs-oder Feierstädte nutzen. Das gewohnte Umfeld verändert sich, nicht drastisch schnell aber deutlich merkbar. Diese Veränderungen schildert eine Frau die im Frankfurter Nordend als Mieterin seit Jahrzehnten wohnt und das Haus verkauft werden soll. Häuser in der Umgebung fallen der Spekulation zum Opfer, werden verkauft, saniert und dann weiter mit hohem Profit verkauft. Das vorliegende Buch ist eine Denkschrift die die soziokulturellen Aspekte des Wohnens auch mit dem Bezug zur bundesrepublikanischen Gegenwart beleuchtet. Weiterlesen

Uta Seeburg: Der falsche Preuße

Der Falsche Preuße @HarperCollinsGermany

Eine neue Romanreihe deutet sich an. Ein Preuße der bei der Bayrischen Kriminalpolizei Dienst tut. Ein Kriminalist, ein Feinschmecker und ein aufmerksamer Betrachter seiner Umwelt. So sehen wir durch die Augen des Wilhelm Freiherr von Gryszinski die Stadt München und ihre Bewohner im Jahre 1894. Da die Autorin dieses Meisterwerks wunderbar zu fabulieren weiß wenn es sich um leibliche Genüsse wie Essen und Trinken handelt. Das besondere Objekt der kriminalistischen Beobachtung ist ein undurchsichtiger Preußischer Landsmann der ein großes Haus in München Bogenhausen führt. Der Roman ist ein wunderbares Beispiel eines historischen Kriminalromans. Weiterlesen

Wolfgang Kleinert (Hrsg.), Dieter Schwalm (Hrsg.), Antje Haubner (Hrsg.): Beste Bilder

Ein Jahresrückblick auf dieses Jahr das man am Besten vergessen lassen möchte ist nicht leicht. Es soll auch lustig sein? Was man daraus zaubern kann haben Deutschlands Beste Cartoonisten in diesem Werk gezeigt. Ich sag es aufs Neue: Der beste Jahresrückblick den man für Geld kaufen kann.

Einfach so weitermachen wie bisher? Das läuft 2020 nicht. Die Welt ist von einem kleinen Virus aus den Angeln gehoben und wir leben in einer Welt und unter Bedingungen, die wir letztes Jahr für ein ganz schlechtes Dehbuch einer Hollywood-Dystopie gehalten hätten. Weiterlesen

Veit Etzold: Final Control

Ein herausragend gut recherchierter Kriminalroman, der die Informations- und Währungsmethoden beleuchtet. Wer wissen will was es bedeutet ohne Kontrolle überwacht zu werden, wird hier am Beispiel Chinas fündig. Mechanismen wie der Staat durch kleine Gaben Wohlverhalten und Kontrolle erhält, wird glaubhaft vermittelt. Welche Währungsmechanismen wie greifen und wie man damit richtig viel Geld verdient, wird am Beispiel des Stabilisierungspakt der EU aufgezeigt. Ein realistischer Krimi mit sehr vielen Hintergrundinformationen den man schwer aus der Hand legen kann. Er zeigt aber auf wo wir in Europa stehen und wo es noch großer Anstrengung bedarf unser Lebensniveau zu halten. Weiterlesen

Martin Calsow: Quercher und der Totengraben

Was wäre wenn es ein Mittel gegen Demenz gäbe? Pharmafirmen würden Milliarden geben um es in die Hand zu bekommen. Genau um diese Frage geht es in diesem Krimi. Dabei drängt sich die Frage auf, sind die Abläufe nicht gleich wenn es um die Herstellung eines Impfstoffes gegen Covid – 19 geht? Deswegen ist der gut geschriebene Roman so spannend weil er hervorragend mit dem Ambiente der herrlichen Gegen des Tegernsees korrespondiert. Wasser als Lebensmittel steht hier zwar nicht im Mittelpunkt spielt aber insofern eine wichtige Rolle, weil es sehr beschützens wert ist.

 

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Philipp Gurt: Helvetia 1949

Das Buch zeigt eine Schweiz die sich völlig von der jetzigen unterscheidet. 1947 ist die Schweiz, auch gebeutelt durch den 2. Weltkrieg, ein Land das technisch relativ rückständig ist. Es gibt in der Schweiz eine halbe Million Telefone und Autos sind eine seltenheit. Die Rückständigkeut zeigt sich bei diesem Kriminalroman durch die Ermittlungstechnik. Man kennt zwar neuerdings die Fingerabdrucktechnik aber sie ist nicht unumstritten. Sehr gut beschreibt der Autor die Ermittler. Neben dem bodenständigen Landjäger Caminada, der von Rechtschreibschwäche gequält ist, hat er einen pfiffigen jungen technisch versierten Erkennungsbeamten gestellt. Es ist schon nett zu lesen wenn sich die Beiden mit Ihren Velotöfflis die Berge hochquälen, weil keine Motorräder aus Geldnot beschafft werden können. Die schweizerischen Begriffe sind lustig zu lesen. Weiterlesen