Alle Artikel von Stephan Schwammel

Titus Müller: Die fremde Spionin

Die fremde Spionin von Titus Mueller

Die deutsche Nachkriegszeit, besonders im Brennpunkt der viergeteilten Stadt Berlin, ist heute fast in Vergessenheit geraten. Unmenschlichkeit ist in allen Sektorengrenzen durch den kalten Krieg an der Tagesordnung. Da werden Kinder den Eltern entzogen und zu staatstreuen Bürgern erzogen, die man dann gegen den Feind einsetzt kann. Menschen werden instrumentalisiert um dem jeweiligen System Vorteile zu verschaffen oder auch propagandistisch auszuwerten. Titus Müller, der Autor, versteht es diese Stimmung wieder aufleben zu lassen. Die Methoden der politischen Systeme haben sich deutlich verfeinert aber in ihren Auswirkungen sind sie genauso brutal wie in den fünfziger Jahren. Das vorliegende Buch ist eines von drei Büchern dieses Autoren, der diese Zeit mit all ihren Protagonisten die den älteren unter den Lesern noch bekannt sein dürften, beleuchtet. Weiterlesen

Oliver Pötzsch: Das Buch des Totengräbers, Ein Fall für Leopold von Herzfeldt

Es gibt es tatsächlich, das Buch des Totengräbers. Es hieß Almanach für Totengräber und hat bahnbrechende Erkenntnisse über die Stadien der Verwesung bei Toten aufgeschrieben. Es wurden auch Teile aus dem Handbuch der medizinischen Polizei von 1848 aufgenommen. Diese Erkenntnisse gelten heute noch in der Forensik. Der Autor hat diese Versatzstücke manchen Kapiteln voraus gestellt und zum Anlass genommen, einen fiktiven Kriminalfall zu entwickeln. Es gelingt ihm die morbide Umgebung, nämlich dem Wiener Hauptfriedhof und seinen über zwei Millionengräbern hautnah zu schildern. Auch die judenfeindliche Atmosphäre in der Vielvölkerstadt wird recht deutlich geschildert. Durch die wirtschaftlichen Verhältnisse entsteht eine große Kluft zwischen Arm und Reich und damit einhergehend die Vorstellung der reichen Menschen die absolute Macht über den anderen Teil, den größeren Teil, zu besitzen. In der Figur des Ermittlers der eine Affinität zu neueren Techniken, wie der Fotografie, hat, ist dem Autor ein Sympathieträger gelungen. Weiterlesen

Elisabeth Herrmann: Zartbittertod

In der deutschen Geschichte, gab es auch eine Zeit des Kolonialismus. Das Kaiserreich hat im heutigen Namibia einheimische Völker vom Stamm der Hereros aus deren vertrieben. Es ging um die Ansiedlung von deutschen Farmern. Jahrelang führte Auseinandersetzungen führten nun dazu dass die Bundesrepublik Deutschland diesen Genozid als Völkermord anerkannt hat und bereit ist, Entschädigungen zu zahlen. Die Autorin hat diese Geschichte recherchiert und sie fiktiv mit zwei Familien verknüpft. Die Enkelin, der ein Bild in der elterlichen Chocolaterie aufgefallen ist, auf der ein kleiner schwarzer Junge neben einem großen Schokoladennashorn abgebildet ist, stellte Fragen dazu. Die dazu gehörige Geschichte bildet den fiktiven Rahmen des Romans, der spannend und gut zu lesen ist. Weiterlesen

Philip Gwynne Jones: Das venezianische Spiel

Den Älteren unter uns Lesern ist sicherlich noch die englische Fernsehkrimiserie „Mit Schirm, Charme und Melone“ bekannt. Damals als es nur 2 Fernsehsender gab, ARD und ZDF, waren die Sendungen Straßenfeger: Wie der Titel schon sagt „Mit Schirm, Charme und Melone“ verkörperte Steed der Hauptprotagonist eine Detektivrolle immer gut gekleidet, mit Melone und einem Schirm. Seine Partnerin Emma, sah nicht nur gut aus, sondern brachte den Charme, den Esprit in die Serie. Als ich das Cover von diesem Buch las „Das venezianische Spiel“ – „Britischer Gentleman – Charme und italienische Dolce Vita“ habe sofort an die Krimiserie gedacht und auch einiges in der Hauptfigur von Philip Gwynne Jones wieder gefunden. Weiterlesen

Sabine Hofmann: Trümmerland

Wenn man Nachrichten schaut, und die Zerstörung von Städten, Häusern und Straßen sieht ist man betroffen. Zusammen mit diesem vorliegenden Roman kann man aber erahnen was die Menschen die dort gelebt haben oder leben durchmachen müssen. Es wird nachvollziehbar was man aus wenig machen kann und zu was es Menschen zwingt um ihr Überleben zu ermöglichen. Schwarzhandel, Lug und Betrug sind an der Tagesordnung. Im Fall des Nachkriegsdeutschland kommt noch hinzu, dass das zwischenmenschliche Verhältnis extrem zerstört ist. Niemand traut einander und man ist von denen, denen man getraut hat enttäuscht. Der vorliegende Roman ist auch die Schilderung des Lebens unserer Großväter. Weiterlesen

Marc Elsberg: Der Fall des Präsidenten

Ein politischer Thriller der in vielfacher Weise aus dem üblichen Genre herausragt. Er ist top aktuell und er ist in außergewöhnlicher Weise gut recherchiert. Das Werk führt uns intensiv vor Augen, wie sich die Supermächte Amerika, China und Russland außerhalb der regulären Rechtsprechung als unantastbar für Verbrechen von deren Bürger halten. Sie, die Supermächte, halten die Zuständigkeit des Internationalen Strafgerichtshof für nicht gegeben. Für Amerika gilt, das der Präsident jegliche Mittel einsetzen kann, um amerikanische Bürger aus der Haft von Staaten die den Strafgerichtshof anerkennen, zu befreien. Das Buch schildert außerdem ausführlich welche Mittel zur Desinformation der Bevölkerung und Repressalien eingesetzt werden um Nationen willfährig zu machen. Insgesamt kann gesagt werden dass das Buch sehr realistisch ist. Es lässt die Dinge die zur Zeit geschehen in einem anderen realistischeren Bild erscheinen. Weiterlesen

Helene Sommerfeld: Das Leben, ein ewiger Traum

Ein Roman, der tief bewegt. In einer Großstadt wie Berlin am Anfang der Zwanzigerjahre sammeln sich viele Menschen hier ein Leben führen und Überleben wollen. Jede/r auf seine Art und Weise und jeder nach seinem Können. Was aber zutiefst in diesem Roman bewegt, ist das Schicksal von Kindern. Es sind mehr 100.000 Kinder die obdachlos und ohne Erziehung auf den Straßen zu finden sind. Sie sind und werden auf die vielfachste Weise ausgebeutet. Die Sozialsysteme sind nicht in der Lage deren Situation zu verbessern. Hier bringt das Autorenduo Polizeiärztin, Pflegerinnen und andere Institutionen ins Spiel. Wenn kriminelle Kinder als Handelsware nutzen ist der Tiefpunkt der Kriminalität erreicht. Das Buch beleuchtet aber auch die gesellschaftliche Situation von Frauen die Emanzipation anstreben. Weiterlesen

Martin Walker: Französisches Roulette, Der dreizehnte Fall für Bruno, Chef de police

Was hat der Tod eines Schafzüchters im Périgord dem Ukrainekonflikt gemeinsam. Diese literarische Schere schließt Martin Walker in bekannt raffinierter Weise. Dabei bringt er natürlich wieder Gerichte und Landschaft des Périgord werbewirksam mit ins Spiel. Wie immer lässt Walker seinen Helden „Bruno Chef de Police“ ein paar Gerichte kochen und macht damit der Leserschaft den Mund wässrig. Auch in diesem Roman des schottischen Schriftstellers, hat der Held es mit internationalen Verbrechern zu tun und muss auf sein regionales Netzwerk zurückgreifen das vom Bürgermeister angefangen hin zu Restaurantbesitzern geht. Nebenbei erklärt uns der Autor die Hintergründe des Konflikts der Ukraine mit Russland. Weiterlesen

Clemens Murath: Der Libanese

Der Kriminalroman ist ein echter Hard Boild Roman der mit Sicherheit sehr gut zu verfilmen ist. Ich stelle mir in der Hauptrolle Til Schweiger vor, wie er als Kriminalkommissar der nicht immer auf regelkonformen Wegen wandelt und die Berliner Unterwelt krachend umgedreht. Dabei legt er schon mal die Samthandschuhe ab und wendet Tricks an, die zwar ein wenig Realismus fern aber dafür gut zu lesen sind. Der Autor lässt auch kein genrespezifisches Mittel aus. Von Clankriminalität, Unterschlagung von Asservaten und Drogengeldern bis hin zur psychologischen Untermauerung von S/M Praktiken ist alles vorhanden was einen rasanten, actionreichen Kriminalroman ausmacht. Unterhaltung ist garantiert und wie wir lesen können, wird dieses Buch auch eine Fortsetzung erfahren. Weiterlesen

Yanis Kostas: Der Schatz von Bellapais

Bellapais ist der Name einer Klosteranlage auf Zypern und zwar auf der türkischen Seite der Insel. Das ist das Besondere an diesem Buch, das die sehr wechselvolle jüngere Geschichte der Insel geschildert wird. Wir Deutschen können ein Lied davon singen was eine Teilung mit einer Nation macht Die Zyprioten müssen diese Teilung noch weiter erdulden. Durch die militärische Besetzung der nördlichen Insel wurden in der Bevölkerung tiefe Wunden geschlagen die bis heute zum Teil nicht ausgeheilt sind. Das macht dieses Buch neben der spannenden Kriminalstory und der Schilderung der kulinarischen Eigenheiten zu einem Lesegenuss. Der Autor versteht es auch die Schönheiten seiner Insel zu vermitteln. Man merkt aber doch, dass die Teilung besonders von den griechischen Zyprioten nicht hingenommen wird und es auch den Behörden beider Seiten schwer fällt bei besonderen Anlässen zusammenzuarbeiten. Außerdem spielt die Liebe und Hochzeitsvorbereitungen in diesem Buch eine große Rolle. Weiterlesen