Alle Artikel von Elke Rossmann

Tochter des Geldes, Eveline Hasler

Vor dem Ersten Weltkrieg geboren, wächst Mentona Moser in einem unglaublich reichen Haushalt auf. Nichts Geringeres als ein Schloss am Zürichsee musste es für ihre Mutter sein, die junge Witwe des Uhrenfabrikanten. Doch trotz all des Geldes ist die Kindheit mit ihrer Schwester Fanny alles anderer als glücklich. Die Mutter eine harte, unnachgiebige Frau reißt jeden lieb gewonnenen Menschen aus dem Leben ihrer Töchter. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie ihre Tochter Mentona verabscheut. Doch das bodenständige Fräulein findet Trost in der Natur und daran, benachteiligten Menschen zu helfen. So entdeckt sie ihre Profession in den Elendsvierteln von London, bis das Schicksal sie selbst ans Hungertuch bringt. Daraus erwächst ihr Wunsch für soziale Gerechtigkeit. Als Gründungsmitglied der kommunistischen Partei in der Schweiz wird ihr unbeugsames Leben als Feministin und Revolutionärin erzählt.

Eine spannende, gut erzählte Lebensgeschichte, die Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts sowohl aus der Sicht einer Frau als auch einer Kommunistin alles anderer als gewöhnlich.  Weiterlesen

Milchstraße, Alexandre Hmine

Unverheiratet, viel zu jung und schwanger. Sie kann nicht in Marokko bleiben und geht in die Schweiz. Dort wird ihr Sohn der Icherzähler geboren. Er wächst auf bei der alten Witwe Elvezia, in einem kleinen Bauerndorf. Sie spricht Dialekt und klappert mit ihren Holzschuhen durchs Haus. Von ihr bekommt er Geborgenheit, heiße Schokolade und ein Zuhause. Erst als seine Mutter ihn mit zu seiner Familie nach Marokko nimmt, wird es sich des Zwiespalts und seiner Wurzellosigkeit bewusst. Plötzlich soll er Arabisch lernen und darf am Religionsunterricht nicht mehr teilnehmen. Zwischen zwei Welten verliert sich der Jugendliche und sucht seinen Platz. Alexander Hmines Schreibstil wirkt wie Momentaufnahmen, die kurz eine Szene ausleuchten, um dann zur Nächsten zu springen. Es liest sich eher wie ein Drehbuch, doch genau diese Art zu erzählen, fängt den Zwiespalt des Jungen auf. So hin- und hergerissen, wie er ist, beschreibt er sein Leben. Für den Leser gewöhnungsbedürftig, doch genial.

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Wedding sehen und sterben, Heiko Werning

Man muss nicht unbedingt ein Berlinfan sein, um die Geschichten von Heiko Werning aus dem Wedding zu lieben. Der Autor ist ein grandioser Beobachter und erzählt seine Anekdoten mit so viel Witz und Herz, dass man das Buch gar nicht aus der Hand legen möchte. Seine Weddinger Mitmenschen sind liebevoll beschrieben und zum Schreien komisch, sodass man sich fast wünscht, ein Teil von ihnen zu werden. Obwohl er kein Blatt vor den Mund nimmt, ist Heiko Werning nie spöttisch oder gar sarkastisch. Er ist einfach nur ein unglaublich begabter, netter und witziger Beobachter.

Wenn Vladimir Kaminer gekonnt voller Humor über seine russischen Mitbewohner erzählt, kann Heiko Werning mit seinen Geschichten über die Weddinger Originale definitiv mithalten. Kein Wunder, dass auch Frank Goosen von ihm sagt: »Das ist so witzig und genau beobachtet, dass man es gerne selbst geschrieben hätte.«

Ein Buch, das viel Spaß macht und einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert!

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Wie geht Politik? Spannende Antworten auf echte Kinderfragen. Ab 9 Jahre

„Du sag mal, wie geht Politik?“, wenn man das von einem Kind gefragt wird, kann es schwierig werden. Wie erklärt man Politik? Da kommt man dann vom Hundertsten ins Tausendste. Bundeskanzler, Bundespräsident, Organe, Demokratie, Parteien, Wahlen, die EU und was haben Kinder damit zu tun, oder auch nicht? Und wenn man all die Antworten hat, kann man es einem Kind vermitteln, ohne dass es nach der ersten Erklärung abwinkt und gelangweilt ist? Dabei ist es doch so wichtig, dass Kinder gerade auf diese Frage eine gute Antwort bekommen.

Alles andere als langweilig erklärt das Buch „Wie geht Politik“ für Kinder ab 9 Jahre dieses Thema. Spannende Antworten auf echte Kinderfragen. Für ein Kindersachbuch bekommt es von mir das Prädikat: sehr wertvoll.

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Talión, Santiago Díaz

Talion – Die Gerechte von Santiago Diaz

Marta ist eine sehr spezielle Frau, eine erfolgreiche, mutige Journalistin, die selbst Waffenhändlern trotzt. Dabei hübsch, sexy und etwas gefühlskalt in ihren Beziehungen. Als ihr zwei Tage lang etwas schwindelig ist, denkt sie schwanger zu sein, doch der Schnelltest ist negativ. So sucht sie eher nebenbei einen Arzt auf, der ein CT machen lässt. Zur gleichen Zeit wird ein kleines Mädchen in Madrid aus einem Vorgarten entführt und wenig später vergewaltigt und ermordet aufgefunden. Man verhaftet den vorbestraften Jonás Bustos, da er in der Nähe des Mädchens gesehen wurde. Man kann ihm jedoch nichts nachweisen. Am Tag seiner Entlassung erfährt Marta Aguilera, dass sie einen Gehirntumor hat und nur noch acht Wochen zu leben. Sie muss jetzt das Beste aus der noch verbleibenden Zeit machen. Und dann wird der Mörder des kleinen Mädchens plötzlich selbst bestialisch getötet. Ein sehr spannender Thriller der mit leisen Tönen anfängt und sich dann zu einem Racheblutrausch entwickelt. Bei den bösen Buben, denen es dann an die Wäsche geht, spürte selbst ich eine gewisse Befriedigung. Nichts für schwache Nerven!

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Sechs Tage im Herbst, Bernd Ohm

Der Roman ist von Anfang bis Ende eine rasante Achterbahnfahrt. Als auf den so unbescholtenen zweifachen Familienvater Henning während eines Abendessens geschossen wird, sind alle ratlos. Wem galt das missglückte Attentat, ihm, seinem Freund Kai, seiner Frau? Auch die Polizei kann kein Licht ins Dunkel bringen. Doch Henning, der IT-Spezialist, hat eine Ahnung. Denn es gab einmal eine Zeit in seinem Leben, von der niemand in seiner Familie weiß. Und als er die Handvoll Menschen im Internet sucht, die eingeweiht sind, dass sein Deckname Little Crow war, findet er nur Todesanzeigen. Drogentod, Autounfall und all das erst vor Kurzem. Jemand ist hinter ihnen her, der Gruppe, die vor vielen Jahren einmal die RAF unterstützte und für kurze Zeit Teil der Familie war. Henning bleibt nichts anderes übrig, als die Attentäter zu suchen, denn es gibt niemanden, den er um Hilfe bitten könnte. Der Gejagte wird zum Jäger.

Atemlose Spannung mit richtig guter Aufarbeitung der damaligen politischen Verhältnisse. Ein unglaublich unterhaltsamer Thriller, nachdem man sagt: So hätte es sein können!

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Hillary, Curtis Sittenfeld

Hillary von Curtis Sittenfeld

Auf dem Cover ein Originalfoto von Hillary Clinton geb. Rodham als ganz junge Frau. Der Titel: Hillary. Und schon hat man im Kopf, dass es eine wahre Geschichte ist. Aber weit gefehlt, es ist ein fiktiver Roman über Hillary Clinton und auch Bill Clinton, den sie in dieser Geschichte nicht heiratet. Es ist ein Roman über eine sehr ehrgeizige junge Frau, die für das größte Amt ihres Lebens, die Präsidentschaft der USA, alles gibt. Sie heiratet Bill nicht und akzeptiert Trumps Unterstützung, der wenigstens in diesem Buch wegen Steuerhinterziehung vor Gericht muss. Stilistisch ist der Roman ein Sahnestück, daher frage ich mich ernsthaft, warum so eine halbwahre Geschichte ersonnen wurde? Auch wenn der Roman sehr unterhaltsam ist, musste ich mich immer wieder daran erinnern, dass es keine wahre Geschichte ist. Dennoch lohnt es sich, das Buch zu lesen. Genießen Sie die Geschichte einfach als reine Fiktion und schon ist es ein wunderbarer Roman.

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Blutnebel, Thriller, Thomas Enger, Jørn Lier Horst, Serie aus Norwegen

Blutnebel von Thomas Enger

Blutnebel ist der zweite Band aus der norwegischen Serie um die Reporterin Emma Ramm und dem Kriminalhauptkommissar Alexander Blix. Was wie ein Terroranschlag in der Silvesternacht am Osloer Rathauskai anmutet, entpuppt sich als etwas völlig anderes. Die beiden Freunde Ramm und Blix, die zwar nicht direkt zusammenarbeiten, sich aber immer mit Informationen auf dem Laufenden halten und dadurch so erfolgreich sind, stehen plötzlich einem sehr alten und perfiden Fall gegenüber. Denn die Frau, die Blix aus dem Eiswasser des Hafens rettet, ist die Mutter, der vor zehn Jahren gekidnappten zweijährigen Patricia. Das Kind tauchte nie wieder auf und jetzt kämpft auch ihre Mutter Ruth-Kristine mit ihrem Leben. Aber auch Emma steht unter Schock, denn sie war vor Ort, als die Bombe hochging. Doch das ist noch nicht alles …

Ein dunkles Geheimnis, Rache, Zorn und Skrupellosigkeit zeichnen diese Geschichte aus. Man merkt, dass zwei Experten den Thriller geschrieben haben. Denn Thomas Enger war selbst Reporter und Jørn Lier Horst bei der Kriminalpolizei in Norwegen. Die Kriminalgeschichte ist solide, spannend und ich werde mir auf jeden Fall dann mal den ersten Band „Blutzahl“ besorgen.

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Rachekult, Frederic Hecker, Frankfurt-Thriller

Rachekult von Frederic Hecker

Es ist bereits der zweite Teil der Frankfurter Ermittler. Joachim Fuchs, Hauptkommissar und ehemaliges SEK-Mitglied und der Profilerin, besser gesagt der Fallanalystin Lara Schuhmann. Man merkt sofort, dass Frederic Hecker sich sowohl in Frankfurt als auch Offenbach auskennt und jede Menge rechtsmedizinischen Hintergrund hat.

Im zweiten Fall des Ermittlerduos geht es um Serienmorde, die in den eigenen Reihen für Unruhe sorgen. Ein Polizist, ein ehemaliger Polizeipräsident und dann noch ein guter Freund von Hauptkommissar Fuchs. Wo die Verbindung liegt, ist schwer auszumachen, bis das ehemalige RAF Mitglied Marlies Bonkert nach Jahrzenten aus dem Gefängnis entlassen wird.

Spannender Thriller mit erstaunlichem Lokalkolorit, was ich in Eschborn ansässig, nur bestätigen kann. Rechtsmedizinisch richtig interessant und gut geschrieben. Für jeden Thriller-Fan ein Genuss. Weiterlesen

Film: Regel am Band, bei hoher Geschwindigkeit, DVD und Blu-Ray

Ein wichtiger Film! Noch immer, auch wenn es gerade in der Fleischindustrie ein AUS für Werksverträge gab. Dennoch ist nach Angaben der Gewerkschaft noch viel zu tun. Besonders, was die Wohnungssituation der Angestellten, meist osteuropäischen Mitarbeiter, angeht. Immer noch leben bis zu sechs Arbeiter in einer Dreizimmerwohnung und zahlen jeder bis zu 200 Euro dafür (gemäß Labour Net vom April 2021). Und es ist fraglich, ob man den Fokus auf die Fleischindustrie gerichtete hätte, wäre Corona nicht so erheblich in 2020 bei Tönnies aufgetreten.

Dieser Film ist nicht an Effekthascherei interessiert. Er berichtet langsam und ruhig, ohne gruselige Bilder von der Schlachtbank zeigen zu müssen. Er erzählt Schicksale von Menschen, die bei Tönnies arbeiten und gearbeitet haben. Von den Abhängigkeiten der Ärmsten aus Rumänien und Bulgarien. Alles, was man sieht und hört, erinnert an Sklavenarbeit, die für den Fluch von Niedrigpreisen in Discountern, vom Konsumenten einfach ignoriert wird. Nur damit das Billigsteak auf dem Grill vor sich her brutzeln kann? Wirklich? Wollt ihr das, liebe Konsumenten? Na, dann guten Appetit!

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