Alle Artikel von Elke Rossmann

Matti wird ein kleiner Strolch, Aktion Kinderheim: Kleine Strolche, Kinderbuch

Das Wort Kinderheim ist vor allem mit negativen Vorstellungen behaftet. In den meisten Geschichten ist es ein düsterer Ort und mit Angst besetzt. Trotz aller Aufklärung, haftete auch bei uns Erwachsenen immer noch ein gewisses Oliver Twist Klischee oder ein schlimmeres Bild für diesem Ort: Dem Kinderheim!

Wie solle es dann erst den Zwergen gehen, die in ein Kinderheim müssen. Viele von ihnen sind kaum drei Jahre alt. Diese Situation ist leider keine Ausnahme, jährlich werden in Deutschland 45.000 Kinder vorübergehend in Obhut genommen. So war es dem Kinderheim Kleine Strolche, dem Kinderbuchauto Ingo Siegner (der Vater vom kleinen Drachen Kokosnuss) und dem cbj Verlag ein Anliegen, den Kindern in einer solch schwierigen Situation zu helfen.

In dem kleinen Pixibuch, Matti wird ein kleiner Strolch, geht es darum den Kleinsten die Angst zu nehmen. So erklärt der glückliche Ritter dem kleinen Matti, dass er selbst einmal sehr traurig und alleine war, bis er ins Kinderheim Kleinen Strolche kam.

Mittlerweile wurde das Pixibuch bundesweit an alle Jugendämter verschickt, damit den Kindern auf ihrem Weg ins Heim daraus vorgelesen wird. Wenn Sie ebenfalls diese gute Sache fördern möchten, dann bestellen Sie sich das Büchlein oder denken Sie sogar über eine weitere Unterstützung nach. Alle Informationen über die Webseite der Kleinen Strolche finden Sie am Ende des Beitrags.

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Urmel aus dem Eis, Max Kruse, Das Original neu illustriert

Ganze Generationen haben vor der Augsburger Puppenkiste gesessen und das Urmeli verfolgt, wenn es von dem tleinen Tintlein gesungen hat, dass doch schöne Sachen sehen muss. Wer erinnert sich nicht an Mama Wutz, Wawa und Ping mit ihren herrlichen Sprachfehlern oder an den Gesang des Seele-Fants. Das erste Mal flimmerte das Urmel 1969 über die damaligen zum Teil noch Schwarz-Weiß-Kisten und wurde sehr zur Freude der kleinen und großen Kinder immer wiederholt. Doch das 1975 entstandene Buch von Max Kruse, war mir nicht so bekannt. Umso schöner ist es, dass der Thienemann Verlag in 2021 eine Neuauflage des Kinderbuchs von Max Kruse herausgebracht hat. Die gleiche herrliche Geschichte mit neuen wunderbaren Bildern von Günther Jakobs.

So lernt eine weitere Generation das Urmel aus dem Eis kennen. Und wenn das Buch gelesen ist, schaut man sich das Urmel der Augsburger Puppenkiste an. Denn das Lied von den »tleinen Tintlein«, gibt es nur dort zu hören! Weiterlesen

Back dich um die Welt, Christian Hümbs

Mit der zweiten Überschrift, neunzig süße Rezepte gegen Fernweh, hatte der Autor und Patissier Christian Hümbs gleich einen Nerv bei mir getroffen. Denn wer Fernweh kennt, hat in den letzten zwei Jahren noch mehr darunter gelitten. Warum dann nicht mal in die Küche, ein Rezept aus dem Land wählen, das man besonders mag oder in das man gerne gefahren wäre und drauflos backen. Ob die vom Honig süßen schweren Kuchen aus Russland oder die an Gewürzen reiche Backwaren aus Indien, schmecken, werden sie alle. Da wir alle viel rumgekommen oder wenigstens kulinarisch ein großes Repertoire haben, sind besonders Rezepte aus Japan, Australien, Schweden und Australien interessant. Auf geht’s, nehmen sie die Kuchenformen in die Hand und backen Sie sich einmal um die Welt.

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Der kalte Glanz der Newa, Ben Creed

So mancher Fan der historischen russischen Thriller-Serie hatte wahrscheinlich Tränen in den Augen, als Pekkala der Sonderermittler des Zaren und Stalin sich verabschiedete. Das Lebwohl nach sieben fantastischen Bänden war schwer.

Doch dann kommt plötzlich Leutnant Revol Rossel von der Leningrader Miliz daher in dem brandneuen Thriller von Ben Creed: Der kalte Glanz der Newa. Schauplatz ist Leningrad im Jahr 1951. Stalins Macht, die grenzenlose Willkür des Ministeriums für Staatssicherheit (MGB) und die allgegenwärtige Bedrohung zu Recht oder Unrecht denunziert zu werden, schwebt wie ein Damoklesschwert über jeden Genossen und jeder Genossin. Auch Leutnant Rossel fühlt sich bereits wieder mit einem Fuß im Gefängnis, als er zu fünf verstümmelten Leichen auf den Bahnschienen am Ladogasee gerufen wird. Denn im Paradies gibt es keinen Mord und wer die Wahrheit rausfinden will, bezahlt dafür.

Von Leutnant Revol Rossel werden wir hoffentlich noch viel hören. Denn der Auftakt der neuen Serie ist einfach nur genial. Ein cleverer Thriller aus der Stalinzeit, der so realistisch anmutet wie ein historisches Zeugnis und durch musikalischen Sachverstand brilliert. Nicht nur für Pekkala Fans ein Muss!

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Weihnachten im Zauberwald, Autor Erich Heinemann, illustriert von Fritz Baumgarten, Kinderbuch ab 5 Jahre

Da geht jedem Kind aber auch den Eltern und Großeltern das Herz auf. Denn dieser Kinderbuchklassiker von 1956, den vielleicht die Omas und Opas als Kinder bestaunt haben, wurde neu aufgelegt. Ein bezauberndes kleines Märchenbuch über einen kleinen Waisenjungen, der Weihnachten bei den Wichteln im Zauberwald verbringt. Definitiv ein Buch zum Vorlesen, denn hier und da tauchen Wörter auf, die ihre Kleinsten bestimmt nicht kennen, weil sie altes Deutsch sind, wie Füllen, Besenbinder und Reisigsammler. Aber wie schön ist es dann, ihren Kindern die Worte zu erklären. Bei den Illustrationen ging mit persönlich das Herz auf. Denn es sind die Wichtel meiner Kindheit, die in dem Buch so liebevoll gezeichnet sind. Die kleinen Männchen, die zur Weihnachtszeit immer zu finden waren, aber auch auf Glanzbildern ein Poesiealbum schmückten. Darum schwelgen Sie in Erinnerungen und machen sie Ihre Kleinsten mit den Wichteln des Zauberwaldes bekannt. Ein ideales Nikolausgeschenk oder für den selbst gemachten Adventkalender.

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Wenn wir heimkehren, Andrea Heuser

Wenn wir heimkehren, ist ein leises, zärtlich geschriebenes Buch, das man jedoch stellenweise nur schwer ertragen kann. Denn die Schicksale von Margot, Fred, Willi, aber auch Mathilde und Agnes sind herzergreifend. Unfähig mit ihren Situationen umzugehen, kann man sie doch so gut verstehen. Denn in der Geschichte passiert jungen Menschen, Kindern etwas, dass nicht unbedingt nur mit Bosheit anderer Leute zu tun hat. Es sind Ergebnisse von Erziehung, dem Zeitgeist, des Krieges oder einfach nur der Unfähigkeit sich von Verletzungen zu befreien, indem man sie laut ausspricht. Aber wie bringt Willi es so schön auf den Punkt: „Das waren ganz andere Zeiten damals, weißt du …“

Ein Roman, der 1933 beginnt und uns bis in die Gegenwart führt. Eine Geschichte von Verlust, Liebe, Verrat, Verdrängung und dem Wunsch durch einen Menschen, in der Geborgenheit eines Zuhauses anzukommen. Ein sehr bewegendes Buch, das trotz seiner schrecklichen Schicksale wunderschön ist.

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Film: The Investigation, Der Mord an Kim Wall, Sechsteiler

Es geht nicht darum, was sie wissen, es geht darum, was sie beweisen können. Es ist ein wahrer Mordfall, geschehen 2017 in Dänemark. Eine junge Reporterin verschwindet während einer Testfahrt mit einem U-Boot des Konstrukteurs Peter Madsen. Das U-Boot sinkt, Madsen wir von einem Boot gerettet, doch Kim Wall ist verschwunden. Liegt sie im U-Boot? Madsen verwickelt sich schnell in Widersprüche, doch es dauert mehr als zwei Wochen bis Kims Torso bei Amager angespült wird. Eigentlich gibt es keinen Zweifel, wer der Täter ist, doch es ihm zu beweisen, ist das Problem. Der zähe Prozess, diese Beweise zu finden, nicht nachzulassen und immer wieder jedes noch so kleine Indiz zu drehen und zu wenden, bis das Puzzle zusammenpasst, darum geht es in diesem Sechsteiler. Es ist ein leiser, unspektakulärer Film, der durch seine starken Schauspieler lebt. Fast könnte man es für eine Dokumentation halten. Denn es gibt keine Effekthascherei, noch nicht einmal der Angeklagte wird gezeigt. Nüchtern und erschreckend real, trifft der Film den Zuschauer mitten in den Kopf. Was an furchtbaren Bildern des Todes von Kim Wall nicht gezeigt wird, setzt sich als Kopfkino fort.

Starkes, sehenswert anderes und vor allem Nordisches Kino, wie man es von Wallander, Die Brücke und 100 Codes gewöhnt ist.  Weiterlesen

Horvath und die verschwundenen Schüler, Marc Hofmann

Dass Marc Hofmann Lehrer ist, merkt man sofort und man vermutet, er hat einen ausgezeichneten Humor, um mit seinem Beruf umzugehen. So begegnet auch Hofmanns Protagonist, Gregor Horvath, seines Zeichens ebenfalls Gymnasiallehrer, den Widrigkeiten, Hormonüberschüssen und der völligen kurzfristig, pubertätsbedingten Verblödung seiner Schüler der elften Klasse mit stoischer Ruhe. Selbst wenn bei einer Klassenfahrt zu einer abgelegenen Scharzwaldhütte gleich in der ersten Nacht ein Schüler spurlos verschwindet. Als sich jedoch ein dubioses Rockerpärchen bei ihnen einnistet und draußen im Wald dunkle Gestalten herumschleichen, wird es selbst dem coolen Pauker zu viel. Er informiert seine Freundin oder doch besser Ex-Freundin Betty von der Kripo Freiburg, die auch sofort erscheint. Nur in dem Moment ist eine weitere Schülerin verschwunden. Jetzt wird es haarig für Horvath und so einfach kommt er aus der Nummer nicht mehr raus.

Geistreich, schlagfertig und mitten aus dem Schulleben geschrieben, lacht man bei diesem Krimi so manches Mal laut auf. Zusätzlich ist der Lehrer-Krimi, der in den düsteren Höhen des Schwarzwalds spielt, spannend und richtig spritzig!

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Mein Lieblingstier heißt Winter, Ferdinand Schmalz

Der Titel stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis, hat es aber nicht in die weitere Auswahl der Shortlist geschafft. Auch ist er nominiert für den Österreichischen Buchpreis. Ferdinand Schmalz schreibt eigentlich Theaterstücke, mit denen er schon einige Preise gewonnen hat. Mit Mein Lieblingstier heißt Winter hat er aus einem Kurztext einen Roman gemacht. Das Buch ist hochgelobt bei der Laudatio zum Ingeborg Bachmann-Preis. Also muss etwas an dem Roman sein. Vielleicht lesen oder versuchen sie ihn zu lesen, wie ich es versucht habe. Denn über Geschmack lässt sich streiten und meine Ansicht ist nicht das Epizentrum der Literaturkritik.

Der Roman ist auf jeden Fall abgedreht. Eine recht typische österreichische Satire, aber so anders und neu, wie es 1976 die Fernsehserie „Kottan ermittelt“ mit Bravour hinbekommen hat. Eigentlich genieße ich solche Satiren, doch Mein Lieblingstier heißt Winter ist für mich unglaublich schwer zu lesen. Es fühlt sich an, wie ein Theaterstück. Ein Kurztext, welcher aus Versehen ein Roman wurde. Aber bitte urteilen Sie selbst. Mein Lieblingstier heißt Winter ist einer unserer Beiträge zur Buchmesse 2021.

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The Rules of Magic, Alison Hoffmann

Eigentlich ist der zweite Titel, Eine zauberhafte Familie, irreführend. Denn man erwartet ein hübsches, magisches Märchen über eine Familie im New York der 60er Jahre. Doch die Geschichte sprüht nicht vor Lebenslust und lustigen Begebenheiten, die durch Magie entstehen kann. Es ist eher die Geschichte eines uralten Fluchs und den Preis, den man als magische Person zahlen muss. So lernen die drei Geschwister Franny, Jet und Vincent auf sehr harte Art, was ihre Magie sie kostet. Denn die wichtigste alle Regeln ist: Verliebe dich nie, niemals! Doch wie einfach ist es die Liebe abzuwehren, vor allem wenn man ein romantischer junger Heranwachsender ist. Können die Geschwister ihrem Schicksal entgehen? Wenn, dann nur gemeinsam.

Es ist ein nettes, melancholisches Buch, das von Familien und Geschwisterliebe handelt. Von den Schritten, die auch nichtmagische Personen manchmal im Leben nehmen müssen, um unschuldige Menschen zu beschützen. Eine kleine feine Urlaubslektüre. Weiterlesen