Nichts als die Wahrheit, James Comey

Wenn sich jemand mit dem amerikanischen Rechtssystem auskennt, dann James Comey. Von der Pike bei der Staatsanwaltschaft New York musste er manchmal auf die harte Weise erfahren, dass es in diesem Beruf und allen Berufen, die dem Justizministerium unterstellt sind, nur um eines gehen sollte, um die Wahrheit! Und die Wahrheit ist keine Sache der Definition oder der politischen Ansicht, die eigentliche Wahrheit ergibt sich aus nachweisbaren oder widerlegbaren Tatsachen.

Autobiografisch erzählt Comey von seinen Fällen als Staatsanwalt und wie er dort gelernt hat, dass man als Rechtsvertreter des Volks nie einen Millimeter von der Wahrheit abrücken darf, selbst wenn man seinen eigenen Fall damit sabotiert. Weil er in diesem Sinne handelte, feuerte Präsident Trump 2017 Comey, der als Republikaner bereits 2013 unter Barak Obama FBI-Direktor war. Das Buch berichtete anschließend über die Zeit Präsident Trumps, seine stetiges Unterwandern der Wahrheit, das sukzessive entfernen von Menschen, die sich dem nicht beugen wollten und die Infragestellung der drei demokratischen Pfeiler der USA, der Legislative, der Exekutive und der Judikative. James Comey zieht direkte Linien zur Watergate-Affäre, dem damaligen Präsidenten Nixon sowie Edgar Hoover, der als längster FBI-Direktor seine Machtposition schamlos ausnutzte.In seinem letzten Kapitel spricht James Comey von der Chance des Wiederaufbaus, wie das auch mit dem Justizapparat nach der Nixons Korruption passierte. Er berichte wie der damals neue, unabhängige und keiner Partei anhängige Justizminister Edward Levi dafür sorgte, dass das amerikanische Volk wieder Vertrauen in die Justiz bekam, durch Transparenz und die unbedingte Wahrheit.

Genau wie Comeys erstes Buch „Größer als das Amt“, ist „Nichts als die Wahrheit“, hochinteressant, gut geschrieben und nimmt kein Blatt vor den Mund. Hier geht es nicht um eine Abrechnung mit Trump, hier geht es um die Wahrheit, die von diesem Präsidenten mit Füßen getreten wurde.

Fotocopyright: Rouse Photography Group LLC

James B. Comey, geboren 1960, arbeitete nach seinem Jurastudium bei der New Yorker Staatsanwaltschaft. 2003 stieg er zum stellvertretenden Justizminister auf, 2013 wechselte als Direktor zum FBI. 2017 feuerte Trump ihn, weil Comey nicht bereit war, die Russland-Ermittlungen gegen Trumps Mitarbeiter einzustellen. Er ist verheiratet und hat fünf Kinder, sein erstes Buch »Größer als das Amt« war ein weltweiter Bestseller.

 

Zitat:   „Als Präsident setzte Donald Trump beim Lügen neue Maßstäbe. Er log nicht nur häufiger und leugnete mehr Dinge als jede andere Führungsperson in unserer Geschichte, er und seine Anhänger taten zudem etwas hochgradig Gefährliches. Sie beschädigten unser Verständnis von Wahrheit: dass es sie gibt und dass man sie finden kann. … Wenn dies verloren geht, wenn das Modell Trump Einzug in unser Rechtssystem hält – Wahrheit ist, was ich als Wahrheit definiere -, dann ist es mit der Gerechtigkeit vorbei. Um Gerechtigkeit zu schützen, müssen Lügner zur Rechenschaft gezogen werden.“  Zitat Ende.

Es wurden viele gute, warnende Bücher über Trump geschrieben, doch darum geht es hier nicht. Es geht um die Wahrheit, und wie diese von den Mitarbeitern des Justizsystems gepflegt und gehegt werden muss, koste es, was es wolle. So sind besonders die autobiografischen Berichte von Comeys ersten Fällen als Staatsanwalt so wichtig. Dort musste er nämlich lernen, dass die Wahrheit nicht immer zugunsten der Staatsanwälte arbeitet, aber trotzdem zur Sprache und ans Licht gebracht werden muss. Selbst ein Schweigen untergräbt das Rechtssystem, wenn dadurch die Wahrheit im Dunkeln bleibt.

Ein beeindruckendes Buch, von einem Mann, der gewiss auch ein sehr gesundes Ego hat. Doch das darf James Comey auch haben, denn er vertrat immer das Recht für das amerikanische Volk, was ihm unter Trump die Karriere kostete. Eine Tatsache auf die, die vielen wegen Trump zurückgetretenen oder von ihm entlassenen Justizbeamten, Staatsanwälte, Richter und auch Justizminister mittlerweile sehr stolz sein können. Und damit hat James Comey nur den Bereich der Judikative durchleuchtet. In wie weit Trumps Wahrheitsproblem auch die Legislative und Exekutive vergiftete, war in den letzten Tagen seiner Präsidentschaft offen ersichtlich.

Erstaunlich unterhaltsam und spannend für ein autobiografisches Sachbuch über das amerikanische Rechtssystem.

Nichts als die Wahrheit, James Comey, Droemer Verlag, gebundene Ausgabe, Seiten 288, ISBN: 978-3-426-27855-0, Buch Euro 20,00, E-Book 16,99 Euro.

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