Things from the Flood, Simon Stålenhag, -Illustrierter Roman-

Dystopie: fiktionale, in der Zukunft spielende Erzählung oder Ähnliche mit negativem Ausgang. (Duden Definition)

Things from the Flood ist der Nachfolgeband von Tales of the Loop. Die fiktionalen Erlebnisse einer Kindheit auf den Mälarinseln in Schweden. In unmittelbarer Nähe des unterirdischen Teilchenbeschleunigers The Loop, der von der Firma Krafta geführt wurde und in einem Desaster endete. In Things from the Flood werden aus Sicht eines heranwachsenden Jungen die anschließenden Jahre nach Stilllegung des Teilchenbeschleunigers berichtet. Als der Loop plötzlich leckschlägt, die Wassermassen sich durch die unterirische Anlage ergießen und durch die Schächte zur Oberfläche drängen. Häuser stehen unter Wasser und mit dem Wasser kommt eine Krankheit, die Maschinenkrebs oder auch Virus genannt wird.Dabei erzählt Simon Stålenhag seine Dystopie aus dem fiktionalen 1990er Jahren, durch die Augen eines Teenagers mit einer erschreckenden Normalität.

Ein ganz irrer, faszinierend illustrierter Roman, den man mit dem Text und den Zeichnungen zusammenlesen muss. Die Illustrationen in dem Buch hauen einen einfach um. Sie sind erschreckend schön und von realer Künstlichkeit. Ein Buch, das man einfach besitzen möchte, um immer wieder darin zu blättern.

Autorenfoto: ® Fredrik Bernholm

Simon Stålenhag (geboren 1984) ist schwedischer Autor, Künstler und Musiker. Berühmt geworden ist er mit seinen hyperrealistischen Bildern, die oft eine retrofuturistische Variante der schwedischen Landschaft zeigen. Der »Guardian« zählte sein Buch »Tales from the Loop« (neben Kafkas »Der Prozess« und Atwoods »Der Report der Magd«) zu den zehn besten Dystopien.

 

Eine Landschaft die von Maschinenschrott, Wachrobotern, Luftschiffen und den Vagabunden, Roboter auf der Flucht vor dem russischen AI-Pogrom, dominiert wird. Eine Unzeit, die beängstigt, doch für den Jungen Simon Normalität ist, in der es eine Menge zu entdecken gibt. Denn der Roboterschrott steht überall noch rum. Manche funktionieren und arbeiten noch, sind gefährlich oder einfach nur existent. So wie die Vagabunden, die ein skurriler Haufen von Maschinen-Zweibeinern sind. Rein äußerlich erscheinen sie wie Terminatoren mit ihren menschlichen Stahl- und Kabelkonstruktionen. Doch ihrer Affinität zu weichen organischen Materialien, wie bunten Stoffen, Federn und Pelzen verändert ihre Erscheinung. Sie erinnern an Irokesen, die ihre Reservate verlassen haben und auf der Suche nach Freiheit sind. Zeichnerisch sind besonders die Vagabunden ein absoluter Leckerbissen. Einer von ihnen schmückt das Cover dieses fantastischen illustrierten Romans.

Die Leichtigkeit, mit der Simon seine Geschichte erzählt, steht im krassen Gegensatz zu den Illustrationen. Denn in dieser Unzeit gibt es Kinder, Abenteuer, Scheidungen, Politik, Freundschaften, schlagende Ehemänner und die erste Verliebtheit. Die ganz normale Jugend in einer Dystopie, in der man sich den wirklich wichtigen Dingen im Leben eines Teenagers zuwenden muss, nämlich, dass die Haare sitzen für die Party.

Ein Roman mit Illustrationen, die so nachwirken, dass selbst Juli Zeh, die Bestsellerautorin in ihrem neuen Buch Über Menschen, bei einer Beschreibung als Beispiel die Blechskulpturen von Tales of the Loop erwähnt.

Things from the Flood, Simon Stålenhag, Fischer Verlag, gebundener illustrierter Roman, Seiten 132, ISBN: 978-3-596-70485-9, Euro 34,00.

 

 

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